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	<title>Sozialeinrichtungen &#8211; Nonprofits-vernetzt.de</title>
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	<description>Partizipatives Stakeholder-Management &#38; Digitalisierung im Nonprofit-Sektor</description>
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		<title>Koproduktion stärken &#8211; Reformvorschläge freier Träger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Feb 2013 16:59:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das Konzept der Koproduktion rückt auch in Deutschland langsam in den Fokus sozialer Organisationen. So organisierte erst kürzlich die Schader-Stiftung eine Tagung zum Thema unter Beteiligung von freier Wohlfahrtspflege, Kommunen und der Wissenschaft. Die auf der Tagung entwickelten Leitthesen appellieren an alle gesellschaftlichen Sektoren, &#8220;gemeinsam Verantwortung zu übernehmen&#8221;. Dass mehr Verantwortung auf Bürgerseite auch mehr [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Konzept der Koproduktion rückt auch in Deutschland langsam in den Fokus sozialer Organisationen. So organisierte erst kürzlich die Schader-Stiftung eine <a href="http://www.schader-stiftung.de/docs/tagung_neue_verantwortung_programm.pdf">Tagung</a> zum Thema unter Beteiligung von freier Wohlfahrtspflege, Kommunen und der Wissenschaft. Die auf der Tagung entwickelten <a href="http://www.schader-stiftung.de/docs/entwickelte_leitthesen_230113.pdf">Leitthesen </a>appellieren an alle gesellschaftlichen Sektoren, &#8220;gemeinsam Verantwortung zu übernehmen&#8221;. Dass mehr Verantwortung auf Bürgerseite auch mehr Beteiligung implizieren muss, ist in den Thesen kein prominentes Thema. Gesucht wird primär nach &#8220;Strukturen neuer Verantwortungen&#8221; (S. 2), &#8211; und nicht nach Strukturen neuer Beteiligungsmöglichkeiten.</p>
<p>Auch aus den Wohlfahrtsverbänden kommen Reformvorschläge, die auf Koproduktion zielen und damit auf die Einbindung von Bürgern in die Erbringung sozialer Dienstleistungen. Eine handvoll großer stationärer Träger aus dem Altenhilfe- und Behindertenbereich haben sich unter dem Namen &#8220;SONG&#8221; (&#8220;Soziales neu gestalten&#8221;) zu einem <a href="http://www.netzwerk-song.de/index.php?id=13">Netzwerk </a>zusammengeschlossen &#8211; unterstützt von der Stiftung Bürgermut. Das Netzwerk will neue quartiersbezogene Wohn- und Assistenzkonzepte als ergänzende Angebote zur stationären Versorgung entwickeln, sicher auch vor dem Hintergrund, dass sich gerade stationäre Versorger nach neuen Märkten umsehen müssen. Angestrebt wird ein &#8220;lokal-kooperatives Sozialmodell&#8221;, das auf den Prinzipien &#8220;Personalität, Solidarität, Subsidiarität sowie Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit&#8221; basiert.</p>
<p>Bürger sind Teil der SONG-Konzepte, weil in der &#8220;bürgerschaftlichen Eigenverantwortung&#8221; bzw. der Koproduktion sozialer Dienstleistungen die Zukunft gesehen wird (s. <a href="http://www.netzwerk-song.de/index.php?id=92">hier</a>). Einen Überblick über die Projekte des Netzwerks und anderer quartiersnaher Altenhilfelösungen sammelt eine <a href="http://www.netzwerk-song.de/fileadmin/user_upload/DStGB-SONG-Doku_Lebensraeume_zum_AElterwerden.pdf">Dokumentation des Deutschen Städte-und Gemeindebundes</a>, die im Dezember 2012 erschien.</p>
<p>In dieser Dokumentation werden von kommunaler Seite und von SONG, also aus dem Wohlfahrtsbereich heraus, Forderungen an die freie Wohlfahrtspflege formuliert:</p>
<ul>
<li>Wohlfahrtsträger müssten sich neu orientieren, &#8220;weg von einer bloßen Investoren- und Dienstleisterrolle, hin zu gemeinwesenorientierten Akteuren&#8221; (S. 28)</li>
<li>Lokale Netzwerke und Kooperationen sollten gestärkt werden: &#8220;Die Akteure müssen lernen, nicht gegeneinander, sondern mehr miteinander in Netzwerken zu arbeiten und Berührungsängste zu überwinden&#8221;(S. 28)</li>
<li>Betroffene sollten zu Beteiligten werden: Aktivitäten der Quartiersbewohner sollten durch die Wohlfahrtsträger gefördert und Mitwirkungsmöglichkeiten aufgezeigt werden: &#8221; Auch bei der Planung und Gestaltung der Dienstleistungen sind die Nutzer durch geeignete Partizipationsverfahren einzubeziehen&#8221; (S. 29)</li>
<li>Die Rolle der Mitarbeiter müsse sich verändern. Über die qualifizierte Pflege und Betreuung hinaus sollten sie &#8220;mehr und mehr zum Moderator und Manager des Systems werden. Dabei kooperieren sie mit unterschiedlichen lokalen Akteuren&#8221; (S. 28).</li>
</ul>
<p>Um die Mitarbeiter entsprechend weiterzubilden hat das SONG-Netzwerk das <a href="http://www.netzwerk-song.de/index.php?id=105">Qualifizierungsprojekt &#8220;LoVe&#8221;</a> initiiert, bei dem Fach- und Führungskräfte der sozialen Arbeit die &#8220;gleichberechtigte Zusammenarbeit mit Pflege- und Assistenzfachkräften sowie mit bürgerschaftlich engagierten Menschen&#8221; lernen (Overkamp 2011, S. 101).</p>
<p>Für das Co-Design von Hilfsangeboten bzw. für die oben angemahnten &#8220;geeigneten Partizipationsverfahren&#8221;, um Bürger in die Planung und Ausgestaltung von Dienstleistungen einzubeziehen, gibt es noch keine detaillierten Konzepte von SONG-Seite. In der <a href="http://www.netzwerk-song.de/fileadmin/user_upload/DStGB-SONG-Doku_Lebensraeume_zum_AElterwerden.pdf">DStGB-Dokumentation</a> werden die Angaben hierzu ganz allgemein gehalten (&#8220;Befragungen, Quartiersbegehungen, Bürgerforen und -werkstätten&#8221;, S. 28) und scheinen nicht über deliberative Verfahren hinauszugehen. Auch bei den vorgestellten Modellprojekten selbst sind viele top-down initiiert und geplant.</p>
<p>Damit die vom Netzwerk angestrebte Beteiligung von Bürgern gelingt, muss sich in der Praxis der Verbände und Kommunen noch vieles verändern. Vor allem müsste die Beteiligung der Bürger an der Planung und dem Design sozialer Dienste deutlicher auf die Agenda gesetzt werden. Die obengenannten SONG-Prinzipien umfassen &#8216;Beteiligung&#8217; nicht. Das SONG-Konzept ist ganz aus der Perspektive von Dienstleistern geschrieben, die versuchen, auf lokaler Ebene den neuen welfare-mix aus gemeinnützigen und öffentlichen Diensten, aus kommerziellen Anbietern und informellen Netzen neu auszutarieren und zu steuern. Würde  man nicht aus dieser Dienstleistungsperspektive heraus denken, sondern aus der Beteiligungsperspektive, dann müsste das Co-Design einen viel höheren Stellenwert erhalten und Quartierskonzepte wären auch unter dem Blickwinkel von <a href="http://www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2013/02/nl03_gastbeitrag_lederer.pdf.pdf">&#8220;Nachbarschaftsdemokratie&#8221; </a>zu betrachten.</p>
<p>Soziale Medien spielen übrigens keine Rolle in den vorgestellten lokalen Modellprojekten und in den Zielen des SONG-Netzwerks. Es wird nicht versucht, lokale Netzwerke und die wechselseitige Abstimmung der Akteure durch Online-Formate wie Blogs und Communities zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Das Denken der freien Wohlfahrtspflege ist im Kern immer noch ganz analog. Dagegen wird im Ausland das Internet zum community-building im Stadtquartier, zur lokalen Kooperation oder zur Koordinierung personenbezogener Hilfsnetzwerke längst eingesetzt. Siehe die folgenden Beispiele: <a href="http://networkedneighbourhoods.com/?page_id=409">Online Neighbourhood Networks Study</a>, <a href="https://crossroadscarecroydon.tyze.com/"> Crossroads Care Croydon Tyze Personal Networks</a>. Immerhin ist das SONG-Netzwerk auf der <a href="http://www.weltbeweger.de/toro/resource/html">Weltbeweger-Plattform</a> präsent, wo es sein Wissen teilen möchte (allerdings nicht mit der ganzen Öffentlichkeit).</p>
<p>Literatur (wenn nicht verlinkt):</p>
<ul>
<li>Overkamp, Ulrike (2011): Assistenz statt Hilfe. Das Projekt &#8216;Lokale Verantwortungsgemeinschaften in kleinen Lebenskreisen&#8217;, in: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 3, S. 101-103.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Mehr Partizipation wagen &#8211; für ein neues Leitbild in verbandlichen Sozialorganisationen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 May 2011 10:57:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Verbandlichen Trägern im Sozialsektor fehlt ein Leitbild für das 21. Jahrhundert. Allein die Erbringung sozialer Dienste kann kein Leitbild sein, denn diese Leistungen werden auch von gewerblichen Einrichtungen angeboten. Ebenso kommt das Spezifische eines jeden gemeinnützigen Akteurs &#8211; das Katholische oder Evangelische oder in einem anderen Milieu Ankernde &#8211; im Alltag sozialer Dienste häufig nicht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Verbandlichen Trägern im Sozialsektor fehlt ein Leitbild für das 21. Jahrhundert. Allein die Erbringung sozialer Dienste kann kein Leitbild sein, denn diese Leistungen werden auch von gewerblichen Einrichtungen angeboten. Ebenso kommt das Spezifische eines jeden gemeinnützigen Akteurs &#8211; das Katholische oder Evangelische oder in einem anderen Milieu Ankernde &#8211; im Alltag sozialer Dienste häufig nicht mehr zum Tragen, weil die Leistungserbringung sich unter den Einrichtungen immer mehr angleicht, auch infolge staatlicher Regulierungen und Vereinbarungen.</p>
<p>Wohin also den Blick richten? Was könnte zu einer Renaissance der wohlfahrtsverbandlichen Arbeit führen? Was könnte die gemeinnützigen Anbieter aus ihrer Dienstleistungs-Sackgasse befreien und ihnen neue Perspektiven eröffnen und Unterstützer bescheren?</p>
<p>Mehr Partizipation im Dritten Sektor ist meines Erachtens der Ausweg. Wir brauchen eine <strong>demokratische Governance</strong> in den Einrichtungen, die Bürgerbeteiligung wertschätzt, die Teilhabe fördert und die aus Stakeholdern (Klienten, Angehörigen, Freiwilligen&#8230;.) Bürger macht.</p>
<p>Nur eine stärkere Vernetzung mit der Zivilgesellschaft in all ihren Facetten, also auch über Milieu- und Sektorgrenzen hinweg, kann Nonprofits die Ressourcen verschaffen, die sie zum Überleben brauchen: mehr Wissen, mehr Innovationen, mehr Engagement, mehr Mittel und mehr politische Unterstützung von Bürgerseite.</p>
<p>Wer Bürger nicht auf Augenhöhe wahrnimmt, wird nie die vielfältigen Mittel akquirieren können, die eine Einrichtung für ihren Erfolg und ihr Überleben braucht. Wer nur darüber lamentiert, dass Freiwillige schwer zu finden sind, aber es versäumt, auf bestehende Initativen, Vereine und Gruppen in der Gemeinde zuzugehen und nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu suchen, braucht sich über mangelnden Zulauf nicht zu wundern. Bürgerbeteiligung gibt es nicht voraussetzungslos, sondern sie braucht einen zivilgesellschaftlichen Nährboden, der durch Vernetzung und Kooperation gekennzeichnet ist.</p>
<p>Eine gemeinnützige Organisation, die sich als demokratischer Akteur begreift,</p>
<ul>
<li>beschränkt sich nicht auf ihre Dienstleistungsfunktion, sondern will das Gemeinwesen mitgestalten</li>
<li>schafft dezentrale Organisations- und Entscheidungsstrukturen</li>
<li>begegnet Bürgern auf Augenhöhe</li>
<li>bietet Bürgern ein breites Portfolio an Beteiligungsmöglichkeiten</li>
<li>fördert die Beteiligungskompetenzen von Bürgern</li>
<li>fördert die kooperativen Kompetenzen in der eigenen Organisation</li>
<li>bildet Netzwerke über Grenzen hinweg</li>
<li>vertritt aktiv Interessen als Folge des eigenen Gestaltungsanspruches</li>
</ul>
<p>Für einen Workshop auf dem<a href="http://morgenland.li/sites/default/files/documents/Kurz%C3%BCbersicht_MorgenLand.pdf"> MorgenLand-Festival in Schaan</a>, das &#8211; organisiert von jungen Menschen &#8211; nach einer Perspektive für die Gesellschaft des Alpenrheintals von morgen sucht, habe ich meine Thesen noch stärker ausgearbeitet. Und um die Möglichkeiten ergänzt, die Social Media gemeinnützigen Organisationen bieten können, wenn es um das Thema Bürgerbeteiligung geht.</p>
<p>[slideshare id=8093852&amp;doc=mehr-partizipation-in-sozialorganisationen-prsentation-reiser-21052011-110525045452-phpapp02]</p>
<p>Es gibt auf kommunaler Ebene immer wieder gemeinnützige Projekte auch größerer Träger, die zeigen, wie Bürger von Beginn an inhaltlich in den Aufbau und die Umsetzung sozialer Dienste involviert werden können. Es wäre wichtig, diese Projekte zu sammeln und ihre Bedingungen und Steuerungsstrukturen auszuwerten, um Kriterien herauszufiltern, die in eine demokratische Governance des Verbandes eingebracht werden können. Ich freue mich über die Nennung von Beispielen in den Kommentaren.</p>
<p>Die Förderung von Partizipation im Rahmen demokratischer Steuerungsstrukturen in den Verbänden gilt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen hin. Programme und Richtlinien, wie bspw. die Social Media Policy eines Verbandes, mit der sich die <a href="http://npoblogparade.wordpress.com/2011/05/21/endspurt-die-laufende-runde-der-npo-blogparade-geht-zu-ende/">aktuelle NPO-Blogparade</a> inhaltlich befasst, sollten sowohl mit dem eignen Personal als auch mit den Zielgruppen kooperativ erarbeitet werden. Gerade Social Media Policies stecken den Grundrahmen des Online-Dialogs zwischen der Organisation und ihrer Umwelt ab und sollten insofern nicht unter Ausschluss der Zielgruppen erarbeitet werden. Das <a href="http://blog.roteskreuz.at/wiki/index.php/Social_Media_Policy">Österreichische Rote Kreuz macht vor</a>, wie bei diesem Thema die Einbeziehung der Zielgruppen in die Politikformulierung gelingen kann.</p>
<p>Zuletzt möchte ich nochmals betonen, dass die demokratische Governance im Dritten Sektor nicht als Selbstzweck gedacht ist, der um sich selber kreist, sondern als Möglichkeit, Ressourcen &#8211; speziell das Bürgerwissen &#8211; zu gewinnen, um Dinge verändern zu können. Ziel ist, &#8220;to change the world through collective action, not only to devise and decide, but to <em>do</em>.&#8221; ( <a href="http://mitpress.mit.edu/catalog/item/default.asp?ttype=2&amp;tid=11627">Briggs 2008, 8</a>)</p>
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		<title>Wer ist an Entscheidungen beteiligt? Entscheidungsmacht in NPOs evaluieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jan 2011 09:54:04 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Organisationen verteilen Entscheidungskompetenzen an ihre Stakeholder-Gruppen ganz unterschiedlich. Wer wo und wie mitbestimmen darf, hängt von der Eigentümerstruktur einer Einrichtung und ihren Zielen ab. Welche Stakeholder-Gruppen haben in For-profit, Nonprofit und kommunalen Sozialeinrichtungen das Sagen? Eine neue empirische Studie aus den USA von Avner Ben-Ner und Ting Ren (2010) geht dieser Frage nach. Fast 700 [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Organisationen verteilen Entscheidungskompetenzen an ihre Stakeholder-Gruppen ganz unterschiedlich. Wer wo und wie mitbestimmen darf, hängt von der Eigentümerstruktur einer Einrichtung und ihren Zielen ab.</p>
<p>Welche Stakeholder-Gruppen haben in For-profit, Nonprofit und kommunalen Sozialeinrichtungen das Sagen? Eine neue empirische Studie aus den USA von <a href="http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1467-8292.2010.00424.x/abstract">Avner Ben-Ner und Ting Ren (2010)</a> geht dieser Frage nach. Fast 700 amerikanische Organisationen aus der Kinderbetreuung, der Altenpflege und der lokalen Behindertenbetreuung gaben Auskunft über die Allokation von Entscheidungsmacht. Das Ergebnis zeigt, dass in gemeinnützigen und kommunalen Einrichtungen die Angestellten, Bewohner, Angehörigen und die örtliche Gemeinschaft mehr Mitsprachemöglichkeiten haben als in For-profit Einrichtungen. Gleichzeitig ist aber das Ausmaß der Möglichkeiten dieser Stakeholder-Gruppen, an <em>substantiellen </em>Entscheidungen mitzuwirken, in beiden Einrichtungsarten (gemeinnützig/kommunal) gering. In allen drei Bereichen (for-profit/nonprofit/kommunal) dominiert die Geschäftsführung die Entscheidungsprozesse.</p>
<p>Ich finde es interessant, einen empirischen Blick auf die Allokation von Entscheidungskompetenzen zu werfen, denn &#8220;Entscheidungsmacht kann erst geteilt werden, wenn Klarheit darüber herrscht, wer sie ausübt&#8221; (<a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/fileadmin/data/pdf/Wright_84867.pdf">Wright u.a. 2010, 82</a>).</p>
<p>Wenn zivilgesellschaftliche Akteure mehr Mitsprache in gemeinnützigen Einrichtungen bekommen sollen &#8211; und selbst die Bundesregierung mahnt neuerdings mehr Mitsprache für freiwillige Helfer in Institutionen an, siehe<a href="http://www.berlin.de/imperia/md/content/rbm-skzl/europareferat/oeffentlichkeitsarbeit/ej2011/ejf2011_nationales_programm.pdf?start&amp;ts=1293622684&amp;file=ejf2011_nationales_programm.pdf"> hier, S. 3</a> &#8211; dann ist es sinnvoll, zuerst eine Evaluation der Entscheidungsstrukturen in Nonprofits durchzuführen. Oftmals sind die formellen und informellen Entscheidungsverläufe den Beteiligten in gemeinnützigen Organisationen selbst nicht ganz bewusst (vgl. Wright u.a. 2010), so dass eine Evaluation von Entscheidungsprozessen Sinn macht. Erst wenn über den Ist-Zustand von Mitsprachemöglichkeiten Klarheit herrscht, kann ein Soll-Zustand entworfen werden.</p>
<p>Nun geben aber diejenigen, die Entscheidungsbefugnisse innehaben, diese nur ungern ab bzw. nur dann, wenn sie keine andere Option sehen. Weshalb sollten Nonprofits hier eine Ausnahme bilden? Weil der Wettbewerb zwischen gemeinnützigen Organisationen um die Ressource &#8216;Freiwillige Helfer&#8217;, mit der sehr häufig sehr nachlässig umgegangen wird (vgl. meinen <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/burgerengagement-fordern-und-erhalten-fur-einen-nachhaltigen-umgang-mit-freiwilligen/">letzten Blogbeitrag</a>) es erfordert, dass Nonprofits sich ernsthaft Gedanken über eine Umverteilung von Entscheidungskompetenzen machen. Immerhin haben neue Generationen von Helfern andere inhaltliche Ansprüche an das Freiwilligenengagement als die Nachkriegsgenerationen, die bescheiden waren, wenn es um Mitsprache ging. Wer also neue Unterstützer und Helfer gewinnen möchte, muss Teilhabemöglichkeiten bieten.</p>
<p>Eine (Selbst)Evaluation interner Entscheidungsprozesse mit Blick auf die Einbeziehung der unterschiedlichen Stakeholder-Gruppen wäre in NPOs höchst angebracht. Ebenso die Konzeption eines Soll-Zustandes, der zivilgesellschaftliche Akteure in die Entscheidungsfindung gemeinnütziger Organisationen stärker einbezieht.</p>
<p>Ein leicht anzuwendendes Evaluations-Tool für Nonprofits sind die<a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/subnavi/methodenkoffer/kreise-der-entscheidung.html"><em> Kreise der Entscheidung</em></a>, die von Wright/Block/Unger von der Forschungsgruppe <a href="http://www.wzb.eu/bal/ph/">Public Health des Wissenschaftszentrums Berlin</a> im Rahmen eines Präventionsforschungsprojekts im Gesundheitsbereich entworfen wurden. Die Kreise der Entscheidung (siehe unten) sind auf der &#8211; sehr empfehlenswerten Webseite &#8211; <a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/">partizipative-qualitaetsentwicklung.de</a> zu finden (und im <a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/fileadmin/data/pdf/Wright_84867.pdf">begleitenden Buch</a> , S. 82), mit einer detaillierten Anleitung zum Gebrauch und vielen anderen wertvollen Informationen:</p>
<p><strong>Kreise der Entscheidung</strong> (<a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/subnavi/methodenkoffer/kreise-der-entscheidung.html">von Wright/Block/Unger</a>)</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-420 alignleft" style="margin-top: 10px; margin-bottom: 10px; margin-right:500px" title="Kreise-der-Entscheidung" src="http://neu.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2011/01/KreisederEntscheidung3.jpg" alt="KreisederEntscheidung" width="411" height="295" srcset="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2011/01/KreisederEntscheidung3.jpg 411w, http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2011/01/KreisederEntscheidung3-300x215.jpg 300w" sizes="(max-width: 411px) 100vw, 411px" /></p>
<p>Die Kreise der Entscheidung umfassen unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten, &#8211; je weiter eine Stakeholder-Gruppe vom inneren Kreis der Entscheidungsmacht entfernt ist, desto weniger Teilhabemöglichkeiten besitzt sie. Mit Hilfe der Kreise kann eine gemeinnützige Einrichtung für einzelne Projekte, für einzelne Entscheidungsphasen, für bestimmte Fachgebiete usw. die bestehenden Partizipationsstrukturen klären und neue entwerfen. Besonders informativ wird die Evaluation, wenn man unterschiedliche Gruppen daran beteiligt, also bspw. die Nutzer der Einrichtung, die Angehörigen, die Geldgeber, die Partner aus der Verwaltung usw.</p>
<p>Sofern gemeinnützige Organisationen für die stärkere Partizipation von zivilgesellschaftlichen Akteuren bereit sind, können sie ihre Weiterentwicklung hin zu community-orientierten Einrichtungen, die nicht nur Betreuungsleistungen erbringen, sondern soziales Kapital und bürgerschaftliche Kompetenzen aufbauen, erfolgreich bewältigen. Gerade die Mitarbeiter von Nonprofits, die laut der oben zitierten Studie von <a href="http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1467-8292.2010.00424.x/abstract">Ben-Ner und Ren (2010)</a> an strategischen Entscheidungen nicht substantiell beteiligt sind, könnten hier zu wertvollen Verbündeten der Bürger werden.</p>
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		<title>Koproduktion als Chance für gemeinnützige Organisationen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 09:47:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vielen gemeinnützigen Organisationen in den sozialen Diensten fehlt ein Leitbild, &#8211; eine klare Vorstellung davon, in welche Richtung ihr Weg in den nächsten Jahren führen soll. Aber ebenso wenig wird öffentlich diskutiert, welche Wege sich die Zivilgesellschaft für den Dritten Sektor wünscht. Es herrscht eine große Leere wenn es um Zukunftsentwürfe für den organisierten Teil [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen gemeinnützigen Organisationen in den sozialen Diensten fehlt ein Leitbild, &#8211; eine klare Vorstellung davon, in welche Richtung ihr Weg in den nächsten Jahren führen soll.</p>
<p>Aber ebenso wenig wird öffentlich diskutiert, welche Wege sich die Zivilgesellschaft für den Dritten Sektor wünscht. Es herrscht eine große Leere wenn es um Zukunftsentwürfe für den organisierten Teil der Zivilgesellschaft in unserem Land geht. Es wird allenfalls noch die Frage gestellt: <a href="http://diegesellschafter.de/index.php">&#8220;in was für einer Gesellschaft wollen wir leben?&#8221;</a>, aber niemals &#8220;wie wünschen wir uns als Bürger/innen den Dritten Sektor?&#8221;.</p>
<p>Gemeinnützige Organisationen haben sich das New Public Management der öffentlichen Verwaltung überstülpen lassen. Nonprofits im Sozialbereich konzentrieren sich heute auf eng definierte Leistungsziele. Dadurch treten gemeinwesenbezogene Konzepte in den Hintergrund. Nonprofits müssen sich durch messbaren output gegenüber der öffentlichen Hand legitimieren. Dadurch geht der Blick auf nicht-quantifizierbare Ressourcen und Ergebnisse verloren. Nonprofits implementieren Standards und vernachlässigen darüber innovatives Handeln.</p>
<p>Welche Gestaltungsmacht besitzt ein so instrumentalisierter Dritter Sektor in unserer Gesellschaft? Welche Handlungschancen eröffnet er Bürgern, welche Wirkung kann er auf kommunaler Ebene entfalten?</p>
<p>Nonprofits sind als demokratiepolitische Akteure und als Enabler von bürgerschaftlicher Partizipation zu wenig präsent. Es fehlt ein Leitbild, das Bürgern, Klienten und den Organisationen selbst mehr Handlungschancen ermöglicht. Nonprofits sind nicht nur Dienstleister, sondern auch wichtige Akteure unseres Gemeinwesens. Und Klienten und engagierte Bürger wollen sich nicht mehr länger nur dem Primat der Einrichtung unterordnen, sondern stärker mitgestalten und ihre Ideen einbringen.</p>
<p>Ein Konzept, das zu einem Empowerment von gemeinnützigen Organisationen und Bürgern führen kann, ist das der &#8216;<strong>Koproduktion</strong>&#8216;. &#8220;Full co-production&#8221; (Tony Bovaird) bedeutet, dass Nutzer von Sozialeinrichtungen und Bürger gemeinsam mit der NPO an der <em>Planung</em> und <em>Produktion</em> sozialer Dienstleistungen beteiligt sind. An der Produktion sozialer Dienste partizipieren die Bürger in Deutschland schon heute, &#8211; an der Planung und Gestaltung sozialer Dienstleistungen aber seltener.</p>
<p>Der Vorteil des Koproduktions-Modells für den Dritten Sektor und die Zivilgesellschaft: die Ressourcen (monetärer/nicht-monetärer Art) von Bürgern können so von der Einrichtung viel stärker genutzt werden und Innovation ist durch das Zusammentreffen von unterschiedlichen Wissensbeständen &#8211; seitens der Nutzer, der Bürgerschaft, der professionellen Mitarbeiter &#8211; leichter möglich. Die Bürger ihrerseits erfahren einen Empowerment-Prozess, weil sie nicht als (defizitäre) Klienten oder (unwissende) Laien wahrgenommen werden, sondern ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Kompetenzen, ihre Kontakte stärker einbringen können.</p>
<p>Koproduktion ist <a href="http://www.nesta.org.uk/library/documents/Co-production-report.pdf">Boyle und Harris (2009, 17f)</a> zufolge</p>
<ul>
<li><strong>transformativ</strong>: sie verändert die bisherigen Rollen von Klienten/Pofis/Freiwilligen und von NPO-Strukturen. Sie verändert bestehende Machtungleichgewichte in NPOs zugunsten von Nutzern und Bürgern. Sie verschafft aber auch professionellen Mitarbeitern die Möglichkeit, ein neues Profil zu gewinnen und Handlungschancen zu entwickeln. Zum Beispiel, indem sie die bestehende Arbeitsteilung korrigiert, die den Freiwilligen jene betreuenden und kommunikativen Aufgaben überlässt, welche man aus der Tätigkeit der Profis &#8220;herausrationalisierte&#8221; (<a href="http://www.buergergesellschaft.de/fileadmin/pdf/gastbeitrag_evers_100528.pdf">Evers 2010, S. 4</a>).</li>
<li><strong>egalitär ausgerichtet</strong>: das heißt, sie anerkennt das Koproduktionspotential aller und wertschätzt das unterschiedliche Wissen, das Klienten und bürgerschaftlich Engagierte einbringen können. Profis und Laien begegnen sich auf Augenhöhe</li>
<li><strong>nachhaltig</strong>: weil Koproduktion die Ressourcen, die sich aus sozialem Kapital ergeben, ausschöpft und nicht &#8211; wie in der gegenwärtig nur auf Effizienz (und nicht auf Beziehungen) fixierten Praxis &#8211; vernachlässigt.</li>
</ul>
<p>Die Koproduktion verschafft gemeinnützigen Organisation mehr Handlungsspielräume. Sie kann durch einen partnerschaftlichen Umgang mit Bürger-Nutzern von deren Ressourcen profitieren und und sich durch diese Ausdehnung ihrer Handlungsoptionen auch auf lokaler Ebene ganz anders als Gestalterin der örtlichen Lebenswelt und des Gemeinwesens einbringen.</p>
<p>Social Media können die Koproduktion sozialer Dienstleistungen online unterstützen. Sie ermöglichen die Vernetzung, den Dialog und die Mitwirkung von Bürger-Nutzern an der Gestaltung und Produktion sozialer Dienste. Zu diesem Zweck muss das Internet aber strategisch genutzt werden. Das heißt, es muss seitens der NPO über quantitative und reine Selbstvermarktungsziele hinaus gedacht werden. Statt den Status quo zu verstärken, sollten Social Media zur Strukturveränderung genutzt werden. Aber dafür braucht man Leitbilder und Visionen. Wo sind die des Dritten Sektors?</p>
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