Kategorie-Archiv: NPO

Links für Nonprofits

Cedric Weber hat einen sehr guten Beitrag über Social Bookmarks geschrieben, das sind Lesezeichen, die man online sammelt, entweder privat oder öffentlich. Auf diese Weise wird man unabhängig von einem bestimmten PC und kann von überall aus die Lesezeichen abfragen. Cedric stellt Del.icio.us als einen der größten und bekanntesten Social Bookmarking-Anbieter vor.

Für Nonprofits eröffnen Social Bookmarks mehrere Chancen: mit der Linksammlung kann ein Wissensspeicher für die Organisation angelegt werden; die Links kann man innerhalb einer Organisation oder zwischen Einrichtungen oder innerhalb einer Berufsgruppe, z.B. den Sozialarbeitern eines Wohlfahrtsverbandes, teilen, um Diskussionen anzustoßen und andere auf wichtige Netzressourcen aufmerksam zu machen. Da die Social Bookmarks verschlagwortet werden, kann man als Nonprofit-Organisation – wenn man die Lesezeichen öffentlich sammelt – das Wissen zu bestimmten Schlagworten mitgestalten und die eigenen Standpunkte in die Diskussion mit einbringen.

Die Verschlagwortung der eigenen Beiträge spielt auch eine wichtige Rolle für die Suchmaschinenoptimierung. Wenn eine Nonprofit-Organisation möchte, dass die eigene Website oder die eigenen Blogbeiträge von Spendern, Unterstützern, Kunden usw. auch gefunden werden, dann muss die Organisation versuchen, die eigenen Webseiten für Suchmaschinen zu optimieren. Deborah Elizabeth Finn von Technology for the Nonprofit and Philanthropic Sector hat unter dem netten Titel “ Search engine optimization for nervous nonprofit novices“ einen Beitrag darüber geschrieben, wie technikferne Nonprofit-Mitarbeiter relativ einfach und ohne externe Unterstützung ihren Internetauftritt so verbessern können, dass er im Netz besser gefunden wird.

London Region ICT Champion Miles Maier zeigt in einem Blogbeitrag eine handvoll von Webanwendungen, die das Arbeiten in einer Organisation (und privat) erheblich vereinfachen können, darunter RSS-Feeds und Google Docs für das gemeinsame Erstellen von Dokumenten.

SocialCamp Berlin 14.-15. Juni 2008

Von Basti Schwiecker habe ich die Information, dass im Juni ein SocialCamp in Berlin stattfindet. Es soll Internetexperten mit Nonprofit-Organisationen zusammenführen, um auszuloten, welche Chancen das Internet gemeinnützigen Einrichtungen bietet. Da das Treffen von den Teilnehmern inhaltlich selbst gestaltet wird, gibt es genügend Möglichkeiten, um sich einzubringen.

Die Idee eines SocialCamp stammt u.a. von Stefan Evertz, auf dessen Blog es hierzu sehr positive Reaktionen gab. Nun haben sich offensichtlich ein paar Leute gefunden, die das Treffen organisieren wollen. Zum Beispiel der oben erwähnte Basti Schwiecker von Helpedia, einer Informationsplattform für und über den gemeinnützigen Sektor, die momentan in der Alpha-Version läuft.

Ich persönlich werde beim SocialCamp dabei sein und hoffe, dass es ein interessantes Treffen wird!

Nonprofits als geschlossene Systeme

Vielleicht bewirkt der Fall Unicef eine Wende im Nonprofit-Sektor. Er zeigt, dass sich Intransparenz, Verdecken und Abstreiten nicht auszahlen. Früher oder später kommen die kritischen Dinge doch an die Öffentlichkeit. Der Schaden ist dann um so größer. Die Druckausgabe der Stuttgarter Zeitung zitiert heute eine Umfrage, nach der jeder vierte in Deutschland von der Unicef-Affäre verunsichert ist und weniger Geld spenden möchte. Die Schäden inbesondere für Entwicklungshilfeträger sind noch nicht absehbar. Möglicherweise verändern Spender ihre Strategie und unterstützen eher Projekte im Nahbereich. Gewinner der Affäre könnten bürgerschaftliche Initiativen ohne Verwaltungsapparat sein, die mit ihrem Namen dafür einstehen, dass Spenden zu 100% bei den Adressaten ankommen.

Professionelle Nonprofit-Organisationen haben sich dieses Misstrauen der Öffentlichkeit selbst zuzuschreiben. Seit Jahrzehnten und auch noch heute ähneln die meisten dieser Organisationen einer Black Box, – keiner weiß so genau, was sich in ihrem Innern abspielt. Verantwortlich hierfür ist die defensive Haltung der gemeinnützigen Träger: man versteckt sich eher vor den Stakeholdern als dass man sie offensiv umarmen würde.

Der Dialog mit den Spendern findet nicht auf Augenhöhe statt. Sonst müsste man den Einsatz von professionellen Fundraisern, der zwischenzeitlich zur Normalität gehört (vgl. den Artikel in der Wirtschaftswoche), nicht verbergen, sondern würde ihn öffentlich machen und es dem Urteil des Spenders überlassen, ob er eine Spende unter diesen Bedingungen tätigen möchte. Dem Spender wird diese Chance aber nicht eingeräumt.

Vielleicht ist das Expertentum in den Nonprofits verantwortlich dafür, dass Spender zwar gern gesehene Ressourcenbeschaffer sind, aber als inhaltliche Gesprächspartner nicht ernst genommen werden. Das hierarchische Gefälle zwischen Experten und Laien ist im Sozialsektor meines Erachtens stark ausgeprägt und Ursache dafür, dass Nonprofits in ihrer Innovationsfähigkeit und ihrem Vernetzungsgrad weit hinter dem zurückbleiben, was möglich wäre.