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	<title>Profession &#8211; Nonprofits-vernetzt.de</title>
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	<description>Partizipatives Stakeholder-Management &#38; Digitalisierung im Nonprofit-Sektor</description>
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		<title>Wie steht es um die digitalen Kompetenzen der Sozialen Arbeit?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Sep 2018 18:23:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie gut aufgestellt sind hierzulande die Fachkräfte der Sozialen Arbeit, wenn es um die Nutzung digitaler Instrumente im Arbeitsalltag geht? Wie gut kennen sie die Vor- und Nachteile der neuen Technologien? Hat die Profession ethische Standards, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern? Welchen Stellenwert nimmt die Auseinandersetzung mit neuen Technologien in den Studiengängen der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie gut aufgestellt sind hierzulande die Fachkräfte der Sozialen Arbeit, wenn es um die Nutzung digitaler Instrumente im Arbeitsalltag geht? Wie gut kennen sie die Vor- und Nachteile der neuen Technologien? Hat die Profession ethische Standards, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern? Welchen Stellenwert nimmt die Auseinandersetzung mit neuen Technologien in den Studiengängen der Sozialen Arbeit ein?</p>
<p><a href="https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/15228835.2017.1277913?journalCode=wths20" target="_blank" rel="noopener">Zorn und Seelmeyer (2017)</a> bedauern in ihrem Aufsatz, dass IuK-Technologien  im aktuellen <a href="https://www.dgsa.de/ueber-uns/kerncurriculum-soziale-arbeit/" target="_blank" rel="noopener">&#8220;Kerncurriculum Soziale Arbeit&#8221;</a>, entwickelt von der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (2017), keine Rolle spielen. Dabei will das Kerncurriculum der Standard für die Vermittlung der wissenschaftlichen Grundlagen Sozialer Arbeit sein und einen Rahmen formulieren &#8220;welche Studieninhalte in jedem Studiengang der Sozialen Arbeit vorkommen sollten&#8221; (DGSA, Curriculum S. 1).</p>
<p>Im Unterschied dazu haben mehrere amerikanische Verbände der Sozialen Arbeit ebenfalls im Jahr 2017 gemeinsame <a href="https://www.aswb.org/announcements/technology-standards-in-social-work-practice/" target="_blank" rel="noopener">&#8220;Standards for Technology in Social Work Practice&#8221;</a> ausgearbeitet. Insgesamt 55 Standards wurden entwickelt für die Bereiche</p>
<ul>
<li>Öffentlichkeitsarbeit</li>
<li>Soziale Dienstleistungen</li>
<li>Informationsgewinnung, &#8211; verwaltung und -speicherung</li>
<li>Ausbildung und Supervision</li>
</ul>
<p>Aus dieser Standardsammlung möchte ich sieben herausgreifen, um den konzeptionellen Rahmen der Sammlung deutlich zu machen:</p>
<ol>
<li>Sozialarbeiter/innen müssen qualifiziert werden, damit sie die neuen Technologien im Arbeitsalltag sicher, kompetent und ethisch korrekt einsetzen können.  Ausbildung, Beratung, Supervision und Training sollten zur Verfügung stehen, um den technologischen Wandel kontinuierlich zu begleiten und aufzuarbeiten (Standard 2.06, S. 16)</li>
<li>Sozialarbeiter/innen sollten die Vorteile, aber auch die Risiken elektronischer sozialer Dienste genau kennen und im Einzelfall abwägen, ob elektronische Angebote dem Nutzer einen Mehrwert bringen oder ob auf alternative Angebote zurückgegriffen werden sollte (Standard 2.01, S. 11)</li>
<li>Im Umgang mit den Klienten ist nicht nur deren psychosoziale Situation abzufragen, sondern auch deren Umgang mit Technologien: welche Stärken, Bedürfnisse, Risiken und Schwierigkeiten liegen hier vor? &#8220;With the increasing use of technology in society, it is important for social workers to also consider clients&#8217; relationship and comfort with technology&#8221;.  (Standard 2.05, S. 15)</li>
<li>&#8220;Informed Consent&#8221;: Die Nutzer sozialer Dienste müssen durch die Sozialarbeiter/innen über Vorteile und Risiken der elektronischen Dienste aufgeklärt werden. Die Nutzer brauchen einen Entscheidungsspielraum (Standard 2.04, S. 14)</li>
<li>Wenn Sozialarbeiter/innen Social Media nutzen, dann brauchen sie dafür eine Social Media Policy, die auch den Klienten sozialer Dienste bekannt sein muss: &#8220;The social media policy should be reviewed with clients during the initial interview in the social worker-client relationship and revisited and updated as needed&#8221; (Standard 2.10, S. 18)</li>
<li>Wenn Sozialorganisationen neue Technologien einsetzen wollen, dann sollte die Soziale Arbeit darauf drängen, dass hier nicht Wirtschaftlichkeit und Kostenersparnis  im Vordergrund stehen, sondern die Bedürfnisse der Klienten: &#8220;they shall prioritize the needs of their clients&#8221; (Standard 2.17, S. 23)</li>
<li>Zu den Aufgaben der Sozialen Arbeit gehört es auch, den Zugang zu neuen Technologien für ihre Klientel einzufordern, insbesondere für Arme, für Menschen mit Behinderung, für Menschen mit  fehlenden Sprachkenntnissen und solchen, die ungeübt im Umgang mit digitalen Technologien sind. &#8220;Having access to appropriate technology may also be a concern for social workers themselves. Social workers may need to advocate within their organizations and communities to ensure that they have access to technology that is required to perform their jobs effectively.&#8221; (Standard 2.21, S. 26f).</li>
</ol>
<p>Inwieweit ist die hiesige Praxis der Sozialen Arbeit mit solchen Standards vertraut? Inwieweit werden heute schon angehende Sozialarbeiter/innen aller Studienniveaus umfassend auf die digitale Sozialarbeit vorbereitet?</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Soziale Innovationen in Nonprofits und die Rolle der Freiwilligen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Nov 2017 10:18:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
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		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
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		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Über soziale Innovationen wird derzeit in Blogs, die sich mit der Sozialwirtschaft befassen, viel diskutiert. Hannes Jähnert berichtet über soziale Innovationen und Digitalisierung beim Deutschen Roten Kreuz, über das DRK-Innovationslabor und denkt über Modelle sozialer Innovation nach. Hendrik Epe fragt, ob soziale Organisationen besondere Innovationsorte brauchen und auch Sabine Depew vom Caritasverband des Bistums Essen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über soziale Innovationen wird derzeit in Blogs, die sich mit der Sozialwirtschaft befassen, viel diskutiert. Hannes Jähnert berichtet über <a href="http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2017/03/04/soziale-innovation-digitalisierung-beim-deutschen-roten-kreuz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">soziale Innovationen und Digitalisierung beim Deutschen Roten Kreuz</a>, über das <a href="http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2017/10/22/barcamp-pecha-kucha-und-noch-viel-mehr-neue-formate-im-deutschen-roten-kreuz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DRK-Innovationslabor</a> und denkt über <a href="http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2017/11/01/soziale-innovation-und-die-rolle-der-produktiven-avantgarde/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Modelle sozialer Innovation</a> nach. Hendrik Epe fragt, ob soziale Organisationen besondere <a href="https://ideequadrat.org/innovation_labs_sozialwirtschaft/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Innovationsorte </a>brauchen und auch Sabine Depew vom Caritasverband des Bistums Essen bloggt über die Idee eines <a href="https://zeitzuteilen.blog/2017/07/25/zwischen-vision-und-wirklichkeit-innovationslabore/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">InnovationsLabors</a>.</p>
<p>&#8220;Soziale Innovationen&#8221; &#8211; was versteht man darunter? Man bezeichnet damit neue Lösungen für gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen, wobei die Innovationen auf Produkte und Dienste, Prozesse oder Strukturen zielen können.</p>
<p>In den obigen Beiträgen, aber auch anderswo und selbst in der Forschung, konzentriert sich das Nachdenken über soziale Innovationen zumeist auf die Nonprofit-Organisation und ihre Beschäftigten. Zu wenig diskutiert wird die Frage, welche Rolle die <em>freiwillig Engagierten</em> für Innovationsprozesse im Dritten Sektor spielen, obwohl die &#8220;Freiwilligenarbeit als <em>das</em> konstitutive Wesensmerkmal der sozialen Dienste&#8221; angesehen wird (Nock/Krlev/Mildenberger 2013, 35). Gerade vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wo sind die Konzepte zum Thema &#8220;soziale Innovationen in der Sozialwirtschaft&#8221;, die den Potenzialen der Freiwilligen in Nonprofit-Organisationen Rechnung tragen?</p>
<p>Schon 2013 untersuchte eine Studie des <a href="https://www.csi.uni-heidelberg.de/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CSI </a>der Universität Heidelberg<a href="https://www.csi.uni-heidelberg.de/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> </a> <a href="http://www.bagfw.de/uploads/media/2013_12_17_Soziale_Innovationen_Spitzenverbaenden_FWp.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Soziale Innovationen in den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege&#8221;</a>, aus der das obige Zitat stammt.  Im Auftrag  der <a href="http://www.bagfw.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege</a> wurde in Experteninterviews auch nach der Rolle des Ehrenamts bei sozialen Innovationen in den Wohlfahrtsverbänden gefragt. Die Antworten waren zwiespältig: einige sahen im Bereich der Freiwilligen keine Innovationspotenziale, da diese vor allem im Kontext &#8220;einfacher, operativer Aufgaben&#8221; eingesetzt würden (Nock/Krlev/Mildenberger 2013, 35). Andere erkannten bei Freiwilligen die Fähigkeit, neuartige Impulse einzubringen, aber nur dann, wenn man ihnen auch Gestaltungsmöglichkeiten gibt und sie nicht , wie es noch oft geschieht, als &#8220;preiswerte Dienstleistungsunterstützung&#8221; einsetzt (ebd., 36). Von den Interviewten wurde vorgebracht, dass Freiwillige zwar gute Ideen haben können, ihnen aber die Expertise zu deren Umsetzung fehlt, so dass bei der Entwicklung und Implementation der sozialen Innovation das professionelle Know-how notwendig wird (ebd., 53).</p>
<p>Insgesamt ist das Thema, welche Rolle Freiwillige für soziale Innovationen in der Sozialwirtschaft spielen, in der Forschung viel zu wenig präsent. Ein aktueller Aufsatz vom Oktober will hier Licht ins Dunkel bringen: <a href="http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0899764017734651" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Beyond Service Production: Volunteering for Social Innovation&#8221;</a> (open access) von de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers (2017). Der Aufsatz geht aus einem von der EU geförderten Forschungsprojekt hervor (&#8220;<a href="http://itssoin.eu" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ITSSOIN</a>&#8220;) , das den Impact des Dritten Sektors im Bereich sozialer Innovationen untersucht und zwar in neun Ländern. Interessierte am Thema finden in der <a href="http://itssoin.eu/publications" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Publikationsliste des Projekts</a> viel Material.</p>
<p>Die Forschungsfrage, die sich de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers (2017) stellten und im Rahmen von 26 Interviews mit Freiwilligenmanagern und Freiwilligen aus Nonprofit-Organisationen in acht europäischen Ländern untersuchten, lautete:  Welche Faktoren in Nonprofit-Organisationen fördern und welche behindern den Beitrag Freiwilliger an sozialen Innovationen?</p>
<p>Durch ihre operative Arbeit, durch ihre persönlichen Netzwerke und Kontakte zu den Zielgruppen und in das Gemeinwesen hinein, bekommen Freiwillige viel Feedback von der Basis, oft mehr als die professionellen Mitarbeiter/innen selbst.  Als &#8220;Augen und Ohren&#8221; der Organisation, wie die Wissenschaftler die Rolle der Freiwilligen bezeichnen, bringen sie Verbesserungsvorschläge ein. Ihre Kreativität wird gefördert, wenn sie Handlungsspielräume besitzen, d.h. wenn Organisationen nicht zentralisiert und hierarchisch sind.  Wichtig sei ein &#8220;sense of ownership&#8221; seitens der Freiwilligen (de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers 2017, 10), d.h. sie müssen sich mit der Organisation identifizieren und das Gefühl haben, dass man ihre  Beiträge wertschätzt. Eine innerverbandliche Plattform kann Innovationen dann sammeln und weiterverbreiten, um den Transfer ehrenamtlich initiierter Projekte zu ermöglichen.</p>
<p>Eingeschränkt wird den Wissenschaftlern zufolge das Innovationspotenzial von Freiwilligen u.a. wenn</p>
<p>a) die Profession Vorschläge ablehnt, weil sie nicht zum Profil der Organisation passen. Eine Lösung könnte hier sein, ein Projekt zwar nicht hausintern zu implementieren, aber als Ausgründung zu unterstützen (&#8220;supported by&#8230;&#8221;)(de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers 2017, 12). Die Förderung von Ausgründungen scheint aber bei den hiesigen Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege keine strategische Option zu sein, wie die oben erwähnte CSI-Studie zeigt (Nock/Krlev/Mildenberger 2013, 55). Eine Haltung, über die man m. E. verbandsintern nochmals nachdenken müsste.  Geförderte Ausgründungen wären eine Form der Förderung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten, die viele Wohlfahrtsverbände für sich als Ziel definiert haben.</p>
<p>b) keine Ressourcen (Räume, Budgets, Materialien) für die Ideen von Freiwilligen bereitgestellt werden. Hier wird das Machtungleichgewicht zwischen Freiwilligen und Professionellen deutlich spürbar, &#8211; letztere kontrollieren die Ressourcen der Nonprofit-Organisation.  Da jedoch auch die Profession sehr häufig von den Ideen Freiwilliger profitiert, d.h. sie diese aufgreift und weiterentwickelt (siehe de Wit/Mensik/Einarsson/Bekkers 2017, 15), müsste man hier m. E.  stärker nach Win-Win-Modellen suchen, die beide Seiten Nutzen bringen.</p>
<p>Um dem Innovationspotenzial Freiwilliger Rechnung zu tragen, dürften einige Aufgaben auf das Freiwilligenmanagement in Nonprofit-Organisationen zukommen, &#8211; aber nicht nur auf das Freiwilligenmanagement, denn das Thema &#8220;soziale Innovation&#8221; betrifft alle Bereiche und Stakeholder in der Sozialwirtschaft und muss mit anderen Themen (wie Digitalisierung, Diversity, demographischer Wandel, interorganisationale Netzwerke, Partizipation usw.) systematisch verknüpft werden.</p>
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		<title>Partizipation von Ehrenamtlichen in Einrichtungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Apr 2016 09:52:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Daten]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
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		<category><![CDATA[Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie gut kommen Haupt- und Ehrenamtliche miteinander aus und welche Möglichkeiten gibt es, freiwillige Helfer in Institutionen stärker zu beteiligen? Diesen Fragen geht die Studie &#8220;Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen in Pflege, Sport und Kultur&#8221; nach, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von INBAS Sozialforschung erstellt und 2015 veröffentlicht wurde.  [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie gut kommen Haupt- und Ehrenamtliche miteinander aus und welche Möglichkeiten gibt es, freiwillige Helfer in Institutionen stärker zu beteiligen?</p>
<p>Diesen Fragen geht die Studie <a href="http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Kooperation-von-Haupt-und-Ehrenamtlichen-in-Pflege-Sport-und-Kultur-Endbericht,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf">&#8220;Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen in Pflege, Sport und Kultur&#8221;</a> nach, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von INBAS Sozialforschung erstellt und 2015 veröffentlicht wurde.  Befragt wurden dafür fast 3.300 Personen (jeweils etwa zur Hälfte Haupt- und Ehrenamtliche) in rund 1900 Einrichtungen und Vereinen. Die Zahl der erfassten Einrichtungen war ursprünglich größer, aber etwa ein Drittel der Institutionen hat gar keine Ehrenamtlichen, &#8211; was in der<a href="http://www.aktive-buergerschaft.de/buergergesellschaft/kommentare/2016#2016-02"> Aktiven Bürgerschaft</a> jüngst kritisch kommentiert wurde: &#8220;Debatten und Ansätze eines neuen Welfare Mixes und einer Stärkung des zivilgesellschaftlichen Profils von Einrichtungen (haben) kaum Resonanz in der Praxis von Trägerorganisationen und Einrichtungen gefunden&#8221; (G. Jakob).</p>
<p>Aus den Interviews mit den Haupt- und Ehrenamtlichen in der INBAS-Studie geht hervor, dass trotz gängiger Vorbehalte in öffentlichen Diskussionen (&#8220;Ehrenamtliche kosten Zeit, gefährden Arbeitsplätze und machen die schönen Arbeiten&#8221;, &#8220;Das Hauptamt engagiert sich zu wenig für die Zielgruppe&#8221;) sich beide Seiten, Haupt- und Ehrenamt, in der Praxis wechselseitig anerkennen (162 f). Unzufrieden sind aber viele Ehrenamtliche mit den ihn gebotenen Gestaltungs- und Partizipationschancen. Speziell in der Pflege und in Museen bemängeln ein Fünftel der Ehrenamtlichen Defizite, wenn es darum geht, Kritik und Änderungsvorschläge einbringen zu können (S. 170). Hauptamtliche sind sogar noch stärker unzufrieden mit ihren eigenen Partizipationsmöglichkeiten (S. 171). Offensichtlich wird das Thema &#8220;Partizipation&#8221; auf der Führungsebene vieler Organisationen strategisch vernachlässigt.</p>
<p>Welche Möglichkeiten gibt es, Ehrenamtlichen Gestaltungsspielräume zu eröffnen?</p>
<p>Die INBAS-Studie listet einige Partizipationsmöglichkeiten für Ehrenamtliche auf (S. 68f), die hier in eine  Partizipationspyramide in Anlehnung an <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-formen-und-strukturen-teil-1/">Straßburger/Rieger</a> übertragen werden, deren Beteiligungsmöglichkeiten &#8211; von unten nach oben betrachtet &#8211; immer weitreichender werden und in die eigenverantwortliche Selbstorganisation münden:<a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2016/03/Partizipationspyramide-Ehrenamt.jpg" rel="attachment wp-att-1257"><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-1257" src="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2016/03/Partizipationspyramide-Ehrenamt.jpg" alt="Partizipationspyramide-Ehrenamt" width="522" height="573" srcset="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2016/03/Partizipationspyramide-Ehrenamt.jpg 522w, http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wp-content/uploads/2016/03/Partizipationspyramide-Ehrenamt-273x300.jpg 273w" sizes="(max-width: 522px) 100vw, 522px" /></a>Zu den eigenständigen Teams aus Ehrenamtlichen,  die einen Arbeitsbereich ganz übernehmen und dabei vom Hauptamt unterstützt werden (s. zweitoberste Stufe), gehören z.B. ehrenamtlich betriebene Museumsshops oder ehrenamtlich organisierte Caféterien in Pflegeheimen. Die oberste Stufe wird von der zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation bestimmt, d.h. hier wird das Ehrenamt auch ehrenamtlich verwaltet. In welcher Form? Zum Beispiel im Rahmen von Fördervereinen und Freundeskreisen, die sich in diesem Fall nicht nur auf die Mittelakquise beschränken (wie üblich), sondern auch die Inhalte, Formen und Rahmenbedingungen des Ehrenamts sowie den ehrenamtlichen Einsatz in einer Einrichtung mit der Einrichtungsleitung aushandeln und organisieren (INBAS S. 80).</p>
<p>Eine interessante Partizipationsmöglichkeit für Ehrenamtliche <em>stadtweit</em> bzw. <em>institutionenübergreifend</em> bieten die beiden folgenden Modelle (INBAS, S. 80f):</p>
<ol>
<li>Die stadtweite Organisation von Ehrenamtlichen in <em>einem</em> Engagementfeld.<br />
INBAS nennt hier den Verein <a href="http://www.ehrenamt-kultur-wiesbaden.de/startseite.cfm">Ehrenamt für Kultur Wiesbaden</a>, wo Ehrenamtliche zusammengeschlossen sind, die sich in den unterschiedlichen Kultureinrichtungen engagieren. Dazu INBAS: &#8220;Die Beziehung 1 zu N, also ein Verein zu vielen Kultureinrichtungen, stärkt die Position der Ehrenamtlichen nachhaltig. Rahmenbedingungen der ehrenamtlichen Arbeit und insbesondere Formen der Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen können vom Verein über eine Palette von Einrichtungen hinweg verglichen werden. Eine Verbreitung derjenigen Kooperationsformen und Rahmenbedingungen, die der Verein für angemessen erachtet, kann dann gezielt vorangetrieben werden. Bei Problemen kann sich die oder der einzelne Ehrenamtliche zudem an den Verein wenden, der, wenn er sich des Anliegens annimmt, gegenüber der Kultureinrichtung eine viel bessere Verhandlungsposition besitzt&#8221; (S. 81)</li>
<li>Die stadtweite Organisation von Ehrenamtlichen <em>verschiedener</em> Engagementfelder.  INBAS nennt als Beispiel das <a href="http://www.karlsruhe.de/b4/buergerengagement/aktivbuero/forum_ehrenamt.de">Forum Ehrenamt in Karlsruhe </a>(S. 81). Auch in Konstanz hat sich ein stadtweites <a href="http://www.konstanz.de/soziales/00631/06441/index.html">Netzwerk Bürgerengagement </a>gebildet. Solche Netzwerke und Beiräte befassen sich mit der Situation des Ehrenamts in einer Gemeinde und arbeiten an Verbesserungsvorschlägen und Weiterbildungsmöglichkeiten.</li>
</ol>
<p>Was in der INBAS-Studie fehlt, ist eine Analyse differenziert nach Trägerart: funktionieren Kooperation und Partizipation in gemeinnützigen, öffentlichen oder privatwirtschaftlichen Einrichtungen jeweils gleich oder wirken sich hier unterschiedliche Trägertraditionen auch unterschiedlich aus?</p>
<p>Was ebenfalls in der Studie fehlt, ist eine Analyse der Kooperation zwischen Haupt- und Ehrenamt in zivilgesellschaftlichen Netzwerken. Das ist schade, da gerade Netzwerke als Organisationsform auf dem Vormarsch sind, auf allen räumlichen Ebenen, aber auch online. Mehr dazu im nächsten Blog-Beitrag.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 2):  Partizipationsrechte entwickeln</title>
		<link>http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-teil-2-partizipationsrechte-entwickeln/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2015 11:22:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
		<category><![CDATA[Empowerment]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Nonprofit-Organisation]]></category>
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					<description><![CDATA[In diesem Beitrag befasse ich mich mit der Frage, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in Sozialorganisationen entwickelt und institutionell verankert werden können. Er baut auf dem letzten Blogartikel (Teil 1) über die Partizipationspyramide auf. Beide Blogbeiträge basieren auf dem Buch &#8220;Partizipation kompakt&#8221; (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>In diesem Beitrag befasse ich mich mit der Frage, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in Sozialorganisationen entwickelt und institutionell verankert werden können. Er baut auf dem <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-formen-und-strukturen-teil-1/">letzten Blogartikel (Teil 1)</a> über die Partizipationspyramide auf. Beide Blogbeiträge basieren auf dem Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221;</a> (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. <em>Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich dann mit dem bürgerschaftlichen Engagement in Nonprofits befassen.</em><br />
</em></p>
<p>Wie können Partizipationsrechte für Nutzer und das bürgerschaftliche Umfeld einer Sozialeinrichtung ausgearbeitet werden? Straßburger schlägt in dem Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221; </a>ein Verfahren vor, dass sich an die Konzepte für Kindertageseinrichtungen von <a href="http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/55692/partizipation-in-kindertageseinrichtungen">Hansen/Knauer/Sturzenhecker (2011) </a>anlehnt:</p>
<ul>
<li>Zuerst muss organisationsintern unter den Mitarbeitern geklärt werden, wo, inwieweit und in welcher Form Bürger/Nutzer mitbestimmen sollen. Dazu sind alle Bereiche und Verfahren der Organisation genau anzuschauen. Die Partizipationspyramide zeigt die unterschiedlichen Möglichkeiten der Partizipation auf, die von den Vorstufen informieren, Meinung erfragen, Lebensweltexpertise einholen bis zur echten Partizipation im Sinne von Mitbestimmung, Entscheidungskompetenz teilweise abgeben und Entscheidungsmacht übertragen reichen. Es muss ferner auch explizit festgelegt werden, wo Partizipation nicht erwünscht ist. In dieser ersten Phase müssen Straßburger zufolge die Mitarbeiter/innen unter sich sein. Es werden keine Mehrheitsentscheidungen gefällt. Das Ziel ist ein Konsens unter den Beteiligten, &#8220;damit am Ende nur beschlossen wird, was alle mittragen können&#8221; (Straßburger in &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, S. 89).</li>
<li>In einem zweiten Schritt entwerfen die Fachkräfte die Strukturen der Partizipation: welche Gremien sind notwendig? Straßburger zufolge reichen zwei Gremientypen aus: eine Vollversammlung für alle und Unterausschüsse.  In die Unterausschüsse können Nutzer Vertreter/innen delegieren. Alternativ gibt es offene Unterausschüsse, bei denen jeder bei Interesse mitarbeiten kann (ebd, 89f).</li>
<li>Wenn unter den Fachkräften Konsens über das bisher Erarbeitete besteht, dann können die Nutzer und das bürgerschaftliche Umfeld herangezogen werden, um die Details der Beteiligungsformen und -strukturen zu besprechen (ebd., 88).</li>
<li>In einer ersten Lesung verabschieden die Fachkräfte unter sich die ausgearbeiteten Partizipationsrechte- , &#8211; formen und -strukturen, die zu einem Verfassungsentwurf für die Einrichtung gebündelt wurden. Danach wird der Verfassungsentwurf der bürgerschaftlichen Seite vorgelegt, die hier noch Änderungswünsche einbringen kann. Ob diese übernommen werden, entscheiden die Fachkräfte, die die Verfassung in zweiter Lesung verabschieden und veröffentlichen (ebd., 90).</li>
</ul>
<p>Dieses von Straßburger vorgeschlagene Verfahren räumt den Fachkräften das Vorrecht ein, über die Grundstrukturen der  Partizipation selbst zu entscheiden, ohne Beteiligung der Nutzer ( man merkt, dass der Verfahrensvorschlag ursprünglich aus dem Kindergartenbereich kommt&#8230;.). In selbstorganisierten sozialen Projekten werden Fachkräfte und Bürger sicher von vornherein auf Augenhöhe kooperieren. Für den öffentlichen und wohlfahrtsverbandlichen Bereich mag das von Straßburger propagierte Modell der &#8220;konstitutionellen Monarchie&#8221; passen (siehe <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/partizipation-sozialeinrichtungen-formen-und-strukturen-teil-1/">Blogbeitrag Teil 1</a>), aber auch in diesen Sektoren wird es einzelne Projekte geben, die noch partizipativer aufgestellt sind.</p>
<p>Von einer Einbeziehung der Nutzerseite von Anfang an können alle profitieren: man lernt sich selbst und den andern in einem Diskussionsprozess, der auf einen Konsens zielt, besser kennen. Man arbeitet in einem solchen Fall nicht nur heraus, wer wo wie beteiligt wird (&#8220;what to <em>do</em> together&#8221;),  sondern man entwickelt in einem solchen Prozess auch eine gemeinsame Identität (&#8220;create a shared sense of who to <em>be</em> together&#8221;) (<a href="http://eu.wiley.com/WileyCDA/WileyTitle/productCd-0745650031.html">Eliasoph 2013, 146</a>).</p>
<p>Die verabschiedete Verfassung für eine soziale Organisation ist rechtlich nicht bindend. Die Mitarbeiter verpflichten sich aber durch eine Verfassung, Beteiligungsregeln zu achten und nicht zu übergehen. Aufgebaut wird so ein moralisch einklagbares Recht für die Bürgerseite (Hansen/Knauer/Sturzenhecker 2011, S. 151).</p>
<p>Straßburger zufolge muss die Beteiligungsstruktur transparent und funktionsfähig sein (Straßburger in &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, S. 89). Und sie muss mit Leben gefüllt werden. Das Ziel ist nicht der Aufbau einer Partizipationsbürokratie, sondern ein funktionierender demokratischer Prozess in den sozialen Einrichtungen (ebd., 98).</p>
<p>Gibt es Praxis-Beispiele für die Institutionalisierung von Partizipation und die Einführung von Verfassungen in Sozialeinrichtungen? <a href="http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/55692/partizipation-in-kindertageseinrichtungen">Hansen/Knauer/Sturzenhecker (2011)</a> verweisen auf das Modellprojekt die &#8220;Kinderstube der Demokratie&#8221;, das in Schleswig-Holstein 2001 begonnen wurde und zwischenzeitlich in Modelle und Erziehungspläne anderer Länder einfloss. Bei dem Projekt ging es um die Einführung von demokratischeren Strukturen in Kindertagesstätten. Zwei Kita-Verfassungen im Anhang von Hansen u.a. zeigen, wie Beteiligungsregeln im Detail aussehen können.</p>
<p>Im Verfassungs-Beispiel 1 gibt es als Gremien das Kinderparlament und Gruppenkonferenzen. Die Kinder bestimmen u.a. über den Tagesablauf, die Raumgestaltung,  die Mahlzeiten und die Anschaffung von Spielzeug mit. Sie haben kein Mitspracherecht in Finanzangelegenheiten, in Personaldingen, in Sicherheitsfragen und im Hinblick auf die Öffnungszeiten (Hansen/Knauer/Sturzenhecker 2011, S. 363-368). Wichtig ist die Verfassungs-Bestimmung, dass in den Gruppenkonferenzen und dem Kinderparlament immer ein Konsens angestrebt wird.: &#8220;Im Zweifel entscheidet die einfache Mehrheit aller anwesenden Konferenzmitglieder, jedoch nie gegen die Stimmen aller Erwachsenen oder gegen die Stimmen aller Kinder&#8221; (Hansen u.a., S. 364, §4). Diese Regel soll verhindern, dass die Fachkräfte von Kindern überstimmt werden oder umgekehrt, die Fachkräfte die Kinder überstimmen und deren Interessen übergehen.</p>
<p>Da Erwachsene keine Kinder sind und sehr wohl über Personal- und Finanzangelegenheiten mitbestimmen können, sollte ein Verfahren, das die Beteiligungsrechte von Bürger-Nutzern in Sozialeinrichtungen strukturell verankern möchte, über den obigen Verfahrensvorschlag von Straßburger bzw. Hansen/Knauer/Sturzenhecker hinaus gehen. Das Verfahren sollte von Anfang an Bürger/innen beteiligen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, auf das Grunddesign der Verfassung einer Einrichtung Einfluss zu nehmen. Die Partizipationspyramide bietet dafür viele unterschiedliche Formen an, auch die Vorstufen der Partizipation können hier genutzt werden. Auf jeden Fall sollte die Verfassung kooperativ erarbeitet werden. Erfolgreiche Koproduktion in Sozialeinrichtungen setzt Mitsprache der Bürger/innen voraus.</p>
<p>Abschließend stellt sich die Frage, inwieweit bürgerschaftlich Engagierte in der Praxis in die Beteiligungsstrukturen einer Sozialorganisation eingebunden sind. Wird das &#8220;Mithelfen&#8221; um das &#8220;Mitsprechen&#8221; ergänzt? Wie steht es um die Verbindung zwischen freiwilligem Engagement und politischer Partizipation im Dritten Sektor? Damit wird sich der dritte Blogbeitrag dieser kleinen Serie befassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 1): Formen und Strukturen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2015 10:54:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[In diesem Artikel befasse ich mich mit Formen und Strukturen der Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 1). Der nächste Blog-Beitrag wird aufzeigen, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in der Praxis entwickelt werden können (Teil 2). Zugrunde liegt den beiden Beiträgen das Buch &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>In diesem Artikel befasse ich mich mit Formen und Strukturen der Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 1). Der nächste Blog-Beitrag wird aufzeigen, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in der Praxis entwickelt werden können (Teil 2). Zugrunde liegt den beiden Beiträgen das Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221;</a>, (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich dann mit dem bürgerschaftlichen Engagement in Nonprofits befassen.<br />
</em></p>
<p>Vor drei Jahren habe ich einen <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/wer-ist-an-entscheidungen-beteiligt-entscheidungsmacht-in-npos-evaluieren/">Blog-Beitrag </a>darüber geschrieben, welche Formen Beteiligung in gemeinnützigen Organisationen annehmen und wie Entscheidungsmacht in Nonprofits evaluiert werden kann. Zugrunde lag dem Beitrag das Modell der<a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/subnavi/methodenkoffer/kreise-der-entscheidung.html"> &#8220;Kreise der Entscheidung&#8221; </a>von Wright/Block/Unger (2010), das im Rahmen eines WZB-Projekts entstand. Dieses Modell wurde nun von Straßburger/Rieger von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin zu einer &#8220;Partizipationspyramide&#8221; weiterentwickelt und in ihrem Buch <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221; </a>(2014) vorgestellt, das sich an die soziale Profession richtet.</p>
<p>Die Partizipationspyramide von Straßburger/Rieger umfasst mehrere Partizipationsstufen und ist in zwei Perspektiven aufgeteilt: in die der Mitarbeiter einer Einrichtung und in die der Bürger bzw. Nutzer.  Warum? Beide Perspektiven müssen berücksichtigt werden, wenn Teilhabeprozesse erfolgreich sein sollen. Wer sich nur auf die Seite der Bürger konzentriert, verliert die wichtige Rolle der Institutionen und ihrer Mitarbeiter/innen aus den Augen, die Beteiligung zulassen und unterstützen müssen.</p>
<p>Auf der linken Seite der Pyramide ist die Perspektive der Profession abgebildet.  Wie können sie ihre Nutzer und ihr soziales Umfeld besser in Entscheidungen einbinden? Durch die drei Vorstufen der Partizipation, die sich am Fuß der Pyramide befinden: informieren, Meinung erfragen, Lebensweltexpertise einholen. Und durch die darüber liegenden drei Stufen der &#8220;echten&#8221; Partizipation: Mitbestimmung zulassen, Entscheidungskompetenz teilweise abgeben, Entscheidungsmacht übertragen (Straßburger/Rieger 2014, 232). Auf der rechten Seite der Pyramide ist die Perspektive der Bürger visualisiert. Die Partizipationsstufen aus Sicht der Bürger/innen lauten:</p>
<ul>
<li>Stufe 1: sich informieren</li>
<li>Stufe 2: im Vorfeld von Entscheidungen Stellung nehmen</li>
<li>Stufe 3: verfahrenstechnisch vorgesehene Beiträge einbringen</li>
<li>Stufe 4: an Entscheidungen mitwirken</li>
<li>Stufe 5: Freiräume der Selbstverantwortung nutzen</li>
<li>Stufe 6: bürgerschaftliche Entscheidungsfreiheit ausüben</li>
<li>Stufe 7 (diese gibt es auf professioneller Seite nicht): zivilgesellschaftliche Eigenaktivitäten</li>
</ul>
<p>(ebd, S. 233). Die Partizipationspyramide kann in Sozialeinrichtungen eingesetzt werden, um zu klären, welche Teilhabemöglichkeiten die Einrichtung für Bürger  vorsieht und wie deren Mitbestimmung  als Nutzer, Angehörige, Engagierte, Nachbarn, Bewohner des  Stadtviertels usw. gestärkt werden könnte.</p>
<p>Straßburger drängt in ihrem Buch-Beitrag darauf,  die Partizipation von Bürgern in den Einrichtungen strukturell zu verankern, um &#8220;Rechtssicherheit statt Willkür&#8221; zu schaffen (Straßburger in &#8220;Partizipation kompakt&#8221;, S. 83). Ob Teilhabe gewährt wird, sollte nicht vom guten Willen und der Tagesform der einzelnen Fachkraft abhängen, sondern verlässlich geregelt sein.</p>
<p>Sie zeigt auf, dass das Verhältnis  zwischen einer Sozialeinrichtung und ihren Nutzern durch ein strukturelles Machtungleichgewicht gekennzeichnet ist.  In vielen Sozialeinrichtungen herrsche eine Art &#8220;absolute Monarchie&#8221;, bei der die Profession alles bestimmt und die Nutzer der Einrichtung nichts. In Anlehnung an Hansen/Knauer/Sturzenhecker, die 2011 ein Buch über <a href="http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/55692/partizipation-in-kindertageseinrichtungen">&#8220;Partizipation in Kindertageseinrichtungen&#8221; </a>veröffentlichten, plädiert sie dafür, in Sozialorganisationen eine Art &#8220;konstitutionelle Monarchie&#8221; zu etablieren, bei der die Macht der Fachkräfte begrenzt wird, indem die Teilhaberechte der Bürger durch eine Verfassung für die Einrichtung festgeschrieben werden (Straßburger, S. 84f).</p>
<p>Wie Beteiligungsrechte und -verfahren ausgearbeitet und aussehen können, soll im nächsten Blogbeitrag auf der Basis von <a href="http://www.beltz.de/produkt_produktdetails/5729-partizipation_kompakt.html">&#8220;Partizipation kompakt&#8221;</a> beschrieben werden. Wichtig ist an dieser Stelle der Gedanke, die Beteiligungsregeln im Alltag auch mit Leben zu füllen. Straßburger zufolge  müssen dafür Nutzerkompetenzen gestärkt und Beteiligungshindernisse intern beseitigt werden (S. 91ff). Auch die Öffnung der Institution nach außen hin spielt eine wichtige Rolle, um einladend für Bürger zu sein. Deren Bedürfnisse sollten ganz eindeutig im Zentrum der sozialen Arbeit stehen und nicht die Annahmen der Profession über die Bedürfnisse der Nutzer.</p>
<p>Dass dennoch diese Annahmen der Fachkräfte im Alltag dominieren, macht Straßburger in ihrem Beitrag deutlich: &#8220;Projekte scheitern häufig daran,  dass sie ihre Zielgruppe nicht erreichen (&#8230;): Professionelle haben eine Idee, entwickeln ein Konzept, kümmern sich um die Finanzierung und machen sich dann an die Öffentlichkeitsarbeit. Erst in dieser Phase kommen die Adressatinnen und Adressaten ins Spiel. Bleibt das Interesse aus, sind die Fachkräfte frustriert. Sie hatten es so gut gemeint und sich soviel Mühe gemacht!&#8221; (Straßburger 2014, 82).</p>
<p>Um dieses Scheitern von Projekten zu vermeiden, bietet sich Partizipation an. Haben Bürger/innen die Möglichkeit, schon bei der Programmformulierung und -planung mitzuwirken, dann werden konzeptionelle Fehler sofort aufgedeckt und Kosten, die mit dem Scheitern einhergehen, vermieden. Partizipation verhilft Sozialorganisationen zu Erfolgen. Aber auch normativ betrachtet &#8211; und auf diesen Blickwinkel legen die Autor/innen größten Wert &#8211; gehört Partizipation zum Profil sozialer Berufe: &#8220;Die Qualität einer sozialen Dienstleistung erwächst nicht daraus, dass eine Fachkraft in bester Absicht ein in ihren Augen hilfreiches Angebot entwickelt, sondern indem sie herausfindet , was Menschen erreichen wollen und wie sie sie dabei unterstützen kann&#8221; (Straßburger/Rieger 2014, S. 42).</p>
<p>Das Konzept der Partizipationspyramide wirkt sehr inspirierend. Schade nur, dass die Autoren ihre Ideen nicht mit einer Webseite flankieren, um ihrem Konzept mehr Breitenwirkung zu verschaffen. Als Beispiel könnte hier die Webseite <a href="http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/">partizipative-qualitaetsentwicklung.de</a> dienen, die die WZB-Forschergruppe um Wright/Block/Unger 2008 aufgebaut hat, um der interessierten Praxis inhaltliche Hilfen an die Hand zu geben.</p>
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		<title>Netzwerke im demografischen Wandel aufbauen &#8211; Teil 1: Bürgernetzwerke</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Apr 2014 14:19:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Demographie]]></category>
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		<category><![CDATA[Ehrenamt]]></category>
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					<description><![CDATA[(Brigitte Reiser) Dies ist ein Beitrag für die 27. NPO-Blogparade: &#8220;Netzwerke im demografischen Wandel aufbauen &#8211; Chancen und Hindernisse?&#8221;. Diskussionsbeiträge sind willkommen.  Die Politik will das Engagement von Bürgern und deren Vernetzung fördern. Viele bürgerschaftliche Aktivitäten finden in Form informeller Gruppen und Initiativen statt. Ist die lokale Infrastruktur für das Bürgerengagement so ausgerichtet, dass sie [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>(Brigitte Reiser) Dies ist ein Beitrag für die <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/27-npo-blogparade-netzwerke-aufbauen-chancen-und-hindernisse/">27. NPO-Blogparade: &#8220;Netzwerke im demografischen Wandel aufbauen &#8211; Chancen und Hindernisse?&#8221;</a></em>. <em>Diskussionsbeiträge sind willkommen.  </em></p>
<p>Die Politik will das Engagement von Bürgern und deren Vernetzung fördern. Viele bürgerschaftliche Aktivitäten finden in Form informeller Gruppen und Initiativen statt. Ist die lokale Infrastruktur für das Bürgerengagement so ausgerichtet, dass sie diesen informellen Netzwerken Unterstützung leisten kann?</p>
<p>Das Problem ist, dass über den Bereich der selbstorganisierten Initiativen auf örtlicher Ebene in der Regel zu wenig Informationen vorliegen. Entsprechend schwierig ist es,  herauszufinden, welche Unterstützung diese informellen Netzwerke &#8211; reale und virtuelle &#8211; eigentlich brauchen. Viele der vorhandenen Fördermaßnahmen konzentrieren sich deshalb auf die institutionalisierten Akteure, die als gemeinnützig eingetragen sind, und lassen informelle Initiativen und Bewegungen eher außer Acht.</p>
<p>Auch die Dritte-Sektor-Forschung kann kein Licht ins Dunkel bringen, wenn es um die informellen Aktivitäten der Bürgergesellschaft geht. Erhebungen konzentrieren sich auf den institutionalisierten Bereich der Zivilgesellschaft, so dass Kritiker vom &#8220;flat earth-approach&#8221; der Dritte-Sektor-Forschung sprechen (Smith, zit. nach Soteri-Proctor/Alcock 2012, 381). Die Verantwortlichen des jüngsten <a href="http://www.ziviz.info/fileadmin/download/ziviz_survey2012.pdf">ZiviZ-Surveys</a> stellen klar, dass &#8220;eine Organisationserhebung (&#8230;) keine Zivilgesellschaftserhebung sein&#8221; kann (<a href="http://www.ziviz.info/fileadmin/download/ziviz_survey2012.pdf">Krimmer/Priemer, ZiviZ 2013, 13</a>), weil die Zivilgesellschaft aus vielen informellen Formen besteht: aus Bewegungen, selbstorganisierten Initiativen, virtuellen Netzwerken usw. So beschränkte sich auch der ZiviZ-Survey auf die Befragung von eingetragenen Vereinen, Genossenschaften, gemeinnützigen GmbHs und Stiftungen.  Danach gab es in Deutschland im Jahr 2012 616.154 Drittsektor-Organisationen. Die Zahl der bürgerschaftlichen Aktiviäten &#8220;unter dem Radar&#8221; des Dritten Sektors dürfte um ein Vielfaches größer sein.</p>
<p>Die britischen Forscher Soteri-Proctor und Alcock haben sich um ein Micro-Mapping bürgerschaftlicher Initiativen in zwei Gemeinden bemüht. Allein in elf Straßen der beiden Orte konnten sie durch Befragungen, Aushänge, Begehungen von Gebäuden und andere Bemühungen 58 Initiativen ausfindig machen und kartieren, die in keiner offiziellen Statistik auftauchen, die nicht registriert sind und zum Teil auch keinen Namen und keine Adresse haben. Sie gehen davon aus, dass dieses Ergebnis noch weit höher ausgefallen wäre, hätten sie auch Netzwerke einbezogen, die in der Gemeinde umher wandern oder virtueller Natur sind (<a href="http://www.ingentaconnect.com/content/tpp/vsr/2012/00000003/00000003/art00005">Soteri-Proctor/Alcock 2012</a>) (Infos zum britischen Projekt gibt es auch <a href="http://www.birmingham.ac.uk/generic/tsrc/documents/tsrc/working-papers/working-paper-71.pdf">hier</a>).</p>
<p>Welcher Art sind diese informellen Bürgernetzwerke und unter welchen Bedingungen gedeihen sie?</p>
<p>In der britischen Untersuchung konnten sechs Bereiche identifiziert werden, in denen die informellen Netzwerke aktiv sind: Kunst und Musik/multikulturelle Aktivitäten/Nischenthemen/Selbsthilfe und Hilfe auf Gegenseitigkeit/spezielle Glaubens- oder kulturelle Gemeinschaften/Freizeitaktivitäten (<a href="http://www.ingentaconnect.com/content/tpp/vsr/2012/00000003/00000003/art00005">Soteri-Proctor/Alcock 2012</a>, 386). Die Netzwerke dienen der Unterstützung derjenigen, die in ihnen aktiv sind. Manche aber geben zum Teil auch Unterstützung an das Gemeinwesen weiter (ebd., 389). Drei Faktoren sind für den Fortbestand der informellen Initiativen wichtig:</p>
<ul>
<li>&#8220;Bricoleurs&#8221;, &#8211; das sind Leute, die in der Lage sind, Ressourcen aufzutreiben und die Ziele der Gruppe effektiv zu verfolgen</li>
<li>Community Hubs, &#8211; das sind öffentliche Räume, in denen unterschiedliche Initiativen Platz finden</li>
<li>Unterstützung durch Mitarbeiter, fest angestellte und ehrenamtliche, die in den Community Hubs arbeiten (ebd., 392f).</li>
</ul>
<p>Speziell im demografischen Wandel wird auf Bürgerengagement, freiwillige Gemeinschaften und Netzwerke gesetzt, um untereinander und füreinander die kleinen Hilfsdienste zu leisten, die es dem einzelnen ermöglichen, länger in den eigenen vier Wänden zu bleiben, sofern er auch noch Zugriff auf professionelle Dienste hat. Viele der Netzwerke starten mit großem Idealismus und enden dann nicht selten, weil Freiwillige abspringen oder der &#8220;Netzwerker&#8221; aufgibt. Das sind die Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt &#8220;Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter&#8221; von Julia M. Bott (2014): &#8220;Die Ergebnisse (&#8230;) bezüglich des Funktionierens von Selbstorganisationsprozessen sind in gewisser Weise ernüchternd. In manchen Orten funktioniert etwas, in anderen genau wiederum nicht. Das heißt, eindeutige &#8216;Erfolgsrezepte&#8217; gibt es nicht. Unrealistisch ist jedoch, dass auf professionelle Steuerung, Moderation und/oder Beratung gänzlich verzichtet werden kann&#8221; (<a href="http://verlag.deutscher-verein.de/index.php?main_page=product_info&amp;products_id=237">Bott 2014, 58</a>).</p>
<p>Bott hat deshalb Tipps für die lokale Netzwerkarbeit und Selbstorganisation in einem <a href="http://verlag.deutscher-verein.de/index.php?main_page=product_info&amp;products_id=237">Hand- und Arbeitsbuch des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge</a> veröffentlicht. Fertige Rezepte gibt es hier wirklich nicht, aber nützliche Hinweise wie die folgenden:</p>
<ul>
<li>Netzwerker sind für lokale Selbstorganisationsprozesse wichtig, sie sollten entsprechend gefördert werden (ebd., 58)</li>
<li>wer Bürger für ein Engagement in Netzwerken gewinnen möchte, muss darauf achten, für sie eine Win-win-Situation zu schaffen (ebd., 55)</li>
<li>Die Kooperation von Netzwerken mit und ihre Förderung durch professionelle Einrichtungen ist wichtig (ebd., 38)</li>
</ul>
<p>Professionelle spielen &#8211; wie schon oben erwähnt &#8211; eine bedeutende Rolle bei der Unterstützung von Vernetzungsprozessen. Es ist wichtig, dass Mitarbeiter ihr Wissen teilen, im Zweifel auch ihre Räume, um für Freiwillige stundenweise einen Büroplatz zu bieten. Ebenso wichtig sind fachliche Beratung, Supervision und inhaltliche Unterstützung der Ehrenamtlichen. Das Ehrenamt braucht das Hauptamt, wenn vor Ort etwas bewegt werden soll, &#8211;  das ist zumindest auch meine persönliche Erfahrung als Freiwillige in lokalen Vernetzungsprozessen.</p>
<p>Sind die gemeinnützigen Träger und die <a href="http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-ED2DBCFB-9A7DE5B2/bst/xcms_bst_dms_39388_39389_2.pdf">lokalen Infrastrukturen des Bürgerengagements</a> auf diese Mentoren-Funktion vorbereitet?  Können speziell Freiwilligenagenturen angesichts ihrer &#8220;noch ausstehenden Profilbildung&#8221; und ihrer &#8220;nur allenfalls ansatzweise erkennbaren (Selbst)Professionalisierung&#8221; (<a href="http://www.volunteertolearn.eu/wp-content/uploads/2013/06/Backhaus-Maul-Speck-Freiwilligenagenturen_in_Deutschland.pdf">Backhaus-Maul/Speck 2011, 308</a>) diese Unterstützung von lokalen Selbstorganisations- und Vernetzungsprozessen leisten?</p>
<p>Mein Eindruck ist, dass wir eine ganze Reihe neuer Förder- und Unterstützungsinstrumente brauchen, um bürgerschaftliche (Hilfs)Netzwerke auf örtlicher Ebene aufzubauen, zu pflegen und ihre Nachhaltigkeit zu sichern.</p>
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		<title>Für eine Sozialarbeit mit bürgerschaftlichem Profil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Apr 2013 15:09:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wenn eine Demokratisierung des Dritten Sektors notwendig ist, um Bürgern Mitgestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen ( siehe Koproduktion und Co-Design), dann benötigt die soziale Profession ein neues Rollenmodell. Dann reichen das &#8220;heroische&#8221; und das &#8220;altruistische&#8221; Berufs-Paradigma nicht mehr aus. Sondern es wird ein neues Selbstverständnis notwendig, damit die Profession Bürgerbeteiligung akzeptieren und fördern kann. Harington und Beddoe [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn eine Demokratisierung des Dritten Sektors notwendig ist, um Bürgern Mitgestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen ( siehe <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/fur-eine-kultur-der-mitgestaltung-co-design-in-nonprofits/">Koproduktion und Co-Design</a>), dann benötigt die soziale Profession ein neues Rollenmodell. Dann reichen das &#8220;heroische&#8221; und das &#8220;altruistische&#8221; Berufs-Paradigma nicht mehr aus. Sondern es wird ein neues Selbstverständnis notwendig, damit die Profession Bürgerbeteiligung akzeptieren und fördern kann.</p>
<p>Harington und Beddoe arbeiten in einem aktuellen Aufsatz (&#8220;<a href="http://jsw.sagepub.com/content/early/2013/03/01/1468017313477316.abstract">Civic practice: a new professional paradigm for social work</a>&#8221; , Journal of Social Work 2013) die grundlegenden Eigenschaften eines neuen Berufs-Profils heraus, das sie das &#8220;bürgerschafliche&#8221; nennen:</p>
<p>Die bürgerschaftlich ausgerichtete Sozialarbeit integriert Partizipation in ihren Alltag. Sie zielt nicht nur auf das Betreuen, Helfen und Unterstützen, sondern auch auf den &#8220;civic outcome&#8221; ihrer Arbeit, d.h. auf die Folgen, die soziale Dienste für den bürgerschaftlichen Status der einzelnen Nutzer als auch für die Zivilgesellschaft als Ganzes haben.</p>
<p>Das Territorium des &#8220;civic practioners&#8221; sind nicht &#8211; wie bisher &#8211; die öffentlichen oder wohlfahrtsverbandlichen Institutionen. Sein Territorium ist das Gemeinwesen, er orientiert sich an den Bedürfnissen und Bestrebungen der Communities, die hier angesiedelt sind. Während in sozialen Diensten traditionell der Fallbezug vorherrscht, verfolgt der bürgerschaftlich ausgerichtete Sozialarbeiter gemeinwesenbezogene Ziele: er will die Kompetenzen in der Zivilgesellschaft fördern, Barrieren abbauen, und das Selbstbewußtsein von Bürgern bzw. Identitäten stärken (Harington/Beddoe 2013).</p>
<p>Entscheidungen werden kollaborativ mit den betroffenen Stakeholdern gefällt. Die soziale Arbeit nimmt nicht die Rolle des neutralen Experten ein, der über den Dingen steht . Vielmehr spielt die persönliche Ausrichtung des Sozialarbeiters an sozialem Wandel und an Gerechtigkeit eine wichtige Rolle in dem Modell einer bürgerschaftlich orientierten Profession: &#8220;Practice ethos based on explicit statement of values and personal commitment to social change and justice&#8221; (Harington/Beddoe 2013, 11).</p>
<p>Die soziale Profession arbeitet aktiv als Interessenvertretung an einem solchen sozialen Wandel mit, indem sie die Informationen über soziale Exklusion und darüber, was im Rahmen öffentlicher Sozialprogramme funktioniert und nicht funktioniert, sammelt, analysiert und mit anderen teilt. Speziell die Evaluation von Programmen sollte nicht Externen überlassen bleiben. Die Autoren rufen die soziale Profession dazu auf, sich stärker um Zahlen (the &#8220;numbers game&#8221;) zu kümmern. Wenn dies die Sozialarbeit nicht selbst macht, dann machen es andere, &#8211; mit dem Ergebnis, dass das Wissen der Praktiker vor Ort und betroffener Bürger selbst in Evaluations- und Impact-Studien zu wenig einfließt: &#8220;so-called independent research effectively silences both users&#8217; and practitioners&#8217; experience of the world&#8221; (Scheyett, zit. nach Harington/Beddoe 2013, 14).</p>
<p>Das Wissen um soziale Probleme und um die Wirkung sozialstaatlicher Programme im Alltag vergrößert seinen Wert, wenn es mit anderen geteilt wird und wenn andere ihren Beitrag dazu leisten können . Harington/Beddoe rufen die soziale Arbeit deshalb dazu auf, Wissensbestände gemeinsam mit Bürgern, Communities und Kolleg/innen aufzubauen. Wer bisher noch eine Begründung für die Relevanz von <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/transparenz-im-gemeinnutzigen-bereich-oder-wann-kommt-der-open-third-sector/">open data für Nonprofits</a> gesucht hat, findet sie in dem Modell der &#8220;bürgerschaftlich augerichteten Sozialarbeit&#8221;, das die beiden Autoren entwerfen.</p>
<p>Die soziale Profession sollte sich überlegen, wie sie soziale Medien nutzen kann, um ihr Wissen mit anderen zu teilen und Wissenssammlungen im Netz aufzubauen. Speziell der Online-Kartierung sollte eine größere Bedeutung beigemessen werden. Es ist schade, dass so viele (kleine) soziale Organisationen nicht wissen, wie gut man Web-Karten nutzen kann, um Bedarfe und Ressourcen zu kartieren. Aber auch Wikis oder Blogs können eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, kollaborativ Wissen darüber zu sammeln, welche Prozesse und Programme auf örtliche Ebene funktionieren und welche nicht (vgl. das <a href="http://www.grassrootswiki.org/index.php/Main_Page">GrassrootsWiki</a> oder <a href="http://www.admittingfailure.com/">AdmittingFailure</a>).</p>
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		<title>Koproduktion &#8211; eine Einbahnstraße für Bürger?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 16:43:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Familien, Nachbarn und Freunde eines hilfsbedürftigen Menschen haben in der Regel großen Anteil an dessen Betreuung. Beispielsweise leben 70% der Pflegebedürftigen zu Hause und werden größtenteils (in 70% der Fälle) von Angehörigen gepflegt (Wendt 2011, 208). Im sogenannten &#8220;Wohlfahrtsmix&#8221;, der Produktion sozialer Dienstleistungen durch gemeinnützige, öffentliche und gewerbliche Träger sowie das persönliche Umfeld eines [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Familien, Nachbarn und Freunde eines hilfsbedürftigen Menschen haben in der Regel großen Anteil an dessen Betreuung. Beispielsweise leben 70% der Pflegebedürftigen zu Hause und werden größtenteils (in 70% der Fälle) von Angehörigen gepflegt (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Wendt 2011, 208</a>). Im sogenannten &#8220;Wohlfahrtsmix&#8221;, der Produktion sozialer Dienstleistungen durch gemeinnützige, öffentliche und gewerbliche Träger sowie das persönliche Umfeld eines Betroffenen, &#8220;überwiegt somit, sozialwirtschaftlich betrachtet, die häusliche Wertschöpfung&#8221; (Wendt 2011, 209, in: <a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Blätter der Wohlfahrtspflege Heft 6</a>. Alle zitierten Texte in diesem Blogbeitrag stammen aus dieser Ausgabe).</p>
<p>Es mehren sich deshalb die Stimmen in der sozialen Arbeit, die fordern, der faktischen Koproduktion sozialer Dienste durch Bürger und professionelle Anbieter auch auf Organisationsseite Rechnung zu tragen. Allerdings nur auf zweierlei Weise:</p>
<p>1. Die Dienste sollen die Ressourcen der informellen Helfer in ihre Personaleinsatzplanung mit einbeziehen. Das heißt, der Dienst und die Angehörigen stimmen untereinander ab, wer was wann erledigt (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Wendt 2011, 210</a>).</p>
<p>2. Die Gegenüberstellung von professioneller Arbeit und Laienpflege wird aufgegeben. Es bilden sich Netzwerke (&#8220;Pflegenetzwerke&#8221;, &#8220;Assistenznetzwerke&#8221;) auf lokaler Ebene, die die Hilfe im Einzelfall und die Angebote auf örtlicher Ebene untereinander abstimmen. Das Ziel der Netzwerkkoordination ist die möglichst passgenaue und effiziente Organisation der Hilfeerbringung (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Tabatt-Hirschfeldt 2011, 203</a>).</p>
<p>Haben Bürger in diesen Koproduktionsmodellen formale Entscheidungskompetenzen, um das Leistungsangebot auf örtlicher Ebene mitbestimmen zu können?</p>
<p>Die Teilhabe von Bürgern wird hier eher individualisiert und auf den Einzelfall bezogen. Bürger können sich im Detail mit Diensten abstimmen, wenn es um die Betreuung von Angehörigen geht, &#8211; aber immer auf der Basis eines existierenden Leistungsangebots, über dessen Ausgestaltung andere entscheiden.</p>
<p>Gerade die empirische Forschung in der Behindertenhilfe zeigt, dass die Inklusion von Menschen und ihr Recht auf Teilhabe mit den existierenden Hilfsstrukturen der Dienste kollidiert: individuelle Wünsche und Bedarfe laufen ins Leere, denn &#8220;ein kreatives Entwickeln neuer Teilhabearrangements findet nur selten statt&#8221; (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">Barth 2011, 218</a>).</p>
<p>Das Problem des im Sozialbereich propagierten &#8220;Wohlfahrtsmixes&#8221; bzw. des hier entworfenen Koproduktionsmodells ist es, dass im Mittelpunkt die Dienste und öffentlichen Stellen mit ihrem Planungsrecht stehen, &#8211; und nicht die Bürger als Gestalter örtlicher Lebenszusammenhänge. Exemplarisch wird dies an einem &#8220;operativen Netzwerk zur Entwicklung eines Familienzentrums&#8221; deutlich, das von Tabatt-Hirschfeldt als Beispiel angeführt wird (<a href="http://www.bdw.nomos.de/archiv/2011/heft6/">2011, 205</a>): hier gruppieren sich elf Institutionen um einen Kindergarten, aber nur drei Bürgergruppen sind involviert, mit denen informell kooperiert wird bzw. die &#8220;mitwirken&#8221;, &#8211; von verbindlichen Mitbestimmungsmöglichkeiten ist nichts zu erfahren.</p>
<p>Es stellt sich deshalb die Frage, wie es um die <em>demokratische Legitimation</em> dieser Koproduktionsmodelle im Sozialbereich steht und wo die Mitbestimmungschancen für Bürger im Wohlfahrtsmix sind, die über das persönliche Umfeld hinaus reichen. Wer kontrolliert die örtlichen Wohlfahrtsnetzwerke? Wer bestimmt über die örtlichen Angebotsstrukturen? Wenn Bürger einen wichtigen Beitrag an der Koproduktion sozialer Dienste leisten, dann benötigen sie auch das Recht, über die örtlichen Angebotsstrukturen mitbestimmen zu können. Ansonsten werden formale Teilhaberechte konterkariert.</p>
<p>Soziale Dienste betonen ihre wichtige Rolle in der Wohlfahrtsproduktion. Sie sollten die demokratischen Implikationen ihrer Tätigkeit nicht ausblenden. Soziale Dienstleistungen versorgen Bürger nicht nur, sondern sie machen gleichzeitig Aussagen über den Status des einzelnen, &#8211; der Bürger ist oder Hilfsempfänger bleibt. Es wäre eine große Chance, auf kommunaler Ebene die Steuerungsstrukturen im Sozialbereich so auszugestalten, dass Bürger die Angebote in ihrem Quartier mitbestimmen können.</p>
<p>Desweiteren muss sich der Sozialbereich anderen Sektoren gegenüber öffnen &#8211; der Kultur, der Bildung, dem Sport usw. &#8211; und Angebote vernetzen. Allein die Konzentration auf den richtigen &#8220;Wohlfahrtsmix&#8221; ist eine Sackgasse. Gefragt sind Konzepte, die den Bürger und dessen gesamtes Umfeld, den &#8220;Sozialraum&#8221;, in den Mittelpunkt stellen und nicht die sozialen Dienste selbst. Der Weg muss vom &#8220;Wohlfahrtsmix&#8221; zur Bürgerbeteiligung führen.</p>
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		<title>Partizipation fördern &#8211; die Rolle von Nonprofit-Organisationen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 11:21:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Dritter Sektor]]></category>
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		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Ziele]]></category>
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					<description><![CDATA[Partizipationsprojekte im politischen Raum sind häufig dadurch gekennzeichnet, dass sich nur bestimmte Gruppen an den angebotenen Verfahren wie Bürgerhaushalten, Online-Konsultationen, Planungsprozessen usw. beteiligen. Auch die Verlagerung von Partizipationsangeboten ins Internet bringt hier keine grundlegende Änderung, sondern setzt die asymmetrische Beteiligungspraxis fort. Das Blog Bürgerhaushalt.org zitiert aus dem Evaluationsbericht des Odenburger Bürgerhaushalts, in dem folgendes bemängelt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Partizipationsprojekte im politischen Raum sind häufig dadurch gekennzeichnet, dass sich nur bestimmte Gruppen an den angebotenen Verfahren wie Bürgerhaushalten, Online-Konsultationen, Planungsprozessen usw. beteiligen. Auch die Verlagerung von Partizipationsangeboten ins Internet bringt hier keine grundlegende Änderung, sondern setzt die asymmetrische Beteiligungspraxis fort. Das Blog <a href="http://www.buergerhaushalt.org/grundlagen/evaluation-des-oldenburger-buergerhaushaltes-viel-licht-aber-auch-schatten/">Bürgerhaushalt.org </a>zitiert aus dem Evaluationsbericht des Odenburger Bürgerhaushalts, in dem folgendes bemängelt wird:</p>
<p>&#8220;Geringe Beteiligung bei Präsenzveranstaltungen<br />
Sehr hohe Beteiligung von Personen mit hoher formaler Bildung<br />
Sehr hohe Beteiligung von Personen im Alter von 40-60 Jahren<br />
Sehr geringe Beteiligung von Migranten<br />
Sehr geringe Beteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen&#8221;.</p>
<p>Dieses Ergebnis charakterisiert auch den Kölner Bürgerhaushalt. Das Blog <a href="http://www.buergerhaushalt.org/grundlagen/evaluation-des-oldenburger-buergerhaushaltes-viel-licht-aber-auch-schatten/">zitiert</a> aus dessen Evaluationsbericht: &#8220;Einzig das Kriterium der Pluralität kann nur mit Vorbehalt als erfüllt bezeichnet werden, da die Gruppe Hoch-Beteiligter von ihrer Struktur her recht homogen ist, und weil sich zu wenig Kölner Bürgerinnen und Bürger aus bildungsfernen Schichten am Verfahren beteiligen&#8221;.</p>
<p>Wenn man den Anspruch der Inklusion nicht aufgibt,<br />
wenn man sich nicht mit den asymmetrischen Beteiligungsstrukturen arrangieren möchte, die nur bestimmten Gruppen zusätzliche Handlungsspielräume eröffnen (&#8220;Empowering the Empowered&#8221;), aber nicht denjenigen, die sich nicht zu Wort melden (können),<br />
wenn man daran festhält, dass eine Demokratie reale Mitmachmöglichkeiten für alle Bürger bieten sollte,<br />
dann muss dringend darüber nachgedacht werden, wie die Beteiligungskultur in unserem Land verbessert werden kann.</p>
<p>Die Diskurse über das &#8220;Bürgerengagement&#8221;, die im Politikfeld &#8220;Bürgergesellschaft&#8221; geführt werden, liefern dazu meist auch keine neue Ideen, da hier lediglich die Beteiligung von Bürgern an der Produktion von (sozialen) Dienstleistungen, aber nicht an Entscheidungen im Mittelpunkt steht. &#8220;Sadly, the vision of how to empower communities is far too focused on engaging members of the public in the delivery of public services&#8221;, heißt es in einem <a href="http://www.thersa.org/__data/assets/pdf_file/0005/402755/RSA_Power_lines_FINAL-110511.pdf">Bericht</a> der britischen RSA mit Blick auf das Big Society-Konzept der dortigen Regierung, &#8211; ein Vorwurf, den man auch den hiesigen Bürgerengagement-Konzepten machen kann.</p>
<p>Wer die verstärkte Beteiligung von Bürgern an Entscheidungen anstrebt, muss als erstes das Thema &#8220;Partizipation&#8221; aus seiner politischen Enklave herausholen und in weiteren gesellschaftlichen Bereichen verankern, so dass Mitgestaltung &#8211; als Kompetenz und Praxis &#8211; im Alltag der Menschen fest etabliert ist. Wer Partizipation nur auf den politischen Bereich beschränkt, muss sich nicht wundern, dass letztlich so wenige mitmachen. Woher sollte auch die Motivation der Bürger und ihre Fähigkeit zum Mitmachen herkommen, wenn sich Beteiligungsangebote auf Ausnahmesituationen beschränken und nicht die Regel bilden?</p>
<p>Der Dritte Sektor spielt eine Schlüsselfunktion, wenn es um die Ein- und Ausübung von Teilhabe geht. Hier werden &#8211; speziell in den sozialen Diensten &#8211; tagtäglich unzählige Entscheidungen gefällt, die die Persönlichkeit und den Körper von Menschen betreffen, ohne dass Bürger &#8211; als Betroffene, Angehörige, Ehrenamtliche usw. &#8211; substantielle Mitentscheidungsmöglichkeiten hätten. Staat und Verbände regeln die zentralen Punkte, die das Politikfeld betreffen, unter sich und die Bürger stehen am Rand. Die Demokratisierung unserer Gesellschaft müsste genau hier beginnen, vor Ort, in den vielfältigen Einrichtungen des Dritten Sektors. Bürger erspüren ihren eigenen Status gegenüber den verbandlichen Diensten und den staatlichen Institutionen sehr genau. Wenn dieses Verhältnis zwischen Bürgern und Institutionen nicht durch eine echte Machtbalance gekennzeichnet ist (abseits der wolkigen Worte, die in Leitbildern geschrieben werden), nimmt die Motivation zur Mitgestaltung rapide ab.</p>
<p>Wir brauchen folglich mehr Bemühungen, die auf eine Demokratisierung des Dritten Sektors zielen, wo Teilhabe für Menschen erlebbar wird, zusätzlich zu den Partizipationsangeboten im politischen Raum.</p>
<p>Allerdings reicht dies nicht aus, um die ungleiche Beteiligungskultur zu verändern. Wichtig ist ebenfalls der Aufbau von Strukturen, die Bürger unterstützen und fördern. Der Aufbau von Netzwerken zwischen Menschen in den Stadtvierteln und Gemeinden ist Voraussetzung für mehr Beteiligung. Aus ihren Netzwerken gewinnen Menschen Informationen, Kontakte, Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten. Die Förderung der Bürgerbeteiligung darf sich deshalb nicht auf den einzelnen Bürger hin ausrichten &#8211; obwohl genau so Politik und Verwaltung die Bürgergesellschaft angehen &#8211; sondern sie muss auf den Aufbau von Bürger-Netzwerken zielen.</p>
<p>Vom Netzwerkaufbau zwischen Institutionen bzw. von abgestimmten Dienstleistungsangeboten ist staatlicherseits viel die Rede. Weniger reden vom Netzwerkaufbau unter Bürgern bzw. Stadtteilbewohnern, der in der Verantwortung eines jeden Dienstes &#8211; und nicht nur speziell der Gemeinwesenarbeit &#8211; liegen sollte.</p>
<p>Wenn die Partizipationskultur in unserem Land verbessert, d.h. inklusiver und verbreiteter werden soll, dann kommen auf den Dritten Sektor und hier speziell auf die sozialen Dienste die folgenden Aufgaben zu:</p>
<p>1. Bürger/innen müssen stärker an Entscheidungen beteiligt werden. Die Dienste müssen sich als Ermöglicher von Teilhabe begreifen und dies in ihrer Organisation und ihrem Steuerungssystem verankern.</p>
<p>2. Die sozialen Dienstleister müssen Bürger untereinander vernetzen. Zu der eigentlichen Dienstleistung &#8211; ambulante Altenhilfe, Behindertenhilfe etc. &#8211; muss die Vernetzungsaufgabe treten. Derzeit kommt eine Sozialstation ins Haus, erledigt dort ihre Aufgaben, und fährt wieder weg. Vielleicht vermittelt sie noch ein anderes Hilfsangebot, &#8211; aber sie baut in der Regel keine Netzwerke oder nur Netzwerke, die den Kreis der Betroffenen nicht überschreiten (Gesprächskreise für pflegende Angehörige, für die Angehörigen von Demenzkranken usw.). Je spezialisierter aber die Netzwerke sind, desto ähnlicher sind die Ressourcen in ihnen. Neue und andere Ressourcen kommen nur hinzu, wenn man die Netzwerke öffnet und in andere gesellschaftlichen Bereiche ausdehnt.</p>
<p>Social Media können beim Netzwerkaufbau und der Förderung der Beteiligung auf lokaler Ebene eine wichtige Rolle spielen, wie die empirische Studie von Harris und Flouch (2010) &#8211; mehr Infos <a href="http://nonprofits-vernetzt.posterous.com/welche-wirkung-haben-burger-webseiten-die-auf">hier </a>&#8211; über lokale Online-Netzwerke, Informations- und Beteiligungsplattformen in Großbritannien zeigt.</p>
<p>Aber auch in dieser Studie ist die mangelnde Vielfalt an Menschen und Milieus in den Online-Netzwerken ein Thema. Obwohl Social Media &#8211; unabhängig von der Tendenz von Menschen, den Kontakt zu Gleichgesinnten zu suchen &#8211; sehr leicht zum Brückenbauen in andere Milieus eingesetzt werden können, &#8211; &#8220;the divide can begin to be bridged with something as simple as an RT&#8221;, wie es in <a href="http://www.guardian.co.uk/voluntary-sector-network/2011/jun/13/social-divide-not-digital">einem Beitrag</a> im britischen Guardian heißt. &#8220;This is truly groundbreaking stuff, and is the great value of social media (&#8230;)&#8221;.</p>
<p>Unabhängig von den Potentialen von Social Media muss bei den Diensten vor Ort zuerst die Bereitschaft und das Budget zum Netzwerkaufbau vorhanden sein. Welche Strategie dann im einzelnen gewählt wird, &#8211; ob online, offline oder beides zusammen kombiniert &#8211; bildet erst den zweiten Schritt.</p>
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			</item>
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		<title>Mehr Partizipation wagen &#8211; für ein neues Leitbild in verbandlichen Sozialorganisationen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Reiser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 May 2011 10:57:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgergesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Verbandlichen Trägern im Sozialsektor fehlt ein Leitbild für das 21. Jahrhundert. Allein die Erbringung sozialer Dienste kann kein Leitbild sein, denn diese Leistungen werden auch von gewerblichen Einrichtungen angeboten. Ebenso kommt das Spezifische eines jeden gemeinnützigen Akteurs &#8211; das Katholische oder Evangelische oder in einem anderen Milieu Ankernde &#8211; im Alltag sozialer Dienste häufig nicht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Verbandlichen Trägern im Sozialsektor fehlt ein Leitbild für das 21. Jahrhundert. Allein die Erbringung sozialer Dienste kann kein Leitbild sein, denn diese Leistungen werden auch von gewerblichen Einrichtungen angeboten. Ebenso kommt das Spezifische eines jeden gemeinnützigen Akteurs &#8211; das Katholische oder Evangelische oder in einem anderen Milieu Ankernde &#8211; im Alltag sozialer Dienste häufig nicht mehr zum Tragen, weil die Leistungserbringung sich unter den Einrichtungen immer mehr angleicht, auch infolge staatlicher Regulierungen und Vereinbarungen.</p>
<p>Wohin also den Blick richten? Was könnte zu einer Renaissance der wohlfahrtsverbandlichen Arbeit führen? Was könnte die gemeinnützigen Anbieter aus ihrer Dienstleistungs-Sackgasse befreien und ihnen neue Perspektiven eröffnen und Unterstützer bescheren?</p>
<p>Mehr Partizipation im Dritten Sektor ist meines Erachtens der Ausweg. Wir brauchen eine <strong>demokratische Governance</strong> in den Einrichtungen, die Bürgerbeteiligung wertschätzt, die Teilhabe fördert und die aus Stakeholdern (Klienten, Angehörigen, Freiwilligen&#8230;.) Bürger macht.</p>
<p>Nur eine stärkere Vernetzung mit der Zivilgesellschaft in all ihren Facetten, also auch über Milieu- und Sektorgrenzen hinweg, kann Nonprofits die Ressourcen verschaffen, die sie zum Überleben brauchen: mehr Wissen, mehr Innovationen, mehr Engagement, mehr Mittel und mehr politische Unterstützung von Bürgerseite.</p>
<p>Wer Bürger nicht auf Augenhöhe wahrnimmt, wird nie die vielfältigen Mittel akquirieren können, die eine Einrichtung für ihren Erfolg und ihr Überleben braucht. Wer nur darüber lamentiert, dass Freiwillige schwer zu finden sind, aber es versäumt, auf bestehende Initativen, Vereine und Gruppen in der Gemeinde zuzugehen und nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu suchen, braucht sich über mangelnden Zulauf nicht zu wundern. Bürgerbeteiligung gibt es nicht voraussetzungslos, sondern sie braucht einen zivilgesellschaftlichen Nährboden, der durch Vernetzung und Kooperation gekennzeichnet ist.</p>
<p>Eine gemeinnützige Organisation, die sich als demokratischer Akteur begreift,</p>
<ul>
<li>beschränkt sich nicht auf ihre Dienstleistungsfunktion, sondern will das Gemeinwesen mitgestalten</li>
<li>schafft dezentrale Organisations- und Entscheidungsstrukturen</li>
<li>begegnet Bürgern auf Augenhöhe</li>
<li>bietet Bürgern ein breites Portfolio an Beteiligungsmöglichkeiten</li>
<li>fördert die Beteiligungskompetenzen von Bürgern</li>
<li>fördert die kooperativen Kompetenzen in der eigenen Organisation</li>
<li>bildet Netzwerke über Grenzen hinweg</li>
<li>vertritt aktiv Interessen als Folge des eigenen Gestaltungsanspruches</li>
</ul>
<p>Für einen Workshop auf dem<a href="http://morgenland.li/sites/default/files/documents/Kurz%C3%BCbersicht_MorgenLand.pdf"> MorgenLand-Festival in Schaan</a>, das &#8211; organisiert von jungen Menschen &#8211; nach einer Perspektive für die Gesellschaft des Alpenrheintals von morgen sucht, habe ich meine Thesen noch stärker ausgearbeitet. Und um die Möglichkeiten ergänzt, die Social Media gemeinnützigen Organisationen bieten können, wenn es um das Thema Bürgerbeteiligung geht.</p>
<p>[slideshare id=8093852&amp;doc=mehr-partizipation-in-sozialorganisationen-prsentation-reiser-21052011-110525045452-phpapp02]</p>
<p>Es gibt auf kommunaler Ebene immer wieder gemeinnützige Projekte auch größerer Träger, die zeigen, wie Bürger von Beginn an inhaltlich in den Aufbau und die Umsetzung sozialer Dienste involviert werden können. Es wäre wichtig, diese Projekte zu sammeln und ihre Bedingungen und Steuerungsstrukturen auszuwerten, um Kriterien herauszufiltern, die in eine demokratische Governance des Verbandes eingebracht werden können. Ich freue mich über die Nennung von Beispielen in den Kommentaren.</p>
<p>Die Förderung von Partizipation im Rahmen demokratischer Steuerungsstrukturen in den Verbänden gilt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen hin. Programme und Richtlinien, wie bspw. die Social Media Policy eines Verbandes, mit der sich die <a href="http://npoblogparade.wordpress.com/2011/05/21/endspurt-die-laufende-runde-der-npo-blogparade-geht-zu-ende/">aktuelle NPO-Blogparade</a> inhaltlich befasst, sollten sowohl mit dem eignen Personal als auch mit den Zielgruppen kooperativ erarbeitet werden. Gerade Social Media Policies stecken den Grundrahmen des Online-Dialogs zwischen der Organisation und ihrer Umwelt ab und sollten insofern nicht unter Ausschluss der Zielgruppen erarbeitet werden. Das <a href="http://blog.roteskreuz.at/wiki/index.php/Social_Media_Policy">Österreichische Rote Kreuz macht vor</a>, wie bei diesem Thema die Einbeziehung der Zielgruppen in die Politikformulierung gelingen kann.</p>
<p>Zuletzt möchte ich nochmals betonen, dass die demokratische Governance im Dritten Sektor nicht als Selbstzweck gedacht ist, der um sich selber kreist, sondern als Möglichkeit, Ressourcen &#8211; speziell das Bürgerwissen &#8211; zu gewinnen, um Dinge verändern zu können. Ziel ist, &#8220;to change the world through collective action, not only to devise and decide, but to <em>do</em>.&#8221; ( <a href="http://mitpress.mit.edu/catalog/item/default.asp?ttype=2&amp;tid=11627">Briggs 2008, 8</a>)</p>
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