Schlagwort-Archiv: NPO-Blogparade

Aufruf zur 29. Runde der NPO-Blogparade – Thema „Patenschaften“

Seit 2008 gibt es die NPO-Blogparade, die BloggerInnen zur Diskussion über ein gemeinsames Thema aus dem Nonprofit-Bereich einlädt. In der Regel wird eine
#npoblogparade dann noch um einen einstündigen Chat auf Twitter ergänzt.

Die NPO-Blogparade ist der Versuch, Themen aus dem zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen Bereich mehr Aufmerksamkeit im Netz zu verschaffen und wurde über Jahre hinweg von einem BloggerInnen-Kreis vorangetrieben. 28 NPO-Blogparaden-Runden gab es schon, die 29. Runde wird nun von openTransfer.de gehostet und läuft bis zum 20. März 2017. Das Thema lautet: „Mehr Patenschaften braucht das Land“:

„In vielen Städten und Gemeinden gibt es inzwischen Patenschaften Initiativen, Freiwilligenagenturen, Seniorenbüros, Bürgerstiftungen, Social-Start-ups – sie alle ermöglichen Begegnungen zwischen Menschen, die sich sonst nicht ohne Weiteres kennenlernen würden. Tausendfach füllen Menschen abstrakte Konzepte wie „Bildungsgerechtigkeit“ oder „Integration“ mit Leben und arbeiten gegen Vorurteile und Ausgrenzung an.

Uns interessiert: Mit welchen Herausforderungen haben es die Patenschaftsprojekte zu tun? Welche Steine werden ihnen in den Weg gelegt und was funktioniert besonders gut? Wie kann man noch mehr Menschen in Deutschland für Patenschaften begeistern? Wie gelingt es, Patenschaftsprojekte groß zu machen?“.

Wer einen Beitrag zum Thema schreibt, sollte ihn mit dem Start-Artikel von openTransfer.de verlinken oder gerne auch mit diesem Artikel auf Nonprofits-vernetzt.de. Wer kein eigenes Blog hat, kann sein Statement auch über die Kommentarfunktion posten oder sich per Mail an redaktion@opentransfer.de wenden.

Mehr Infos über die #npoblogparade findet man auf npoblogparade.wordpress.com Viel Spaß beim Nachdenken und schreiben!

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In eigener Sache: Blog-Relaunch

Es war höchste Zeit, mein Blog-Layout etwas zu modernisieren, ohne von der gewohnten Struktur (Konzentration auf den Text) abzuweichen. Sehr gut und ganz in meinem Sinne hat diese Aufgabe Martin Kunzelnick von bitspirits.de erfüllt, der über seine professionelle Tätigkeit hinaus auch ehrenamtlich schon einige interessante Web-Projekte hier in der Region umgesetzt hat, u.a. das Stadtwiki Stuttgart, das Stadtwiki Esslingen, die offene Fotogalerie für die  Region Stuttgart und mit blogoscoop die größte deutsche Blogger-Community.

Ein wichtiges Ziel war für mich, auch meine beiden „statischen“ Webseiten visuell und technisch zu überarbeiten und alle drei Seiten – nonprofits-vernetzt, stakeholder-management, nonprofits-online – in einen grafischen Kontext zu bringen. Auch das finde ich jetzt sehr gelungen. Wie immer stammt von mir der Wunsch, alles schlicht zu halten und Texte in den Mittelpunkt zu stellen.

Im Blog habe ich nun ganz neu ein Archiv, in dem alle bisher erschienen Artikel untereinander aufgelistet sind. So kann man einfacher in den älteren Texten stöbern, die ansonsten oft nicht mehr angeschaut werden und in der Tiefe des Blogs versinken, obwohl viele auch heute noch lesenswert sind und nicht veraltet.

Im Menü habe ich der NPO-Blogparade und dem informellen NPO-Blogger-Netzwerk, das über die Jahre entstanden ist – auch über dieses Blog – einen prominenten Platz eingeräumt. Es freut mich, dass seit 2007, als dieses Blog hier startete und die NPO-Blogger hauptsächlich im amerikanischen Raum zu finden waren, zwischenzeitlich auch in Deutschland die Zahl der Bloggerinnen und Blogger wuchs, die sich mit gemeinnützigen Organisationen und Themen befassen. Heute gibt es hierzu viele Blogs im deutschsprachigen Raum – auch aus Nonprofits selbst – und meine Auflistung ist keinesfalls erschöpfend, sondern bezieht sich auf jene Blogs, die mit mir persönlich oder der NPO-Blogparade verbunden sind oder lange Zeit verbunden waren.

Rechts in der sidebar – weiter oben – ist auch ganz neu im Blog das forum zivilgesellschaft zu sehen. Das ist eine Reihe, die ich im April gestartet habe, um einen Diskussionsbeitrag zur Debatte über die Zukunft der Zivilgesellschaft zu leisten, geschrieben aus einer bürgerschaftlichen Perspektive. Die Papiere, die hier veröffentlicht werden, können heruntergeladen und weiterverbreitet werden unter der creative commons Lizenz BY-NC-ND 3.0 DE. Ich möchte hier nach und nach einen Teil der Texte publizieren, die ich in den letzten Jahren in Zeitschriften veröffentlicht habe, – natürlich immer in überarbeiteter Form. Auch gute Texte und Denkanstöße anderer Autor/innen sind willkommen, wenn sie einen Debattenbeitrag zur Zukunft der Zivilgesellschaft und des Dritten Sektors leisten wollen.

Ich freue mich nun darauf, das Blog in „neuem Gewand“ wieder zu bespielen, – wobei die Frequenz der Artikel nicht feststeht. Ich schiebe das Bloggen immer wieder mal dazwischen, manchmal schaffe ich zeitlich einen Beitrag im Monat und manchmal auch nicht. Aber eines bleibt immer gleich: das Bloggen macht riesigen Spaß – ich kann es eigentlich jedem nur empfehlen.

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Netzwerke im demografischen Wandel – Auswertung der 27. NPO-Blogparade

(Brigitte Reiser) Der folgende Beitrag gibt einen inhaltlichen Überblick über die Artikel, die von Bloggerinnen und Blogger für die 27. NPO-Blogparade geschrieben wurden. Das Thema lautete „Netzwerke im demografischen Wandel aufbauen – Chancen und Hindernisse?“. Hostblogs waren openTransfer und Nonprofits-vernetzt, in Kooperation mit Stefan Zollondz.

„Wir werden lebenslang arbeiten“ – schreibt Uwe Amrhein von der Stiftung Bürgermut. Er lenkt in seinem Beitrag den Blick auf die finanziellen und sozialpolitischen Auswirkungen des demografischen Wandels. Diesen werden wir mit einer Verschiebung des Rentenalters „zwei Jahre nach oben oder nach unten“ nicht bewältigen können. Was wir ihm zufolge brauchen, ist eine „neue Vision einer solidarischen und gerechten Gesellschaft“ und einen neuen Begriff von ‚Arbeit‘, der nicht nur auf ‚Erwerbsarbeit‘ fokussiert, sondern die Freiwilligenarbeit und Familienarbeit mit einschließt. Bürgerschaftliches Engagement wird uns bis ins hohe Alter begleiten, – nicht als Zwang, sondern als Chance für den einzelnen, weil Mitmachen mehr Spaß macht als einsam in der Laube zu sitzen. Sind Kommunen und zivilgesellschaftliche Organisationen auf die Herausforderung, Alte und Hochbetagte als Freiwillige flexibel einzubinden, vorbereitet? Nein, das sind sie nicht, schreibt Amrhein. Zu wenig ausdifferenziert sind die Engagement-Angebote gemeinnütziger Organisationen, zu wenig geschätzt werden auch die Potentiale der Hochbetagten. Starre Altersgrenzen im Ehrenamt diskriminieren laut Amrhein jene, die teilhaben wollen.  Sein Fazit: „Vereine, Verbände und Initiativen, die sich nicht altersgerecht organisieren, werden untergehen. Sie werden umkippen wie Tümpel ohne Sauerstoffzufuhr.“

Netzwerke spielen im demografischen Wandel eine große Rolle, weil sie – als formale oder informelle Netzwerke – die Struktur bieten für viele gemeinschaftsbezogene Initiativen wie Nachbarschaftshilfen, Tauschringe im Quartier usw.  Ein Beispiel dafür, wie städtische Anonymität aufgebrochen werden kann und neue Nachbarschaften entstehen, zeigt Henrik Flor von openTransfer am Beispiel der Fischerinsel in Berlin-Mitte, wo der SeniorenComputerClub Berlin-Mitte mit seinen selbstorganisierten IT-Schulungen die Nachbarschaft vernetzt. Ältere machen hier den Schritt in den digitalen Raum und lernen sich gleichzeitig besser kennen, – ein Beispiel , das laut Flor Schule machen sollte. „Man wünscht sich noch viel mehr solcher Clubs in Deutschland“.

Auf die Potentiale digitaler Netzwerke im demografischen Wandel weist Angela Ullrich vom betterplace lab hin. Sie bezieht sich auf das britische Online-Netzwerk „The Circle“ , das  älteren Menschen Hilfen vermittelt, die von Freiwilligen geleistet werden oder von bezahlten Nachbarschaftshelfern. Wer Hilfe leistet, verdient sich einen Gutschein, mit dem er im Netzwerk wieder andere Angebote abrufen kann. In vielen Londoner Bezirken und diversen Kommunen haben sich eigenständige „Circles“ gebildet, die als Sozialunternehmen geführt werden.  Deren Finanzierung ist aber so prekär, dass vor kurzem der Londoner Circle schließen musste, was Ullrich bedauert:“Wenn es aber stimmt, dass dieses Netzwerkmodell den Gemeinden am Ende viel Geld einspart, sollte sich doch ein privater Investor finden, der zwischenfinanziert.“ Anzumerken ist noch, dass der erste „Circle“ im Rahmen eines Co-Design-Prozesses entstand, an dem über 250 alte Menschen mitwirkten.

Wer nach guten Praxisbeispielen zu Netzwerken im demografischen Wandel sucht, wird auf demographiekonkret.de der Bertelsmann-Stiftung fündig. Anke Knopp  von der Stiftung schreibt in ihrem (noch unveröffentlichten) Beitrag, dass hier schon 197 Projekte eingestellt wurden, nach denen man thematisch oder landes- bzw. gemeindebezogen suchen kann. Die Stiftung will das Portal noch ausbauen und lädt Initiativen zum Mitmachen ein. Das Portal diene – wie das openTransfer Camp ‚Demografie‘ der Stiftung Bürgermut, das am 9. Mai in Köln stattfindet – dem Wissenstransfer. Knopp weist auf eine weitere Ressource der Bertelsmann-Stiftung hin: auf den wegweiser-kommune.de, „eine Online-Plattform, die für alle Kommunen Deutschlands mit mehr als 5.000 Einwohnern Daten, Bevölkerungsprognosen und konkrete Handlungskonzepte für die kommunale Praxis beinhaltet (…) Das Ganze gibt es auch noch visualisiert in Grafiken und Karten“.

Wie man Netzwerke unter Bürgern und unter Organisationen aufbauen kann, zeige ich in meinen beiden Beiträgen für die NPO-Blogparade. Um Bürgernetzwerke zu fördern, braucht man Netzwerk-Knüpfer und „Macher“, die entsprechend unterstützt werden sollten. Darüber hinaus müssen lokal Räume vorhanden sein, in denen sich Initiativen treffen können. Und professionelle Unterstützung sollte geleistet werden, wo sie gebraucht wird. Die Mitarbeiter des Dritten Sektors sind noch zu wenig auf diese Mentoren-Rolle vorbereitet bzw. darauf, lokale Selbstorganisations- und Vernetzungsprozesse zu unterstützen.  Auch Organisationsnetzwerke, die in vielen Kommunen in altersrelevanten Feldern entstehen, brauchen einen Netzwerk-Knüpfer. Durch Interaktion im Alltag wird das Vertrauen zwischen den Akteuren vertieft, die gerade im Sozialsektor sehr stark durch Konkurrenzdenken geprägt sind. „Das Ziel sollte ein Netzwerk sein mit gleichmäßig dichten Verbindungen bis in die Peripherie“.  Die Netzwerksteuerung kostet Zeit und Geld. Öffentliche Kostenträger sollten meines Erachtens diesen Aufwand in Leistungsverträgen und Förderprogrammen stärker berücksichtigen.

Einen wichtigen Aspekt bringt der Artikel von Stefan Zollondz in die Diskussion ein. Viele der Netzwerk-Initiativen im demografischen Wandel sind generationenübergreifend angelegt. Dadurch kommen die Potenziale von Älteren und Jüngeren zusammen und werden die klassischen Grenzen der Jugend- und Altenarbeit aufgebrochen. „Gleichzeitig bergen generationenübergreifende Projekte aber auch ein permanentes  Konfliktpotential, wenn sich die unterschiedlichen Generationen falsch verstanden fühlen“. Durch die Kommunikation kommt es zu Missverständnissen. Wertschätzung, durchlässige vertikale Kommunikationsstrukturen und ein Transparentmachen der persönlichen Werte der Beteiligten können Konflikte vermeiden: „Eine tragfähige Basis entsteht, wenn sich alle am Projekt Beteiligten über ihre gemeinsamen Werte im Hinblick auf die Projektziele bewusst sind und diese unterstützen.“

Julia Russau thematisiert am Beispiel der Berliner Kiezkassen benachteiligte Netzwerke. Sie zeigt auf, dass Netzwerke unterschiedlich ressourcenstark und durchsetzungsfähig sind. Benachteiligte Gruppen unterliegen meist im öffentlichen Wettbewerb um Fördermittel den durchsetzungsstarken Netzwerken, die so noch zusätzliche Ressourcen hinzugewinnen („wer hat, dem wird gegeben“).  Sie schlägt u.a. vor, benachteiligten Bewohnern bei der Netzwerkbildung zu helfen und die Netzwerke in der Defensive mit Unterstützern zu stärken, die über „Erfolgs“Ressourcen verfügen wie Bildung, Geld, Sozialkontakte, Charisma usw. Für den Vergabeprozess der Berliner Kiezkassen liefert sie wertvolle Anregungen, die strukturelle Benachteiligungen reduzieren könnten.

Hannes Jähnert lenkt den Blick auf ganz Grundsätzliches: bei ihm geht es bei der Gestaltung des demografischen Wandels um die Gestaltung des „guten Lebens“ (H. Rosa). Letzteres streben wir an, können es aber nicht erreichen aufgrund der maßlosen Beschleunigung unseres Alltags. Gerade  „unsere heiß geliebten technischen Errungenschaften (bescheren uns) — sozusagen als Nebenwirkung — eine soziale Beschleunigung“, so dass wir das, was wir wirklich wollen („vielleicht Zeit mit den Lieben verbringen oder bloggend über die Welt nachdenken“), auf eine unbestimmte Zeit verschieben. Für all diejenigen, die viel Zeit brauchen, nämlich Kinder, Alte und Kranke, bleibt laut Jähnert nur noch eine „liebevolle Verwaltung“ übrig. Mehr ist nicht drin, wo selbst das freiwillige Engagement nach immer mehr Effizienz strebt. Hannes plädiert dafür, den demografischen Wandel zum Anlaß für Entschleunigung zu nehmen, sich dafür auch politisch stark zu machen und entsprechende Netzwerke zu bilden.

Netzwerke sind im Kommen und sie sind notwendig, könnte man als Fazit aus den Beiträgen zur NPO-Blogparade über den demografischen Wandel ziehen. Der Wissenstransfer über gute Projekte, wie sie lokal aufgebaut und umgesetzt wurden, muss weiter gefördert werden. In jeder Gemeinde und über Gemeindegrenzen hinweg sollten die Aktiven sich untereinander austauschen und voneinander lernen. Die wichtigste Frage der kommenden Jahrzehnte wird Jutta Bott zufolge die sein, ob sich ausreichend „freiwillige Verantwortungsgemeinschaften“ bilden und ob sie gerade dort entstehen, wo lokal der Bedarf am größten ist (Bott 2014, 12). Mit Blick auf Russaus Beitrag über die Ungleichheit von Netzwerken muss man damit rechnen, dass in benachteiligten Regionen auch nur schwache Hilfs-Netzwerke – oder gar keine – entstehen. Um dies zu verhindern, müssten lokale Verantwortungsgemeinschaften in strukturschwachen Regionen besonders gefördert und unterstützt werden.

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