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	<title>Demokratisierung &#8211; Nonprofits-vernetzt.de</title>
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	<description>Partizipatives Stakeholder-Management &#38; Digitalisierung im Nonprofit-Sektor</description>
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		<title>Vom Internet zum &#8220;Alternet&#8221; &#8211; Entwicklungen jenseits der großen Plattformen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 May 2017 10:11:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie kann man als Bürger/in, als zivilgesellschaftliche Gruppe, als gemeinnützige Organisation und Wohlfahrtsverband den Algorithmen proprietärer Plattformen entkommen? Diese Frage stellt Caritas digital im Rahmen der 30. Nonprofit-Blogparade zum Thema &#8220;Nonprofits im Social Web: Wen erreichen wir noch und zu welchem Preis?&#8221;. Algorithmen bestimmen in einem komplexen Zusammenspiel mit ihrem technischen und sozialen Umfeld unsere [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie kann man als Bürger/in, als zivilgesellschaftliche Gruppe, als gemeinnützige Organisation und Wohlfahrtsverband den Algorithmen proprietärer Plattformen entkommen? Diese Frage stellt <a href="http://www.caritas-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Caritas digital</a> im Rahmen der 30. <a href="https://npoblogparade.wordpress.com/about/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nonprofit-Blogparade</a> zum Thema <a href="http://www.caritas-digital.de/blogparade/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Nonprofits im Social Web: Wen erreichen wir noch und zu welchem Preis?&#8221;</a>.</p>
<p>Algorithmen bestimmen in einem komplexen Zusammenspiel mit ihrem technischen und sozialen Umfeld unsere Suchergebnisse bei Google, unseren Facebook Newsfeed und die Vorschläge, wem wir auf Twitter folgen sollten. Michelle Willson zeigt in ihrem Aufsatz <a href="http://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/1369118X.2016.1200645" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Algorithms (and the) everyday&#8221;</a> (2017, in: Information, Communication &amp; Society) auf, wie Nutzer immer mehr Praktiken des Alltags an intransparente Algorithmen delegieren, die folglich immer mehr Einfluss auf unser Leben, unsere Wahrnehmung und unser soziales und politisches Umfeld erhalten. Auch Nonprofits sind in dieser Filterblase, die Algorithmen produzieren, gefangen und haben Schwierigkeiten, auf den kommerziellen Plattformen mit ihren Inhalten durchzudringen. Speziell  vor Facebook &#8220;ist jeder gleich&#8221;, wie Martin Herceg in seinem <a href="http://www.caritas-digital.de/nonprofitsfacebook/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blogbeitrag </a>schreibt, und wenn Gemeinnützige mit ihren Inhalten über ihre Filterblase hinaus wollen, müssen sie dafür bezahlen.</p>
<p>Social Media-Manager von Nonprofit-Organisationen stehen Herceg zufolge täglich vor einem Dilemma: einerseits ist man dem Gemeinwohl bzw. christlichen Grundsätzen verpflichtet, andererseits unterstützt man Plattformen  inhaltlich und finanziell, die keine Steuern zahlen, Filterblasen produzieren, Nutzer entmachten, Daten abgreifen, das Netz zentralisieren und monopolisieren und einen digitalen Kapitalismus vorantreiben. Gibt es Alternativen zu dieser Dominanz kommerzieller Plattformen bzw. der &#8220;platform society&#8221; (van Dijck)?</p>
<p>Die Forscherin van Dijck rät, realistisch zu bleiben: &#8220;You can&#8217;t stop the growth of platforms&#8221; (in : <a href="https://www.hiig.de/encore/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">encore </a>2016, S. 95). Aber sie sieht die Notwendigkeit, dass Bürger auf die <em>demokratische Steuerung von Plattformen</em> drängen. Und hier kommt die Rolle von Nonprofits und der großen Wohlfahrtsverbände ins Spiel. Auch letztere haben sich wie viele andere in den vergangenen Jahren hauptsächlich nur als Nutzer der großen Plattformen und nicht als aktiver Mitgestalter von Netzstrukturen gesehen. Netzpolitische Aktivitäten und online-Projekte abseits des Mainstreams waren nicht wirklich sichtbar. Ein großer Fehler, &#8211; meines Erachtens sogar ein Politikversagen der großen Wohlfahrtsverbände, die sich eben immer mehr auf ihre Rolle als soziale Dienstleister und als Marketeers in eigener Sache zurückziehen.  Hier sollte ein Umdenken in den Verbänden einsetzen, um ihrer demokratischen Verantwortung in einer digitalen Gesellschaft gerecht zu werden.</p>
<p>Dazu gehört auch, dass man alternative digitale Projekte abseits des Mainstreams stärker unterstützt, man Kooperationen sucht und lokale Gruppen gründet, die die Möglichkeiten alternativer Vernetzung, Tools und Plattform-Modelle im Sinne eines &#8220;Alternets&#8221;  ausloten. Dies könnte gerade auf der lokalen Ebene ein interessantes Format sein, weil es die Beteiligung am und das gemeinsame Lernen im digitalen Raum fördert, &#8211; Bereiche, in denen Nonprofits noch Nachholbedarf haben, wie <a href="http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2017/04/29/warum-onliner-in-nonprofits-nicht-fur-das-marketing-zustandig-sind-und-was-sie-eigentlich-tun-sollten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hannes Jähnert </a>und <a href="https://ideequadrat.org/9-thesen-fuer-organisationale-digitalkompetenz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hendrik Epe</a> in ihren Beiträgen zur NPO-Blogparade herausarbeiten.</p>
<p>An welche Entwicklungen und Bewegungen könnten die Verbände hier andocken?</p>
<p>An <strong>genossenschaftlich verfasste Plattformen</strong>, bei denen die Webseite / die App den Mitarbeitern und Nutzern gehört und für die eine demokratische Steuerung (one man &#8211; one vote) das Ideal ist. Was unter einer <strong>&#8220;platform co-op&#8221;</strong> verstanden wird, ist in einem <a href="http://www.shareable.net/blog/a-shareable-explainer-what-is-a-platform-co-op" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Artikel auf Shareable</a> gut erklärt, hier finden Interessierte auch weitere Literatur-Links und Beispiele wie <a href="https://www.fairmondo.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">fairmondo</a> (ein genossenschaftlich betriebener Online-Marktplatz), <a href="https://resonate.is/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">resonate</a> (genossenschaftlicher Musik-Streamingdienst) und  <a href="https://www.stocksy.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stocksy </a>(eine Foto-Plattform, die in der Hand der Künstler ist). Es gibt eine Bewegung, die in genossenschaftlich verfassten Plattformen, die sich untereinander vernetzen, die Zukunft des Internets sieht (<a href="http://platformcoop.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>&#8220;platform cooperativism&#8221;</strong></a>) und auf diese Weise auch dem traditionellen genossenschaftlichen Gedanken den Weg ins digitale Zeitalter weisen will (&#8220;Geno 2.0&#8221;). Meines Erachtens liegt in diesem Genossenschaftsgedanken, der auf digitale Dienste bezogen ist, ein riesiges Potenzial für Nonprofits, die sich überlegen sollten, welche lokalen Angebote man in diese innovative Form bringen könnte.</p>
<p>Auf <strong>lokaler</strong> Ebene, wo sich die Kommunikation häufig im Rahmen von Nachbarschaften, kleinen Gruppen und unterschiedlichen öffentlichen Räumen bewegt, können kleine selbstgemachte und kabellose <a href="http://diynetworking.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>&#8220;DIY-Netzwerke&#8221;</strong></a> abseits des Internets bzw. &#8220;off-the-cloud&#8221; eine Chance bieten, jenseits der kommerziellen Plattformen zu interagieren, auf der Basis von Tools, die in einem gemeinsamen Lernprozess zusammen erstellt wurden. Durch die Verbindung dieser &#8220;off-the-cloud&#8221; Netzwerke untereinander entstehen alternative Netze. Panayotis Antoniadis von <a href="http://nethood.org/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nethood.org </a>zeigt die Potenziale von DIY-Netzwerken in einem  <a href="http://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/article/view/7123" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aufsatz</a> , in:  First Monday vom 05.12.2016, auf &#8211; das <a href="http://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/issue/view/493/showToc" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ganze Heft </a>kreist um das Thema &#8220;Re-Dezentralisierung des Internets&#8221;. Auch &#8220;vermaschte Netzwerke&#8221; mit vielen untereinander vernetzten Knoten, wie sie <a href="https://freifunk.net/worum-geht-es/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">freifunk.net</a> lokal aufbaut, sind hier ein Thema, wobei es sowohl bei DIY-Netzwerken als Einzelprojekte als auch bei <em>mesh networks</em> offene Sicherheitsfragen gibt, auf die Haralanova/Light (2016) in einem <a href="http://peerproduction.net/issues/issue-9-alternative-internets/peer-reviewed-papers/enmeshed-lives/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aufsatz </a>für das Journal of Peer Production hinweisen.</p>
<p>Weil technisch versierte Communities durch ihr Expertenwissen nach außen hin eher geschlossen wirken, braucht es dringend Mittler, die zwischen diesen Communities und nicht-technischen Nonprofits Verbindungen schaffen können, damit beide Seiten miteinander ins Gespräch kommen und sich örtlich Kooperationen ergeben können.</p>
<p>Man muss realistisch bleiben, was die kommerziellen Plattformen angeht, &#8211; das fordert die oben zitierte Wissenschaftlerin van Dijck. Und sich dennoch für demokratischere Plattform-Modelle politisch und praktisch stark machen. Hier könnten die Wohlfahrtsverbände noch eine größere Rolle spielen. Immerhin machen schon zwei hiesige Gewerkschaften (ver.di, IG-Metall) beim internationalen Konsortium mit, das Plattform-Genossenschaften vorantreiben möchte (<a href="http://platformcoop.net/about/consortium" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Platform Cooperativism Consortium</a>).</p>
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		<item>
		<title>Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 3): Bürgerengagement und Beteiligung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Feb 2015 09:08:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit der Frage, inwieweit Sozialeinrichtungen die politische Beteiligung ihrer freiwilligen Helfer in den Einrichtungen und im Gemeinwesen fördern. Wird &#8220;Mithelfen&#8221; und &#8220;Mitsprache&#8221; in den Einrichtungen als eine Einheit begriffen?  Der Blogartikel ergänzt die Ausführungen von Teil 1 und Teil 2 der Serie, die sich mit Partizipationsformen- und strukturen und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit der Frage, inwieweit Sozialeinrichtungen die politische Beteiligung ihrer freiwilligen Helfer in den Einrichtungen und im Gemeinwesen fördern. Wird &#8220;Mithelfen&#8221; und &#8220;Mitsprache&#8221; in den Einrichtungen als eine Einheit begriffen?  Der Blogartikel ergänzt die Ausführungen von <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-formen-und-strukturen-teil-1/">Teil 1 </a>und <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-teil-2-partizipationsrechte-entwickeln/">Teil 2</a> der Serie, die sich mit Partizipationsformen- und strukturen und ihrer Institutionalisierung in sozialen Organisationen befassen. </em></p>
<p>Inwieweit ermuntern Sozialeinrichtungen ihre Freiwilligen über das Helfen hinaus zur aktiven Mitsprache in den Organisationen und im Gemeinwesen? Werden &#8220;Partizipation&#8221; und &#8220;Engagement&#8221; speziell  im gemeinnützigen/wohlfahrtsverbandlichen Bereich als zwei Seiten einer Medaille verstanden?</p>
<p>Über die Verbindung von freiwilligem Engagement und politischer Partizipation in Deutschland fand vor kurzem im Bundestag eine Debatte statt, deren Beiträge im <a href="http://www.b-b-e.de/archiv-des-newsletters/newsletter-archiv-2015/1-quartal-2015/newsletter-nr-1-vom-812015/#22338">BBE-Newsletter Nr. 1</a> vom 8.1.2015 dokumentiert sind.</p>
<p>In den Beiträgen wird kritisiert, dass in unserem Land beide Facetten der Beteiligung &#8211; das praktische Tun und die politische Mitsprache &#8211;  ganz getrennt voneinander behandelt werden. Ob in der Wissenschaft, in der staatlichen Politik, in öffentlichen Debatten oder im Internet &#8211; zumeist werden die Phänomene &#8216;Engagement&#8217; und &#8216;Beteiligung&#8217; streng voneinander unterschieden und es haben sich themenspezifische Communities &#8211; übrigens auch unter Bloggern &#8211; gebildet, die in der Regel nicht miteinander verbunden sind. Es konnten bisher noch keine Konzepte zur Verbindung von freiwilliger Mitarbeit und politischer Partizipation entwickelt werden (<a href="http://www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2015/01/nl01_thesenpapier_evers.pdf">Evers 2015</a>), was dazu führt, dass (1.) das  freiwillige Engagement entpolitisiert wird und (2.) seitens der politischen Partizipation der aktive Bürger zu einem ausschließlich mitsprechenden und mitentscheidenden Bürger &#8220;eingeschrumpft&#8221; wird (Evers 2015, 2).</p>
<p>Dabei zielt der Begriff &#8220;bürgerschaftliches Engagement&#8221; schon immer auch auf die politische Dimension des Handelns (<a href="http://www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2015/01/nl01_thesenpapier_klein.pdf">Klein 2015</a>), -vorausgesetzt, man definiert politische Partizipation nicht zu eng als bloße Teilnahme an Wahlen, deliberativen Prozessen und Kampagnen. Gerade in der <em>Umsetzungsphase</em> von politischen Programmen nimmt das Bürgerengagement einen breiten Raum ein (Stichwort: Koproduktion), so dass eine Entpolitisierung desselben auch Implementationsprozesse entpolitisiert.</p>
<p>Fördern Sozialeinrichtungen die politische Partizipation ihrer freiwillig Engagierten? Realisieren gemeinnützige Organisationen ihr Potenzial als &#8220;Schulen der Demokratie&#8221;,  in denen der einzelne lernt, sich einzubringen und mitzusprechen, nicht nur in der Einrichtung, sondern auch im örtlichen Gemeinwesen? Gerade gemeinnützige Organisationen könnten als Akteure der Zivilgesellschaft Vorreiter sein im Zusammendenken von Bürgerengagement und politischer Partizipation und einer Förderung von beidem.</p>
<p>Wie sehen Wohlfahrtsverbände diese Thematik? In den <a href="http://www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2013/10/NL20_Thesen_Diakonie.pdf">&#8220;10 Thesen zur Weiterentwicklung von Freiwilligem Engagement&#8221;</a> der Diakonie Deutschland vom August 2013  kommen die Begriffe &#8220;Partizipation&#8221; und &#8220;Beteiligung&#8221; nicht vor.  Das Bild der Freiwilligen wird wie folgt gezeichnet:&#8221;Freiwillige vermitteln Normalität, sind zusätzliche Qualitätsmanager, verbessern das Image und sind eine Bereicherung für Einrichtungen und Dienste (&#8230;.) Sie bringen Kompetenzen und Erfahrungen ein und schenken Zeit.&#8221; (Diakonie, These 2). Differenzierter und programmatischer fallen die <a href="http://www.kirche-findet-stadt.de/pdf/downloads/nc21_doku-zivilgesellschaft.pdf">&#8220;Eckpunkte zum bürgerschaftlichen Engagement im Verständnis der Caritas&#8221;</a> aus vom Oktober 2014. Hier wird das bürgerschaftliche Engagement ganz klar in Zusammenhang mit Teilhabe gebracht. Wer sich bürgerschaftlich engagiert, nimmt der Caritas zufolge sein &#8220;Recht auf Teilhabe und Beteiligung an der Gestaltung der Gesellschaft&#8221; wahr (Caritas, S. II). Die Selbsthilfe und Mitgestaltung der Betroffenen wird für gut befunden und an den Verband ergeht der folgende Appell: &#8220;Vorhandene Strukturen und etablierte Prozesse sind daraufhin zu prüfen, ob diese für engagementbereite Menschen attraktiv sind und ihren Bedürfnissen nach Gestaltung und Entscheidung entprechen&#8221; (Caritas, S. III). Zudem werden Bürger/innen gesucht, die ihre Ideen in die verbandlichen Planungen und Entwicklungen einbringen (ebd.).</p>
<p>Nun sind verbandliche Papiere und Empfehlungen das eine, &#8211; wie die Praxis vor Ort ausgestaltet ist, steht auf einem anderen Blatt.  Roth zufolge gibt es für die Mitsprache und Mitwirkung der bürgerschaftlich Engagierten vor Ort &#8220;keine&#8221; &#8211; ich würde sagen: zu wenig &#8211; institutionelle Angebote (<a href="http://www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2015/01/nl01_thesenpapier_roth.pdf">Roth 2015, 4</a>). Ihm zufolge wissen wir auch zu wenig über den Zusammenhang von Partizipationsrechten und Engagementbereitschaft: &#8220;die Frage, ob verweigerte Partizipationsrechte und fehlende Gestaltungsmöglichkeiten entscheidende Engagementbarrieren darstellen oder den Ausstieg aus dem Ehrenamt provozieren&#8221; müsse stärker untersucht werden&#8221; (Roth 2015, 6), &#8211; eine wichtige Anregung, die die Engagementabstinenz von Teilen der Bürgerschaft besser beleuchten könnte.</p>
<p>Bürgerinnen und Bürger, die sich freiwillig engagieren wollen und die gleichzeitig Spaß am Mitgestalten haben, sollten &#8211; bevor sie sich in eine gemeinnützige Organisation einbringen &#8211; zuerst fragen: wie verbindet diese Organisation Bürgerengagement und politische Partizipation oder in den Worten <a href="http://eu.wiley.com/WileyCDA/WileyTitle/productCd-0745650031.html">Eliasophs (2013, 63)</a>: &#8220;How do people in a civic association connect or disconnect &#8216;caring about people&#8217; and &#8216;caring about politics?'&#8221; Immerhin haben wir Bürger/innen die Möglichkeit, mit den Füßen abzustimmen, wenn es darum geht, soziale Organisationen mit Mitgestaltungsmöglichkeiten zu finden.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 2):  Partizipationsrechte entwickeln</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2015 11:22:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[In diesem Beitrag befasse ich mich mit der Frage, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in Sozialorganisationen entwickelt und institutionell verankert werden können. Er baut auf dem letzten Blogartikel (Teil 1) über die Partizipationspyramide auf. Beide Blogbeiträge basieren auf dem Buch &#8220;Partizipation kompakt&#8221; (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>In diesem Beitrag befasse ich mich mit der Frage, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in Sozialorganisationen entwickelt und institutionell verankert werden können. Er baut auf dem <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-formen-und-strukturen-teil-1/">letzten Blogartikel (Teil 1)</a> über die Partizipationspyramide auf. Beide Blogbeiträge basieren auf dem Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221;</a> (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. <em>Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich dann mit dem bürgerschaftlichen Engagement in Nonprofits befassen.</em><br />
</em></p>
<p>Wie können Partizipationsrechte für Nutzer und das bürgerschaftliche Umfeld einer Sozialeinrichtung ausgearbeitet werden? Straßburger schlägt in dem Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221; </a>ein Verfahren vor, dass sich an die Konzepte für Kindertageseinrichtungen von <a href="http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/55692/partizipation-in-kindertageseinrichtungen">Hansen/Knauer/Sturzenhecker (2011) </a>anlehnt:</p>
<ul>
<li>Zuerst muss organisationsintern unter den Mitarbeitern geklärt werden, wo, inwieweit und in welcher Form Bürger/Nutzer mitbestimmen sollen. Dazu sind alle Bereiche und Verfahren der Organisation genau anzuschauen. Die Partizipationspyramide zeigt die unterschiedlichen Möglichkeiten der Partizipation auf, die von den Vorstufen informieren, Meinung erfragen, Lebensweltexpertise einholen bis zur echten Partizipation im Sinne von Mitbestimmung, Entscheidungskompetenz teilweise abgeben und Entscheidungsmacht übertragen reichen. Es muss ferner auch explizit festgelegt werden, wo Partizipation nicht erwünscht ist. In dieser ersten Phase müssen Straßburger zufolge die Mitarbeiter/innen unter sich sein. Es werden keine Mehrheitsentscheidungen gefällt. Das Ziel ist ein Konsens unter den Beteiligten, &#8220;damit am Ende nur beschlossen wird, was alle mittragen können&#8221; (Straßburger in &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, S. 89).</li>
<li>In einem zweiten Schritt entwerfen die Fachkräfte die Strukturen der Partizipation: welche Gremien sind notwendig? Straßburger zufolge reichen zwei Gremientypen aus: eine Vollversammlung für alle und Unterausschüsse.  In die Unterausschüsse können Nutzer Vertreter/innen delegieren. Alternativ gibt es offene Unterausschüsse, bei denen jeder bei Interesse mitarbeiten kann (ebd, 89f).</li>
<li>Wenn unter den Fachkräften Konsens über das bisher Erarbeitete besteht, dann können die Nutzer und das bürgerschaftliche Umfeld herangezogen werden, um die Details der Beteiligungsformen und -strukturen zu besprechen (ebd., 88).</li>
<li>In einer ersten Lesung verabschieden die Fachkräfte unter sich die ausgearbeiteten Partizipationsrechte- , &#8211; formen und -strukturen, die zu einem Verfassungsentwurf für die Einrichtung gebündelt wurden. Danach wird der Verfassungsentwurf der bürgerschaftlichen Seite vorgelegt, die hier noch Änderungswünsche einbringen kann. Ob diese übernommen werden, entscheiden die Fachkräfte, die die Verfassung in zweiter Lesung verabschieden und veröffentlichen (ebd., 90).</li>
</ul>
<p>Dieses von Straßburger vorgeschlagene Verfahren räumt den Fachkräften das Vorrecht ein, über die Grundstrukturen der  Partizipation selbst zu entscheiden, ohne Beteiligung der Nutzer ( man merkt, dass der Verfahrensvorschlag ursprünglich aus dem Kindergartenbereich kommt&#8230;.). In selbstorganisierten sozialen Projekten werden Fachkräfte und Bürger sicher von vornherein auf Augenhöhe kooperieren. Für den öffentlichen und wohlfahrtsverbandlichen Bereich mag das von Straßburger propagierte Modell der &#8220;konstitutionellen Monarchie&#8221; passen (siehe <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-formen-und-strukturen-teil-1/">Blogbeitrag Teil 1</a>), aber auch in diesen Sektoren wird es einzelne Projekte geben, die noch partizipativer aufgestellt sind.</p>
<p>Von einer Einbeziehung der Nutzerseite von Anfang an können alle profitieren: man lernt sich selbst und den andern in einem Diskussionsprozess, der auf einen Konsens zielt, besser kennen. Man arbeitet in einem solchen Fall nicht nur heraus, wer wo wie beteiligt wird (&#8220;what to <em>do</em> together&#8221;),  sondern man entwickelt in einem solchen Prozess auch eine gemeinsame Identität (&#8220;create a shared sense of who to <em>be</em> together&#8221;) (<a href="http://eu.wiley.com/WileyCDA/WileyTitle/productCd-0745650031.html">Eliasoph 2013, 146</a>).</p>
<p>Die verabschiedete Verfassung für eine soziale Organisation ist rechtlich nicht bindend. Die Mitarbeiter verpflichten sich aber durch eine Verfassung, Beteiligungsregeln zu achten und nicht zu übergehen. Aufgebaut wird so ein moralisch einklagbares Recht für die Bürgerseite (Hansen/Knauer/Sturzenhecker 2011, S. 151).</p>
<p>Straßburger zufolge muss die Beteiligungsstruktur transparent und funktionsfähig sein (Straßburger in &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, S. 89). Und sie muss mit Leben gefüllt werden. Das Ziel ist nicht der Aufbau einer Partizipationsbürokratie, sondern ein funktionierender demokratischer Prozess in den sozialen Einrichtungen (ebd., 98).</p>
<p>Gibt es Praxis-Beispiele für die Institutionalisierung von Partizipation und die Einführung von Verfassungen in Sozialeinrichtungen? <a href="http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/55692/partizipation-in-kindertageseinrichtungen">Hansen/Knauer/Sturzenhecker (2011)</a> verweisen auf das Modellprojekt die &#8220;Kinderstube der Demokratie&#8221;, das in Schleswig-Holstein 2001 begonnen wurde und zwischenzeitlich in Modelle und Erziehungspläne anderer Länder einfloss. Bei dem Projekt ging es um die Einführung von demokratischeren Strukturen in Kindertagesstätten. Zwei Kita-Verfassungen im Anhang von Hansen u.a. zeigen, wie Beteiligungsregeln im Detail aussehen können.</p>
<p>Im Verfassungs-Beispiel 1 gibt es als Gremien das Kinderparlament und Gruppenkonferenzen. Die Kinder bestimmen u.a. über den Tagesablauf, die Raumgestaltung,  die Mahlzeiten und die Anschaffung von Spielzeug mit. Sie haben kein Mitspracherecht in Finanzangelegenheiten, in Personaldingen, in Sicherheitsfragen und im Hinblick auf die Öffnungszeiten (Hansen/Knauer/Sturzenhecker 2011, S. 363-368). Wichtig ist die Verfassungs-Bestimmung, dass in den Gruppenkonferenzen und dem Kinderparlament immer ein Konsens angestrebt wird.: &#8220;Im Zweifel entscheidet die einfache Mehrheit aller anwesenden Konferenzmitglieder, jedoch nie gegen die Stimmen aller Erwachsenen oder gegen die Stimmen aller Kinder&#8221; (Hansen u.a., S. 364, §4). Diese Regel soll verhindern, dass die Fachkräfte von Kindern überstimmt werden oder umgekehrt, die Fachkräfte die Kinder überstimmen und deren Interessen übergehen.</p>
<p>Da Erwachsene keine Kinder sind und sehr wohl über Personal- und Finanzangelegenheiten mitbestimmen können, sollte ein Verfahren, das die Beteiligungsrechte von Bürger-Nutzern in Sozialeinrichtungen strukturell verankern möchte, über den obigen Verfahrensvorschlag von Straßburger bzw. Hansen/Knauer/Sturzenhecker hinaus gehen. Das Verfahren sollte von Anfang an Bürger/innen beteiligen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, auf das Grunddesign der Verfassung einer Einrichtung Einfluss zu nehmen. Die Partizipationspyramide bietet dafür viele unterschiedliche Formen an, auch die Vorstufen der Partizipation können hier genutzt werden. Auf jeden Fall sollte die Verfassung kooperativ erarbeitet werden. Erfolgreiche Koproduktion in Sozialeinrichtungen setzt Mitsprache der Bürger/innen voraus.</p>
<p>Abschließend stellt sich die Frage, inwieweit bürgerschaftlich Engagierte in der Praxis in die Beteiligungsstrukturen einer Sozialorganisation eingebunden sind. Wird das &#8220;Mithelfen&#8221; um das &#8220;Mitsprechen&#8221; ergänzt? Wie steht es um die Verbindung zwischen freiwilligem Engagement und politischer Partizipation im Dritten Sektor? Damit wird sich der dritte Blogbeitrag dieser kleinen Serie befassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 1): Formen und Strukturen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2015 10:54:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[In diesem Artikel befasse ich mich mit Formen und Strukturen der Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 1). Der nächste Blog-Beitrag wird aufzeigen, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in der Praxis entwickelt werden können (Teil 2). Zugrunde liegt den beiden Beiträgen das Buch &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>In diesem Artikel befasse ich mich mit Formen und Strukturen der Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 1). Der nächste Blog-Beitrag wird aufzeigen, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in der Praxis entwickelt werden können (Teil 2). Zugrunde liegt den beiden Beiträgen das Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221;</a>, (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich dann mit dem bürgerschaftlichen Engagement in Nonprofits befassen.<br />
</em></p>
<p>Vor drei Jahren habe ich einen <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wer-ist-an-entscheidungen-beteiligt-entscheidungsmacht-in-npos-evaluieren/">Blog-Beitrag </a>darüber geschrieben, welche Formen Beteiligung in gemeinnützigen Organisationen annehmen und wie Entscheidungsmacht in Nonprofits evaluiert werden kann. Zugrunde lag dem Beitrag das Modell der<a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/subnavi/methodenkoffer/kreise-der-entscheidung.html"> &#8220;Kreise der Entscheidung&#8221; </a>von Wright/Block/Unger (2010), das im Rahmen eines WZB-Projekts entstand. Dieses Modell wurde nun von Straßburger/Rieger von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin zu einer &#8220;Partizipationspyramide&#8221; weiterentwickelt und in ihrem Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221; </a>(2014) vorgestellt, das sich an die soziale Profession richtet.</p>
<p>Die Partizipationspyramide von Straßburger/Rieger umfasst mehrere Partizipationsstufen und ist in zwei Perspektiven aufgeteilt: in die der Mitarbeiter einer Einrichtung und in die der Bürger bzw. Nutzer.  Warum? Beide Perspektiven müssen berücksichtigt werden, wenn Teilhabeprozesse erfolgreich sein sollen. Wer sich nur auf die Seite der Bürger konzentriert, verliert die wichtige Rolle der Institutionen und ihrer Mitarbeiter/innen aus den Augen, die Beteiligung zulassen und unterstützen müssen.</p>
<p>Auf der linken Seite der Pyramide ist die Perspektive der Profession abgebildet.  Wie können sie ihre Nutzer und ihr soziales Umfeld besser in Entscheidungen einbinden? Durch die drei Vorstufen der Partizipation, die sich am Fuß der Pyramide befinden: informieren, Meinung erfragen, Lebensweltexpertise einholen. Und durch die darüber liegenden drei Stufen der &#8220;echten&#8221; Partizipation: Mitbestimmung zulassen, Entscheidungskompetenz teilweise abgeben, Entscheidungsmacht übertragen (Straßburger/Rieger 2014, 232). Auf der rechten Seite der Pyramide ist die Perspektive der Bürger visualisiert. Die Partizipationsstufen aus Sicht der Bürger/innen lauten:</p>
<ul>
<li>Stufe 1: sich informieren</li>
<li>Stufe 2: im Vorfeld von Entscheidungen Stellung nehmen</li>
<li>Stufe 3: verfahrenstechnisch vorgesehene Beiträge einbringen</li>
<li>Stufe 4: an Entscheidungen mitwirken</li>
<li>Stufe 5: Freiräume der Selbstverantwortung nutzen</li>
<li>Stufe 6: bürgerschaftliche Entscheidungsfreiheit ausüben</li>
<li>Stufe 7 (diese gibt es auf professioneller Seite nicht): zivilgesellschaftliche Eigenaktivitäten</li>
</ul>
<p>(ebd, S. 233). Die Partizipationspyramide kann in Sozialeinrichtungen eingesetzt werden, um zu klären, welche Teilhabemöglichkeiten die Einrichtung für Bürger  vorsieht und wie deren Mitbestimmung  als Nutzer, Angehörige, Engagierte, Nachbarn, Bewohner des  Stadtviertels usw. gestärkt werden könnte.</p>
<p>Straßburger drängt in ihrem Buch-Beitrag darauf,  die Partizipation von Bürgern in den Einrichtungen strukturell zu verankern, um &#8220;Rechtssicherheit statt Willkür&#8221; zu schaffen (Straßburger in &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, S. 83). Ob Teilhabe gewährt wird, sollte nicht vom guten Willen und der Tagesform der einzelnen Fachkraft abhängen, sondern verlässlich geregelt sein.</p>
<p>Sie zeigt auf, dass das Verhältnis  zwischen einer Sozialeinrichtung und ihren Nutzern durch ein strukturelles Machtungleichgewicht gekennzeichnet ist.  In vielen Sozialeinrichtungen herrsche eine Art &#8220;absolute Monarchie&#8221;, bei der die Profession alles bestimmt und die Nutzer der Einrichtung nichts. In Anlehnung an Hansen/Knauer/Sturzenhecker, die 2011 ein Buch über <a href="http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/55692/partizipation-in-kindertageseinrichtungen">&#8220;Partizipation in Kindertageseinrichtungen&#8221; </a>veröffentlichten, plädiert sie dafür, in Sozialorganisationen eine Art &#8220;konstitutionelle Monarchie&#8221; zu etablieren, bei der die Macht der Fachkräfte begrenzt wird, indem die Teilhaberechte der Bürger durch eine Verfassung für die Einrichtung festgeschrieben werden (Straßburger, S. 84f).</p>
<p>Wie Beteiligungsrechte und -verfahren ausgearbeitet und aussehen können, soll im nächsten Blogbeitrag auf der Basis von <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221;</a> beschrieben werden. Wichtig ist an dieser Stelle der Gedanke, die Beteiligungsregeln im Alltag auch mit Leben zu füllen. Straßburger zufolge  müssen dafür Nutzerkompetenzen gestärkt und Beteiligungshindernisse intern beseitigt werden (S. 91ff). Auch die Öffnung der Institution nach außen hin spielt eine wichtige Rolle, um einladend für Bürger zu sein. Deren Bedürfnisse sollten ganz eindeutig im Zentrum der sozialen Arbeit stehen und nicht die Annahmen der Profession über die Bedürfnisse der Nutzer.</p>
<p>Dass dennoch diese Annahmen der Fachkräfte im Alltag dominieren, macht Straßburger in ihrem Beitrag deutlich: &#8220;Projekte scheitern häufig daran,  dass sie ihre Zielgruppe nicht erreichen (&#8230;): Professionelle haben eine Idee, entwickeln ein Konzept, kümmern sich um die Finanzierung und machen sich dann an die Öffentlichkeitsarbeit. Erst in dieser Phase kommen die Adressatinnen und Adressaten ins Spiel. Bleibt das Interesse aus, sind die Fachkräfte frustriert. Sie hatten es so gut gemeint und sich soviel Mühe gemacht!&#8221; (Straßburger 2014, 82).</p>
<p>Um dieses Scheitern von Projekten zu vermeiden, bietet sich Partizipation an. Haben Bürger/innen die Möglichkeit, schon bei der Programmformulierung und -planung mitzuwirken, dann werden konzeptionelle Fehler sofort aufgedeckt und Kosten, die mit dem Scheitern einhergehen, vermieden. Partizipation verhilft Sozialorganisationen zu Erfolgen. Aber auch normativ betrachtet &#8211; und auf diesen Blickwinkel legen die Autor/innen größten Wert &#8211; gehört Partizipation zum Profil sozialer Berufe: &#8220;Die Qualität einer sozialen Dienstleistung erwächst nicht daraus, dass eine Fachkraft in bester Absicht ein in ihren Augen hilfreiches Angebot entwickelt, sondern indem sie herausfindet , was Menschen erreichen wollen und wie sie sie dabei unterstützen kann&#8221; (Straßburger/Rieger 2014, S. 42).</p>
<p>Das Konzept der Partizipationspyramide wirkt sehr inspirierend. Schade nur, dass die Autoren ihre Ideen nicht mit einer Webseite flankieren, um ihrem Konzept mehr Breitenwirkung zu verschaffen. Als Beispiel könnte hier die Webseite <a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/">partizipative-qualitaetsentwicklung.de</a> dienen, die die WZB-Forschergruppe um Wright/Block/Unger 2008 aufgebaut hat, um der interessierten Praxis inhaltliche Hilfen an die Hand zu geben.</p>
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		<title>Für eine Sozialarbeit mit bürgerschaftlichem Profil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Apr 2013 15:09:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wenn eine Demokratisierung des Dritten Sektors notwendig ist, um Bürgern Mitgestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen ( siehe Koproduktion und Co-Design), dann benötigt die soziale Profession ein neues Rollenmodell. Dann reichen das &#8220;heroische&#8221; und das &#8220;altruistische&#8221; Berufs-Paradigma nicht mehr aus. Sondern es wird ein neues Selbstverständnis notwendig, damit die Profession Bürgerbeteiligung akzeptieren und fördern kann. Harington und Beddoe [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn eine Demokratisierung des Dritten Sektors notwendig ist, um Bürgern Mitgestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen ( siehe <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/fur-eine-kultur-der-mitgestaltung-co-design-in-nonprofits/">Koproduktion und Co-Design</a>), dann benötigt die soziale Profession ein neues Rollenmodell. Dann reichen das &#8220;heroische&#8221; und das &#8220;altruistische&#8221; Berufs-Paradigma nicht mehr aus. Sondern es wird ein neues Selbstverständnis notwendig, damit die Profession Bürgerbeteiligung akzeptieren und fördern kann.</p>
<p>Harington und Beddoe arbeiten in einem aktuellen Aufsatz (&#8220;<a href="http://jsw.sagepub.com/content/early/2013/03/01/1468017313477316.abstract">Civic practice: a new professional paradigm for social work</a>&#8221; , Journal of Social Work 2013) die grundlegenden Eigenschaften eines neuen Berufs-Profils heraus, das sie das &#8220;bürgerschafliche&#8221; nennen:</p>
<p>Die bürgerschaftlich ausgerichtete Sozialarbeit integriert Partizipation in ihren Alltag. Sie zielt nicht nur auf das Betreuen, Helfen und Unterstützen, sondern auch auf den &#8220;civic outcome&#8221; ihrer Arbeit, d.h. auf die Folgen, die soziale Dienste für den bürgerschaftlichen Status der einzelnen Nutzer als auch für die Zivilgesellschaft als Ganzes haben.</p>
<p>Das Territorium des &#8220;civic practioners&#8221; sind nicht &#8211; wie bisher &#8211; die öffentlichen oder wohlfahrtsverbandlichen Institutionen. Sein Territorium ist das Gemeinwesen, er orientiert sich an den Bedürfnissen und Bestrebungen der Communities, die hier angesiedelt sind. Während in sozialen Diensten traditionell der Fallbezug vorherrscht, verfolgt der bürgerschaftlich ausgerichtete Sozialarbeiter gemeinwesenbezogene Ziele: er will die Kompetenzen in der Zivilgesellschaft fördern, Barrieren abbauen, und das Selbstbewußtsein von Bürgern bzw. Identitäten stärken (Harington/Beddoe 2013).</p>
<p>Entscheidungen werden kollaborativ mit den betroffenen Stakeholdern gefällt. Die soziale Arbeit nimmt nicht die Rolle des neutralen Experten ein, der über den Dingen steht . Vielmehr spielt die persönliche Ausrichtung des Sozialarbeiters an sozialem Wandel und an Gerechtigkeit eine wichtige Rolle in dem Modell einer bürgerschaftlich orientierten Profession: &#8220;Practice ethos based on explicit statement of values and personal commitment to social change and justice&#8221; (Harington/Beddoe 2013, 11).</p>
<p>Die soziale Profession arbeitet aktiv als Interessenvertretung an einem solchen sozialen Wandel mit, indem sie die Informationen über soziale Exklusion und darüber, was im Rahmen öffentlicher Sozialprogramme funktioniert und nicht funktioniert, sammelt, analysiert und mit anderen teilt. Speziell die Evaluation von Programmen sollte nicht Externen überlassen bleiben. Die Autoren rufen die soziale Profession dazu auf, sich stärker um Zahlen (the &#8220;numbers game&#8221;) zu kümmern. Wenn dies die Sozialarbeit nicht selbst macht, dann machen es andere, &#8211; mit dem Ergebnis, dass das Wissen der Praktiker vor Ort und betroffener Bürger selbst in Evaluations- und Impact-Studien zu wenig einfließt: &#8220;so-called independent research effectively silences both users&#8217; and practitioners&#8217; experience of the world&#8221; (Scheyett, zit. nach Harington/Beddoe 2013, 14).</p>
<p>Das Wissen um soziale Probleme und um die Wirkung sozialstaatlicher Programme im Alltag vergrößert seinen Wert, wenn es mit anderen geteilt wird und wenn andere ihren Beitrag dazu leisten können . Harington/Beddoe rufen die soziale Arbeit deshalb dazu auf, Wissensbestände gemeinsam mit Bürgern, Communities und Kolleg/innen aufzubauen. Wer bisher noch eine Begründung für die Relevanz von <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/transparenz-im-gemeinnutzigen-bereich-oder-wann-kommt-der-open-third-sector/">open data für Nonprofits</a> gesucht hat, findet sie in dem Modell der &#8220;bürgerschaftlich augerichteten Sozialarbeit&#8221;, das die beiden Autoren entwerfen.</p>
<p>Die soziale Profession sollte sich überlegen, wie sie soziale Medien nutzen kann, um ihr Wissen mit anderen zu teilen und Wissenssammlungen im Netz aufzubauen. Speziell der Online-Kartierung sollte eine größere Bedeutung beigemessen werden. Es ist schade, dass so viele (kleine) soziale Organisationen nicht wissen, wie gut man Web-Karten nutzen kann, um Bedarfe und Ressourcen zu kartieren. Aber auch Wikis oder Blogs können eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, kollaborativ Wissen darüber zu sammeln, welche Prozesse und Programme auf örtliche Ebene funktionieren und welche nicht (vgl. das <a href="http://www.grassrootswiki.org/index.php/Main_Page">GrassrootsWiki</a> oder <a href="http://www.admittingfailure.com/">AdmittingFailure</a>).</p>
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		<title>Zukunft der Bürgergesellschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Dec 2012 12:01:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Entwicklung soll die aktive Bürgergesellschaft in unserem Land nehmen? Dazu äußert sich ganz aktuell die &#8220;Denkschrift Bürgergesellschaft&#8221;(2012) von Backhaus-Maul/Nährlich/Speth, die schon 2009 in die Diskussion eingebracht und jetzt aktualisiert wurde. Die Autoren kritisieren in der Denkschrift die &#8220;fatale Staatsabhängigkeit&#8221; der hiesigen Bürgergesellschaft, die es zu durchbrechen gelte. Defizite werden speziell in der Steuerung, Finanzierung, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Welche Entwicklung soll die aktive Bürgergesellschaft in unserem Land nehmen?</p>
<p>Dazu äußert sich ganz aktuell die <a href="http://www.aktive-buergerschaft.de/fp_files/Denkschrift_Buergergesellschaft_2012.pdf">&#8220;Denkschrift Bürgergesellschaft&#8221;</a>(2012) von Backhaus-Maul/Nährlich/Speth, die schon 2009 in die <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/uber-die-denkschrift-burgergesellschaft-berlin-2009-welcher-weg-soll-eingeschlagen-werden/">Diskussion</a> eingebracht und jetzt aktualisiert wurde.</p>
<p>Die Autoren kritisieren in der Denkschrift die &#8220;fatale Staatsabhängigkeit&#8221; der hiesigen Bürgergesellschaft, die es zu durchbrechen gelte. Defizite werden speziell in der Steuerung, Finanzierung, Transparenz und Rechenschaft von bürgerschaftlichen Akteuren gesehen (S. 3). Als Ziel wird die Selbststeuerung und Selbstorganisation der Bürgergesellschaft formuliert, die möglichst frei von administrativer und parteipolitischer Einflussnahme sein soll (S. 22ff).</p>
<p>Auffällig ist, dass in der Denkschrift die Beteiligung von Bürgern an Entscheidungen im Dritten Sektor nicht thematisiert wird. Auch eine Reflexion der Rolle gemeinnütziger Organisationen als demokratische Akteure sucht man in der Denkschrift vergebens. Die Organisationen der Bürgergesellschaft werden von vornherein als &#8220;zivil&#8221; und &#8220;demokratisch&#8221; eingestuft. Sie können sich den Autoren zufolge nur entwickeln, wenn sich der Staat zurückzieht. Dass ein demokratischer Staat aber &#8211; trotz mancher Fehlsteuerung &#8211; die Voraussetzungen garantiert, die für die Entfaltung einer zivilen Bürgergesellschaft notwendig sind (siehe <a href="http://www.fjnsb.org/sites/default/files/downloads/fjnsb_2009-1_evers.pdf">Evers 2009</a>), wird nirgends gewürdigt.</p>
<p>Den staatlichen Serviceeinrichtungen für das Bürgerengagement wird vorgeworfen, dass es sich hier zwar um staatliche Akteure handle, die aber nicht mehr &#8220;im Sinne einer staatlichen Handlungslogik und in staatlichen Handlungsstrukturen&#8221; agierten. Diese Aussage führt zum Kern der Argumentation: offensichtlich wird &#8220;Zivilität&#8221; und &#8220;Bürgerschaftlichkeit&#8221; mit dem Dritten Sektor gleichgesetzt und nicht gesehen, dass Zivilität und Bürgerschaftlichkeit auch in anderen Sektoren &#8211; im Staat, in der Wirtschaft &#8211; als Haltung vorhanden sein können: &#8220;people can act and speak civicly in all sorts of organizations&#8221; (<a href="http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11266-009-9087-y?LI=true">Eliasoph 2009, 294</a>).</p>
<p>Demokratie und Zivilität werden nicht durch den Rückzug gemeinnütziger Organisationen in &#8220;ihren&#8221; Sektor gestärkt, sondern durch den Austausch aller &#8211; über Sektorengrenzen hinweg &#8211; die bereit sind, Bürgern mehr Handlungsspielräume zuzugestehen. Staatliche Akteure gehören bei diesem Austausch selbstverständlich dazu: &#8220;Demokratische Staatlichkeit ist eine zentrale Ressource für soziales Kapital &#8211; und Zivilität&#8221; (<a href="http://www.fjnsb.org/sites/default/files/downloads/fjnsb_2009-1_evers.pdf">Evers 2009, S. 84)</a>.</p>
<p>Die Autoren kritisieren zu Recht die zum Teil ausgeprägten Regulierungsversuche des Staates gegenüber dem Bürgerengagement. Sie verweisen auch auf die Strategie der Exekutive, in diesem Feld noch mehr Kompetenzen an sich zu ziehen. Aber sie kritisieren nur den Staat. Sie verschließen ihrerseits die Augen vor den Defiziten gemeinnütziger Organisationen, wie der häufig unterentwickelten Partizipationskultur. Die Stellung von Bürgerinnen und Bürgern gegenüber gemeinnützigen Organisationen und Staat wird in der Denkschrift nicht beleuchtet. Die Autoren argumentieren aus einer gänzlich institutionellen Perspektive heraus. Sie sehen die &#8220;Organisationen der Bürgergesellschaft in einem latenten Konfliktverhältnis mit Staat, Wirtschaft und Gesellschaft&#8221; (S. 3). Sehr häufig ist davon aber nichts zu bemerken. Sondern Staat und gemeinnützige Verbände werden sich einig, wenn es darum geht, inhaltliche und finanzielle Regelungen für ein Politikfeld &#8211; wie den Sozialsektor &#8211; zu finden. Die einzigen, die hier am Rand stehen und keine Mitsprachemöglichkeiten besitzen, sind die Bürger selbst, &#8211; ein Umstand, der den Autoren kein Kopfzerbrechen bereitet.</p>
<p>Die Zukunft der Zivilgesellschaft und unserer Demokratie liegt gerade im Ausbau der Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger. Nicht der Rückzug &#8211; &#8220;exit&#8221; &#8211; in den eigenen Sektor, wie ihn die Autoren vorschlagen, ist die Lösung, sondern die verstärkte Beteiligung von Bürgern &#8211; &#8220;voice&#8221; &#8211; an der Entscheidungsfindung in allen Sektoren. Notwendig ist eine Demokratisierung kommunaler Politik- und Verwaltungsprozesse und der gemeinützigen Arbeit. Bürgerinnen und Bürger wollen im Alltag mehr Mitsprache. Die von den Autoren kritisierte Koproduktion &#8211; Bürger helfen mit bei der Erstellung von Dienstleistungen &#8211; verschwindet nicht durch diese Kritik. Vielmehr muss es darum gehen, Bürgern garantierte Mitsprachrechte bei der Planung, dem Design, der Steuerung und der Evaluation von politischen Programmen einzuräumen.</p>
<p>Das ist eine Botschaft, die viele der Organisationen der Bürgergesellschaft verunsichern wird, die sich bisher häufig mit ihren eigenen professionellen Standards befassen, &#8211; und nicht mit dem Willen der Bürger. Die Denkschrift hat dieses Feld &#8211; das den Dritten Sektor noch sehr beschäftigen wird &#8211; komplett ausgeklammert. Es stellt sich die Frage, welches politische Gewicht einer Denkschrift zukommt, die in der heutigen Zeit den Bereich der Bürgerbeteiligung vollkommen ausspart?</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bürgerschaftliches Engagement als Bürgerbeteiligung &#8211; welche Möglichkeiten bietet das Internet?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jul 2012 09:15:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Für den eNewsletter des Netzwerk Bürgerbeteiligung habe ich einen Beitrag geschrieben unter der Überschrift &#8220;Bürgerschaftliches Engagement als Bürgerbeteiligung: Welche Möglichkeiten bietet das Internet?&#8221; (Ansicht siehe unten). Der Beitrag kritisiert eingangs kommunale und gemeinnützige Strategien zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und fordert dazu auf, Bürgerengagement stärker als Bürgerbeteiligung zu konzipieren. Bürger/innen müssen die Möglichkeit erhalten, die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Für den eNewsletter des <a href="http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/">Netzwerk Bürgerbeteiligung</a> habe ich einen Beitrag geschrieben unter der Überschrift <a href="http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/fileadmin/Inhalte/PDF-Dokumente/newsletter_beitraege/beitrag_reiser_120710.pdf">&#8220;Bürgerschaftliches Engagement als Bürgerbeteiligung: Welche Möglichkeiten bietet das Internet?&#8221; </a>(Ansicht siehe unten).</p>
<p>Der Beitrag kritisiert eingangs kommunale und gemeinnützige Strategien zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und fordert dazu auf, Bürgerengagement stärker als Bürgerbeteiligung zu konzipieren. Bürger/innen müssen die Möglichkeit erhalten, die soziale Infrastruktur einer Gemeinde, die Konzeption von Diensten und die Hilfe im Einzelfall (als Betroffener) mitzugestalten. Es wird aufgezeigt, welche Bedeutung digitale Aktionsnetzwerke zwischenzeitlich haben, die Bürger über Online-Medien einbinden, ohne deren Engagement zentral zu steuern, &#8211; im Unterschied zu traditionellen Strategien kollektiven Handelns. Auf Seite 6 stellt eine Tabelle die vielen unterschiedlichen Formen von Online-Beteiligung zusammen und zwar entlang der Kategorien und Methoden des <a href="http://www.digitalengagement.org/">Digital Engagement Cookbook</a>. Beispiele aus dem In-und Ausland veranschaulichen die jeweilige Beteiligungsmethode.</p>
<p>Nicht nur mein Beitrag befasst sich mit den Möglichkeiten der Online-Beteiligung, sondern <a href="http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/themen-diskurse/newsletter/enewsletter-2012/enewsletter-nr-22012/">vier weitere des eNewsletter</a> beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln.</p>
<p>Noch ein paar Infos zum <a href="http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/">Netzwerk Bürgerbeteiligung</a>: Das Netzwerk wurde 2011 auf Initiative der <a href="http://www.mitarbeit.de/">Stiftung Mitarbeit </a>gegründet. Es hat zum Ziel, &#8220;der politischen Partizipation in Deutschland dauerhaft mehr Gewicht zu verleihen und sie auf allen Ebenen (Bund, Länder, Kommunen) zu stärken. Das Netzwerk fragt danach, wie eine »partizipative Demokratie« ausgestaltet und vorangebracht werden kann. Es sucht nach Wegen zur politisch-strategischen Förderung der Bürgerbeteiligung. Auf Basis dieser Grundidee führt das »Netzwerk Bürgerbeteiligung« Menschen aus allen Bereichen zusammen, die die Partizipation von Bürger/innen an politischen Entscheidungen voran bringen und die Zukunft der Bürgerbeteiligung mitgestalten wollen&#8221; (<a href="http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/ueber-das-netzwerk/leitidee/">Über das Netzwerk</a>). Jeder an Beteiligung Interessierte kann <a href="http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/ueber-das-netzwerk/netzwerkerinnen/">Netzwerker und Netzwerkerin</a> werden. Bei gemeinsamen Treffen lernt man sich untereinander und unterschiedliche Beteiligungsprojekte kennen.</p>
<p>Ich finde es gut, dass mit dem Netzwerk der Versuch gestartet wurde, Menschen aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen zum Thema Beteiligung zusammenzubringen, Ressourcen auszutauschen und zu bündeln. Das Netzwerk lebt vom Engagement seiner Mitglieder. Als Bürger/in sollte man nicht warten, bis Beteiligung von staatlicher Seite zugestanden (und gestaltet!) wird (&#8220;Wann führt meine Gemeinde endlich einen Bürgerhaushalt ein?&#8221;), sondern es kommt darauf an, vor Ort konkrete Beteiligungsprojekte einzufordern und zu initiieren.</p>
<p>In den nächsten Tagen soll eine neue Plattform für das Netzwerk Bürgerbeteiligung an den Start gehen, die noch mehr Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Netzwerkern bietet. Man wird dann Beteiligungsprojekte vorstellen und gemeinsam vorantreiben können. Auch von mir gibt es eine Projektinitiative, die ich auf dem <a href="http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/themen-diskurse/aktuelle-meldungen/detailansicht/article/netzwerktreffen-in-koeln-interessante-initiativen-spannende-diskussionen/">Netzwerktreffen in Köln </a>vorgestellt habe und die online auf der neuen Kooperationsplattform weiter diskutiert und vorangebracht werden soll: &#8220;Die Förderung von Teilhabe im Sozialsektor &#8211; soziale Dienste 2.0&#8221;. Ziel meiner Projektinitiative ist es u.a.</p>
<ul>
<li>Mitstreiter/innen zu finden</li>
<li>Best-Practice-Beispiele für Bürger-Teilhabe im Sozialsektor auf lokaler Ebene zu sammeln</li>
<li>Vorschläge zu erarbeiten, wie die Teilhabe von Bürgern gefördert bzw. die sozialen Dienste 2.0 aussehen könnten</li>
</ul>
<p>Das Netzwerk Bürgerbeteiligung wird in der Anfangsphase von einer Aufbaugruppe unterstützt, bei der auch <a href="http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/ueber-das-netzwerk/aufbaugruppe/detailansicht/?tx_displayfeusers_pi1[userUid]=16&amp;tx_displayfeusers_pi1[action]=show&amp;tx_displayfeusers_pi1[controller]=User">Sophie Scholz</a>, die Gründerin der Socialbar mitmacht. Mit ihr hat die Zusammenarbeit im Rahmen des eNewsletters Freude gemacht &#8211; vielen Dank, Sophie!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/fileadmin/Inhalte/PDF-Dokumente/newsletter_beitraege/beitrag_reiser_120710.pdf</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bürgerbeteiligung im Sozialsektor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jun 2012 10:57:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dezentralisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[E-Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerke]]></category>
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		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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		<category><![CDATA[soziales Kapital]]></category>
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					<description><![CDATA[In demokratiepolitischer Hinsicht ist der Sozialsektor ein Entwicklungsgebiet. Die Bürgerinnen und Bürger einer Gemeinde können in der Regel weder die soziale Infrastruktur ihres Ortes verbindlich mitgestalten, noch können sie über die Art und Weise, wie soziale Dienste ihre Leistungen erbringen, mitentscheiden. Wie Bürger gepflegt, betreut, gefördert, beraten werden &#8211; darüber entscheiden in letzter Instanz die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In demokratiepolitischer Hinsicht ist der Sozialsektor ein Entwicklungsgebiet. Die Bürgerinnen und Bürger einer Gemeinde können in der Regel weder die soziale Infrastruktur ihres Ortes verbindlich mitgestalten, noch können sie über die Art und Weise, wie soziale Dienste ihre Leistungen erbringen, mitentscheiden. Wie Bürger gepflegt, betreut, gefördert, beraten werden &#8211; darüber entscheiden in letzter Instanz die zuständigen Institutionen und Professionen.</p>
<p>Auch als Individuen fehlen Bürgern in Hilfseinrichtungen Teilhaberechte. Beim &#8220;Case-Management&#8221;, das auf die Mitwirkung von Klienten bei der Planung von Hilfsmaßnahmen zielt, behalten die institutionellen Regeln und Vorgaben die Oberhand, &#8211; das &#8220;Klientensystem&#8221; ist dem &#8220;Helfersystem&#8221; strukturell unterlegen (Hinte 2007). Das Persönliche Budget, das in der Behindertenhilfe den Status des einzelnen als Käufer von Leistungen stärken soll, konnte sich bisher in der Fläche nicht durchsetzen und fristet auch heute noch ein Dasein als &#8220;Exot&#8221; (Schäfers 2009). In der Praxis werden zudem die Auswahlrechte behinderter Bürger beschnitten, weil nur die bestehenden Angebote der Träger zur Wahl stehen. Manchmal übernimmt es die Sozialverwaltung auch gleich selbst, einen passenden Dienstleister auszuwählen und schriftlich festzulegen (Schäfers 2009, 179).</p>
<p>Es gibt zwei Akteursgruppen, die im Sozialsektor die Macht unter sich aufteilen: die Leistungsträger (Sozialverwaltung, Pflegekassen usw.) und die Leistungserbringer. Letztere sind zu einem guten Teil mit den gemeinnützigen Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege identisch. Bürger sind in diesem System nur Randfiguren ohne verbindliche Teilhaberechte. Es dominiert die &#8220;Fürsorge&#8221; bzw. die &#8220;Versorgung&#8221;. Mit Demokratie und Bürger-Mitsprache hat dies nichts zu tun.</p>
<p>Die gesetzliche Verankerung von verbindlichen Teilhaberechten für Bürger im Sozialbereich auf allen drei Ebenen (Gemeinde/Einrichtung/Individuum) in allen Phasen der Planung und Produktion sozialer Dienste wäre ein wichtiger Schritt, aber kein Garant für deren Umsetzung (siehe das Schicksal des Persönlichen Budgets&#8230;).</p>
<p>Die Veränderung des Systems muss vielmehr auf der lokalen Ebene durch die Bürger selbst vorangetrieben werden. Gemeinnützige Einrichtungen und die örtliche Verwaltung müssen als Partner der Veränderung gewonnen werden. Die Demokratisierung von Institutionen und Abläufen im Sozialsektor braucht die Mitwirkung der wichtigsten Player. Von deren Reaktion hängt es ab, ob Veränderungen gelingen oder nicht.</p>
<p>Welche Punkte sind zu beachten, wenn die Beteiligung von Bürgern in gemeinnützigen und kommunalen Sozialeinrichtungen gefördert werden soll? Gute Anregungen liefert ein Aufsatz von <a href="http://bjsw.oxfordjournals.org/content/40/3/714.abstract">Hernandez/Robson/Sampson (2010)</a> über &#8220;Integrated Participation&#8221;:</p>
<p>1. Bürgerpartizipation darf nicht als Zusatzaufgabe (&#8220;add-on&#8221;) betrachtet werden, die man bei Bedarf auch weglassen kann. Sondern die Teilhabe von Bürgern muss in den Einrichtungsalltag integriert werden und sich in Strukturen, Programmen und Prozessen niederschlagen.</p>
<p>2. Die Organisation der Bürger-Teilhabe sollte nicht an darauf spezialisiertes Personal delegiert werden, &#8211; so wie heute das &#8220;Freiwilligenmanagement&#8221; an die &#8220;Freiwilligenmanager&#8221;. Vielmehr muss Teilhabe ein Thema sein, das jeden einzelnen Mitarbeiter in einer Organisation angeht, egal, welche Zuständigkeit er/sie im Detail hat. Spezialpersonal baut eigene Wissenssilos auf &#8211; und das wäre hier ganz kontraproduktiv, da jeder in einer Institution den Umgang und die Kooperation mit Bürgern lernen und beherrschen muss.</p>
<p>3. Die Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten von Bürgern müssen im Selbst- und Leitbild einer Sozialeinrichtung fest verankert sein. Es muss sie dazu befähigen, ein breites Angebot an Beteiligungsmöglichkeiten zu entwickeln und Beteiligungshindernisse zu beseitigen.</p>
<p>4. Zeit und Geld sind notwendig, wenn Nutzer von Diensten, deren Angehörige, die Bürger einer Stadt/eines Stadtteils soziale Dienste gemeinsam mit den Mitarbeitern einer Einrichtung gestalten: &#8220;the process for developing strong relationships based on trust, respect and mutual understanding required a considerable amount of time&#8221; (<a href="http://bjsw.oxfordjournals.org/content/40/3/714.abstract">Hernandez u.a. 2010, 731</a>). Zeitlich begrenzte Projekte und Dienste werden nur schwer in der Lage sein, entsprechend konstruktive und stabile Beziehungen zur Bürgerseite hin aufzubauen.</p>
<p>Wichtig ist, dass bestehende Netzwerke in die Beteiligungsstrategien eingebunden werden, sowohl die informellen Netzwerke der einzelnen als auch die lokalen Netzwerke aus Organisationen und Initiativen. In diesen Netzwerken sammeln sich Ressourcen und Kompetenzen (&#8220;soziales Kapital&#8221;), die Partizipation unterstützen und fördern können. Was einer allein nicht kann &#8211; Beteiligungsmöglichkeiten ergreifen oder schaffen &#8211; kann mit der Hilfe anderer gelingen.</p>
<p>Beteiligung im Sozialsektor und auf der kommunalen Ebene insgesamt darf sich nicht auf formale Verfahren beschränken, sondern Beteiligung muss in den Alltag der Bürger und Einrichtungen gebracht werden, &#8211; in den Stadtteil, in den Verein, in soziale Organisationen (vgl. <a href="http://www.thersa.org/__data/assets/pdf_file/0011/518924/RSA_Communities-Connected-AW_181011.pdf">Morris FRSA/Gilchrist o.D.</a>). Bildlich gesprochen: die Partizipation muss zu den Bürgern kommen &#8211; und nicht umgekehrt. Institutionen haben eine Bringschuld, wenn es um Beteiligung geht: Mitmach- und Mitentscheidungsmöglichkeiten müssen so niedrigschwellig und vielfältig wie möglich sein. Soziale Medien können Beteiligungsprozesse erheblich vereinfachen und diversifizieren, &#8211; das <a href="http://www.digitalengagement.org/engine/methods/directory">&#8220;Digital Engagement Cookbook&#8221;</a> zeigt die vielen Online-Partizipationstools auf.</p>
<p>Soziale Medien spielen auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Pflege lokaler Netzwerke, die durch das Internet um überregionale Akteure und Ressourcen ergänzt werden.</p>
<p>Gerade Beteiligung findet heute immer stärker über informelle Online-Netzwerke statt, in denen Technologien die Aufgaben übernehmen, die ansonsten Organisationen erledigen (Koordination, Info-Verteilung, Kommunikation). Diese Netzwerke funktionieren nach einer anderen Logik als die traditionellen Beteiligungsangebote hierarchischer Organisationen. Für die Einrichtungen im Sozialbereich und die kommunale Ebene insgesamt stellt sich die Frage, wie das Engagement, das in dieser &#8220;digitally networked action&#8221; <a href="http://dx.doi.org/10.1080/1369118X.2012.670661">(Bennett/Segerberg 2012, 743)</a> zum Ausdruck kommt, für lokale Beteiligungsprojekte genutzt werden kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Literatur (wenn nicht verlinkt):</p>
<ul>
<li>Hinte, Wolfgang (2007): Wer beteiligt wen? Willen und Wünsche im Case Management, in: Soziale Arbeit, Heft 11-12, 425-432.</li>
<li>Schäfers, Markus (2009): Wie man aus einem Persönlichen Budget eine verdeckte Sachleistung macht, in: Teilhabe, Heft 4, 176-183.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Koproduktion &#8211; eine Einbahnstraße für Bürger?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 16:43:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Koproduktion]]></category>
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		<category><![CDATA[Bürgerbeteiligung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlfahrtsmix]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Familien, Nachbarn und Freunde eines hilfsbedürftigen Menschen haben in der Regel großen Anteil an dessen Betreuung. Beispielsweise leben 70% der Pflegebedürftigen zu Hause und werden größtenteils (in 70% der Fälle) von Angehörigen gepflegt (Wendt 2011, 208). Im sogenannten &#8220;Wohlfahrtsmix&#8221;, der Produktion sozialer Dienstleistungen durch gemeinnützige, öffentliche und gewerbliche Träger sowie das persönliche Umfeld eines [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Familien, Nachbarn und Freunde eines hilfsbedürftigen Menschen haben in der Regel großen Anteil an dessen Betreuung. Beispielsweise leben 70% der Pflegebedürftigen zu Hause und werden größtenteils (in 70% der Fälle) von Angehörigen gepflegt (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Wendt 2011, 208</a>). Im sogenannten &#8220;Wohlfahrtsmix&#8221;, der Produktion sozialer Dienstleistungen durch gemeinnützige, öffentliche und gewerbliche Träger sowie das persönliche Umfeld eines Betroffenen, &#8220;überwiegt somit, sozialwirtschaftlich betrachtet, die häusliche Wertschöpfung&#8221; (Wendt 2011, 209, in: <a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Blätter der Wohlfahrtspflege Heft 6</a>. Alle zitierten Texte in diesem Blogbeitrag stammen aus dieser Ausgabe).</p>
<p>Es mehren sich deshalb die Stimmen in der sozialen Arbeit, die fordern, der faktischen Koproduktion sozialer Dienste durch Bürger und professionelle Anbieter auch auf Organisationsseite Rechnung zu tragen. Allerdings nur auf zweierlei Weise:</p>
<p>1. Die Dienste sollen die Ressourcen der informellen Helfer in ihre Personaleinsatzplanung mit einbeziehen. Das heißt, der Dienst und die Angehörigen stimmen untereinander ab, wer was wann erledigt (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Wendt 2011, 210</a>).</p>
<p>2. Die Gegenüberstellung von professioneller Arbeit und Laienpflege wird aufgegeben. Es bilden sich Netzwerke (&#8220;Pflegenetzwerke&#8221;, &#8220;Assistenznetzwerke&#8221;) auf lokaler Ebene, die die Hilfe im Einzelfall und die Angebote auf örtlicher Ebene untereinander abstimmen. Das Ziel der Netzwerkkoordination ist die möglichst passgenaue und effiziente Organisation der Hilfeerbringung (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Tabatt-Hirschfeldt 2011, 203</a>).</p>
<p>Haben Bürger in diesen Koproduktionsmodellen formale Entscheidungskompetenzen, um das Leistungsangebot auf örtlicher Ebene mitbestimmen zu können?</p>
<p>Die Teilhabe von Bürgern wird hier eher individualisiert und auf den Einzelfall bezogen. Bürger können sich im Detail mit Diensten abstimmen, wenn es um die Betreuung von Angehörigen geht, &#8211; aber immer auf der Basis eines existierenden Leistungsangebots, über dessen Ausgestaltung andere entscheiden.</p>
<p>Gerade die empirische Forschung in der Behindertenhilfe zeigt, dass die Inklusion von Menschen und ihr Recht auf Teilhabe mit den existierenden Hilfsstrukturen der Dienste kollidiert: individuelle Wünsche und Bedarfe laufen ins Leere, denn &#8220;ein kreatives Entwickeln neuer Teilhabearrangements findet nur selten statt&#8221; (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Barth 2011, 218</a>).</p>
<p>Das Problem des im Sozialbereich propagierten &#8220;Wohlfahrtsmixes&#8221; bzw. des hier entworfenen Koproduktionsmodells ist es, dass im Mittelpunkt die Dienste und öffentlichen Stellen mit ihrem Planungsrecht stehen, &#8211; und nicht die Bürger als Gestalter örtlicher Lebenszusammenhänge. Exemplarisch wird dies an einem &#8220;operativen Netzwerk zur Entwicklung eines Familienzentrums&#8221; deutlich, das von Tabatt-Hirschfeldt als Beispiel angeführt wird (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">2011, 205</a>): hier gruppieren sich elf Institutionen um einen Kindergarten, aber nur drei Bürgergruppen sind involviert, mit denen informell kooperiert wird bzw. die &#8220;mitwirken&#8221;, &#8211; von verbindlichen Mitbestimmungsmöglichkeiten ist nichts zu erfahren.</p>
<p>Es stellt sich deshalb die Frage, wie es um die <em>demokratische Legitimation</em> dieser Koproduktionsmodelle im Sozialbereich steht und wo die Mitbestimmungschancen für Bürger im Wohlfahrtsmix sind, die über das persönliche Umfeld hinaus reichen. Wer kontrolliert die örtlichen Wohlfahrtsnetzwerke? Wer bestimmt über die örtlichen Angebotsstrukturen? Wenn Bürger einen wichtigen Beitrag an der Koproduktion sozialer Dienste leisten, dann benötigen sie auch das Recht, über die örtlichen Angebotsstrukturen mitbestimmen zu können. Ansonsten werden formale Teilhaberechte konterkariert.</p>
<p>Soziale Dienste betonen ihre wichtige Rolle in der Wohlfahrtsproduktion. Sie sollten die demokratischen Implikationen ihrer Tätigkeit nicht ausblenden. Soziale Dienstleistungen versorgen Bürger nicht nur, sondern sie machen gleichzeitig Aussagen über den Status des einzelnen, &#8211; der Bürger ist oder Hilfsempfänger bleibt. Es wäre eine große Chance, auf kommunaler Ebene die Steuerungsstrukturen im Sozialbereich so auszugestalten, dass Bürger die Angebote in ihrem Quartier mitbestimmen können.</p>
<p>Desweiteren muss sich der Sozialbereich anderen Sektoren gegenüber öffnen &#8211; der Kultur, der Bildung, dem Sport usw. &#8211; und Angebote vernetzen. Allein die Konzentration auf den richtigen &#8220;Wohlfahrtsmix&#8221; ist eine Sackgasse. Gefragt sind Konzepte, die den Bürger und dessen gesamtes Umfeld, den &#8220;Sozialraum&#8221;, in den Mittelpunkt stellen und nicht die sozialen Dienste selbst. Der Weg muss vom &#8220;Wohlfahrtsmix&#8221; zur Bürgerbeteiligung führen.</p>
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		<title>Führung in Vereinen &#8211; vom &#8220;Held&#8221; zum &#8220;Gastgeber&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 10:33:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Bewegung formiert sich weltweit, die herkömmliche Führungsmethoden verändern will. &#8220;The Art of Hosting&#8221; zielt darauf ab, das Wissen, die Kreativität und die Mitwirkung des Umfelds einer Organisation zu nutzen. Statt Entscheidungen ohne Teilhabe des weiteren Stakeholder-Kreises zu treffen &#8211; in der Art des &#8220;einsamen Helden&#8221; (Hero) &#8211; sollen alle, die von einem Thema tangiert [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Bewegung formiert sich weltweit, die herkömmliche Führungsmethoden verändern will. &#8220;<a href="http://www.artofhosting.org/home/">The Art of Hosting</a>&#8221; zielt darauf ab, das Wissen, die Kreativität und die Mitwirkung des Umfelds einer Organisation zu nutzen. Statt Entscheidungen ohne Teilhabe des weiteren Stakeholder-Kreises zu treffen &#8211; in der Art des &#8220;einsamen Helden&#8221; (Hero) &#8211; sollen alle, die von einem Thema tangiert sind, Partizipationsmöglichkeiten erhalten. Die Methode, als &#8220;Gastgeber&#8221; (Host) zu agieren, der Bürger und andere Einrichtungen zum Mitdenken und Mitmachen einlädt, beruht auf der Erfahrung, &#8220;that people will only support those things they&#8217;ve played a part in creating&#8221;<a href="http://www.interchange.dk/download/HeroToHost-final_650.pdf"> (Frieze/Wheatley 2011, 3)</a>.</p>
<p>Welches Potential die Einbeziehung von Betroffenen für Organisationen und die kommunale Ebene birgt, zeigt ein Aufsatz von <a href="http://www.interchange.dk/download/HeroToHost-final_650.pdf">Frieze/Wheatley (2011)</a>, die über Columbus, die Hauptstadt von Ohio/USA, berichten (via<a href="http://www.michelemmartin.com/thebambooprojectblog/2011/12/from-hero-to-host-giving-up-on-being-the-expert.html?"> Michelle Martin</a>). Dort wenden viele Institutionen &#8211; die Universität, die Kommunalverwaltung, die örtliche Ärztevereinigungen und Nonprofits wie Obdachlosen- und Jugendhilfeeinrichtungen sowie die regionale Lebensmittelhilfe (Foodbank)- den crowdsourcing-Ansatz an, der das Engagement und das Wissen von Betroffenen abrufen will.</p>
<p>Man nutzt dafür Methoden wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/World-Caf%C3%A9">World Cafés</a>, Gesprächskreise und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Space">Open Space-Technologien</a>, bei denen jeder einen Input liefert.</p>
<p>So hat bspw. die regionale gemeinnützige Lebensmittelhilfe in Columbus mit der traditionellen, hierarchischen Art der Entscheidungsfindung gebrochen und 2005 hundert Stakeholder zu einem World Café eingeladen um die Frage zu klären, wie es der Einrichtung gelingen kann, nicht nur reaktiv mit dem Thema Armut und Hunger umzugehen, sondern etwas an den Ursachen dieses Problems zu verändern.</p>
<p>Die Ergebnisse dieses World Cafés, das die Ideen der Beteiligten abrief, führte u.a. dazu, dass sich die Lebensmittelhilfe für eine wohnortnahe Nahrungsmittelproduktion einsetzt, Community- Gärten anlegt und die örtlichen Tafeln so gestaltet, dass die Bürger, die Hilfe brauchen, Wahlmöglichkeiten erhalten (Frieze/Wheatley 2011).</p>
<p>Der kooperative Ansatz, Stakeholder in die Entscheidungsfindung einzubeziehen, wird von der Lebensmittelhilfe in Columbus in allen Bereichen genutzt &#8211; im Fundraising, bei Besprechungen des Führungspersonals und im Vorstand. Dazu Matt Habash, der Präsident und CEO der Foodbank: &#8220;I don&#8217;t hardly talk at board meetings anymore (&#8230;) I used to run them &#8211; you know, the world according to Matt. Instead, we move to a strategic level of conversation by using Café or sitting in circle&#8221; (Frieze/Wheatley 2011, 6).</p>
<p>Die Notwendigkeit, dass gemeinnützige Organisationen sich nach außen hin öffnen und das Wissen der Bürger und anderer Institutionen auf lokaler Ebene stärker nutzen, wird auch von der Wissenschaft bestätigt, derzufolge die Fähigkeit, über organisationale Grenzen hinweg zu arbeiten, an Bedeutung gewinnt. Das Selbstverständnis der Führungskräfte muss sich vom Fokus auf die eigene Organisation hin zum Netzwerk aus Bürgern und Einrichtungen entwickeln, die mit der eigenen Organisation verbunden sind (vgl. <a href="http://nvs.sagepub.com/content/38/4/597.abstract">Paarlberg/Varda 2009, 609</a>). Im letzten <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/vereine-brauchen-mehr-demokratie-und-netzwerke/">Blogbeitrag </a>(&#8220;Vereine brauchen mehr Demokratie und Netzwerke&#8221;) habe ich schon erwähnt, dass die Fähigkeit zum Ressourcenaustausch wichtiger wird als der eigene begrenzte Ressourcenpool, &#8211; dies gilt speziell für den Bereich des Wissens.</p>
<p>Bezieht man Bürger in die Entscheidungsfindung mit ein, kann man mit mehr Unterstützern rechnen, &#8211; eine Perspektive, die insbesondere für Vereine, die mit dem Rückgang von ehrenamtlichem Engagement und der Bereitschaft zur Amtsübernahme konfrontiert sind, interessant ist. So wird es auch möglich, sich neue Unterstützerkreise zu erschließen. In diesen Tagen erst <a href="http://www.aktive-buergerschaft.de/buergergesellschaft/kommentare/2012/verbaende_und_das_engagement">war zu lesen</a>, dass die Diakonie zwar viele ehrenamtliche Helfer hat, die meisten aber über 60 Jahre alt sind. Zu wenig wurde unternommen, um junge Menschen oder mittlere Altersgruppen zu gewinnen. Verbände und Vereine müssen für &#8220;attraktivere Arrangements&#8221; (<a href="http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/downloads/Thomas_Roebke_Der_Verein_als_Form_zivilgesellschaftlicher_Selbstorganisation.pdf">Röbke 2011</a>) in ihrem Verbands- und Vereinsleben sorgen, &#8211; das Abrufen des Stakeholderwissens könnte ein guter Schritt dahin sein.</p>
<p>Häufig bilden das professionelle Selbstverständnis und der Unwille, an den bestehenden Macht- und Entscheidungsstrukturen etwas zu ändern, die größten Hindernisse auf dem Weg zu mehr Bürgerbeteiligung. Dies werden deshalb auch die größten &#8220;Baustellen&#8221; sein, an denen Gemeinnützige arbeiten müssen, wollen sie mehr Bürger zum Mitmachen gewinnen.</p>
<p>Die Art of Hosting-Community und die Open Space-Bewegung sind davon überzeugt, dass Bürger-Wissen wichtig ist und sich durch die gemeinschaftliche Bearbeitung von Themen komplexe Probleme eher lösen lassen als durch die traditionelle &#8220;Hero&#8221;-Vorgehensweise, bei der die Leitung Entscheidungen fällt, &#8211; ohne das Umfeld der Mitglieder, der Ehrenamtlichen, der Freunde und Unterstützer ausführlicher einzubeziehen.</p>
<p>Soziale Medien können die sogenannten &#8220;Co-Creation&#8221; (oder Koproduktions)- Prozesse unterstützen, &#8211; es gibt unzählige Tools, mit deren Hilfe man online zusammenarbeiten kann, &#8211; ein kleiner Überblick findet sich <a href="http://www.computerwoche.de/netzwerke/web/2484881/index9.html">hier</a>. Auch World Cafés selbst können online durchgeführt werden, &#8211; allerdings wird hier noch experimentiert, welches Tool bzw. welche Plattform sich am besten eignet, siehe diverse Erfahrungsberichte <a href="http://www.theworldcafecommunity.org/group/worldcafesonline/forum">hier </a>und <a href="http://radical-inclusion.com/2011/02/online-group-scribbling-experimenting-with-a-virtual-world-cafe/?lang=de">hier</a>.</p>
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