28. NPO-Blogparade: „Wo bitte geht’s hier zu mehr Teilhabe?“ – Koproduktion in Sozialeinrichtungen

Anlässlich des openTransfer CAMP „Inklusion“, das am 21. März 2015 in Dortmund stattfand, veranstalten openTransfer.de und Aktion Mensch eine NPO-Blogparade. Die beiden Blogparaden-Gastgeber fragen nach guten Projekten und Top-Ideen, die die Partizipation und Inklusion von Menschen mit Behinderungen vorantreiben können.

Zu den Top-Ideen gehört das Konzept der „Koproduktion“, bei dem die Nutzer sozialer Dienste an deren Planung, Umsetzung und Evaluation beteiligt sind. Nutzerinnen und Nutzer werden als Bürger ernst genommen, die Wissen und Kompetenzen einbringen, und nicht als Klienten oder Hilfsempfänger betrachtet, die mit fertigen Angeboten und Produkten konfrontiert werden. Im Rahmen der Koproduktion fördern die Mitarbeiter die Selbstbestimmung und Vernetzung ihrer Nutzer, statt lediglich Dienste für sie zu erbringen.

Diese partizipative Form der Steuerung sozialer Dienste funktioniert auch in der Behindertenhilfe, wo die bürgerschaftliche Mitgestaltung der Nutzer selbst noch nicht zum Standard gehört . Beck schreibt 2013, dass Partizipation gerade im Feld Behinderung ein relativ neues Thema zu sein scheint. Mit drei Facetten der Partizipation von Bürgern mit Behinderungen – mit ihrer politischen, digitalen, sozialen Beteiligung – habe ich mich in drei Blogbeiträgen schon auseinandergesetzt. Das daraus entstandene Papier „Bürger statt Klienten – mehr Selbst-und Mitbestimmung für Behinderte“ steht rechts in der sidebar als zweite Ausgabe des Forum Zivilgesellschaft zum download bereit.

Wie kann man im Alltag einer Sozialeinrichtung die Nutzer und Nutzerinnen in die Mitgestaltung und Umsetzung von Dienstleistungen einbeziehen? Die britische „Think Local Act Personal“ (TLAP)-Partnerschaft aus über 50 Organisationen aus dem staatlichen und gemeinnützigen Bereich hat gemeinsam mit Nutzern und deren Angehörigen 2014 auf einer Seite zusammengefasst, was man unter Koproduktion versteht, welchen Nutzen sie bringt, welche Punkte wichtig sind, um Koproduktion erfolgreich umzusetzen und wie die Koproduktion in Organisationen gefördert werden kann.

Diese Informationen liegen auch in einfacher Sprache vor, um unter den Nutzern sozialer Dienste, die auf einfache Sprache angewiesen sind, die Mitbestimmung und Mitgestaltung durch Koproduktion zu bewerben. In der Behindertenhilfe kann man mit den zehn folgenden Tipps (Quelle s. hier, leichte Sprache S. 2 und 3) von TLAP bzw. der „National Co-production Advisory Group“ die Koproduktion angehen und so die Partizipation von Nutzern fördern:

  1.  Bei der Koproduktion hat jeder Beteiligte das gleiche Mitspracherecht.
  2. Die Nutzer eines Dienstes müssen von Anfang an einbezogen werden.
  3. Die Mitsprache bezieht sich auf alle Aufgaben. Auf die Planung. Auf die Umsetzung. Und auf die Prüfung, ob etwas auch funktioniert.
  4. Für die Koproduktion ist wichtig, dass Mitarbeiter und Nutzer die selben Ziele teilen.
  5. Es ist gut, mit der Koproduktion klein anzufangen. Und dann nach und nach größere Projekte anzupacken. Führen sollen die Nutzer. Nicht die Mitarbeiter.
  6. Für die Koproduktion braucht man Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten.
  7. Für die Koproduktion braucht man Mitarbeiter, die Mitbestimmung fördern.
  8. Nutzer sollten genau wissen, was sie wollen. Und sie sollen das auch umsetzen.
  9. Nutzer eines Dienstes wissen, was funktioniert. Deshalb kann man ohne sie die Dinge nicht richtig machen.
  10. In der Gruppe kann man nach Lösungen suchen. Das muss man nicht alleine machen.

Welchen Nutzen bringt die Partizipation dem sozialen Dienst und den betroffenen Bürgern? Der Dienst wird besser. Es entsteht eine produktive Form der Zusammenarbeit. Alle profitieren von den unterschiedlichen Perspektiven. Die Nutzer und ihre Angehörigen fühlen sich wertgeschätzt (TLAP 2014).

Damit Koproduktion funktioniert, muss Macht geteilt werden. „Learn to share power“ lautet deshalb der Aufruf an die sozialen Dienste (TLAP 2014).

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