<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Macht &#8211; Nonprofits-vernetzt.de</title>
	<atom:link href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/category/macht/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de</link>
	<description>Partizipatives Stakeholder-Management &#38; Digitalisierung im Nonprofit-Sektor</description>
	<lastBuildDate>Mon, 19 Nov 2018 18:37:27 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.1.1</generator>
	<item>
		<title>Augmented Reality &#8211; Folgen für den Sozialraum</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/augmented-reality-folgen-fuer-den-sozialraum/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/augmented-reality-folgen-fuer-den-sozialraum/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Nov 2018 18:37:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Augmented Reality]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Plattform]]></category>
		<category><![CDATA[Quartier]]></category>
		<category><![CDATA[AR]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[mixed reality]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialraum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=1492</guid>

					<description><![CDATA[Augmented Reality (AR) bedeutet im engen Sinn, dass die reale Welt um digitale Informationen ergänzt wird. Diese Informationen können unterschiedlich abgerufen werden: u.a. über das Smartphone, über AR-Brillen oder als Projektion auf  Windschutzscheiben und in den realen Raum. Grundsätzlich kann alles in der realen Welt um digitale Inhalte ergänzt bzw. erweitert werden: Gebäude, Infrastrukturen, Gegenstände, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Augmented Reality (AR) bedeutet im engen Sinn, dass die reale Welt um digitale Informationen ergänzt wird. Diese Informationen können unterschiedlich abgerufen werden: u.a. über das Smartphone, über AR-Brillen oder als Projektion auf  Windschutzscheiben und in den realen Raum. Grundsätzlich kann alles in der realen Welt um digitale Inhalte ergänzt bzw. erweitert werden: Gebäude, Infrastrukturen, Gegenstände, Natur, &#8211; aber auch Menschen und deren Interaktionen. Bei der Augmented Reality verschmelzen reale und virtuelle Welt miteinander, deshalb spricht man auch von einer &#8220;mixed reality&#8221;. Wichtig für AR ist der Standort des Nutzers,  denn abhängig von dessen Position im Raum verändern sich die angezeigten Informationen.</p>
<p>Wie wird sich die erweiterte Realität im physikalischen Raum auswirken? Wer darf öffentliche und private Räume mit digitalen Informationen anreichern? Welche Folgen wird AR für Räume im Quartier, die dortigen gemeinnützigen Einrichtungen und die Quartiersvernetzung haben?</p>
<p>Über die Ethik von AR macht sich <a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s10676-018-9484-2" target="_blank" rel="noopener">E. Neely (2018)</a> Gedanken. Sie versucht zu klären, wer reale Räume mit digitalen Informationen anreichern darf. Ihr zufolge hängt eine Antwort entscheidend davon ab, ob sich für die erweiterte Realität eine bzw. wenige Plattformen und Apps durchsetzen oder viele konkurrierende. Ist ersteres der Fall, dann sollte bei <em>privaten</em> Räumen der jeweilige Besitzer vorrangig das Recht haben, seinen Raum mit digitalen Informationen anzureichern. Wo für Augmented Reality viele konkurrierende Apps und Plattformen genutzt werden, werden auch private Räume mit vielen unterschiedlichen Erweiterungen ergänzt werden können, ohne dass dies der Besitzer eines Raumes verhindern kann. Im <em>öffentlichen</em> Bereich kann durch AR ein neuer Diskurs begründet werden: Bürger/innen kommen miteinander im realen Raum ins Gespräch, wobei man hier beachten muss, dass die öffentliche Rede via AR länger sichtbar bleibt als das gesprochene Wort. Auch müssen unter Umständen für bestimmte öffentliche Räume Regeln definiert werden, um AR auf dem Niveau von graffitiy oder Spam entfernen zu können.</p>
<p>Aufgrund der negativen Erfahrungen im Zusammenhang mit den sozialen Medien ist damit zu rechnen, dass auch die Augmentierung von Räumen unethisch genutzt werden wird, d.h. dass private und öffentliche Räume erweitert werden mit Inhalten, die beleidigend, rassistisch, gewalttätig  und pornographisch sind:  In der realen Umwelt werden virtuelle &#8220;Aushänge&#8221; mit negativen und polarisierenden Inhalten angebracht. Abschreckende Beispiele finden sich im Text der Autorin (Neely 2018).</p>
<p>Nonprofits im Quartier müssen damit rechnen, dass digitale Informationen, Kommentare und Bewertungen  ihrer Einrichtungen von Dritten mit dem realen Raum verbunden werden, so dass jeder Vorbeikommende, der über die entsprechende AR-Anwendung verfügt, diese Informationen sofort sieht. Grundsätzlich bietet AR so auch die Chance einer besseren Kontaktaufnahme zwischen einer Einrichtung und Bürgern: Wer an einer gemeinnützigen Einrichtung vorbei spaziert  und mit einem Smartphone ausgestattet ist, sieht z.B. an das Haus &#8220;gepinnte&#8221; virtuelle Kontaktdaten und Angebote für Freiwillige. Passanten können bei Interesse direkt mit der Organisation in den Austausch treten, Wände werden durchlässiger. Angebote im Quartier werden so viel besser und unmittelbarer bekannt.</p>
<p>Das derzeitige Problem vieler Quartiere, dass ihre Ressourcen nicht kartiert und allgemein bekannt sind bzw. die Ressourcen untereinander zu wenig verknüpft, könnte AR reduzieren. Die erweiterte Realität bietet die Chance, Einrichtungen und Bürger ganz niedrigschwellig und raumbezogen miteinander zu vernetzen.</p>
<p>Aber es existieren auch &#8211; wie oben erwähnt &#8211; erhebliche Gefahren, wenn sich der Hass und die Desinformation aus den sozialen Medien in realen Räumen lokalisiert. Hinzukommt die zunehmende Individualisierung durch AR: Wenn sich reale und virtuelle Welt zunehmend mischen und jeder &#8211; je nach benutzter Anwendung &#8211; unterschiedliche digitale Informationen  im Raum vorfindet, dann stimmt die Annahme, dass wir alle die selbe Realität teilen, nicht mehr (vgl.<a href="http://digitalcommons.sacredheart.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1083&amp;context=computersci_fac" target="_blank" rel="noopener"> Wolf/Grodzinsky/Miller 2015</a>). Diese Annahme war zwar schon in der Vergangenheit nicht ganz richtig angesichts unterschiedlicher sozialer Herkünfte und unterschiedlichem kulturellen und sozialen Kapital. Aber mit der erweiterten Realität werden die Erfahrungen im Raum nochmals stärker und radikaler individualisiert.</p>
<p>AR-Anwendungen und Plattformen werden eine ganz zentrale Rolle spielen, wenn es um den Blick auf die physikalische Welt geht, denn was wir vor Ort sehen, wird durch die Inhalte dieser Plattformen mitbestimmt werden und ist in deren Besitz. Dies wirft die ethische und politische Frage auf: &#8220;Wem gehört der Raum zwischen unseren Augen und einem Objekt?&#8221; (Wolf/Grodzinsky/Miller 2015). Die Zivilgesellschaft sollte diese Frage ganz dringend diskutieren.</p>
<p>Literatur:</p>
<ul>
<li>Neely, E.L. (2018): Augmented reality, augmented ethics: who has the right to augment a particular space?, in: Ethics and Information Technology, https://doi.org/10.1007/s10676-018-9484-2</li>
<li>Wolf, M.J., Grodzinsky, F.S., Miller K.W. (2015): Augmented Reality All Around Us: Power and Perception at a Crossroads, ACM<br />
Computers and Society, Vol 45 issue 3,  S. 126-131</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/augmented-reality-folgen-fuer-den-sozialraum/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Macht der Internetkonzerne und die Rolle der Zivilgesellschaft</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/die-macht-der-internetkonzerne-und-die-rolle-der-zivilgesellschaft/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/die-macht-der-internetkonzerne-und-die-rolle-der-zivilgesellschaft/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Mar 2018 11:49:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Plattform]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialeinrichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Unternehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlfahrtsverbände]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Internetkonzerne]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=1454</guid>

					<description><![CDATA[Das Internet hat sich in den vergangenen Jahren stark zentralisiert. Nutzer/innen, Organisationen und nicht-organisierte Massen und Schwärme sind hauptsächlich auf den Plattformen der folgenden vier Unternehmen aktiv: Google, Facebook, Amazon und Apple. Mit ihren Diensten geben diese vier kommerziellen Anbieter die Handlungsmöglichkeiten der Nutzer in weiten Teilen des Internet vor. Sie regulieren mit ihrer Infrastruktur [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Internet hat sich in den vergangenen Jahren stark zentralisiert. Nutzer/innen, Organisationen und nicht-organisierte Massen und Schwärme sind hauptsächlich auf den Plattformen der folgenden vier Unternehmen aktiv: Google, Facebook, Amazon und Apple.</p>
<p>Mit ihren Diensten geben diese vier kommerziellen Anbieter die Handlungsmöglichkeiten der Nutzer in weiten Teilen des Internet vor. Sie regulieren mit ihrer Infrastruktur das soziale Handeln im Netz. Sie sind &#8220;Gatekeeper&#8221;, &#8220;Kuratoren&#8221;, Kontrolleure und Überwacher. Die ursprüngliche Hoffnung, dass das Internet dezentralisierte  Angebote befördert, wird durch Netzwerkeffekte konterkariert: Nutzer/innen bevorzugen jene Angebote, die die Masse nutzt, und nicht kleine Plattformen mit wenig traffic, selbst wenn letztere bottom up entwickelt, demokratisch und gemeinnützig sein sollten.</p>
<p>In dem neuen Buch <strong>&#8220;<a href="http://www.springer.com/de/book/9783658179090" target="_blank" rel="noopener">Kollektivität und Macht im Internet</a>&#8220;</strong> von Dolata/Schrape (2018) kommt Ulrich Dolata deshalb zu folgendem Schluss:  &#8220;Nicht Dezentralisierung, Demokratisierung und Kooperation, sondern Konzentration, Kontrolle und Macht sind (&#8230;) die Schlüsselprozesse und -kategorien, mit denen sich die wesentlichen Entwicklungstendenzen des (kommerziellen) Internets angemessen erfahren lassen&#8221; (Dolata 2018, 101).  Durch die schiere Reichweite ihrer Plattformen und Angebote gewinnen Google, Facebook, Amazon und Apple im Internet Macht über a) Infrastrukturen und Regeln, b) Daten und c) ökonomische Macht durch Werbeinnahmen, Handel, den Geräteverkauf und Dienste, da sie in ihren Segmenten Monopolisten sind (Google im Bereich der Suchmaschinen, Facebook im Bereich sozialer Netzwerke, Amazon im Internethandel und Apple bei den multimedialen Geräten) (Dolata 2018, 123ff).</p>
<p>Die Abwanderung von Nutzern wollen die vier Monopolisten in jedem Fall vermeiden. Durch die Weiterentwicklung ihrer Angebote zu &#8220;soziotechnischen Ökosystemen&#8221; (Dolata) mit einer Vielzahl aufeinander abgestimmten Diensten und der Entwicklung &#8220;proprietärer technischer Systemwelten&#8221; (Dolata), die untereinander inkompatibel sind, soll der Wechsel zu einem anderen Anbieter für Nutzer erschwert werden. Die Stellung der Monopolisten wird noch gefördert durch</p>
<ul>
<li>ihre hohen Investitionen in die bestehenden Plattformen und Dienste</li>
<li>ihre massiven Ausgaben für Forschung und Entwicklung</li>
<li>den Aufkauf von innovativen startups, um neue zukunftsweisende Angebote machen zu können</li>
</ul>
<p>(Dolata 2018, 101ff).</p>
<p>Aber da die Netzwerkeffekte bzw. die Reaktionen der nicht-organisierten Massen und Schwärme nicht vorhersehbar sind, ist auch keiner der Monopolisten unangreifbar. Trotz aller Maßnahmen, die die Konzerne ergreifen, um eine Nutzerabwanderung zu verhindern: &#8220;Der Schwarm kann auch weiterziehen&#8221; (Dolata 2018, 111). Und darin liegt die Macht der Nutzer: in dieser kollektiven Dimension, nicht &#8211; so Dolata &#8211; in der Macht der Einzelpersonen. Erst als Masse haben Nutzer Macht und diese Masse baut sich dem Autor zufolge &#8220;unkoordiniert auf&#8221; (Dolata 2018, 12). Neben der Macht der Schwärme spielen auch die Staaten und ihre Verbünde eine wichtige Rolle als regulierende Instanz, um die Macht der großen Internetkonzerne einzuschränken.</p>
<p>Die Frage ist, weshalb der Autor die Macht <em>organisierter</em> Bewegungen nicht als Bedrohung für die Monopole sieht. Vielleicht deshalb nicht, weil auch organisierte soziale Bewegungen (und viele Nonprofits &#8230;) zwischenzeitlich ganz auf die kommerziellen Plattformen mit ihrer großen Reichweite setzen (Dolata 2018, 52). Schade, dass von Seiten der großen gemeinnützigen Organisationen &#8211; und ich denke hier speziell an die mächtigen Wohlfahrtsverbände &#8211; nie eine breite gesellschaftliche Debatte über <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/vom-internet-zum-alternet-entwicklungen-jenseits-der-grossen-plattformen/" target="_blank" rel="noopener">alternative Wege und Tools im Internet</a> angezettelt wurde oder man eine Bewegung initiierte, die auf die Regulierung und Kontrolle der Internetkonzerne zielt. Die großen Konzerne ihrerseits umgarnen die engagierte Zivilgesellschaft mit Förderprogrammen und Wettbewerben wie dem <a href="https://smart-hero-award.de/ueber_den_award/" target="_blank" rel="noopener">Smart Hero Award</a>, den Facebook und die Stiftung digitale Chancen gemeinsam ausloben, die <a href="https://impactchallenge.withgoogle.com/deutschland2018" target="_blank" rel="noopener">Google.org Impact Challenge</a>, die von der Google Foundation und betterplace gemeinsam durchgeführt wird oder mit dem Förderprogramm <a href="https://www.digitalengagiert.de/" target="_blank" rel="noopener">&#8220;digital.engagiert&#8221;</a>, einer gemeinsamen Initiative von Amazon und dem Stifterverband. Die drei Internetkonzerne drängen mit ihrer Infrastruktur gezielt in zivilgesellschaftliche Domänen, die zum Teil noch abgehängt sind von der Digitalisierung.</p>
<p>Eine solche Eroberung zivilgesellschaftlicher Räume durch die großen Plattformen sollte neben den Vorteilen, die mit der digitalen Infrastruktur einhergehen, auch deren Schattenseiten nicht verschweigen, um Bürgern und Nonprofits eine mündige Entscheidung darüber zu ermöglichen, welche Tools sie nutzen wollen und welche nicht. Ganz dringend müsste eine breite zivilgesellschaftliche Debatte darüber geführt werden, wie ein bürgerfreundliches Internet aussehen könnte, welche Anforderungen Bürger und zivilgesellschaftliche Organisationen an die großen Plattformen stellen und welche Forderungen an die Politik herangetragen werden müssten, um der Macht der Internetkonzerne Einhalt zu gebieten. Den großen Wohlfahrtsverbänden käme hier eine wichtige Rolle zu: gerade sie haben den Kontakt zu digital abgehängten Gruppen, gerade sie erreichen über ihre Nutzer und all die ehrenamtlich Engagierten große Teile der hiesigen Bevölkerung und zwar sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, &#8211; denn Sozialeinrichtungen gibt es nahezu überall.</p>
<p>In Stuttgart hat sich im Sommer 2017 ein Netzwerk aus ganz verschiedenen Organisationen gebildet, um diesen kritischen Diskurs in Bezug auf die Digitalisierung der Lebenswelt zu führen (siehe die folgende <a href="http://www.bagejsa.de/fileadmin/user_upload/dokumente/pdf/Presseinformationen_Archiv/PI_2017/PI_Netzwerk_Sozialer_Zusammenhalt_in_digitaler_Lebenswelt_2017_07_14.pdf" target="_blank" rel="noopener">Pressemitteilung</a>). Das <strong>Netzwerk &#8220;Sozialer Zusammenhalt in digitaler Lebenswelt&#8221;</strong> will die Bürgerrechte und die Bürger-Teilhabe in der digitalen Gesellschaft stärken. Ein solches Netzwerk kann zur Gründung weiterer Netzwerke in anderen Bundesländern, Regionen und Kommunen anregen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/die-macht-der-internetkonzerne-und-die-rolle-der-zivilgesellschaft/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Macht und Abhängigkeit in Nonprofit-Beziehungen</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/macht-und-abhaengigkeit-in-nonprofit-beziehungen/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/macht-und-abhaengigkeit-in-nonprofit-beziehungen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jan 2018 15:36:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[impact]]></category>
		<category><![CDATA[Kooperation]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Quartier]]></category>
		<category><![CDATA[Ressourcen]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Abhängigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=1439</guid>

					<description><![CDATA[Der letzte Blog-Beitrag befasste sich mit der Bildung von Kooperationen auf der lokalen Quartiersebene. Hier vernetzen sich gemeinnützige Organisationen häufig mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren. Wo Organisationen und Initiativen zusammenarbeiten, entstehen auch Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse. Darüber wird nicht so offen geredet und auch nicht viel geschrieben, obwohl es eigentlich sehr viel Literatur zum Thema Macht und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der letzte Blog-Beitrag befasste sich mit der <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/quartiersvernetzung-foerdern-teil-11-kooperationen-im-quartier/" target="_blank" rel="noopener">Bildung von Kooperationen auf der lokalen Quartiersebene</a>. Hier vernetzen sich gemeinnützige Organisationen häufig mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren. Wo Organisationen und Initiativen zusammenarbeiten, entstehen auch Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse. Darüber wird nicht so offen geredet und auch nicht viel geschrieben, obwohl es eigentlich sehr viel Literatur zum Thema Macht und Abhängigkeit gibt, wenn auch nicht bezogen auf den Nonprofit-Sektor,  sondern im Hinblick auf die gewerblichen Wirtschaft.</p>
<p>Wie kommt es zu Macht und Abhängigkeit in Kooperationen?</p>
<p>Organisationen brauchen Ressourcen, um zu überleben. Dafür gehen sie Austauschbeziehungen mit anderen Organisationen ein. Die Ressourcenabhängigkeit einer Organisation verschafft der anderen, die diese Ressource vorhält, Machtpotenziale. In <em>freiwilligen</em> Beziehungen und Netzwerken sind Abhängigkeitsverhältnisse aber zumeist nicht einseitig, sondern wechselseitig. Hier schließen sich Organisationen zusammen, weil sie voneinander Ressourcen brauchen, was beiden Seiten Machtpotenziale verleiht aber auch wechselseitige Abhängigkeiten schafft. Dies macht die Macht-Abhängigkeits-Beziehungen in mehrseitigen Kooperationen und Netzwerken sehr komplex.</p>
<p>In der Vergangenheit konzentrierte sich die Forschung auf die Untersuchung von Machtungleichgewichten in Austauschbeziehungen. Neuere Studien setzen nun einen anderen Schwerpunkt und konzentrieren sich auf die wechselseitige Abhängigkeit der Akteure.  Und hier  gibt es nun die interessante Erkenntnis, dass eine hohe wechselseitige Abhängigkeit die Kooperationspartner zusammen schmiedet, Vertrauen und Selbstverpflichtung wachsen lässt. Die Leistungsfähigkeit von Kooperationen ist bei Beziehungen mit einer hohen Abhängigkeit voneinander größer als bei Beziehungen, die auf Machtungleichgewichte setzen.  Die wechselseitige Abhängigkeit wird in erfolgreichen Organisationsbeziehungen sogar bewusst <em>erhöht</em>, um gemeinsam erfolgreicher zu werden.</p>
<p>Diese Forschungsergebnisse zitieren O&#8217;Brien und Evans (2017) in ihrem Aufsatz über <a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s11266-016-9721-4" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Civil Society Partnerships&#8221; in Voluntas, Bd. 28, Heft 4, S. 1399-1421 </a>und untersuchen dann selbst Nonprofit-Partnerschaften im (internationalen) Bereich der Kinderrechtsorganisationen. Sie fragten 32 Vertreter/innen solcher Organisationen, welche Ressourcen sie in  Partnerschaften suchen und wie sie die wechselseitigen Macht-Abhängigkeits-Verhältnisse in Nonprofit-Partnerschaften einschätzen. Sie kommen zu folgenden Ergebnissen:</p>
<p>Nonprofits suchen bei anderen Gemeinnützigen in erster Linie Informationen und praktisches Wissen (Erfahrungen, Best Practice-Beispiele, transferierbares Know-how) (O&#8217;Brien/Evans 2017, 1409f). Finanzielle Interessen bleiben im Hintergrund. Die kommen erst wieder ins Spiel, wenn eine Kooperation nicht effektiv ist. Dann wird überlegt, wie man das Engagement reduzieren kann, um Ressourcen zu sparen. Aussteigen aus einer Kooperation? Das sei zumindest in diesem Politikfeld unüblich (ebd., 1411). Hier verlassen Nonprofits auch dann nicht die Kooperation, wenn ein Machtungleichgewicht zwischen Partnern herrscht. Dieses wird in Kauf genommen, wenn es dabei hilft, das gemeinsame Ziel zu erreichen.</p>
<p>Machtungleichgewichte werden von den Befragten gar nicht so sehr thematisiert, &#8211; in ihrem Fokus stehen ganz klar die wechselseitigen Abhängigkeiten. Diese bilden den Mittelpunkt, wenn es darum geht, Partnerschaften zu bilden und kollektive Ziele voranzubringen.  Machtungleichgewichte zu tolerieren wird von den Autorinnen als bewusste <em>Strategie</em> von Nonprofits in Partnerschaften bezeichnet (O&#8217;Brien/Evans 2017, 1417). Ungleiche Abhängigkeits- und Machtverhältnisse können, wie die untersuchten Organisationen zeigen, sogar zu Vorteilen für das Gemeinwesen führen.</p>
<p>Das sind Schlussfolgerungen mit erheblicher Tragweite. Die Frage bleibt, wie lebendig und effektiv solche Beziehungen sind, die nicht auf Augenhöhe stattfinden. Vielleicht werden sie nicht abgebrochen, aber haben keinen großen output mehr, verglichen mit Beziehungen mit hoher wechselseitiger Abhängigkeit und größerer Leistungsfähigkeit (siehe oben) . Die Frage ist auch, ob diese Ergebnisse auf andere Politikfelder und räumliche Ebenen übertragen werden können oder ob es sich hier um eine ganz spezielle Nonprofit-Community handelt. Interessant ist es aber, den Blick von den Machtverhältnissen weg und stärker auf die wechselseitigen Abhängigkeiten hin zu lenken.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/macht-und-abhaengigkeit-in-nonprofit-beziehungen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 2):  Partizipationsrechte entwickeln</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-teil-2-partizipationsrechte-entwickeln/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-teil-2-partizipationsrechte-entwickeln/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2015 11:22:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Empowerment]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Profession]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Dienste]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialeinrichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Stakeholder]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Ziele]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=1103</guid>

					<description><![CDATA[In diesem Beitrag befasse ich mich mit der Frage, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in Sozialorganisationen entwickelt und institutionell verankert werden können. Er baut auf dem letzten Blogartikel (Teil 1) über die Partizipationspyramide auf. Beide Blogbeiträge basieren auf dem Buch &#8220;Partizipation kompakt&#8221; (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>In diesem Beitrag befasse ich mich mit der Frage, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in Sozialorganisationen entwickelt und institutionell verankert werden können. Er baut auf dem <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-formen-und-strukturen-teil-1/">letzten Blogartikel (Teil 1)</a> über die Partizipationspyramide auf. Beide Blogbeiträge basieren auf dem Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221;</a> (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. <em>Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich dann mit dem bürgerschaftlichen Engagement in Nonprofits befassen.</em><br />
</em></p>
<p>Wie können Partizipationsrechte für Nutzer und das bürgerschaftliche Umfeld einer Sozialeinrichtung ausgearbeitet werden? Straßburger schlägt in dem Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221; </a>ein Verfahren vor, dass sich an die Konzepte für Kindertageseinrichtungen von <a href="http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/55692/partizipation-in-kindertageseinrichtungen">Hansen/Knauer/Sturzenhecker (2011) </a>anlehnt:</p>
<ul>
<li>Zuerst muss organisationsintern unter den Mitarbeitern geklärt werden, wo, inwieweit und in welcher Form Bürger/Nutzer mitbestimmen sollen. Dazu sind alle Bereiche und Verfahren der Organisation genau anzuschauen. Die Partizipationspyramide zeigt die unterschiedlichen Möglichkeiten der Partizipation auf, die von den Vorstufen informieren, Meinung erfragen, Lebensweltexpertise einholen bis zur echten Partizipation im Sinne von Mitbestimmung, Entscheidungskompetenz teilweise abgeben und Entscheidungsmacht übertragen reichen. Es muss ferner auch explizit festgelegt werden, wo Partizipation nicht erwünscht ist. In dieser ersten Phase müssen Straßburger zufolge die Mitarbeiter/innen unter sich sein. Es werden keine Mehrheitsentscheidungen gefällt. Das Ziel ist ein Konsens unter den Beteiligten, &#8220;damit am Ende nur beschlossen wird, was alle mittragen können&#8221; (Straßburger in &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, S. 89).</li>
<li>In einem zweiten Schritt entwerfen die Fachkräfte die Strukturen der Partizipation: welche Gremien sind notwendig? Straßburger zufolge reichen zwei Gremientypen aus: eine Vollversammlung für alle und Unterausschüsse.  In die Unterausschüsse können Nutzer Vertreter/innen delegieren. Alternativ gibt es offene Unterausschüsse, bei denen jeder bei Interesse mitarbeiten kann (ebd, 89f).</li>
<li>Wenn unter den Fachkräften Konsens über das bisher Erarbeitete besteht, dann können die Nutzer und das bürgerschaftliche Umfeld herangezogen werden, um die Details der Beteiligungsformen und -strukturen zu besprechen (ebd., 88).</li>
<li>In einer ersten Lesung verabschieden die Fachkräfte unter sich die ausgearbeiteten Partizipationsrechte- , &#8211; formen und -strukturen, die zu einem Verfassungsentwurf für die Einrichtung gebündelt wurden. Danach wird der Verfassungsentwurf der bürgerschaftlichen Seite vorgelegt, die hier noch Änderungswünsche einbringen kann. Ob diese übernommen werden, entscheiden die Fachkräfte, die die Verfassung in zweiter Lesung verabschieden und veröffentlichen (ebd., 90).</li>
</ul>
<p>Dieses von Straßburger vorgeschlagene Verfahren räumt den Fachkräften das Vorrecht ein, über die Grundstrukturen der  Partizipation selbst zu entscheiden, ohne Beteiligung der Nutzer ( man merkt, dass der Verfahrensvorschlag ursprünglich aus dem Kindergartenbereich kommt&#8230;.). In selbstorganisierten sozialen Projekten werden Fachkräfte und Bürger sicher von vornherein auf Augenhöhe kooperieren. Für den öffentlichen und wohlfahrtsverbandlichen Bereich mag das von Straßburger propagierte Modell der &#8220;konstitutionellen Monarchie&#8221; passen (siehe <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-formen-und-strukturen-teil-1/">Blogbeitrag Teil 1</a>), aber auch in diesen Sektoren wird es einzelne Projekte geben, die noch partizipativer aufgestellt sind.</p>
<p>Von einer Einbeziehung der Nutzerseite von Anfang an können alle profitieren: man lernt sich selbst und den andern in einem Diskussionsprozess, der auf einen Konsens zielt, besser kennen. Man arbeitet in einem solchen Fall nicht nur heraus, wer wo wie beteiligt wird (&#8220;what to <em>do</em> together&#8221;),  sondern man entwickelt in einem solchen Prozess auch eine gemeinsame Identität (&#8220;create a shared sense of who to <em>be</em> together&#8221;) (<a href="http://eu.wiley.com/WileyCDA/WileyTitle/productCd-0745650031.html">Eliasoph 2013, 146</a>).</p>
<p>Die verabschiedete Verfassung für eine soziale Organisation ist rechtlich nicht bindend. Die Mitarbeiter verpflichten sich aber durch eine Verfassung, Beteiligungsregeln zu achten und nicht zu übergehen. Aufgebaut wird so ein moralisch einklagbares Recht für die Bürgerseite (Hansen/Knauer/Sturzenhecker 2011, S. 151).</p>
<p>Straßburger zufolge muss die Beteiligungsstruktur transparent und funktionsfähig sein (Straßburger in &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, S. 89). Und sie muss mit Leben gefüllt werden. Das Ziel ist nicht der Aufbau einer Partizipationsbürokratie, sondern ein funktionierender demokratischer Prozess in den sozialen Einrichtungen (ebd., 98).</p>
<p>Gibt es Praxis-Beispiele für die Institutionalisierung von Partizipation und die Einführung von Verfassungen in Sozialeinrichtungen? <a href="http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/55692/partizipation-in-kindertageseinrichtungen">Hansen/Knauer/Sturzenhecker (2011)</a> verweisen auf das Modellprojekt die &#8220;Kinderstube der Demokratie&#8221;, das in Schleswig-Holstein 2001 begonnen wurde und zwischenzeitlich in Modelle und Erziehungspläne anderer Länder einfloss. Bei dem Projekt ging es um die Einführung von demokratischeren Strukturen in Kindertagesstätten. Zwei Kita-Verfassungen im Anhang von Hansen u.a. zeigen, wie Beteiligungsregeln im Detail aussehen können.</p>
<p>Im Verfassungs-Beispiel 1 gibt es als Gremien das Kinderparlament und Gruppenkonferenzen. Die Kinder bestimmen u.a. über den Tagesablauf, die Raumgestaltung,  die Mahlzeiten und die Anschaffung von Spielzeug mit. Sie haben kein Mitspracherecht in Finanzangelegenheiten, in Personaldingen, in Sicherheitsfragen und im Hinblick auf die Öffnungszeiten (Hansen/Knauer/Sturzenhecker 2011, S. 363-368). Wichtig ist die Verfassungs-Bestimmung, dass in den Gruppenkonferenzen und dem Kinderparlament immer ein Konsens angestrebt wird.: &#8220;Im Zweifel entscheidet die einfache Mehrheit aller anwesenden Konferenzmitglieder, jedoch nie gegen die Stimmen aller Erwachsenen oder gegen die Stimmen aller Kinder&#8221; (Hansen u.a., S. 364, §4). Diese Regel soll verhindern, dass die Fachkräfte von Kindern überstimmt werden oder umgekehrt, die Fachkräfte die Kinder überstimmen und deren Interessen übergehen.</p>
<p>Da Erwachsene keine Kinder sind und sehr wohl über Personal- und Finanzangelegenheiten mitbestimmen können, sollte ein Verfahren, das die Beteiligungsrechte von Bürger-Nutzern in Sozialeinrichtungen strukturell verankern möchte, über den obigen Verfahrensvorschlag von Straßburger bzw. Hansen/Knauer/Sturzenhecker hinaus gehen. Das Verfahren sollte von Anfang an Bürger/innen beteiligen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, auf das Grunddesign der Verfassung einer Einrichtung Einfluss zu nehmen. Die Partizipationspyramide bietet dafür viele unterschiedliche Formen an, auch die Vorstufen der Partizipation können hier genutzt werden. Auf jeden Fall sollte die Verfassung kooperativ erarbeitet werden. Erfolgreiche Koproduktion in Sozialeinrichtungen setzt Mitsprache der Bürger/innen voraus.</p>
<p>Abschließend stellt sich die Frage, inwieweit bürgerschaftlich Engagierte in der Praxis in die Beteiligungsstrukturen einer Sozialorganisation eingebunden sind. Wird das &#8220;Mithelfen&#8221; um das &#8220;Mitsprechen&#8221; ergänzt? Wie steht es um die Verbindung zwischen freiwilligem Engagement und politischer Partizipation im Dritten Sektor? Damit wird sich der dritte Blogbeitrag dieser kleinen Serie befassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-teil-2-partizipationsrechte-entwickeln/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Für eine Kultur der Mitgestaltung: Co-Design in Nonprofits</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/fur-eine-kultur-der-mitgestaltung-co-design-in-nonprofits/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/fur-eine-kultur-der-mitgestaltung-co-design-in-nonprofits/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Nov 2012 14:41:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Kooperation]]></category>
		<category><![CDATA[Koproduktion]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Dienste]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialeinrichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Stakeholder]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Co-Design]]></category>
		<category><![CDATA[Service Design]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=756</guid>

					<description><![CDATA[In unserem Land ist das Engagement von Bürgern willkommen, aber nicht unbedingt ihre Mitgestaltung. Die Politik der Bundesregierung gegenüber der Zivilgesellschaft steht unter der Prämisse einer &#8220;Kultur der Mitverantwortung&#8221;, &#8211; bürgerschaftliches Engagement wird als &#8220;Bürgerpflicht&#8221; gegenüber dem Gemeinwesen verstanden (Engagementmonitor 2012, 10). Die anderen Potentiale des Engagements &#8211; der Wunsch nach Mitgestaltung und der Wille, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In unserem Land ist das Engagement von Bürgern willkommen, aber nicht unbedingt ihre Mitgestaltung. Die Politik der Bundesregierung gegenüber der Zivilgesellschaft steht unter der Prämisse einer &#8220;Kultur der Mitverantwortung&#8221;, &#8211; bürgerschaftliches Engagement wird als &#8220;Bürgerpflicht&#8221; gegenüber dem Gemeinwesen verstanden (<a href="http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Engagementmonitor-2012-Erster-Engagementbericht-2012,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf">Engagementmonitor 2012, 10</a>). Die anderen Potentiale des Engagements &#8211; der Wunsch nach Mitgestaltung und der Wille, das eigene Wissen und die persönlichen Erfahrungen stärker einbringen zu können &#8211; spielen demgegenüber keine prominente Rolle.</p>
<p>Kritiker werfen der Bundesregierung (und dem <a href="http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Engagement/Pdf-Anlagen/engagementbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf">Ersten Engagementbericht</a>) deshalb vor, dass das bürgerschaftliche Engagement nur als &#8220;Koproduzent sozialer Dienstleistungen&#8221; willkommen ist (<a href="http://www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2012/10/nl20_strachwitz.pdf">Strachwitz 2012, 7</a>) und ihm eine weitergehende Rolle nicht zugestanden wird.</p>
<p>Wenn staatliche Stellen von &#8220;Koproduktion&#8221; sprechen &#8211; der Einbeziehung von Bürgern in die Erstellung von Dienstleistungen &#8211; , sollte man demnach als BürgerIn erst kritisch prüfen, ob dahinter wirklich der Wille steht, die Zivilgesellschaft stärker an der Planung und Ausgestaltung von Diensten zu beteiligen. Oder ob das Konzept der &#8220;Koproduktion&#8221; nur als schöne Umschreibung für &#8220;cheap labor by citizens&#8221; (Cahn/Gray 2012) benutzt wird.</p>
<p>&#8220;Koproduktion&#8221; ist kein neutraler Begriff, sondern ein politischer, der je nach eigenem Standpunkt unterschiedlich ausgelegt wird. Für die Bürgerschaft ist es wichtig, restriktive Deutungen von &#8220;Koproduktion&#8221;, die zugunsten des Staates und zu Lasten der eigenen Mitbestimmungsmöglichkeiten ausgelegt sind, zurückzuweisen und sich dafür einzusetzen, dass Koproduktion sich immer auf den ganzen Policy-Zyklus bezieht, d.h. auch auf die Planung, das Design und die Evaluation von Leistungen.</p>
<p>Die Wohlfahrtsverbände &#8211; d.h. die großen Player auf dem Feld sozialer Dienste &#8211; haben sich mit der restriktiven Auslegung von Koproduktion (&#8220;mithelfen aber nicht mitgestalten&#8221;) gut eingerichtet. Aber auch die Verbände sind keine monolithischen Blöcke. Sie zerfallen in unterschiedliche Fraktionen. Und hier gibt es durchaus einige, die sich für mehr Bürgerbeteiligung in den eigenen Reihen einsetzen.</p>
<p>Wie können Bürger stärker in die Ausgestaltung sozialer Dienstleitungen einbezogen werden? Durch die Einführung des <strong>Co-Design</strong> in staatlichen und gemeinnützigen Einrichtungen, das Bürgern die Chance gibt, sich am gesamten Designprozeß zu beteiligen, auf Augenhöhe mit der Organisation und den involvierten Fachleuten (vgl. <a href="http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15710880701875068">Sanders/Stappers 2008</a>). Nicht nur der unmittelbare Nutzer steht hier im Mittelpunkt, sondern alle Bürger und Gemeinschaften, die von einem Dienst berührt sind. Sie gilt es in einen offenen Gestaltungsprozeß einzubeziehen, der nicht auf ein fertiges &#8220;Produkt&#8221; fokussiert, sondern den Beteiligten eine Handlungsplattform zur Verfügung stellt (<a href="http://www.gowerpublishing.com/isbn/9780566089206">Meroni/Sangiorgi 2011, 3</a>), die die Interaktion und Artikulation von Interessen ermöglicht: &#8220;we are moving from the design (..) of &#8216;products&#8217; to designing for people&#8217;s purposes&#8221; (<a href="http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15710880701875068">Sanders/Stappers 2008, 10</a>).</p>
<p>Die Organisation und die beteiligten Fachleute verlieren ihre einseitige Deutungshoheit im Designprozeß: wie ein Dienst schlußendlich aussieht, wird kollaborativ erarbeitet. Damit verbunden ist auch die Hoffnung, dass Dienste, die so partizipativ ausgestaltet werden, ihrerseits wieder als &#8220;transformative services&#8221; (<a href="http://www.ijdesign.org/ojs/index.php/IJDesign/article/view/940/344">Sangiorgi 2011</a>) das Gemeinwesen beeinflussen und dort als Inkubatoren für Zusammenarbeit, Beteiligung und Innovation wirken.</p>
<p>Welchen Nutzen haben Nonprofits und Bürger von einem partizipativen Service Design?</p>
<p><a href="http://www.ijdesign.org/index.php/IJDesign/article/view/890/346" target="_blank" rel="noopener">Steen/Manschot/De Koning (2011)</a> zählen einige auf:</p>
<ul>
<li>Dienste werden qualitativ besser und passgenauer, die Zufriedenheit der Nutzer wächst</li>
<li>Organisationen und Bürger lernen von- und miteinander, entwickeln ein gegenseitiges Verständnis und können ihre Zusammenarbeit verbessern</li>
<li>Es entstehen Innovationen, die eine Seite allein nicht hätte entwickeln können, und zwar in relativ kurzer Zeit</li>
<li>Das Verhältnis zwischen Organisation und Bürgern gewinnt an Stabilität und Qualität, was sich auf die Realisierung zukünftiger Projekte positiv auswirkt</li>
</ul>
<p>All dies bleibt jedoch Zukunftsmusik, wenn staatliche Institutionen darauf verzichten, mehr Bürgerbeteiligung im Sozialbereich zu ermöglichen und Wohlfahrtsverbände über entsprechende Leistungsverträge in diese Richtung zu drängen. Stiftungen könnten ebenfalls eine wichtige Rolle als Treiber von &#8220;Koproduktion&#8221; und &#8220;Co-Design&#8221; spielen. Aber wo ist die (Bürger)Stiftung, die sich diesem Ziel verschrieben hat?</p>
<p>Literatur (wenn nicht verlinkt):</p>
<ul>
<li>Cahn, Edgar S./Gray, Christine (2012): Co-Production from a Normative Perspective, in: Pestoff, Victor/Brandsen, Taco/Verschuere, Bram (eds): New Public Governance, the Third Secor and Co-Produktion, NY: Routledge.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/fur-eine-kultur-der-mitgestaltung-co-design-in-nonprofits/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bürgerbeteiligung im Sozialsektor</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/burgerbeteiligung-im-sozialsektor/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/burgerbeteiligung-im-sozialsektor/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jun 2012 10:57:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dezentralisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[E-Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Dienste]]></category>
		<category><![CDATA[soziales Kapital]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerbeteiligung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=702</guid>

					<description><![CDATA[In demokratiepolitischer Hinsicht ist der Sozialsektor ein Entwicklungsgebiet. Die Bürgerinnen und Bürger einer Gemeinde können in der Regel weder die soziale Infrastruktur ihres Ortes verbindlich mitgestalten, noch können sie über die Art und Weise, wie soziale Dienste ihre Leistungen erbringen, mitentscheiden. Wie Bürger gepflegt, betreut, gefördert, beraten werden &#8211; darüber entscheiden in letzter Instanz die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In demokratiepolitischer Hinsicht ist der Sozialsektor ein Entwicklungsgebiet. Die Bürgerinnen und Bürger einer Gemeinde können in der Regel weder die soziale Infrastruktur ihres Ortes verbindlich mitgestalten, noch können sie über die Art und Weise, wie soziale Dienste ihre Leistungen erbringen, mitentscheiden. Wie Bürger gepflegt, betreut, gefördert, beraten werden &#8211; darüber entscheiden in letzter Instanz die zuständigen Institutionen und Professionen.</p>
<p>Auch als Individuen fehlen Bürgern in Hilfseinrichtungen Teilhaberechte. Beim &#8220;Case-Management&#8221;, das auf die Mitwirkung von Klienten bei der Planung von Hilfsmaßnahmen zielt, behalten die institutionellen Regeln und Vorgaben die Oberhand, &#8211; das &#8220;Klientensystem&#8221; ist dem &#8220;Helfersystem&#8221; strukturell unterlegen (Hinte 2007). Das Persönliche Budget, das in der Behindertenhilfe den Status des einzelnen als Käufer von Leistungen stärken soll, konnte sich bisher in der Fläche nicht durchsetzen und fristet auch heute noch ein Dasein als &#8220;Exot&#8221; (Schäfers 2009). In der Praxis werden zudem die Auswahlrechte behinderter Bürger beschnitten, weil nur die bestehenden Angebote der Träger zur Wahl stehen. Manchmal übernimmt es die Sozialverwaltung auch gleich selbst, einen passenden Dienstleister auszuwählen und schriftlich festzulegen (Schäfers 2009, 179).</p>
<p>Es gibt zwei Akteursgruppen, die im Sozialsektor die Macht unter sich aufteilen: die Leistungsträger (Sozialverwaltung, Pflegekassen usw.) und die Leistungserbringer. Letztere sind zu einem guten Teil mit den gemeinnützigen Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege identisch. Bürger sind in diesem System nur Randfiguren ohne verbindliche Teilhaberechte. Es dominiert die &#8220;Fürsorge&#8221; bzw. die &#8220;Versorgung&#8221;. Mit Demokratie und Bürger-Mitsprache hat dies nichts zu tun.</p>
<p>Die gesetzliche Verankerung von verbindlichen Teilhaberechten für Bürger im Sozialbereich auf allen drei Ebenen (Gemeinde/Einrichtung/Individuum) in allen Phasen der Planung und Produktion sozialer Dienste wäre ein wichtiger Schritt, aber kein Garant für deren Umsetzung (siehe das Schicksal des Persönlichen Budgets&#8230;).</p>
<p>Die Veränderung des Systems muss vielmehr auf der lokalen Ebene durch die Bürger selbst vorangetrieben werden. Gemeinnützige Einrichtungen und die örtliche Verwaltung müssen als Partner der Veränderung gewonnen werden. Die Demokratisierung von Institutionen und Abläufen im Sozialsektor braucht die Mitwirkung der wichtigsten Player. Von deren Reaktion hängt es ab, ob Veränderungen gelingen oder nicht.</p>
<p>Welche Punkte sind zu beachten, wenn die Beteiligung von Bürgern in gemeinnützigen und kommunalen Sozialeinrichtungen gefördert werden soll? Gute Anregungen liefert ein Aufsatz von <a href="http://bjsw.oxfordjournals.org/content/40/3/714.abstract">Hernandez/Robson/Sampson (2010)</a> über &#8220;Integrated Participation&#8221;:</p>
<p>1. Bürgerpartizipation darf nicht als Zusatzaufgabe (&#8220;add-on&#8221;) betrachtet werden, die man bei Bedarf auch weglassen kann. Sondern die Teilhabe von Bürgern muss in den Einrichtungsalltag integriert werden und sich in Strukturen, Programmen und Prozessen niederschlagen.</p>
<p>2. Die Organisation der Bürger-Teilhabe sollte nicht an darauf spezialisiertes Personal delegiert werden, &#8211; so wie heute das &#8220;Freiwilligenmanagement&#8221; an die &#8220;Freiwilligenmanager&#8221;. Vielmehr muss Teilhabe ein Thema sein, das jeden einzelnen Mitarbeiter in einer Organisation angeht, egal, welche Zuständigkeit er/sie im Detail hat. Spezialpersonal baut eigene Wissenssilos auf &#8211; und das wäre hier ganz kontraproduktiv, da jeder in einer Institution den Umgang und die Kooperation mit Bürgern lernen und beherrschen muss.</p>
<p>3. Die Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten von Bürgern müssen im Selbst- und Leitbild einer Sozialeinrichtung fest verankert sein. Es muss sie dazu befähigen, ein breites Angebot an Beteiligungsmöglichkeiten zu entwickeln und Beteiligungshindernisse zu beseitigen.</p>
<p>4. Zeit und Geld sind notwendig, wenn Nutzer von Diensten, deren Angehörige, die Bürger einer Stadt/eines Stadtteils soziale Dienste gemeinsam mit den Mitarbeitern einer Einrichtung gestalten: &#8220;the process for developing strong relationships based on trust, respect and mutual understanding required a considerable amount of time&#8221; (<a href="http://bjsw.oxfordjournals.org/content/40/3/714.abstract">Hernandez u.a. 2010, 731</a>). Zeitlich begrenzte Projekte und Dienste werden nur schwer in der Lage sein, entsprechend konstruktive und stabile Beziehungen zur Bürgerseite hin aufzubauen.</p>
<p>Wichtig ist, dass bestehende Netzwerke in die Beteiligungsstrategien eingebunden werden, sowohl die informellen Netzwerke der einzelnen als auch die lokalen Netzwerke aus Organisationen und Initiativen. In diesen Netzwerken sammeln sich Ressourcen und Kompetenzen (&#8220;soziales Kapital&#8221;), die Partizipation unterstützen und fördern können. Was einer allein nicht kann &#8211; Beteiligungsmöglichkeiten ergreifen oder schaffen &#8211; kann mit der Hilfe anderer gelingen.</p>
<p>Beteiligung im Sozialsektor und auf der kommunalen Ebene insgesamt darf sich nicht auf formale Verfahren beschränken, sondern Beteiligung muss in den Alltag der Bürger und Einrichtungen gebracht werden, &#8211; in den Stadtteil, in den Verein, in soziale Organisationen (vgl. <a href="http://www.thersa.org/__data/assets/pdf_file/0011/518924/RSA_Communities-Connected-AW_181011.pdf">Morris FRSA/Gilchrist o.D.</a>). Bildlich gesprochen: die Partizipation muss zu den Bürgern kommen &#8211; und nicht umgekehrt. Institutionen haben eine Bringschuld, wenn es um Beteiligung geht: Mitmach- und Mitentscheidungsmöglichkeiten müssen so niedrigschwellig und vielfältig wie möglich sein. Soziale Medien können Beteiligungsprozesse erheblich vereinfachen und diversifizieren, &#8211; das <a href="http://www.digitalengagement.org/engine/methods/directory">&#8220;Digital Engagement Cookbook&#8221;</a> zeigt die vielen Online-Partizipationstools auf.</p>
<p>Soziale Medien spielen auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Pflege lokaler Netzwerke, die durch das Internet um überregionale Akteure und Ressourcen ergänzt werden.</p>
<p>Gerade Beteiligung findet heute immer stärker über informelle Online-Netzwerke statt, in denen Technologien die Aufgaben übernehmen, die ansonsten Organisationen erledigen (Koordination, Info-Verteilung, Kommunikation). Diese Netzwerke funktionieren nach einer anderen Logik als die traditionellen Beteiligungsangebote hierarchischer Organisationen. Für die Einrichtungen im Sozialbereich und die kommunale Ebene insgesamt stellt sich die Frage, wie das Engagement, das in dieser &#8220;digitally networked action&#8221; <a href="http://dx.doi.org/10.1080/1369118X.2012.670661">(Bennett/Segerberg 2012, 743)</a> zum Ausdruck kommt, für lokale Beteiligungsprojekte genutzt werden kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Literatur (wenn nicht verlinkt):</p>
<ul>
<li>Hinte, Wolfgang (2007): Wer beteiligt wen? Willen und Wünsche im Case Management, in: Soziale Arbeit, Heft 11-12, 425-432.</li>
<li>Schäfers, Markus (2009): Wie man aus einem Persönlichen Budget eine verdeckte Sachleistung macht, in: Teilhabe, Heft 4, 176-183.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/burgerbeteiligung-im-sozialsektor/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Freiwilligenmanagement in Nonprofits &#8211; ein Beitrag zur Bürgerschaftlichkeit des Dritten Sektors?</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/freiwilligenmanagement-in-nonprofits-ein-beitrag-zur-burgerschaftlichkeit-des-dritten-sektors/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/freiwilligenmanagement-in-nonprofits-ein-beitrag-zur-burgerschaftlichkeit-des-dritten-sektors/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 10:51:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Koproduktion]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Dienste]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialeinrichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerbeteiligung]]></category>
		<category><![CDATA[Freiwilligenmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilität]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=606</guid>

					<description><![CDATA[Gemeinnützige Organisationen spielen über ihre Dienstleistungsfunktion hinaus eine wichtige Rolle für unser Gemeinwesen, indem sie Gemeinschaft bilden, Partizipation ermöglichen und Interessen vertreten. Diese Funktionen können unterschiedlich &#8216;bürgernah&#8217; bzw. gemeinwesenorientiert ausgeübt werden. Dritte Sektor-Organisationen zählen sich zwar formal zur Zivilgesellschaft &#8211; und nicht zu Markt oder Staat &#8211; aber sie sind dadurch nicht automatisch &#8216;zivil&#8217;. Ihre [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gemeinnützige Organisationen spielen über ihre Dienstleistungsfunktion hinaus eine wichtige Rolle für unser Gemeinwesen, indem sie Gemeinschaft bilden, Partizipation ermöglichen und Interessen vertreten. Diese Funktionen können unterschiedlich &#8216;bürgernah&#8217; bzw. gemeinwesenorientiert ausgeübt werden. Dritte Sektor-Organisationen zählen sich zwar formal zur Zivilgesellschaft &#8211; und nicht zu Markt oder Staat &#8211; aber sie sind dadurch nicht automatisch &#8216;zivil&#8217;. Ihre bürgerschaftliche Ausrichtung und Anbindung an das Gemeinwesen &#8211; ihre &#8216;civicness&#8217; &#8211; muss bewusst hergestellt werden (vgl. <a href="http://www.fjnsb.org/sites/default/files/Evers.pdf">Evers 2009</a>).</p>
<p>Nun ist der deutsche Dritte Sektor, der von den großen Wohlfahrtsverbänden dominiert wird, sehr staatsorientiert aufgrund der bestehenden Finanzierungsstrukturen. Die zivilgesellschaftliche Ausrichtung der Organisationen ist deshalb eine Herausforderung für die großen bürokratisierten Verbände, um die jeden Tag gerungen werden muss und über deren Stellenwert im Sektor selbst durchaus keine Einigkeit herrscht.</p>
<p>Die gemeinnützigen Programme, Methoden und Kommunikationsstile legen Zeugnis davon ab, wie ernst es einem Träger mit der bürgerschaftlichen Ausrichtung ist. Ob man bereit ist, sich dem Austausch mit den Bürgern und einer demokratischen Öffentlichkeit zu stellen, oder ob man monologisiert und aus einer binnenorientierten Perspektive heraus handelt.</p>
<p>Auch das Freiwilligenmangement in den Einrichtungen, d.h. die Steuerung des Umgangs mit den ehrenamtlich engagierten Bürgern, ist ein Bereich, an dem das Ausmaß der Bürgerschaftlichkeit einer gemeinnützigen Organisation abgelesen werden kann.</p>
<p>Zwar ist das Freiwilligenmanagement in Sozialeinrichtungen noch nicht flächendeckend verankert. Und auch in den Ausbildungs- und Studiengängen spielt die Zusammenarbeit von Profis und Bürgern &#8211; obwohl schon immer Realität in Sozialeinrichtungen &#8211; inhaltlich kaum eine Rolle (vgl. <a href="http://www.wila-arbeitsmarkt.de/files/biku_2011_38_soziale_arbeit_und_freiwilliges_engagement.pdf">Beerbaum 2011</a>). Aber immer mehr Einrichtungen gehen dazu über, Mitarbeiter mit der Freiwilligenkoordination bzw. dem -management zu beauftragen.</p>
<p>Ein in der Praxis weit verbreitetes Freiwilligenmanagement-Modell ist das der <a href="http://www.ehrenamt.de/">Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland (AfED)</a> in Berlin, die seit 1998 Freiwilligenmanager ausbildet. Das Management-Konzept der AfED ist in einer Publikation aus dem Jahr 2009 (<a href="http://www.ziel-verlag.de/sozialmanagement/freiwilligenmanagement.php">&#8220;Freiwilligen-Management&#8221;</a>) von Reifenhäuser, Hofmann und Kegel niedergelegt.</p>
<p>Es unterteilt die Arbeit mit Freiwilligen anhand des Engagementprozesses in folgende Abschnitte:</p>
<ul>
<li>Engagementfelder für Ehrenamtliche identifizieren</li>
<li>Engagementangebote beschreiben und bewerben</li>
<li>Erstgespräche führen und Engagement vereinbaren</li>
<li>Ehrenamtliche einarbeiten und befähigen</li>
<li>fördern, qualifizieren und anerkennen</li>
<li>verabschieden und Engagement bescheinigen</li>
</ul>
<p>(Reifenhäuser u.a., S. 79)</p>
<p>Welchen Beitrag kann dieses Modell für einen zivilen Dritten Sektor leisten? Inwieweit fördert es die bürgerschaftliche Ausrichtung von gemeinnützigen Organisationen?</p>
<p>Eine kritische Begutachtung zeigt:</p>
<p>Das Freiwilligen-Management-Konzept der AfED ist aus einer binnenorientierten Perspektive heraus verfasst: &#8220;Hier geht man vom Bedarf der Organisation aus&#8221; (Reifenhäuser u.a., 77), &#8211; nicht vom Bedarf der BürgerInnen.</p>
<p>Das freiwillige Engagement wird als &#8220;ergänzend&#8221; festgeschrieben. Die Aufgabenprofile für die Ehrenamtlichen werden von der Organisation entwickelt (S. 79f). Es darf zu keiner Kollision mit dem Hauptamt kommen (S. 68). Die Dominanz der Profession &#8211; und das Machtungleichgewicht zu Lasten der Bürgerschaft &#8211; bleibt dadurch gesichert, &#8211; obwohl in vielen Bereichen Ehrenamtliche substantielle Beiträge für den Betrieb einer Einrichtung leisten.</p>
<p>Die Partizipation der Ehrenamtlichen wird angemahnt: &#8220;Die Freiwilligen haben ein Recht auf Mitbestimmung und -gestaltung (mindestens in Fragen ihres direkten Aufgabenbereichs!)&#8230;&#8221; (Reifenhäuser u.a., 71). Gleichzeitig spiegeln sich institutionell festgeschriebene Mitwirkungsmöglichkeiten nicht in dem oben beschriebenen Engagementzyklus wider. Verfahren strukturieren die Teilhabe &#8211; folglich stellt sich die Frage, wie im Rahmen dieses nach den Bedürfnissen der Organisation gestalteten Prozesses die inhaltliche Beteiligung von Bürgern gelingen soll? Da betont wird, das Ziel der Einarbeitung der Ehrenamtlichen sei, sie &#8220;über das Leitbild, die Ziele und die Arbeitsweise der Organisation, über die Aufgaben und Positionen der Freiwilligen und vor allem über die eigenen Aufgaben und Verantwortlichkeiten&#8221; zu informieren (Reifenhäuser u.a. S. 93).</p>
<p>Das Konzept individualisiert das Freiwilligenengagement. Kollektive, auf das Gemeinwesen hin orientierte Mitmach- und Entscheidungsmöglichkeiten, z.B. für die Bürger eines Viertels, sind nicht vorgesehen. Es gibt nur das (bilaterale) Verhältnis zwischen der Organisation und dem einzelnen Bürger.</p>
<p>Das Konzept klammert Soziale Medien aus. Das Internet spielt nur bei der Vermarktung von Engagementangeboten eine Rolle (S. 87), nicht aber, um Dialog und Vernetzung mit der Zivilgesellschaft voranzutreiben. Da das Internet heute aber integraler Bestandteil von Öffentlichkeit und Beteiligung ist, darf das Freiwilligenmangement von Nonprofits Soziale Medien nicht ausklammern, sondern muss sie integrieren als Tools, die Beziehungen, Netzwerke und Beteiligung ermöglichen.</p>
<p>Das Freiwilligenmanagement von Nonprofit-Organisationen kann die Zivilität der Einrichtungen fördern, wenn die inhaltliche Mitgestaltung bzw. Beteiligung von Bürgern zum integralen Bestandteil des Prozesses wird. Wenn also das Freiwilligenmanagement sich nicht auf eine &#8216;Koordination&#8217; von Ehrenamtlichen beschränkt, sondern auf die Steuerung von <em>Koproduktionsprozessen</em> zielt, bei denen Profis und Bürger auf Augenhöhe zusammenarbeiten</p>
<p>Voraussetzung dafür ist, dass die Erfahrungen der Bürger ebenso wertgeschätzt werden wie die Expertise der professionellen Mitarbeiter.</p>
<p>Die Einrichtung sollte in ständigem Austausch mit der Öffentlichkeit stehen, über Communitygrenzen hinweg, um auszuloten welche Ressourcen und Ideen es für die Weiterentwicklung der Dienste gibt.</p>
<p>Eine Präsenz im Social Web ist unerlässlich, um Online-Beteiligung und Koordinationsmöglichkeiten zu nutzen.</p>
<p>Im Kern muss es darum gehen, das Freiwilligenmanagement nicht allein aus Sicht der Einrichtung zu konzipieren, sondern es zu demokratisieren, um der Zivilgesellschaft Möglichkeiten zur Teilhabe zu eröffnen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/freiwilligenmanagement-in-nonprofits-ein-beitrag-zur-burgerschaftlichkeit-des-dritten-sektors/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Social Media und Bürgerpartizipation &#8211; für mehr Demokratie im Nonprofit-Sektor</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/social-media-und-burgerpartizipation-fur-mehr-demokratie-im-nonprofit-sektor/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/social-media-und-burgerpartizipation-fur-mehr-demokratie-im-nonprofit-sektor/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 15:40:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dezentralisierung]]></category>
		<category><![CDATA[E-Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Empowerment]]></category>
		<category><![CDATA[Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Koproduktion]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Profession]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Dienste]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialeinrichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Stakeholder]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Ziele]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Interessenvertretung]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=466</guid>

					<description><![CDATA[Für ein Fachgespräch des Centrum für Corporate Citizenship Deutschland habe ich zu der Frage Stellung genommen, wie die Social Media-Nutzung in gemeinnützigen Organisationen gefördert werden kann. In meiner Antwort konzentrierte ich mich auf den wohlfahrtsverbandlichen Bereich, der in unserem Land über 100.000 Einrichtungen umfasst und mit seinem Angebot an sozialen Diensten den größten Teil des [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Für ein Fachgespräch des <a href="http://cccdeutschland.org/de">Centrum für Corporate Citizenship Deutschland</a> habe ich zu der Frage Stellung genommen, wie die Social Media-Nutzung in gemeinnützigen Organisationen gefördert werden kann. In meiner Antwort konzentrierte ich mich auf den wohlfahrtsverbandlichen Bereich, der in unserem Land über 100.000 Einrichtungen umfasst und mit seinem Angebot an sozialen Diensten den größten Teil des Nonprofit- bzw. des &#8220;Dritten Sektors&#8221; bildet, nämlich rund 39% (<a href="http://www.amazon.de/Gemeinn%C3%BCtzige-Organisationen-gesellschaftlichen-Ergebnisse-Dritte-Sektor-Forschung/dp/3810038490">Zimmer/Priller 1995</a>).</p>
<p>Bürger in jeder Stadt und in jeder Gemeinde haben Zugang zu gemeinnützigen sozialen Organisationen. Aufgrund der räumlichen Verbreitung der wohlfahrtsverbandlichen Dienste und Einrichtungen können und müssen sie meiner Ansicht nach in Zukunft eine viel bedeutendere Rolle spielen als in der Vergangenheit. Ihre Rolle darf sich nicht darauf beschränken, sozialer Dienstleister zu sein, sondern sie müssen verstärkt auch die Funktion eines <em>community-builders </em>und eines Ermöglichers von Partizipation übernehmen, der auf lokaler Ebene Brücken zwischen den unterschiedlichen Gemeinschaften schlägt, Bürgern Partizipationschancen bietet und sie darin unterstützt, sich stärker auf kommunaler Ebene zu beteiligen.</p>
<p>Weil das Internet neue Möglichkeiten schafft, Bürger in institutionelle Entscheidungen einzubeziehen, müssen sich gemeinnützige soziale Organisationen stärker mit Social Media auseinander setzen. Welche Chancen bieten diese neuen Technologien der eigenen Einrichtung, dem Beziehungsaufbau hin zur Umwelt, dem Potential als gemeinwesenorientierter Akteur?</p>
<p>Die Möglichkeiten von Social Media forcieren Beteiligungsdebatten. Auch der wohlfahrtsverbandliche Bereich wird dieser Debatte nicht ausweichen können und wird verstärkt von außen dazu aufgefordert werden, die eigenen Entscheidungsstrukturen kritisch zu überdenken. Es gilt die Frage zu beantworten: <strong>wie demokratisch ist der Dritte Sektor?</strong> Ist die Vereinsstruktur der einzige legitimatorische Grund, auf den gemeinnützige Organisationen verweisen können, wenn die Frage nach dem demokratischen Charakter der eigenen Einrichtungen gestellt wird?</p>
<p>Die Vereinsmitgliedschaft ist ein unvollkommener Indikator für zivile Partizipation und &#8216;Mitgliedschaft&#8217; alleine hat wenig Auswirkungen auf die Online-Partizipation von Bürgern (<a href="http://aas.sagepub.com/content/41/3/267.abstract">SuÃ¡rez 2009</a>).</p>
<p>Aus meiner Sicht sind sind die folgenden Bedingungen unerlässlich, wenn die Social Media-Nutzung &#8211; und damit die Chancen der Bürgerbeteiligung &#8211; in gemeinnützigen Organisationen gefördert werden soll:</p>
<ol>
<li>Wir brauchen eine digitale Inklusion des Dritten Sektors. Gemeinnützige Einrichtungen ohne Internet-Anschluss und -Know-how sollte es nicht geben, weil diesen Beteiligungsmöglichkeiten entgehen. Die Mittel hierfür müssen von staatlicher und privater Seite zur Verfügung gestellt werden</li>
<li>Wir brauchen eine Dezentralisierung von Organisations- und Entscheidungsstrukturen in sozialen Organisationen. Einrichtungen im Stadtteil, die nicht befugt sind, einen eigenen Webauftritt zu betreiben, können die Online-Vernetzung und -Partizipation nicht auf ihre Agenda setzen. Organisationen, in denen sich nur die Führungsspitze im inneren Kreis der Entscheidungsmacht befindet, werden sich mit der Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung in den Einrichtungen &#8211; egal ob online oder offline &#8211; schwer tun</li>
<li>Das Wissen der Bürger muss als wichtige Ressource Eingang in gemeinnützige Organisationen finden. Professionelles Wissen und Bürgerwissen müssen sich auf Augenhöhe begegnen. Es muss nach Formen der Koproduktion gesucht werden, bei denen Laien und Profis konstruktiv zusammenarbeiten. Die Art und Weise, wie soziale Dienstleistungen konzipiert und implementiert werden, muss &#8211; auch von staatlicher Seite &#8211; so ausgestaltet werden, dass die Partizipation der Bürger darin einen verbindlichen Platz erhält</li>
<li>Nonprofits müssen ihr Selbstbild wieder erweitern. Statt sich nur als Dienstleister zu betrachten müssen die Elemente der Interessenvertretung gestärkt werden. Empirische Forschungsergebnisse zeigen, dass jene Organisationen wie bspw. Bürgerrechtsgruppen und Umweltorganisationen, die offensiv ihre Ziele auch im Netz bewerben, dieselben sind, die online Partizipationsmöglichkeiten bieten (siehe <a href="http://aas.sagepub.com/content/41/3/267.abstract">SuÃ¡rez 2009</a>). Wenn <em>e-advocacy </em>und <em>e-democracy</em> offensichtlich eng zusammenhängen, dann müssen staatliche Programme, die auf mehr Bürgerengagement abzielen, auch die Interessenvertretungskompetenz von Nonprofits in den Blick nehmen.</li>
<li>Staatliche Akteure, Städte und Gemeinden spielen eine wichtige Rolle beim Empowerment des Dritten Sektors. Jene Kommunen, die sich einen gefügigen Dritten Sektor heranziehen, die abweichende Positionen mit Mittelentzug bestrafen, übersehen den Zusammenhang zwischen der Kompetenz des Dritten Sektors, Interessen zu vertreten und Bürger einzubeziehen. Von einem starken Dritten Sektor profitiert die Gemeinde, weil nur dieser die Partizipationspotentiale bieten kann, die für eine breite Beteiligung der Bürger auf lokaler Ebene wichtig sind.</li>
</ol>
<p>Social Media können die Beteiligung von Bürgern fördern. Aber die Tools sind kein Selbstläufer. Ohne die Schaffung unterstützender Rahmenbedingungen, ohne das entsprechende Handeln von gemeinnützigen Organisationen, Bürgern, Politik und Verwaltung, wird man die Partizipationspotentiale des Internets für den Dritten Sektor nicht zur Gänze erschließen können</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/social-media-und-burgerpartizipation-fur-mehr-demokratie-im-nonprofit-sektor/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wer ist an Entscheidungen beteiligt? Entscheidungsmacht in NPOs evaluieren</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wer-ist-an-entscheidungen-beteiligt-entscheidungsmacht-in-npos-evaluieren/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wer-ist-an-entscheidungen-beteiligt-entscheidungsmacht-in-npos-evaluieren/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jan 2011 09:54:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Evaluation]]></category>
		<category><![CDATA[Klienten]]></category>
		<category><![CDATA[Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Mitarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Dienste]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialeinrichtung]]></category>
		<category><![CDATA[Stakeholder]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Ziele]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidungsmacht]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialeinrichtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=418</guid>

					<description><![CDATA[Organisationen verteilen Entscheidungskompetenzen an ihre Stakeholder-Gruppen ganz unterschiedlich. Wer wo und wie mitbestimmen darf, hängt von der Eigentümerstruktur einer Einrichtung und ihren Zielen ab. Welche Stakeholder-Gruppen haben in For-profit, Nonprofit und kommunalen Sozialeinrichtungen das Sagen? Eine neue empirische Studie aus den USA von Avner Ben-Ner und Ting Ren (2010) geht dieser Frage nach. Fast 700 [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Organisationen verteilen Entscheidungskompetenzen an ihre Stakeholder-Gruppen ganz unterschiedlich. Wer wo und wie mitbestimmen darf, hängt von der Eigentümerstruktur einer Einrichtung und ihren Zielen ab.</p>
<p>Welche Stakeholder-Gruppen haben in For-profit, Nonprofit und kommunalen Sozialeinrichtungen das Sagen? Eine neue empirische Studie aus den USA von <a href="http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1467-8292.2010.00424.x/abstract">Avner Ben-Ner und Ting Ren (2010)</a> geht dieser Frage nach. Fast 700 amerikanische Organisationen aus der Kinderbetreuung, der Altenpflege und der lokalen Behindertenbetreuung gaben Auskunft über die Allokation von Entscheidungsmacht. Das Ergebnis zeigt, dass in gemeinnützigen und kommunalen Einrichtungen die Angestellten, Bewohner, Angehörigen und die örtliche Gemeinschaft mehr Mitsprachemöglichkeiten haben als in For-profit Einrichtungen. Gleichzeitig ist aber das Ausmaß der Möglichkeiten dieser Stakeholder-Gruppen, an <em>substantiellen </em>Entscheidungen mitzuwirken, in beiden Einrichtungsarten (gemeinnützig/kommunal) gering. In allen drei Bereichen (for-profit/nonprofit/kommunal) dominiert die Geschäftsführung die Entscheidungsprozesse.</p>
<p>Ich finde es interessant, einen empirischen Blick auf die Allokation von Entscheidungskompetenzen zu werfen, denn &#8220;Entscheidungsmacht kann erst geteilt werden, wenn Klarheit darüber herrscht, wer sie ausübt&#8221; (<a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/fileadmin/data/pdf/Wright_84867.pdf">Wright u.a. 2010, 82</a>).</p>
<p>Wenn zivilgesellschaftliche Akteure mehr Mitsprache in gemeinnützigen Einrichtungen bekommen sollen &#8211; und selbst die Bundesregierung mahnt neuerdings mehr Mitsprache für freiwillige Helfer in Institutionen an, siehe<a href="http://www.berlin.de/imperia/md/content/rbm-skzl/europareferat/oeffentlichkeitsarbeit/ej2011/ejf2011_nationales_programm.pdf?start&amp;ts=1293622684&amp;file=ejf2011_nationales_programm.pdf"> hier, S. 3</a> &#8211; dann ist es sinnvoll, zuerst eine Evaluation der Entscheidungsstrukturen in Nonprofits durchzuführen. Oftmals sind die formellen und informellen Entscheidungsverläufe den Beteiligten in gemeinnützigen Organisationen selbst nicht ganz bewusst (vgl. Wright u.a. 2010), so dass eine Evaluation von Entscheidungsprozessen Sinn macht. Erst wenn über den Ist-Zustand von Mitsprachemöglichkeiten Klarheit herrscht, kann ein Soll-Zustand entworfen werden.</p>
<p>Nun geben aber diejenigen, die Entscheidungsbefugnisse innehaben, diese nur ungern ab bzw. nur dann, wenn sie keine andere Option sehen. Weshalb sollten Nonprofits hier eine Ausnahme bilden? Weil der Wettbewerb zwischen gemeinnützigen Organisationen um die Ressource &#8216;Freiwillige Helfer&#8217;, mit der sehr häufig sehr nachlässig umgegangen wird (vgl. meinen <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/burgerengagement-fordern-und-erhalten-fur-einen-nachhaltigen-umgang-mit-freiwilligen/">letzten Blogbeitrag</a>) es erfordert, dass Nonprofits sich ernsthaft Gedanken über eine Umverteilung von Entscheidungskompetenzen machen. Immerhin haben neue Generationen von Helfern andere inhaltliche Ansprüche an das Freiwilligenengagement als die Nachkriegsgenerationen, die bescheiden waren, wenn es um Mitsprache ging. Wer also neue Unterstützer und Helfer gewinnen möchte, muss Teilhabemöglichkeiten bieten.</p>
<p>Eine (Selbst)Evaluation interner Entscheidungsprozesse mit Blick auf die Einbeziehung der unterschiedlichen Stakeholder-Gruppen wäre in NPOs höchst angebracht. Ebenso die Konzeption eines Soll-Zustandes, der zivilgesellschaftliche Akteure in die Entscheidungsfindung gemeinnütziger Organisationen stärker einbezieht.</p>
<p>Ein leicht anzuwendendes Evaluations-Tool für Nonprofits sind die<a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/subnavi/methodenkoffer/kreise-der-entscheidung.html"><em> Kreise der Entscheidung</em></a>, die von Wright/Block/Unger von der Forschungsgruppe <a href="http://www.wzb.eu/bal/ph/">Public Health des Wissenschaftszentrums Berlin</a> im Rahmen eines Präventionsforschungsprojekts im Gesundheitsbereich entworfen wurden. Die Kreise der Entscheidung (siehe unten) sind auf der &#8211; sehr empfehlenswerten Webseite &#8211; <a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/">partizipative-qualitaetsentwicklung.de</a> zu finden (und im <a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/fileadmin/data/pdf/Wright_84867.pdf">begleitenden Buch</a> , S. 82), mit einer detaillierten Anleitung zum Gebrauch und vielen anderen wertvollen Informationen:</p>
<p><strong>Kreise der Entscheidung</strong> (<a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/subnavi/methodenkoffer/kreise-der-entscheidung.html">von Wright/Block/Unger</a>)</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-420 alignleft" style="margin-top: 10px; margin-bottom: 10px; margin-right:500px" title="Kreise-der-Entscheidung" src="http://neu.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2011/01/KreisederEntscheidung3.jpg" alt="KreisederEntscheidung" width="411" height="295" srcset="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2011/01/KreisederEntscheidung3.jpg 411w, http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2011/01/KreisederEntscheidung3-300x215.jpg 300w" sizes="(max-width: 411px) 100vw, 411px" /></p>
<p>Die Kreise der Entscheidung umfassen unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten, &#8211; je weiter eine Stakeholder-Gruppe vom inneren Kreis der Entscheidungsmacht entfernt ist, desto weniger Teilhabemöglichkeiten besitzt sie. Mit Hilfe der Kreise kann eine gemeinnützige Einrichtung für einzelne Projekte, für einzelne Entscheidungsphasen, für bestimmte Fachgebiete usw. die bestehenden Partizipationsstrukturen klären und neue entwerfen. Besonders informativ wird die Evaluation, wenn man unterschiedliche Gruppen daran beteiligt, also bspw. die Nutzer der Einrichtung, die Angehörigen, die Geldgeber, die Partner aus der Verwaltung usw.</p>
<p>Sofern gemeinnützige Organisationen für die stärkere Partizipation von zivilgesellschaftlichen Akteuren bereit sind, können sie ihre Weiterentwicklung hin zu community-orientierten Einrichtungen, die nicht nur Betreuungsleistungen erbringen, sondern soziales Kapital und bürgerschaftliche Kompetenzen aufbauen, erfolgreich bewältigen. Gerade die Mitarbeiter von Nonprofits, die laut der oben zitierten Studie von <a href="http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1467-8292.2010.00424.x/abstract">Ben-Ner und Ren (2010)</a> an strategischen Entscheidungen nicht substantiell beteiligt sind, könnten hier zu wertvollen Verbündeten der Bürger werden.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wer-ist-an-entscheidungen-beteiligt-entscheidungsmacht-in-npos-evaluieren/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Big Society&#8221; &#8211; neue Pläne für die britische Zivilgesellschaft</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/big-society-neue-plane-fur-die-britische-zivilgesellschaft/</link>
					<comments>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/big-society-neue-plane-fur-die-britische-zivilgesellschaft/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Oct 2010 08:29:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Empowerment]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[NPO]]></category>
		<category><![CDATA[open data]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Profession]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Dienste]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialeinrichtung]]></category>
		<category><![CDATA[soziales Kapital]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[UK]]></category>
		<category><![CDATA[Ziele]]></category>
		<category><![CDATA[Big Society]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerengagement]]></category>
		<category><![CDATA[Community Organising]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://blog.nonprofits-vernetzt.de/?p=378</guid>

					<description><![CDATA[Die britische Koalitionsregierung aus Konservativen und Liberaldemokraten, seit Mai 2010 im Amt, hat angesichts des enormen staatlichen Haushaltsdefizits von 12% beschlossen, öffentliche Leistungsangebote zu reduzieren und mehr Macht und Handlungsmöglichkeiten in die Hände der Bürger zu legen. Anstatt &#8216;Big Government&#8217; und &#8216;Big Bureaucracy&#8217; wird nun auf eine starke Zivilgesellschaft gesetzt, die nicht nur zu Einsparungen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die britische Koalitionsregierung aus Konservativen und Liberaldemokraten, seit Mai 2010 im Amt, hat angesichts des enormen staatlichen <a href="http://www.egovernment-computing.de/forum/messages.cfm?threadid=297A706B-A368-4B03-8819E10F8DBBE3A0&amp;page=1&amp;%231">Haushaltsdefizits von 12%</a> beschlossen, öffentliche Leistungsangebote zu reduzieren und mehr Macht und Handlungsmöglichkeiten in die Hände der Bürger zu legen. Anstatt &#8216;Big Government&#8217; und &#8216;Big Bureaucracy&#8217; wird nun auf eine starke Zivilgesellschaft gesetzt, die nicht nur zu Einsparungen verhelfen soll, sondern auch zu qualitativ besseren Diensten auf kommunaler Ebene. Dazu bekommen die Bürger neue Instrumente an die Hand, die Kompetenzen von staatlichen Institutionen zu Bürgern umverteilen. Das <a href="http://www.cabinetoffice.gov.uk/newsroom/news_releases/2010/100518-news-big-society-launch.aspx">Big Society Programm</a> umfasst offiziell die folgenden Ziele (siehe <a href="http://www.cabinetoffice.gov.uk/media/407789/building-big-society.pdf">pdf</a>):</p>
<ul>
<li>Zivilgesellschaftliche Gruppen und Gemeinschaften sollen mehr Macht erhalten</li>
<li>Bürger werden ermuntert, eine aktive Rolle in ihrem Gemeinwesen zu übernehmen</li>
<li>Kompetenzen werden dezentralisiert bzw. von der nationalen auf die lokale Verwaltung übertragen</li>
<li>Genossenschaften, gemeinnützige Wohlfahrtsorganisationen, Sozialunternehmen, Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit sollen unterstützt werden</li>
<li>Die Regierung verspricht, dass Bürger ein Recht auf Daten erhalten und damit Zugriff auf staatliche Datensätze.</li>
</ul>
<p>Diese Grobkonzeption der Big Society vom Mai 2010 wurde zwischenzeitlich in vielen Regierungsreden, &#8211; papieren und -interviews näher ausgeführt, ohne dass das Konzept ganz konsistent vorliegen würde. Es befindet sich sozusagen noch im Entwicklungsstadium, so dass ich froh bin, auf ein gutes und aktuelles Papier gestoßen zu sein, das die zivilgesellschaftlichen Implikationen des Politikprogramms systematisch bespricht.</p>
<p>Das<a href="http://www.cdx.org.uk/sites/default/files/CDF%20expert%20panel%20paper%20two%20-%20The%20Big%20Society%20and%20the%20responsive%20state.pdf"> Papier ist von Melanie Bowles</a> von der <a href="http://cdf.org.uk/web/guest">Community Development Foundation</a>. Es listet die Instrumente auf, mit denen die Regierung die Big Society bauen will (S. 3ff):</p>
<p>Unter dem Stichwort<strong> &#8216;Community Empowerment&#8217; </strong>wird angestrebt, dass jeder Bürger Mitglied einer Nachbarschaftsgruppe wird und sich bürgerschaftliches Engagement als Norm etabliert. Bürger, Gruppen, Nonprofits und Sozialunternehmen sollen die Möglichkeit erhalten, öffentliche Dienste oder öffentliche Infrastrukturangebote (Post) neu anzubieten oder von der staatlichen Hand zu übernehmen. Sie müssen sich hierfür einem öffentlichen Angebotsverfahren unterwerfen. Auch Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung erhalten das Recht, öffentliche Dienste gemeinsam mit anderen Kollegen in Genossenschaftsform zu übernehmen. Gemeinnützige soziale Dienstleister bekommen längerfristige Verträge mit der öffentlichen Hand, die auf den Outcome &#8211; und nicht mehr auf den Output &#8211; abzielen, mit allen wirtschaftlichen Unwägbarkeiten für die Anbieter, die damit verbunden sind.</p>
<p>Ein <strong>Big Society Day</strong>, der die Selbsthilfe und das Bürgerengagement zelebriert, und ein <strong>National Citizen Service</strong>, der 16- Jährige für acht Wochen in gemeinwesenorientierte Aufgaben bringt, sollen bei den Jugendlichen das Bewusstsein für &#8220;What can we do for others? What can we do for ourselves?&#8221; (S. 2) stärken.</p>
<p>Um die Bildung von Gruppen, Gemeinschaften, Genossenschaften etc. auf kommunaler Ebene zu fördern, will die Regierung<strong> 5000 Community Organiser</strong> neu ausbilden, die allerdings keinen Job in der öffentlichen Verwaltung bekommen, sondern sich auf eigene Faust eine Finanzierung suchen müssen &#8211; wenn sie ihre Dienste als Freiwillige nicht umsonst anbieten wollen.</p>
<p>Auch lokale Aktivisten können als Community Organiser verpflichtet werden, was freiwillig Engagierte gegenüber den Professionellen aufwertet. Andererseits ist eine Installation von Community Organisern auf lokaler Ebene ohne eine entsprechende öffentliche Förderung ihrer Tätigkeit höchst fragwürdig. Die Regierung sieht diese Nicht-Finanzierung positiv, weil dadurch die lokalen Gruppen und Gemeinwesenarbeiter von ihrer Abhängigkeit von staatlichen Mitteln und staatlicher Kontrolle befreit wären. Dazu kritisch Bowles (2010): &#8220;Any new found &#8216;freedom&#8217; to respond to community needs may not deliver much social change without resourcing and support for grassroots community activity&#8221; (S. 5). Die Regierung wird lediglich das Geld für 100 Projekte bereithalten, um den Community-Aufbau in den benachteiligsten Gebieten des Landes finanziell zu unterstützen.</p>
<p>Im <strong>Verhältnis Staat- Bürger</strong> sollen sich durch das Big Society-Konzept ebenfalls einige Dinge verändern:</p>
<p>Bürger erhalten das Recht, zu jeder lokalen Angelegenheit ein Referendum zu initiieren, ohne dass ein Quorum notwendig wäre. Bürger erhalten mehr Mitsprache bei kommunalen Planungen, wohingegen zentrale/regionale Planungskompetenzen beschnitten werden (S. 7). Verwaltungsleistungen sollen den Bürger zum Mittelpunkt haben und nicht die Rationalität der einzelnen Ämter und Fachbereiche (S. 8).</p>
<p>Nat Wei, einer der Big Society-Vordenker und Regierungsberater, <a href="http://natwei.wordpress.com/2010/09/10/navigating-the-big-society-part-2/">zieht eine Analogie</a> zwischen der angestrebten <strong>Gesellschaftsform</strong> und dem <strong>Internet</strong>: bei beiden gehe es um eine Machtverschiebung hin zum einzelnen Bürger und zu Lasten traditionell mächtiger Institutionen.</p>
<p>Diese Aussage bietet einen guten Punkt, um mit ein paar kritischen Fragen zum Big Society-Konzept anzudocken:</p>
<p>1. Gerade das Internet, auf das Nat Wei Bezug nimmt, verschafft hauptsächlich aktiven und weniger aktiven Bürgern Partizipationsgewinne. Die passiven Bürger bleiben auch im Internet weitgehend stumm (vgl.<a href="http://www.ingentaconnect.com/content/routledg/rics/2008/00000011/00000007/art00004"> Kavanaugh et. al</a>. 2008). Die Big Society zielt auf den aktiven Bürger ab. Es stellt sich die Frage, in wieweit die Menschen am Rand hier mitgenommen werden. Ohne spezielle Förderung besteht die Gefahr, dass durch das Konzept nur bestimmte Schichten ermächtigt werden, &#8211; jene, die in der Lage sind, ihre Interessen wahrzunehmen und sich aktiv auf kommunaler Ebene einzubringen.</p>
<p>2. Das Community-Organising, das einen zentralen Stellenwert auf kommunaler Ebene erhält, muss weitgehend ohne Mittel auskommen, was die Möglichkeit einschränkt, die Beteiligungskompetenzen von benachteiligten Gruppen flächendeckend zu stärken.</p>
<p>3. Traditionell konzentriert sich das Community- Organising darauf, die Bedürfnisse der einzelnen Gemeinschaften mit den Betroffenen auszuarbeiten und, wo es notwendig ist, Interessenkonflikte auf lokaler Ebene auch offensiv zu thematisieren und anzugehen. Die Gemeinwesenarbeit, wie sie die konservativ-liberaldemokratische Regierung entwirft, dient hingegen der Umsetzung des Big Society- Konzepts, &#8211; Alternativen stehen nicht zur Diskussion.</p>
<p>4. Die Big Society will in erster Linie eine aktive Bürger- und Helfergesellschaft sein. Bürger als politische Subjekte, Interessensunterschiede zwischen Gruppen und Konflikte spielen in dem Konzept keine Rolle. Es geht von einem Konsens aus, der doch in einer pluralistischen Gesellschaft so nicht vorausgesetzt werden kann.</p>
<p>5. Bürger können und sollen im Rahmen der Big Society öffentliche Dienste selbst übernehmen. Ungeklärt ist, wie sich diese Privatisierung auf die Professionalität der Dienste, auf ihre Preise und ihre Reichweite auswirkt.</p>
<p>6. Die Community Organiser sollen als Intermediäre zwischen Bürgern und lokalen Gemeinschaften fungieren sowie als Vermittlungsinstanz zwischen Bürgern und der Lokalverwaltung. Andere Intermediäre sind im Big Society-Konzept nicht erkennbar. Die Labour-Partei hat die wichtige Rolle der Organiser schon erkannt und selbst rasch 1000 Kandidaten für diese Funktion auf lokaler Ebene rekrutiert (RSA, via <a href="http://www.designingforcivilsociety.org/2010/10/community-organisers-for-big-society-from-both-sides.html">David Wilcox</a>), was die politische Dimension dieses Jobs deutlich macht.</p>
<p>Insbesondere Dritte-Sektor-Organisationen werden als mögliche Vermittlungsinstanzen im Big Society-Konzept nicht erwähnt. Das ist schade. Und ein defizitärer Punkt. Denn Dritte Sektor- Institutionen können Bürger jene Kompetenzen vermitteln und Instrumente an die Hand geben, die notwendig sind, um Interessen effektiv zu vertreten. Wie es in einem <a href="http://www.timesonline.co.uk/tol/comment/faith/article7116843.ece?token=null&amp;offset=0&amp;page=1">Times-Artikel</a> zutreffend heißt: &#8220;Without the institutions and the modes of associative power institutions enable, the individual is left utterly naked before the power of the market and the state&#8221; (Bretherton 2010).</p>
<p>Unabhängig von den hier kritisierten Punkten ist es spannend zu sehen, welche Diskussionen und Entwicklungen derzeit in einem europäischen Nachbarland stattfinden. Wer die Diskussion in der britischen Blogosphäre zum Thema &#8216;Big Society&#8217; verfolgen will, findet <a href="http://bigsociety.amplify.com/">hier</a> einen guten Ausgangspunkt.</p>
<p>Interessant ist ebenfalls , wie weit die Forschung über Communities und Netzwerke und ihre Bedeutung für die Zivilgesellschaft in Großbritannien schon gediehen ist. Während man bei uns noch sehr stark auf den einzelnen Bürger fokussiert und weniger auf die Strukturen in den Gemeinden und Organisationen (exemplarisch hierfür: die<a href="http://www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2010/10/Nationale%20Engagementstrategie_10-10-06.pdf"> nationale Engagementstrategie der Bundesregierung</a>), ist die Gemeinwesenarbeit und die Bedeutung von Netzwerken in Großbritannien schon ein großes Thema. Dazu aber mehr in einem weiteren Blogbeitrag.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/big-society-neue-plane-fur-die-britische-zivilgesellschaft/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
