Quartiersvernetzung fördern (Teil 11) – Kooperationen im Quartier

Eine gut verständliche Handreichung für die Bildung von gelingenden Kooperationen im Quartier hat jüngst die Stiftung Mitarbeit veröffentlicht.

Das 40-seitige Papier basiert auf den Ergebnissen eines empirischen Forschungsprojektes in Niedersachsen, welches die Quartiersarbeit in einzelnen Stadtteilen dreier Kommunen untersuchte. Zwei dieser Quartiere gehören zum Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“, das Kooperationen fördert. Ein Quartier setzt die Kooperation in Eigenregie um, – hier war eine Bewohnerinitiative der zentrale Akteur.

Was wird in der Handreichung unter „Kooperation“ verstanden? „Ein Zusammenschluss von Akteur/innen auf Quartiersebene, die zusammenarbeiten, um ein bestimmtes Projekt oder Ziel zu verwirklichen“(Gliszczynski 2017, 7), – im Mittelpunkt steht also das konkrete Umsetzen und nicht der bloße Informationsaustausch.

Folgende Bedingungen fördern Kooperationen im Quartier (Gliszczynski 2017, 9f):

  • Ressourcen wie Zeit/Geld/Material/Räume müssen ausreichend verfügbar sein. Sie bilden die Mindestvoraussetzung für eine gelingende Kooperation, weil ohne Zeit Kontakte nicht gepflegt werden können
  • „belastbare persönliche Beziehungen“ zwischen den Akteur/innen im Quartier
  • feste Kommunikationsstrukturen, u.a. durch regelmäßige Treffen im Quartier. Dies erleichtert die Kontaktaufnahme zu neuen Akteuren, die man noch nicht kennt und fördert das Wissen über die Strukturen im Viertel und die Potenziale anderer Akteure
  • ein regelmäßiger Austausch über die Quartiersentwicklung unter den Kooperationspartnern, entweder im Rahmen formeller oder informeller Treffen
  • gerade bei intensiven und formalisierten Kooperationen sind klare Ziele, die messbar sind und gut planbare Umsetzungsschritte erlauben, sehr wichtig
  • ebenso sind bei intensiven und formalisierten Formen der Kooperation  klare Verantwortlichkeiten, einschließlich klarer Führungs- und Koordinationsrollen, von Bedeutung

Es verwundert, dass bei diesen Bedingungen nicht der „Netzwerk-Katalysator“ oder der „Netzwerk-Treiber“ auftaucht, – eine Rolle, die bei Bott (2014, 27ff) oder Mehnert/Kremer-Preiß (2016, 74) stärker betont wird. Auch Miriam Zimmer schreibt in ihrem Beitrag für die Handreichung, dass es Initiator/innen braucht, die für eine Kooperation werben, speziell in deren Anfangsphase (Zimmer 2017, 18).

Netzwerk-Katalysatoren sind aus meiner Sicht immer wichtig, auch nach der Gründungsphase eines Netzwerks. Sie setzen inhaltliche Impulse, holen neue Akteure ins Netzwerk, überwinden Flauten und suchen nach Unterstützern. Aber ihre Rolle ist in selbstorganisierten Netzwerken wahrscheinlich größer als in Kooperationen, die im Rahmen öffentlicher Programme initiiert und gefördert werden.

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