Kategorie-Archiv: NPO

Online Fundraising-Plattformen

Im Kulturmanagement Blog von Christian Henner-Fehr habe ich einen Link zu Peter Deitz‘ Zusammenstellung von Online Fundraising-Plattformen entdeckt. Deitz lebt in Kanada und ist ein Spezialist für Fundraising und Kampagnen, die über Plattformen oder Netzwerke im Internet laufen. Sein Blog ist sehr lesenswert.

In einer Liste hat Deitz über zwanzig nordamerikanische Online-Plattformen zusammengestellt (gemeinnützige und kommerzielle) über die man für einen guten Zweck Geld spenden oder sich zum freiwilligen Engagement eintragen kann. Ich habe mir die einzelnen Plattformen angesehen und versucht, sie zu kategorisieren, um einen Überblick über ihre Vielfalt zu erhalten.

Was für Plattformtypen gibt es?

  1. Plattformen, die für bestimmte Zwecke Spenden sammeln, z.B. kiva (Darlehen an Kleinunternehmer in Entwicklungsländern), ModestNeeds (Spenden an Menschen mit geringem Einkommen), DonorsChoose (Spenden für Schulen und Kindergärten), global giving (Spenden an Umwelt- und Entwicklungsprojekte, die direkt vor Ort und nicht zuerst an eine Trägerorganisation gehen)
  2. Plattformen, die Spenden für registrierte Nonprofit-Organisationen sammeln. Man hat hier zusätzlich die Möglichkeit, die eigene Geldspende in eine Sachspende oder einen Geschenkgutschein umzuwandeln. Letzteres schafft die Möglichkeit, Angenehmes (ein Geschenk) mit etwas Sinnvollem (einer guten Tat) zu verbinden. Der Beschenkte darf sich dann selbst eine Organisation aussuchen, an die die Spende gehen soll. Zu diesen Plattformen gehören Changing the Present, Change.org und JustGive. Speziell JustGive richtet sich explizit an Unternehmen, die im Mitarbeiterbereich von den Geschenken für einen guten Zweck Gebrauch machen wollen.
  3. Plattformen, auf der jeder sich eine eigene Fundraising-Seite erstellen kann, mit deren Hilfe Geld (zumeist für registrierte NPOs) gesammelt werden kann: z.B. Firstgiving, Justgiving, Dropcash.
  4. Plattformen, die eine bestimmte Zahl von Spendern bzw. Unterstützern voraussetzen, damit eine Geldspende oder eine Kampagne wirksam wird. Dahinter steht der Gedanke, dass Spenden oder politische Aktivitäten gebündelt werden sollten, um effektiv zu sein: z.B. Fundable, ThePoint, GiveMeaning.
  5. eine Einkauf-Plattform, bei der man mit den Einkäufen gleichzeitig soziale Zwecke unterstützt. Man kann die Einrichtung, an die gespendet werden soll, selbst auswählen: MyCause.
  6. Plattformen, auf denen man ein Widget für die persönlich präferierten Zwecke und Einrichtungen erstellen kann. Diese Widgets kann man auf die eigenen Webseiten setzen oder mit ihnen in Netzwerken, in denen man Mitglied ist (z.B. Facebook) werben: ChipIn, SixDegrees.
  7. Plattformen, die nicht nur den Kontakt zu NPOs herstellen, sondern auch ein Netzwerk bieten, in dem man nach Unterstützern für eine gute Sache suchen kann: Change.org, Razoo.
  8. Plattformen, die sich nicht auf Spenden konzentrieren, sondern auf soziales Engagement überhaupt: Razoo, Change.org, SixDegrees, Social Actions.

Angesichts dieser beeindruckenden Liste drängt sich die Frage auf, welche Spenden-Plattformen es in Deutschland gibt. Bisher meines Wissens nur betterplace. Die Plattform hilft dabei, förderungswürdige Projekte zu finden. Gleichzeitig kann jeder ein Projekt vorstellen und für dieses um Spenden werben. Eine Community (noch im Aufbau) soll eine Vernetzung zwischen Spendern ermöglichen.

Meine These: die Zahl der online Spenden-Plattformen wird in den nächsten Jahren rasant zunehmen. Denn die internetaffinen Bürger, deren Zahl ständig wächst, werden selbstverständlich auch ihre Spenden an NPOs online abwickeln wollen. Zwar kann man immer häufiger auch über die Webseite der einzelnen NPO spenden, aber ein Großteil der Menschen ist nicht mit einer einzelnen Organisation verbunden, sondern sucht sich, je nach Interesse, Dringlichkeit des Problems und persönlicher Stimmungslage, mal die eine oder die andere NPO bzw. das eine oder andere gemeinnützige Projekt heraus. Und hierfür bieten Spendenplattformen dem potentiellen Spender einen guten Überblick über den vorhandenen ‚Markt‘.

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Web 2.0 am Ende? Die technologische Revolution beginnt erst

Anfang des Jahres las ich bei silicon.de die Schlagzeile „2008 ist es aus mit dem Web-2.0-Boom“ . In dem dazugehörigen Beitrag werden die Ergebnisse der Studie eines britischen Unternehmens, das Web-Anwendungen testet, zusammen gefasst. Der Tenor der britischen Studie: die Menschen (und auch die Unternehmen) würden die Lust am Mitmach-Netz verlieren, u.a. wegen der schlechten Qualität der nutzergenerierten Inhalte und wegen einer allgemeinen Übersättigung durch die vielzähligen Angebote im Netz.

Diese Einschätzung überrascht mich. Denn aus meiner Sicht ist das Web 2.0 bei den Massen noch gar nicht richtig angekommen bzw. haben die Mehrheit der Menschen und Institutionen das Mitmach-Netz noch nicht für sich entdeckt. Sicherlich werden sich langfristig die Interessen und Schwerpunkte im Netz verändern. Aber einen Schritt zurück hinter die neuen Technologien und hinter die verstärkte Partizipation der Menschen wird es meines Erachtens nicht geben.

Wir befinden uns inmitten einer technologischen Revolution und die Zukunft wird nicht frei vom Internet, sondern noch viel internetbezogener als bisher sein. Es werden noch viele neue Anwendungen entwickelt werden. Besonders dreidimensionale Anwendungen wird man verstärkt einsetzen, die dem Nutzer neue Informations- und Entdeckungsmöglichkeiten bieten.

Auch Nonprofits werden irgendwann mit 3D-Tools arbeiten: Naturschutzverbände werden virtuelle Welten im Netz erschaffen, in denen man sich über die (gefährdete) Flora und Fauna informieren kann. Museen und Kunstvereine können virtuelle Rundgänge in dreidimensional aufbereiteten Ausstellungen anbieten. Und Sozialeinrichtungen haben die Chance, potentiellen Kunden virtuelle Rundgänge in betreuten Senioren-Wohnanlagen oder Altenhilfeeinrichtungen anzubieten, damit sich Interessenten schon im Vorfeld und von zu Hause aus über die Gebäude informieren können. Die Führung erfolgt durch den Avatar (den virtuellen Stellvertreter) des Einrichtungsleiters/der Einrichtungsleiterin im Netz.

Wer jetzt sagt: das brauchen wir nicht, spürt nichts von der Faszination dieser neuen Welten und den Chancen, die sie speziell den Menschen eröffnen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Da unsere Gesellschaft stark altert, werden kommende Senioren-Generationen, deren Mobilität aus körperlichen Gründen abnimmt, an einem Internet, das Informations- und Partizipationschancen bietet, noch dankbar sein.

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