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	<title>Partizipation &#8211; Nonprofits-vernetzt.de</title>
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	<description>Partizipatives Stakeholder-Management &#38; Digitalisierung im Nonprofit-Sektor</description>
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		<title>Ethische Bewertung von Technologien (Teil 3) &#8211; der Ethics Canvas</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2020 16:26:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Im letzten Blogartikel habe ich die MEESTAR-Methode  zur ethischen Evaluation von Technologien von Karsten Weber (2019) vorgestellt. In dem Aufsatz von Weber (S. 431-444) wird auch der Ethics Canvas von Reijers/Lewis u.a. des ADAPT Centre/Dublin als Tool erwähnt. Der Ethics Canvas basiert auf dem bekannten Business Model Canvas. Der Ethics Canvas ermöglicht ein partizipatives und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im letzten Blogartikel habe ich die <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/ethische-bewertung-von-technologien-teil-2-die-meestar-methode/" target="_blank" rel="noopener">MEESTAR-Methode </a> zur ethischen Evaluation von Technologien von Karsten Weber (2019) vorgestellt. In dem <a href="https://dl.gi.de/handle/20.500.12116/25099" target="_blank" rel="noopener">Aufsatz von Weber</a> (S. 431-444) wird auch der Ethics Canvas von Reijers/Lewis u.a. des ADAPT Centre/Dublin als Tool erwähnt. Der Ethics Canvas basiert auf dem bekannten Business Model Canvas.</p>
<p>Der Ethics Canvas ermöglicht ein partizipatives und diskursives Brainstorming der ethischen Folgen von Technologien, die im Rahmen von Forschung und Innovation entstehen. Das nicht-kommerzielle Tool eignet sich speziell für Lehrende, Forschende, Unternehmen und politische Entscheidungsträger, &#8211; die Zivilgesellschaft wird hier nicht explizit aufgelistet. Man kann den Ethics Canvas ausdrucken und gemeinschaftlich ausfüllen oder online bearbeiten, speichern und teilen. Dafür haben die Entwickler des Canvas eine <a href="https://www.ethicscanvas.org/index.html" target="_blank" rel="noopener">Webseite</a> samt <a href="https://www.ethicscanvas.org/download/handbook.pdf" target="_blank" rel="noopener">Handbuch</a> erstellt.</p>
<p>Die zentralen Fragen , die der Ethics Canvas stellt, lauten:</p>
<ul>
<li>Welche Personen und Gruppen sind von der Technologie bzw. dem Produkt oder Service betroffen?</li>
<li>Von welchen möglichen ethischen Folgen sind diese Personen und Gruppen betroffen?</li>
<li>Wie kann man diese ethischen Probleme lösen?</li>
</ul>
<p>Berücksichtigt wird auch der problematische Ressourcenbedarf eines Produkts oder Dienstes (Energie, Daten usw.), als auch mögliche Produktfehler und -schwächen.</p>
<div id="attachment_1534" style="width: 582px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2020/03/ethics-canvas.jpg"><img aria-describedby="caption-attachment-1534" decoding="async" class="wp-image-1534" src="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2020/03/ethics-canvas-300x213.jpg" alt="" width="572" height="406" srcset="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2020/03/ethics-canvas-300x213.jpg 300w, http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2020/03/ethics-canvas-768x545.jpg 768w, http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2020/03/ethics-canvas-1024x726.jpg 1024w, http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2020/03/ethics-canvas.jpg 1189w" sizes="(max-width: 572px) 100vw, 572px" /></a><p id="caption-attachment-1534" class="wp-caption-text"><a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a> ADAPT Centre/Trinity College Dublin/DCU 2017</p></div>
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<p>Die Autoren des Ethics Canvas gehen davon aus, dass man ihn in rund 1,5 Stunden gemeinschaftlich ausfüllen kann. Der inhaltliche Aufbau des Canvas beruht auf wissenschaftlichen Ansätzen aus der Technikforschung und Philosophie. Wichtig ist den Autoren, dass Technik nicht deterministisch gedacht wird, sondern Menschen mit der Technik <em>interagieren </em>und sich diese aneignen. Deshalb wird im Ethics Canvas so viel Wert auf Verhalten und Beziehungen gelegt.</p>
<p>Im Unterschied zu <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/ethische-bewertung-von-technologien-teil-2-die-meestar-methode/" target="_blank" rel="noopener">MEESTAR</a> ist der Ethics Canvas ein allgemeineres Brainstorming- und Analyse-Tool, das sich nicht mit der konkreten Risikoabschätzung von Technologien befasst. Wie MEESTAR beruht der Ethics Canvas auf dem gemeinsamen Austausch der Stakeholder. Unterschiedliche Perspektiven und Interessen werden sichtbar. Aber auch hier gibt es  &#8211; wie bei MEESTAR &#8211; keine Lösung für Wert- und Interessenkonflikte, &#8211; außer Kompromisse, die in der Diskussion gefunden werden müssen und bei denen sich Machtverhältnisse negativ auswirken können.</p>
<p>Was ich beim Ethics Canvas vermisse, ist die <em>Raum</em>kategorie bzw. die Frage, wie sich eine Technologie auf die Raumbildung  und -gestaltung auswirkt, &#8211; ein ganz wichtiges Thema im Hinblick auf Sozialräume bzw. die Smart City-Diskussion.</p>
<p>Was MEESTAR und Ethics Canvas beide nicht bieten, sind Alternativen zu den behandelten Technologien. Man hat nur die Möglichkeit, sich mit einem bestimmten technischen Produkt zu befassen und keine Chance,  über die Sinnhaftigkeit des gesamten Projekts und dessen Annahmen und Ziele zu sprechen. Dieses Denken in Alternativen wird dagegen von Szenario-Methoden gefördert. Hier können Teilnehmer*innen die Frage diskutieren, welche Zukunft und welche Technologien sie sich aus normativer Perspektive wünschen. Mehr zu Szenario-Methoden im nächsten Blog-Artikel.</p>
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		<title>Ethische Bewertung von Technologien (Teil 2) &#8211; die MEESTAR-Methode</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2020 18:38:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Benutzerfreundlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Co-Design]]></category>
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					<description><![CDATA[Im letzten Blogartikel habe ich den Aufsatz von Reijers u.a. (2018) vorgestellt. Die Autoren besprechen 35 Methoden, mit denen ein ethisches Assessment von Technologien durchgeführt werden kann. An den Methoden kritisieren die  Autoren, dass sie zu wenig partizipativ seien. Unter den Verfassern des oben verlinkten Aufsatzes ist auch Karsten Weber, der 2019 auf der Jahrestagung [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im letzten <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/ethische-bewertung-von-technologien-welche-methoden-gibt-es-teil-i/" target="_blank" rel="noopener">Blogartikel</a> habe ich den <a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s11948-017-9961-8" target="_blank" rel="noopener">Aufsatz von Reijers u.a. (2018)</a> vorgestellt. Die Autoren besprechen 35 Methoden, mit denen ein ethisches Assessment von Technologien durchgeführt werden kann. An den Methoden kritisieren die  Autoren, dass sie zu wenig partizipativ seien.</p>
<p>Unter den Verfassern des oben verlinkten Aufsatzes ist auch Karsten Weber, der 2019 auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik praxisorientierte &#8220;Methoden der  ethischen Evaluation von IT&#8221; vorstellte. In seinem Papier im <a href="https://dl.gi.de/handle/20.500.12116/25099" target="_blank" rel="noopener">Tagungsband</a> der INFORMATIK 2019, S. 431-444, stellt er u.a. die MEESTAR-Methode als ein &#8220;Modell zur ethischen Evaluation sozio-technischer Arrangements&#8221; vor. Die Methode, an deren Entwicklung er mitwirkte, ermöglicht ein partizipatives und diskursethisches Evaluations-Verfahren. Stakeholder, die eine Technik entwickeln, einsetzen und nutzen treten mit ihren ganz unterschiedlichen Interessen und Perspektiven in einen inhaltlichen Austausch untereinander.  Die Vielfalt der Perspektiven ist gewollt. Sie ist eine Bereicherung, weil sie alle möglichen Probleme und Aspekte  eines Technikeinsatzes auf die Agenda bringt.</p>
<p>Ziel des Verfahrens ist eine Kompromissfindung unter den Stakeholdern. Die Ergebnisse aus dem Verfahren sollen dann in die Forschung und Entwicklung zurückfliessen, &#8211; im Idealfall nicht erst am Ende, sondern schon während der Technikentwicklung. MEESTAR kann und soll mehrmals während eines Technikprojektes eingesetzt werden (&#8220;iterativ&#8221;), und kann übrigens auch in <em>technikfernen</em> Situationen, in denen moralische Konflikte vorliegen, sehr gute Dienste leisten.</p>
<p>MEESTAR wurde als Instrument der angewandten Ethik für konkrete Technikeinsätze in der Praxis entwickelt, nicht zur allgemeinen Reflexion moralischer Aspekte von Technologien. Entstanden ist die Evaluations-Methode im Rahmen eines Technikprojektes in der Pflege. Sie wird zwischenzeitlich öfters bei öffentlichen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben eingesetzt.</p>
<p>MEESTAR funktioniert wie folgt:</p>
<p>Für die Bewertung der Technik braucht man<strong> moralische Dimensionen</strong> wie: Selbstbestimmung, Sicherheit, Gerechtigkeit, Privatheit usw.  Diese Dimensionen sind nicht fest vorgegeben. Man erhält sie durch</p>
<ol>
<li>eine Literaturrecherche in Bezug auf die konkrete Technologie und ihre möglichen Folgen</li>
<li>Action Sheets: hier setzen sich die Beteiligten mit den Anwendungsszenarien der einzusetzenden Technik im Detail auseinander. Welche Gefahren und Probleme könnten auftreten? Alternativ kann auch ein <a href="https://www.ethicscanvas.org/index.html" target="_blank" rel="noopener">Ethics Canvas</a> genutzt werden. Dazu mehr im nächsten Blogartikel.</li>
</ol>
<p>Betrachtet werden die moralischen Dimensionen aus <strong>drei Perspektiven</strong>: der individuellen, organisationalen und gesellschaftlichen. Je nach Perspektive werden manche moralische Dimensionen  ganz unterschiedlich bewertet. Weber führt das Beispiel der &#8220;Privatheit&#8221; an: während Nutzer darunter z.B. eine Wohnung ohne Beobachtungstechnologie verstehen, können kommerzielle Dienstleister Privatheit mit Sensoren in Smart Homes in Einklang bringen, sofern deren Einsatz den Vorgaben der DSGVO entspricht. Hier muss man einen Kompromiss unter den Beteiligten finden.</p>
<p>Zur ethischen Risikoabschätzung dienen dann die folgenden <strong>vier Stufen</strong> (siehe Weber 2019, S. 434):</p>
<ul>
<li>Stufe 1: Anwendung ist aus ethischer Sicht völlig unbedenklich</li>
<li>Stufe 2: Anwendung weist ethische Sensibilität auf</li>
<li>Stufe 3: Anwendung ist ethisch äußerst sensibel</li>
<li>Stufe 4: Anwendung ist aus ethischer Sicht abzulehnen</li>
</ul>
<p>Wobei es auch hier um Kompromissfindung geht, denn bei einer Anwendung können Werte wie Selbstbestimmung und Privatheit berücksichtigt, aber Gerechtigkeit und Teilhabe verletzt sein. Man muss &#8211; um Stufe 1 zu erreichen &#8211; dann bei den beiden letzten Punkten nachbessern. Wenn das nicht möglich ist, dann wird auch eine Anwendung nicht klar in eine Stufe eingeordnet werden können, sondern in sich Wertekonflikte bzw. &#8211; kompromisse tragen, &#8211; so zumindest mein Eindruck.</p>
<p>Laut Weber ist ein partizipatives ethisches Evaluationsverfahren von Technik wichtig, nicht nur aus Gründen der Ethik selbst, sondern um eine hohe Gebrauchstauglichkeit bzw. usability von Technologien zu erzielen. Ihm zufolge ist aber die Bereitschaft, möglichst viele und vielfältige Stakeholder in ethische Bewertungsprozesse einzubeziehen in der Praxis &#8220;oftmals nicht gegeben&#8221; (Weber 2019, 442).</p>
<p>Sozialorganisationen, die zunehmend in ihrem Alltag mit Technik konfrontiert sind und diese im Umgang mit ihren Klienten anwenden, sollten unbedingt ein ethisches Assessment von Technologien vornehmen, um die richtige Auswahl an Tools treffen zu können. Gerade wo Anwendungen in Auftrag gegeben oder eingekauft werden, hat man die Wahl oder muss sich eine Wahlsituation schaffen. Ethische Aspekte sollten in Ausschreibungen ihren Platz finden. Einrichtungen und ihre Verbände brauchen ethische Leitlinien für den Umgang mit Technik, Daten und Algorithmen.</p>
<p>Wer noch weitere Informationen zu MEESTAR sucht, wird bei der <a href="https://www.feag-elkb.de/arbeitsfelder/forschung" target="_blank" rel="noopener">Fachstelle für Ethik und Anthropologie im Gesundheitswesen</a> fündig.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Folgen der Digitalisierung für die Koproduktion im Sozialsektor</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/folgen-der-digitalisierung-fuer-die-koproduktion-im-sozialsektor/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jun 2018 10:02:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Koproduktion]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Dienste]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialeinrichtung]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Teilhabe]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialsektor]]></category>
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					<description><![CDATA[Veiko Lember analysiert in seinem aktuellen Aufsatz: „The Increasing Role of Digital Technologies in Co-production“(2018), wie die Digitalisierung die Zusammenarbeit von Bürgern und Institutionen verändert. Er konzentriert sich dabei auf den Bereich der öffentlichen Dienstleistungen. In diesem Blogbeitrag sollen seine Erkenntnisse auf die Sozialwirtschaft übertragen werden, wo Koproduktion eine ganz zentrale Rolle spielt: Ohne die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Veiko Lember analysiert in seinem aktuellen Aufsatz: <a href="http://technologygovernance.eu/files/main//2017090403424444.pdf" target="_blank" rel="noopener">„The Increasing Role of Digital Technologies in Co-production“(2018)</a>, wie die Digitalisierung die Zusammenarbeit von Bürgern und Institutionen verändert. Er konzentriert sich dabei auf den Bereich der öffentlichen Dienstleistungen.</p>
<p>In diesem Blogbeitrag sollen seine Erkenntnisse auf die Sozialwirtschaft übertragen werden, wo Koproduktion eine ganz zentrale Rolle spielt: Ohne die aktive Beteiligung von Klienten bzw. Nutzern sozialer Dienste können letztere nicht wirklich erfolgreich erbracht werden. Über die Koproduktion im Sozialbereich sind hier im Blog schon einige Artikel veröffentlicht worden, &#8211; wer sich näher informieren möchte recherchiert einfach unter dem Schlagwort <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/tag/koproduktion/" target="_blank" rel="noopener">„Koproduktion“</a>.</p>
<p>Veiko Lember geht in seinem Aufsatz davon aus, dass durch die zunehmende Digitalisierung unserer Lebenswelt die etablierten Koproduktionsverfahren im Bereich öffentlicher Dienstleistungen a) <em>ergänzt</em> b) <em>ersetzt</em> oder c) <em>verändert</em> werden. Im Sozialbereich ist also mit folgendem zu rechnen:</p>
<ol>
<li><em>Ergänzung der Koproduktion:</em><br />
Die Digitalisierung hilft sozialen Organisationen dabei, sich mit ihren Nutzern besser zu koordinieren und mehr Informationen bereit zu stellen (Lember 2018, 4). Über Apps wird Hilfe und Beratung geleistet, Bildtelefonie, Videos, Chaträume, Online-Lernprogramme und Online-Coaching helfen Nutzern dabei, ihre Probleme gemeinsam mit der sozialen Profession zu lösen. Nutzer/innen bringen in diese Prozesse ihr eigenes Wissen und auch ihre Daten ein (Gesundheitsdaten, Fitnessdaten, Klienten-Aufzeichnungen usw.). Die Nutzerdaten ergänzen hier die Koproduktion und ersetzen sie nicht wie im Fall einer Automatisierung, die im folgenden Punkt behandelt wird.</li>
<li><em>Ersetzung der Koproduktion:</em><br />
Wenn Klientendaten automatisiert erhoben und ausgewertet werden, wenn dadurch automatisch Dienstleistungsprozesse starten und das Verhalten oder die gesundheitliche Situation von Klienten nicht nur für den Moment analysiert, sondern auch vorausgesagt werden, dann wird die handlungsorientierte und gemeinschaftliche Koproduktion ersetzt durch Technologien (Lember 2018, 6). Dies ist heute schon der Fall im Bereich der Psychiatrie, wo Klienten mit Sensoren und Kameras überwacht werden und auch in der Pflege, wo Sensoren, Smart-Home-Technik, Telemonitoring und Telecare Klienten überwachen und Hilfseinsätze automatisiert ausgelöst werden. Algorithmen helfen bei der Auswertung von Klientendaten und ermöglichen das Vorhersehen von Krisensituationen. In diesem Setting spielt der Nutzer eine komplett <em>passive</em> Rolle .Die Koproduktion kann jedoch auch ersetzt werden durch eine <em>aktive</em> Rolle des Nutzers (Lember 2018, 7). Immer mehr Bürgerinnen und Bürger verabschieden sich von öffentlichen oder gemeinnützigen Dienstleistern und entscheiden sich für die Selbstorganisation. Gemeinsam mit anderen gründen sie Pflege-WGs, Kindertagesstätten, gemeinschaftliches Wohnen für Menschen mit Behinderungen, Hilfsdienste und Nachbarschaftsinitiativen. Die digitalen Technologien und Plattformen helfen Bürgern bei der Selbstorganisation und ersetzen so die traditionellen Koproduktionsprozesse.</li>
<li><em>Veränderung der Koproduktion:</em><br />
Laut Lember (2018, 4) entstehen durch die digitalen Technologien ganz neue Settings in der Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Organisationen. Dazu zählen u.a.  das crowdsourcing (Bürgerwissen oder Spenden werden für soziale Organisationen über digitale Plattformen gesammelt), Hackathons (Bürger entwickeln für die Sozialwirtschaft neue digitale Tools) und gamification (über Online-Spiele und Wettbewerbe mit Rankings wird das Nutzerverhalten beeinflusst).</li>
</ol>
<p>Lember kritisiert, dass die im Koproduktionsprozess eingesetzten Technologien zumeist nicht von Bürgern, sondern den Organisationen ausgewählt werden &#8211; auch im Sozialbereich. Es sind damit die Organisationen, die bestimmen, was? wie? erhoben und angeboten wird. Die eingesetzten Technologien sind zumeist im Besitz von privaten Unternehmen. Hier sammeln sich Macht und Intransparenz.</p>
<p>Viele der digitalen Angebote gehen am Bedarf der Nutzer/innen vorbei, weil diese kein Mitspracherecht haben und auch soziale Organisationen können ihr Wissen gegenüber den Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, die viele der digitalen Angebote entwickeln, zumeist nicht durchsetzen. Dies zeigt sich deutlich in der Pflege, siehe die Studie <a href="https://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/projekte/BMG_ePflege_Abschlussbericht_final.pdf" target="_blank" rel="noopener">ePflege</a> aus dem Jahr 2017. Auch die Exklusion von Nutzern spricht Veiko Lember an (2018, 9), &#8211; Menschen, die Schwierigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien haben und an der digitalen Koproduktion deshalb nicht mitwirken können.</p>
<p>Soll die Koproduktion mit Hilfe digitaler Technologien auf Akzeptanz stoßen, müssen die Nutzer/innen <em>Mitsprachemöglichkeiten</em> haben, wenn es um die Auswahl und Ausgestaltung der Technologien geht. Dass im Alltag sehr häufig top down-Technologien eingesetzt werden, zeigt auch der <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/smart-city-smarte-partizipation/" target="_blank" rel="noopener">letzte Blogbeitrag</a> über Cardullo/Kitchins Studie zum Thema Partizipation in der Smart City (2017).</p>
<p><em>Digitale Teilhabe</em> muss auch in der Sozialwirtschaft ein wichtiges Thema werden. Bastian Pelka schildert in seinem Aufsatz für den Sammelband von <a href="http://nomos-shop.de/Kreidenweis-Digitaler-Wandel-Sozialwirtschaft/productview.aspx?product=30116" target="_blank" rel="noopener">Kreidenweis (2018): &#8220;Digitaler Wandel in der Sozialwirtschaft&#8221;</a> einige Partizipationsprojekte (<a href="http://piksl.net/" target="_blank" rel="noopener">PIKSL</a>, MakerSpaces, FabLabs). Aber die digitale Teilhabe muss auch im Verhältnis Sozialorganisation und Nutzer/innen etabliert werden, nicht nur im Hinblick auf die Stellung des einzelnen in der digitalen Gesellschaft.</p>
<p><strong>Literatur:</strong><br />
Lember, Veiko (2018): The role of new technologies in co-production, in: Brandsen, T./Steen, T. /Verschuere, B. (Hrsg): Co-production and co-creation: engaging citizens in public service delivery. Routledge, im Erscheinen.</p>
<p>Pelka, Bastian (2018): Digitale Teilhabe: Aufgaben der Verbände und Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, in: Kreidenweis, Helmut (Hrsg): Digitaler Wandel in der Sozialwirtschaft, Baden-Baden: Nomos</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Smart City &#8211; Smarte Partizipation?</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/smart-city-smarte-partizipation/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 May 2018 08:53:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Quartier]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Smart City]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer mehr Städte wollen sich zu einer &#8220;Smart City&#8221; weiterentwickeln, in der die städtische Infrastruktur, Einrichtungen und Dienste, Dinge und Menschen mit IuK-Technologien ausgerüstet und untereinander vernetzt sind. Ziel ist eine intelligente und nachhaltige Steuerung der Versorgungsströme in der Stadt: Energie, Wasser, Transport, die Versorgung der Bürger in den Quartieren, &#8211; alles soll so ressourcenschonend [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Immer mehr Städte wollen sich zu einer &#8220;Smart City&#8221; weiterentwickeln, in der die städtische Infrastruktur, Einrichtungen und Dienste, Dinge und Menschen mit IuK-Technologien ausgerüstet und untereinander vernetzt sind. Ziel ist eine intelligente und nachhaltige Steuerung der Versorgungsströme in der Stadt: Energie, Wasser, Transport, die Versorgung der Bürger in den Quartieren, &#8211; alles soll so ressourcenschonend wie möglich und optimal aufeinander abgestimmt erfolgen. Durch die Weiterentwicklung zu einer Smart City wollen sich die Kommunen auch im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf der Städte untereinander behaupten.</p>
<p>Smart City-Konzepte beziehen diverse Dimensionen einer Stadt in die Digitalisierung ein. Sie zielen auf: Smart Governance, Smart Citizens, Smart Education, Smart Living, Smart Mobility, Smart Environment und Smart Economy (Meier/Zimmermann, 2016).  Initiiert wurden Smart City-Konzepte von IT-Unternehmen, Universitäten, Regional- und Kommunalverwaltungen und der Politik. Die Entwicklung hin zu einer Smart City gilt als rational, wirtschaftlich und als gut für die Bevölkerung. Es handelt sich um Konzepte, die den Fokus auf Technologien legen und damit eher entpolitisiert sind. Zumeist sind sie deterministisch angelegt, d.h. ihnen zufolge wird die Smarte Stadt kommen, &#8211; sie ist sozusagen &#8220;unausweichlich&#8221; ( <a href="http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0042098017747857" target="_blank" rel="noopener">Valdez/Cook/Potter 2018</a>). Als  &#8220;Top Performer&#8221; unter den europäischen Städten gelten Amsterdam, Barcelona, Kopenhagen, Helsinki, Manchester und Wien.</p>
<p>Smart City-Konzepte haben massive Auswirkungen auf die lokale Zivilgesellschaft. Deren Rolle wird wie folgt beschrieben: &#8220;Die Smart City bringt eine besondere Form der Zivilgesellschaft hervor: Bürgerinnen und Bürger sind sozial vernetzt und überzeugt, dass sie ihr Leben durch technische Innovationen besser gestalten können&#8221;(Meier/Zimmermann 2016, 5). Während zu Beginn der Smart City-Debatte Bürgerinnen und Bürger keine besondere Rolle spielten, wird zwischenzeitlich großen Wert auf die Partizipation der Bürgerschaft gelegt, auf deren Mitwirkung an der Co-Creation und Coproduction von Smart City-Produkten und -Diensten.</p>
<p>Wie sehen Partizipations-Projekte in der  Smart City aus? Wie sehr können Bürgerinnen und Bürger teilhaben? Hierzu gibt es nur sehr wenig Literatur. Eine inspirierende Analyse liefern <a href="https://osf.io/preprints/socarxiv/v24jn" target="_blank" rel="noopener">Cardullo/Kitchin (2017): &#8221; Being a &#8216;citizen&#8217; in the smart city: Up and down the scaffold of smart citizen participation&#8221;</a>. Die Studie untersucht anhand von Smart City-Initiativen in Dublin, wie die lokale Bürgerschaft einbezogen wird.</p>
<p>Die Autoren benutzen als Analyse-Instrument die &#8220;ladder of citizen participation in planning&#8221; von Arnstein (1969), die auf den drei Stufen</p>
<ul>
<li>Nicht-Partizipation</li>
<li>Schein-Beteiligung</li>
<li>echte Partizipation mit Bürgermacht und -kontrolle</li>
</ul>
<p>basiert. Cardullo/Kitchin erweitern dieses Raster jedoch erheblich: sie fügen eine neue Stufe ein (&#8220;Consumerism&#8221;), bestimmen mögliche Rollen eines Bürgers in der Smart City (Datenpunkt, Nutzer, Produkt, Konsument, Bewohner,  Vorschlagender, Co-Creator usw.). Sie listen auf, wie Bürger eingebunden werden können (als Feedbackgeber, als Konsument oder nur als Subjekt, das gesteuert und kontrolliert wird). Die Autoren beschreiben den politischen Rahmen von Smart City-Diskursen und deren Richtung (top down oder bottom up), wie bspw: Paternalismus, Neoliberalismus, Bürgerschaftliches Engagement, Deliberative Demokratie usw. Und schließlich ordnen sie den unterschiedlichen Stufen rund 20 praktische Smart City-Initiativen in Dublin zu.</p>
<p>Das Fazit von Cardullo und Kitchin: es dominieren in der Praxis top down-Beteiligungsverfahren, bei denen die Rolle des Bürgers die eines Konsumenten ist, der aus unterschiedlichen smarten Angeboten auswählt oder in einem smarten Haus / Viertel lebt. Ferner sind Bürger selbst &#8220;Produkte&#8221;, indem sie durch die Nutzung smarter Angebote Daten generieren, bewusst oder unbewusst bzw. automatisiert. Es gibt den Autoren zufolge nur wenig Beispiele, wo Bürger auf Augenhöhe mit den Smart City-Verantwortlichen agieren oder wo Bürger selbst Initiativen zum Thema gründen.</p>
<p>Generell verfolgen Beteiligungsprojekte in der Smart City eher instrumentelle Ziele (Feedback zu bestimmten Plänen einholen, Programmierung einer App usw.).<br />
Es fehlt ein begleitender Diskurs zum Thema Bürgerrechte und über Alternativen zur Smart City.</p>
<p>Literatur, wenn nicht verlinkt:</p>
<p>Meier/Zimmermann (2016): Digitales Entwicklungsmodell smarter Städte, in: Meier/Portmann (Hrsg.): Smart City, Wiesbaden: Springer.</p>
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		<title>Soziale Innovationen in Nonprofits und die Rolle der Freiwilligen</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/soziale-innovationen-in-nonprofits-und-die-rolle-der-freiwilligen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Nov 2017 10:18:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
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		<category><![CDATA[soziale Dienste]]></category>
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		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlfahrtsverbände]]></category>
		<category><![CDATA[Freiwillige]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Über soziale Innovationen wird derzeit in Blogs, die sich mit der Sozialwirtschaft befassen, viel diskutiert. Hannes Jähnert berichtet über soziale Innovationen und Digitalisierung beim Deutschen Roten Kreuz, über das DRK-Innovationslabor und denkt über Modelle sozialer Innovation nach. Hendrik Epe fragt, ob soziale Organisationen besondere Innovationsorte brauchen und auch Sabine Depew vom Caritasverband des Bistums Essen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über soziale Innovationen wird derzeit in Blogs, die sich mit der Sozialwirtschaft befassen, viel diskutiert. Hannes Jähnert berichtet über <a href="http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2017/03/04/soziale-innovation-digitalisierung-beim-deutschen-roten-kreuz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">soziale Innovationen und Digitalisierung beim Deutschen Roten Kreuz</a>, über das <a href="http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2017/10/22/barcamp-pecha-kucha-und-noch-viel-mehr-neue-formate-im-deutschen-roten-kreuz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DRK-Innovationslabor</a> und denkt über <a href="http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2017/11/01/soziale-innovation-und-die-rolle-der-produktiven-avantgarde/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Modelle sozialer Innovation</a> nach. Hendrik Epe fragt, ob soziale Organisationen besondere <a href="https://ideequadrat.org/innovation_labs_sozialwirtschaft/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Innovationsorte </a>brauchen und auch Sabine Depew vom Caritasverband des Bistums Essen bloggt über die Idee eines <a href="https://zeitzuteilen.blog/2017/07/25/zwischen-vision-und-wirklichkeit-innovationslabore/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">InnovationsLabors</a>.</p>
<p>&#8220;Soziale Innovationen&#8221; &#8211; was versteht man darunter? Man bezeichnet damit neue Lösungen für gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen, wobei die Innovationen auf Produkte und Dienste, Prozesse oder Strukturen zielen können.</p>
<p>In den obigen Beiträgen, aber auch anderswo und selbst in der Forschung, konzentriert sich das Nachdenken über soziale Innovationen zumeist auf die Nonprofit-Organisation und ihre Beschäftigten. Zu wenig diskutiert wird die Frage, welche Rolle die <em>freiwillig Engagierten</em> für Innovationsprozesse im Dritten Sektor spielen, obwohl die &#8220;Freiwilligenarbeit als <em>das</em> konstitutive Wesensmerkmal der sozialen Dienste&#8221; angesehen wird (Nock/Krlev/Mildenberger 2013, 35). Gerade vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wo sind die Konzepte zum Thema &#8220;soziale Innovationen in der Sozialwirtschaft&#8221;, die den Potenzialen der Freiwilligen in Nonprofit-Organisationen Rechnung tragen?</p>
<p>Schon 2013 untersuchte eine Studie des <a href="https://www.csi.uni-heidelberg.de/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CSI </a>der Universität Heidelberg<a href="https://www.csi.uni-heidelberg.de/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> </a> <a href="http://www.bagfw.de/uploads/media/2013_12_17_Soziale_Innovationen_Spitzenverbaenden_FWp.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Soziale Innovationen in den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege&#8221;</a>, aus der das obige Zitat stammt.  Im Auftrag  der <a href="http://www.bagfw.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege</a> wurde in Experteninterviews auch nach der Rolle des Ehrenamts bei sozialen Innovationen in den Wohlfahrtsverbänden gefragt. Die Antworten waren zwiespältig: einige sahen im Bereich der Freiwilligen keine Innovationspotenziale, da diese vor allem im Kontext &#8220;einfacher, operativer Aufgaben&#8221; eingesetzt würden (Nock/Krlev/Mildenberger 2013, 35). Andere erkannten bei Freiwilligen die Fähigkeit, neuartige Impulse einzubringen, aber nur dann, wenn man ihnen auch Gestaltungsmöglichkeiten gibt und sie nicht , wie es noch oft geschieht, als &#8220;preiswerte Dienstleistungsunterstützung&#8221; einsetzt (ebd., 36). Von den Interviewten wurde vorgebracht, dass Freiwillige zwar gute Ideen haben können, ihnen aber die Expertise zu deren Umsetzung fehlt, so dass bei der Entwicklung und Implementation der sozialen Innovation das professionelle Know-how notwendig wird (ebd., 53).</p>
<p>Insgesamt ist das Thema, welche Rolle Freiwillige für soziale Innovationen in der Sozialwirtschaft spielen, in der Forschung viel zu wenig präsent. Ein aktueller Aufsatz vom Oktober will hier Licht ins Dunkel bringen: <a href="http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0899764017734651" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Beyond Service Production: Volunteering for Social Innovation&#8221;</a> (open access) von de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers (2017). Der Aufsatz geht aus einem von der EU geförderten Forschungsprojekt hervor (&#8220;<a href="http://itssoin.eu" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ITSSOIN</a>&#8220;) , das den Impact des Dritten Sektors im Bereich sozialer Innovationen untersucht und zwar in neun Ländern. Interessierte am Thema finden in der <a href="http://itssoin.eu/publications" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Publikationsliste des Projekts</a> viel Material.</p>
<p>Die Forschungsfrage, die sich de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers (2017) stellten und im Rahmen von 26 Interviews mit Freiwilligenmanagern und Freiwilligen aus Nonprofit-Organisationen in acht europäischen Ländern untersuchten, lautete:  Welche Faktoren in Nonprofit-Organisationen fördern und welche behindern den Beitrag Freiwilliger an sozialen Innovationen?</p>
<p>Durch ihre operative Arbeit, durch ihre persönlichen Netzwerke und Kontakte zu den Zielgruppen und in das Gemeinwesen hinein, bekommen Freiwillige viel Feedback von der Basis, oft mehr als die professionellen Mitarbeiter/innen selbst.  Als &#8220;Augen und Ohren&#8221; der Organisation, wie die Wissenschaftler die Rolle der Freiwilligen bezeichnen, bringen sie Verbesserungsvorschläge ein. Ihre Kreativität wird gefördert, wenn sie Handlungsspielräume besitzen, d.h. wenn Organisationen nicht zentralisiert und hierarchisch sind.  Wichtig sei ein &#8220;sense of ownership&#8221; seitens der Freiwilligen (de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers 2017, 10), d.h. sie müssen sich mit der Organisation identifizieren und das Gefühl haben, dass man ihre  Beiträge wertschätzt. Eine innerverbandliche Plattform kann Innovationen dann sammeln und weiterverbreiten, um den Transfer ehrenamtlich initiierter Projekte zu ermöglichen.</p>
<p>Eingeschränkt wird den Wissenschaftlern zufolge das Innovationspotenzial von Freiwilligen u.a. wenn</p>
<p>a) die Profession Vorschläge ablehnt, weil sie nicht zum Profil der Organisation passen. Eine Lösung könnte hier sein, ein Projekt zwar nicht hausintern zu implementieren, aber als Ausgründung zu unterstützen (&#8220;supported by&#8230;&#8221;)(de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers 2017, 12). Die Förderung von Ausgründungen scheint aber bei den hiesigen Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege keine strategische Option zu sein, wie die oben erwähnte CSI-Studie zeigt (Nock/Krlev/Mildenberger 2013, 55). Eine Haltung, über die man m. E. verbandsintern nochmals nachdenken müsste.  Geförderte Ausgründungen wären eine Form der Förderung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten, die viele Wohlfahrtsverbände für sich als Ziel definiert haben.</p>
<p>b) keine Ressourcen (Räume, Budgets, Materialien) für die Ideen von Freiwilligen bereitgestellt werden. Hier wird das Machtungleichgewicht zwischen Freiwilligen und Professionellen deutlich spürbar, &#8211; letztere kontrollieren die Ressourcen der Nonprofit-Organisation.  Da jedoch auch die Profession sehr häufig von den Ideen Freiwilliger profitiert, d.h. sie diese aufgreift und weiterentwickelt (siehe de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers 2017, 15), müsste man hier m. E.  stärker nach Win-Win-Modellen suchen, die beide Seiten Nutzen bringen.</p>
<p>Um dem Innovationspotenzial Freiwilliger Rechnung zu tragen, dürften einige Aufgaben auf das Freiwilligenmanagement in Nonprofit-Organisationen zukommen, &#8211; aber nicht nur auf das Freiwilligenmanagement, denn das Thema &#8220;soziale Innovation&#8221; betrifft alle Bereiche und Stakeholder in der Sozialwirtschaft und muss mit anderen Themen (wie Digitalisierung, Diversity, demographischer Wandel, interorganisationale Netzwerke, Partizipation usw.) systematisch verknüpft werden.</p>
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		<title>Qualitätskriterien für &#8220;gutes Engagement&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Aug 2017 14:20:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Ziele]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerengagement]]></category>
		<category><![CDATA[Förderung]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Arbeitskreis &#8220;Bürgergesellschaft und Demokratie&#8221;  der Friedrich-Ebert-Stiftung hat im Juni 2017 unter dem Titel &#8220;Gutes Engagement&#8221; ein Impulspapier vorgelegt, das die Qualitätsmerkmale &#8220;guten Bürgerengagements&#8221; für eine  demokratische Zivilgesellschaft definiert. Dahinter steht die Erkenntnis, dass nicht &#8220;jede freiwillige Tätigkeit (&#8230;) die Zivilgesellschaft, den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie &#8221; stärkt, sondern es auch unziviles, antidemokratisches Bürgerengagement [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Arbeitskreis <a href="http://www.fes.de/buergergesellschaft/index.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Bürgergesellschaft und Demokratie&#8221;</a>  der Friedrich-Ebert-Stiftung hat im Juni 2017 unter dem Titel &#8220;Gutes Engagement&#8221; ein <a href="http://www.fes.de/cgi-bin/gbv.cgi?id=13496&amp;ty=pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Impulspapier </a>vorgelegt, das die Qualitätsmerkmale &#8220;guten Bürgerengagements&#8221; für eine  demokratische Zivilgesellschaft definiert. Dahinter steht die Erkenntnis, dass nicht &#8220;jede freiwillige Tätigkeit (&#8230;) die Zivilgesellschaft, den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie &#8221; stärkt, sondern es auch unziviles, antidemokratisches Bürgerengagement gibt: &#8220;Fremdenfeindliche und rechtspopulistische Mobilisierungen „besorgter Bürger_innen“ zwingen zur demokratisch-normativen Positionsbestimmung. Wir halten es für unabdingbar, zwischen gutem, zivilem, demokratischem Engagement auf der einen Seite und unzivilem, antidemokratischem Engagement auf der anderen, der dunklen Seite der Zivilgesellschaft, zu unterscheiden.&#8221; (Impulspapier, S. 4).  Und diese Unterscheidung sollte den Autoren des Papiers zufolge berücksichtigt werden, wenn es darum geht, Engagement zu fördern oder nicht zu fördern.</p>
<p>Der Staat und gemeinnützige Organisationen sollten also steuernd eingreifen und nicht jedes Engagement unterstützen, sondern nur das &#8220;gute&#8221;, das die Demokratie stärkt. Wobei es hier &#8220;nicht um einen Tugendkatalog oder gar um Vorschriften für Engagierte&#8221; gehen soll (S. 5),  d.h. die Pluralität des Engagements wird nicht angetastet, sondern es geht eher um das Recht der fördernden Institutionen, festzulegen &#8220;Welches Engagement wollen wir?&#8221; , &#8220;Was ist gutes Engagement?&#8221;. Das Impulspapier will die Komponenten des &#8220;guten Engagements&#8221; definieren, wobei es meines Erachtens besser gewesen wäre, das Papier &#8220;demokratisches Engagement&#8221; zu nennen, um den Tugend-Beigeschmack des Titels  zu vermeiden und den eigenen programmatischen Standpunkt deutlich sichtbar zu machen.</p>
<p>Was gehört dem <a href="http://www.fes.de/cgi-bin/gbv.cgi?id=13496&amp;ty=pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Impulspapier </a>zufolge zu einem <strong>&#8220;guten Engagement&#8221;</strong> und was folgt daraus für die Politik? Zusammengefasst ist gutes Engagement</p>
<ul>
<li><strong>zivil</strong>: Vielfalt wird akzeptiert, Toleranz geübt und Konflikte werden friedlich ausgetragen. Zivilität sollte eingeübt und gelernt werden. Dazu sind Fortbildungsprogramme für Professionelle notwendig <em>(und für Ehrenamtliche? &#8211; dazu sagt das Papier nichts)</em>. Die öffentlich finanzierten Engagementberichte sollten zukünftig zwischen zivilem und unzivilem Engagement klar unterscheiden.</li>
<li><strong>partizipativ: </strong>Die Mitgestaltungschancen von Engagierten sollten sich verbessern, indem die öffentliche Förderung des Engagements und die Förderung gemeinnütziger Organisationen an das Vorhandensein von Mitwirkungsrechten Engagierter gekoppelt werden. Um die Zivilgesellschaft in ihrer demokratischen Substanz zu stärken, sollten das Vereinsrecht, das Gemeinnützigkeits- und Stiftungsrecht verändert werden. Auch die Mitsprache der Klienten sozialer Einrichtungen ist zu sichern. Durch &#8220;kommunale Bildungslandschaften&#8221; soll die aktive Bürgerschaft gefördert werden, denn Engagement muss man erlernen und einüben. Es ist zumeist nicht naturgegeben vorhanden. <strong><br />
</strong></li>
<li><strong>inklusiv: </strong>Alle sollten sich engagieren können, auch Menschen mit Behinderungen, Erwerbslose, Arme, Benachteiligte, Zugewanderte. Deshalb sollte die Inklusion gestärkt und als Kriterium in Förderprogramme aufgenommen werden. Durch eine &#8220;aufsuchende Engagementförderung&#8221; unterstützt man engagementferne Gruppen. Die Selbstorganisation von Menschen &#8220;am Rand&#8221; ist zu stärken. Ebenso ihre materielle Absicherung im Rahmen sozialer Bürgerrechte.<strong><br />
</strong></li>
<li>Gutes Engagement wird <strong>anerkannt</strong>, <strong>gefördert </strong>und <strong>lernt</strong>: Engagierte brauchen Mitmach- und Fortbildungsmöglichkeiten in allen gesellschaftlichen Bereichen und das Hauptamt muss den Umgang mit Freiwilligen noch besser lernen. Finanzielle Töpfe sollten die Förderung kleiner, sozialräumlicher Projekte unterstützen. Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie <em>und</em> Ehrenamt ist stärker in den Blick zu nehmen. <strong><br />
</strong></li>
<li>Gutes Engagement ist<strong> eigensinnig</strong> und gelegentlich <strong>unbequem: </strong>Politische Beteiligung gehört zum Bürgerengagement dazu. Das Gemeinnützigkeitsrecht sollte so reformiert werden, dass der demokratischen Funktion des Bürgerengagements Rechnung getragen wird und politisches Engagement kein K.-o. -Kriterium ist, wenn es um die Verleihung der Gemeinnützigkeit geht.<strong><br />
</strong></li>
</ul>
<p>Da sich die Autoren des Impulspapiers auf das Verhältnis Staat &#8211; Bürgerengagement konzentrieren, gerät aus ihrem Blick, dass Bürgerengagement, das auf Beteiligung zielt, auch die lokale Wirtschaft verändern kann. Genossenschaften und Sozialunternehmen können aus Bürgerengagement und Bürgerprojekten hervorgehen. Deshalb sollte man dringend Schnittstellen zwischen Freiwilligenagenturen und der Startup-Förderung aufbauen. Hinzufügen müsste man auch, dass &#8220;gutes Engagement&#8221; Netzwerke aufbaut, um gemeinschaftlich und kooperativ Ziele umzusetzen, die einer alleine nicht umsetzen kann.</p>
<p>Überhaupt müsste man diesem ersten Impulspapier ein zweites folgen lassen, das die Kriterien des demokratischen Engagements aus zivilgesellschaftlicher Perspektive behandelt und fragt &#8220;Was folgt daraus für unser Engagement?&#8221;. Aber ein solches Papier müsste aus regionalen Engagement-Netzwerken kommen und kann nicht top-down erstellt werden.</p>
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		<item>
		<title>Sozialunternehmen &#8211; Definition und Weiterentwicklung</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/sozialunternehmen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Mar 2017 18:14:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialunternehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Social Entrepreneurship]]></category>
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					<description><![CDATA[Was versteht man unter einem &#8220;Sozialunternehmen&#8221;? Eine einheitliche Definition gibt es  weder in Theorie und Praxis. Im Gegenteil: die inhaltlichen Konzepte liegen zum Teil sehr weit auseinander. In dem Aufsatz &#8220;Participatory Governance in Social Enterprise&#8221; vom August 2016 (in: Voluntas, Band 27) fassen Victor Pestoff und Lars Hulgard vom internationalen Forschungsnetzwerk EMES die öffentliche und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Was versteht man unter einem &#8220;Sozialunternehmen&#8221;? Eine einheitliche Definition gibt es  weder in Theorie und Praxis. Im Gegenteil: die inhaltlichen Konzepte liegen zum Teil sehr weit auseinander.</p>
<p>In dem Aufsatz <a href="http://link.springer.com/article/10.1007/s11266-015-9662-3" target="_blank">&#8220;Participatory Governance in Social Enterprise&#8221;</a> vom August 2016 (in: Voluntas, Band 27) fassen Victor Pestoff und Lars Hulgard vom internationalen Forschungsnetzwerk <a href="http://emes.net/" target="_blank">EMES</a> die öffentliche und wissenschaftliche Debatte über den Begriff nochmals kurz zusammen. Es zeigt sich, dass es zwei konkurrierende Ansätze gibt:</p>
<p>Der eine Ansatz, der besonders in den USA verbreitet ist, rechnet jedes Unternehmen, das irgendetwas &#8220;Soziales&#8221; macht &#8211; CSR, Corporate Philanthropy usw. &#8211; dazu, der andere Ansatz hat dagegen so strikte Kriterien, dass nur sehr wenige Unternehmen als &#8220;Sozialunternehmen&#8221; qualifiziert werden können. Gerade in Europa wird auf EU-Ebene, aber auch in vielen Ländern, der Begriff des Sozialunternehmens eingeengt auf jene Unternehmen, die benachteiligte Arbeitskräfte einstellen (&#8220;WISE&#8221; &#8211; Work Integration Social Enterprises) und andere Facetten von Sozialunternehmen (genossenschaftliche, gemeinwesenbezogene) werden außer acht gelassen.</p>
<p>Auch der Begriff &#8220;Social Entrepreneurship&#8221; wird ganz unterschiedlich intensiv genutzt. In den USA versteht man darunter eine marktbasierte Herangehensweise an soziale Probleme, egal in welcher Organisationsform &#8211; gewinnorientiert oder nonprofit &#8211; egal auch in welchem Sektor &#8211; Markt, Staat oder Nonprofit. In Europa wird dagegen nicht so sehr die Rolle des Gründers und dessen soziale Mission betont, sondern die Rolle des Sozialunternehmens &#8211; d.h. der Institution, die man nicht im staatlichen oder privatwirtschaftlichen Bereich sieht, sondern eher im Dritten Sektor / der économie sociale ansiedelt. Das hat historische Gründe, die in der wohlfahrtsstaatlichen Tradition Europas liegen.</p>
<p>Pestoff/Hulgard bringen aus dem EMES-Netzwerk nun eine wichtige Dimension in die Debatte über Sozialunternehmen: nämlich den Aspekt der <em>Partizipation</em>. Gerade die europäische Erfahrung zeige, dass die <em>partizipative Steuerung von Sozialunternehmen</em> eine wichtige Rolle spiele, um das Profil dieser Organisationsform zu definieren und von anderen Formen abzugrenzen. Zu einem idealtypischen Sozialunternehmen gehöre, dass es seine Stakeholder (Mitglieder, Nutzer, Bürger) in die Entscheidungsfindung einbeziehe und hierbei demokratische Prinzipien zugrunde lege (&#8220;one man &#8211; one vote&#8221; &#8211; in Abgrenzung zum Shareholder-Gedanken, der in der Wirtschaft dominiert).  Pestoff und Hulgard visualisieren die drei Dimensionen von Sozialunternehmen (<em>wirtschaftlich</em>, <em>sozial</em>, <em>partizipativ</em>), so dass eine Kartierung von Organisationen möglich wird (Pestoff/Hulgard 2016, S. 1754):</p>
<p><a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2017/03/Pestoff-Hulgard-participative.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignleft size-full wp-image-1369" src="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2017/03/Pestoff-Hulgard-participative.jpg" alt="Pestoff-Hulgard-participative" width="426" height="210" srcset="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2017/03/Pestoff-Hulgard-participative.jpg 426w, http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2017/03/Pestoff-Hulgard-participative-300x148.jpg 300w" sizes="(max-width: 426px) 100vw, 426px" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>Im Quadrant rechts oben sind Sozialgenossenschaften positioniert, links oben die traditionellen wirtschaftlichen Genossenschaften. Im Quadrant links unten soziale Unternehmen und rechts unten die traditionellen Nonprofits.</p>
<p>Warum ist Partizipation in Sozialunternehmen wichtig? Sie fördert soziale Innovationen, verhindert die Zielverschiebung in den Organisationen, schränkt die Privatisierung von Gewinnen ein und schafft eine stärkere Verbindung zwischen dem Unternehmen und der Gesellschaft. Bis heute ist die Dimension der &#8220;Partizipation&#8221; aber weder allgemein anerkannt in der Forschung über Sozialunternehmen, noch auf EU-Ebene oder in den EU- Mitgliedstaaten im Hinblick auf Sozialunternehmen etabliert und auch in der Praxis noch nicht weit verbreitet. Insofern regt der Input von Pestoff/Hulgard bzw. EMES zum Nachdenken an.</p>
<p>Wer etwas über die Situation von Sozialunternehmen in Deutschland erfahren möchte, kann sich die folgende <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/109/1810907.pdf" target="_blank">Bundestags-Drucksache</a> anschauen. Oder gleich den <a href="https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Mittelstand/praxisleitfaden-soziales-unternehmertum.html" target="_blank">Praxisleitfaden Soziales Unternehmertum</a> studieren.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Aufruf zur 29. Runde der NPO-Blogparade &#8211; Thema &#8220;Patenschaften&#8221;</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/aufruf-zur-29-runde-der-npo-blogparade-thema-patenschaften/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/aufruf-zur-29-runde-der-npo-blogparade-thema-patenschaften/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Mar 2017 08:55:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[NPO-Blogparade]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit 2008 gibt es die NPO-Blogparade, die BloggerInnen zur Diskussion über ein gemeinsames Thema aus dem Nonprofit-Bereich einlädt. In der Regel wird eine #npoblogparade dann noch um einen einstündigen Chat auf Twitter ergänzt. Die NPO-Blogparade ist der Versuch, Themen aus dem zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen Bereich mehr Aufmerksamkeit im Netz zu verschaffen und wurde über Jahre [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit 2008 gibt es die NPO-Blogparade, die BloggerInnen zur Diskussion über ein gemeinsames Thema aus dem Nonprofit-Bereich einlädt. In der Regel wird eine<br />
#npoblogparade dann noch um einen einstündigen Chat auf Twitter ergänzt.</p>
<p>Die NPO-Blogparade ist der Versuch, Themen aus dem zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen Bereich mehr Aufmerksamkeit im Netz zu verschaffen und wurde über Jahre hinweg von einem <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/npo-blogger-netzwerk/" target="_blank">BloggerInnen-Kreis </a>vorangetrieben. 28 NPO-Blogparaden-Runden gab es schon, die <strong>29. Runde wird nun von <a href="http://www.opentransfer.de/#home" target="_blank">openTransfer.de </a>gehostet und läuft bis zum 20. März 2017. Das Thema lautet: <a href="http://www.opentransfer.de/9794/npo-blogparade-mehr-patenschaften-braucht-das-land/" target="_blank">&#8220;Mehr Patenschaften braucht das Land&#8221;</a></strong>:</p>
<p>&#8220;In vielen Städten und Gemeinden gibt es inzwischen Patenschaften Initiativen, Freiwilligenagenturen, Seniorenbüros, Bürgerstiftungen, Social-Start-ups – sie alle ermöglichen Begegnungen zwischen Menschen, die sich sonst nicht ohne Weiteres kennenlernen würden. Tausendfach füllen Menschen abstrakte Konzepte wie „Bildungsgerechtigkeit“ oder „Integration“ mit Leben und arbeiten gegen Vorurteile und Ausgrenzung an.</p>
<p><em>Uns interessiert: Mit welchen Herausforderungen haben es die Patenschaftsprojekte zu tun? Welche Steine werden ihnen in den Weg gelegt und was funktioniert besonders gut? Wie kann man noch mehr Menschen in Deutschland für Patenschaften begeistern? Wie gelingt es, Patenschaftsprojekte groß zu machen?&#8221;.</em></p>
<p>Wer einen Beitrag zum Thema schreibt, sollte ihn mit dem <a href="http://www.opentransfer.de/9794/npo-blogparade-mehr-patenschaften-braucht-das-land/" target="_blank">Start-Artikel von openTransfer.de</a> verlinken oder gerne auch mit diesem Artikel auf Nonprofits-vernetzt.de. Wer kein eigenes Blog hat, kann sein Statement auch über die Kommentarfunktion posten oder sich per Mail an redaktion@opentransfer.de wenden.</p>
<p>Mehr Infos über die #npoblogparade findet man auf <a href="https://npoblogparade.wordpress.com">npoblogparade.wordpress.com </a>Viel Spaß beim Nachdenken und schreiben!</p>
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		<title>Sozialgenossenschaften &#8211; eine Organisationsform mit Potenzial</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/sozialgenossenschaften-eine-form-mit-potenzial/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Feb 2017 19:03:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Genossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Sozialgenossenschaften bieten sich als Organisationsform für Projekte an, bei denen sich Bürger zusammenschließen, um im Rahmen der Selbsthilfe oder für andere Menschen soziale Aufgaben zu übernehmen,  die ein einzelner aufgrund der damit verbundenen Investitions- und Betriebskosten nicht übernehmen kann: &#8220;Gemeinsam seine Ziele besser zu erreichen als im Alleingang, das ist der Grundgedanke einer jeden Genossenschaft&#8221; [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sozialgenossenschaften bieten sich als Organisationsform für Projekte an, bei denen sich Bürger zusammenschließen, um im Rahmen der Selbsthilfe oder für andere Menschen soziale Aufgaben zu übernehmen,  die ein einzelner aufgrund der damit verbundenen Investitions- und Betriebskosten nicht übernehmen kann: &#8220;Gemeinsam seine Ziele besser zu erreichen als im Alleingang, das ist der Grundgedanke einer jeden Genossenschaft&#8221; (<a href="http://www.genossenschaften.de/was-ist-eine-genossenschaft" target="_blank">DGRV</a>).</p>
<p>Zwischen 2005 und 2014 sind in Deutschland  332 Sozialgenossenschaften gegründet worden, die Hälfte davon als Selbsthilfeeinrichtungen Betroffener, ein Drittel als sogenannte &#8220;solidarische Sozialgenossenschaften&#8221; zugunsten Dritter und des Gemeinwesens (Stappel 2017).  <a href="http://www.dorfladen-jagsthausen.de/seite/177564/genossenschaft.html" target="_blank">Dorfläden</a>, Wohnprojekte, Bürgerbusse, <a href="http://www.kamino-reutlingen.de/ueber-kamino/">Kino</a>&#8211; und Gaststättengenossenschaften, <a href="http://www.naturerlebnisbad-luthe.de/ueber-uns/genossenschaft" target="_blank">Schwimmbäder</a>, <a href="http://sages-eg.de/">Senioren- und Nachbarschaftshilfe</a>,  Stadtteilgenossenschaften, <a href="http://bellevuedimonaco.de/" target="_blank">Flüchtlingsunterbringung</a>, <a href="http://www.sonne-streuobstwiesen.de/content.php/8?selected=14" target="_blank">Streuobstwiesenerhalt- und pflege</a>, &#8211; all dies lässt sich in Form einer Sozialgenossenschaft betreiben.  Oft schließen sich auch Professionen zu einer Sozialgenossenschaft zusammen, gerade im Gesundheits- und Sozialbereich, um aus einer Hand und gleichberechtigt gemeinsam Leistungen anzubieten.</p>
<p>Italien ist weltweit der Vorreiter der Sozialgenossenschaftsbewegung mit über 7300 Sozialgenossenschaften und mehr als 260.000 Mitgliedern im Jahr 2005 (Münkner 2017). Aber auch in Frankreich und in Südeuropa sind (Sozial)Genossenschaften auf dem Vormarsch und Teil der hier wachsenden économie sociale/social economy, &#8211; siehe dazu einen der letzten <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/neudefinition-des-dritten-sektors-teil-1-welche-organisationen-gehoeren-dazu/" target="_blank">Blogbeiträge</a>.</p>
<p>Sozialgenossenschaften funktionieren nach den folgenden genossenschaftlichen Prinzipien:</p>
<p>Jedes Mitglied einer Genossenschaft zeichnet einen bestimmten Genossenschaftsanteil und zahlt diesen ein. Beim Austritt erhält ein Mitglied seinen einbezahlten Anteil wieder zurück. Die Genossenschaft erstellt für die Mitglieder oder &#8211; im Fall der solidarischen Sozialgenossenschaft &#8211; für das Gemeinwesen Leistungen. Sie produziert aber nicht für den Markt, d.h. nicht die Gewinnmaximierung steht im Vordergrund, sondern immer die Förderung der Mitglieder und deren soziale oder kulturelle Belange. Die Genossenschaft verwaltet sich selbst, d.h. nur Mitglieder können in die Gremien gewählt werden.  Es gilt das gleiche Stimmrecht für alle Mitglieder, unabhängig von der Höhe der jeweiligen Kapitalbeteiligung. Wegen dieser partizipativen Ausrichtung und der Selbstverwaltung &#8211; jedes Mitglied ist zugleich Eigentümer, Kapitalgeber, Kunde/Lieferant/Mitarbeiter &#8211; wird den Genossenschaften eine herausragende Rolle zugeschrieben, wenn es darum geht, Beteiligung  zu fördern und neue Formen des Wirtschaftens auf lokaler Ebene auszuprobieren.</p>
<p>Das Buch <a href="http://www.springer.com/de/book/9783658117528" target="_blank">&#8220;Genossenschaft innovativ&#8221;</a> von Ingrid Schmale/Johannes Blome-Drees (Hrsg.), das 2017 erschienen ist, untersucht das Phänomen der Genossenschaft in der Sozialwirtschaft von allen Seiten und blickt auch in andere europäische  Länder. Aus diesem Buch stammen auch die beiden oben zitierten Autoren. Die Webseite &#8220;<a href="http://www.sozialgenossenschaften.bayern.de/wasist/wichtig/index.php" target="_blank">Sozialgenossenschaften</a>&#8221; des bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales informiert sehr gut und prägnant über diese Form der Selbstorganisation, gibt Tipps zur Gründung, zeigt Beispiele aus Bayern, hält einen Fördertopf vor und einen <a href="http://www.sozialgenossenschaften.bayern.de/imperia/md/content/stmas/stmas_internet/sozialpolitik/sozialgenossenschaften.pdf" target="_blank">Gründungs-Ratgeber zum freien Download</a>.  Auf der <a href="http://www.sozialgenossenschaften.bayern.de/wasist/unterschied/index.php" target="_blank">Webseite des bayerischen Staatsministerium </a>findet sich auch der folgende Vergleich der Rechtsformen von Genossenschaft, Verein und Kapitalgesellschaften, der übersichtlich die wichtigsten Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzeigt:</p>
<p><a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2017/02/Sozialgenossenschaft.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignleft size-full wp-image-1352" src="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2017/02/Sozialgenossenschaft.jpg" alt="Rechtsformen-Vergleich" width="561" height="331" srcset="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2017/02/Sozialgenossenschaft.jpg 561w, http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2017/02/Sozialgenossenschaft-300x177.jpg 300w" sizes="(max-width: 561px) 100vw, 561px" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Quartiersvernetzung fördern (Teil 9) &#8211; Leitfaden&#8221;Quartiersentwicklung&#8221;</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/quartiersvernetzung-foerdern-teil-9/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2016 09:56:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demographie]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Kooperation]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Quartier]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Ziele]]></category>
		<category><![CDATA[Altenhilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Quartiersentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Quartiersvernetzung]]></category>
		<category><![CDATA[Ressource]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine &#8220;Handreichung Quartiersentwicklung&#8221; zur praktischen Umsetzung sozialraumorientierter Ansätze in der Altenhilfe  hat das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) Mitte Juni 2016 veröffentlicht. Die Handreichung soll den lokalen Akteuren dabei helfen, Quartiere und ihre Infrastruktur so weiter zu entwickeln, dass sie altersgerecht sind und Senioren möglichst lange in ihrem Umfeld wohnen bleiben können. Von barrierefreien Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine <a href="https://www.kda.de/kdaShop/altersgerechtes-planen-bauen-und-wohnen/2010/handreichung-quartiersentwicklung-praktische-umsetzung-sozialraumorientierter-ansaetze-in-der-altenhilfe.html" target="_blank">&#8220;Handreichung Quartiersentwicklung&#8221;</a> zur praktischen Umsetzung sozialraumorientierter Ansätze in der Altenhilfe  hat das <a href="http://www.kda.de/" target="_blank">Kuratorium Deutsche Altershilfe</a> (KDA) Mitte Juni 2016 veröffentlicht.</p>
<p>Die Handreichung soll den lokalen Akteuren dabei helfen, Quartiere und ihre Infrastruktur so weiter zu entwickeln, dass sie altersgerecht sind und Senioren möglichst lange in ihrem Umfeld wohnen bleiben können. Von barrierefreien Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, guten ÖPNV-Verbindungen und Begegnungsmöglichkeiten profitieren dabei nicht nur alte Menschen, sondern auch andere Quartiersbewohner (Familien, Jugendliche, Zuwanderer, Bürger mit Behinderungen usw.).</p>
<p>Folgende Elemente sind für den Prozess der Quartiersentwicklung wichtig und werden im Leitfaden ausführlich besprochen:</p>
<ol>
<li><strong>Ist-Analyse des Quartiers:</strong> Zuerst müssen die Stärken und Schwächen eines Quartiers erhoben werden. Daten dafür gibt es u.a.  in der <a href="https://www.regionalstatistik.de/genesis/online;jsessionid=C8446B2D5B340782EE68625F41C1836D?Menu=Willkommen">Regionaldatenbank Deutschland </a>und im <a href="http://statistikportal.de/Statistik-Portal/Regionalatlas/" target="_blank">Interaktiven Regionalatlas. </a>Aber auch die Quartiersbewohner können Orte im Quartier kartieren, die für die wichtig sind. Versorgungslagen und -defizite können über Interviews, Fragebögen und Quartiersbegehungen abgefragt werden. Ein Musterfragebogen und diverse Checklisten, um das örtliche Versorgungsangebot zu erheben, sind in der Handreichung vorhanden.</li>
<li><strong>Projektmanagement:</strong> Der Leitfaden bietet Hilfen zu den Themen Projektvorbereitung, -planung, &#8211; durchführung und -abschluss und enthält unterschiedliche Checklisten wie bspw. eine Checkliste &#8220;Kick-off-Veranstaltung&#8221;, auf der das Konzept der altersgerechten Quartiersentwicklung den Bewohnern eines Stadtbezirks oder Stadtteils vorgestellt wird.</li>
<li><strong>Kooperation und Vernetzung:</strong> Altersgerechte Quartiersentwicklung setzt auf Vernetzung im Quartier, weil kein einzelner Akteur die Aufgaben stemmen kann, die mit einem sozialraumorientierten Ansatz einhergehen. Der Leitfaden beschreibt unterschiedliche lokale Netzwerkformen und den Nutzen von Netzwerken, erklärt, wie eine Stakeholder-Analyse gemacht wird und bietet Checklisten für den Netzwerk-Aufbau und die Arbeit in Netzwerken</li>
<li><strong>Partizipation:</strong> Bürger sollen in die Bedarfsermittlung, Planung und Umsetzung von altersgerechten Quartieren einbezogen werden. Der Leitfaden listet auf S. 90 unterschiedliche Bürgerbeteiligungsmethoden auf, die von der Quartiersbegehung bis zum Runden Tisch, Open Space-Veranstaltungen und Zukunftswerkstätten reichen.</li>
<li><strong>Nachhaltigkeit und Finanzierung:</strong> Um sozialraumbezogene Konzepte erfolgreich umsetzen zu können, braucht es dem Leitfaden zufolge ein professionelles Quartiersmanagement und eine längerfristige Finanzierung. Letztere wird oft durch eine Umlage oder Pauschale finanziert, die Bewohner des betreuten Wohnens oder Mieter von Wohnungsgenossenschaften zahlen, wie bspw. im Fall der <a href="http://www.freie-scholle.de/" target="_blank">&#8220;Freien Scholle&#8221;</a> in Bielefeld.</li>
</ol>
<p>Die Handreichung des KDA richtet sich an Fachleute. Obwohl auch Bürger einen wichtigen Anteil an der Quartiersentwicklung haben und oftmals Vereine oder Genossenschaften mit Quartiersprojekten beginnen, steht in dem Leitfaden eher die kommunale, in jedem Fall aber die professionelle Perspektive im Mittelpunkt.</p>
<p>Für mich bleibt zum Schluss die Frage ungeklärt, weshalb man das Konzept auf &#8220;altersgerechte Quartiere&#8221; konzentriert, wenn Barrierefreiheit und inklusive Strukturen nicht nur für alte Menschen, sondern auch für alle anderen Quartiersbewohner/innen wichtig sind. In diesem Fall wäre es doch besser, gleich von vornherein eine &#8220;inklusive Quartiersentwicklung&#8221; in den Blick zu nehmen und sich nicht strategisch und begrifflich auf eine Zielgruppe zu beschränken.</p>
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