Kategorie-Archiv: NPO

Fundraising-Plattformen und die Effektivität von Spenden

Online Fundraising-Plattformen fördern die Entstehung neuer Hilfsprojekte, denn der Eintritt in den Spendenmarkt wird für ein Projekt durch Plattformen sehr einfach. Speziell kleinere Initiativen mit geringem Budget profitieren hiervon. Anstatt Adressen von potentiellen Spendern sammeln oder kaufen zu müssen, stapelweise Spendenbriefe zu drucken etc. reicht die (kostengünstige oder sogar kostenlose) Anmeldung auf einer Plattform.

Es entstehen so Märkte, auf denen der potentielle Spender zwischen hunderttausenden von Trägern und unzähligen Hilfsprojekten wählen kann. Wie effektiv ist dieses Fundraising-System, bei dem die Spenden wie mit der Gießkanne auf tausende von Empfängern verteilt werden?

Die Fundraising-Plattformen bieten in der Regel keinen Mechanismus, um Spendenströme effektiv zu steuern. Man überlässt hier alles dem Spendenmarkt bzw. dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage. Eine Ausnahme bilden Fundable, ThePoint und GiveMeaning, die jeweils eine bestimmte Zahl von Unterstützern voraussetzen, bevor Spenden oder Kampagnen wirksam werden.

Um die Effektivität des Systems müssen sich folglich die Nonprofit-Organisationen selbst kümmern. Give and Take befasst sich mit Rosetta Thurmans These, dass Nonprofits kooperieren sollten, um ihre Kräfte zu bündeln. Nur die Kooperation zwischen Trägern ermögliche Ihnen, im Wettbewerb um Spendern, Kunden und Mitarbeitern zu bestehen. Und nur die Kooperation verhindere, dass mit Ressourcen (und damit auch Spenden) xfach dieselbe Infrastruktur parallel aufgebaut werde.

Was ist Thurmans Rat an engagierte Menschen, die selbst ein Hilfsprojekt starten wollen und einen Auftritt auf einer Fundraising-Plattform planen? “Even if you think your idea for social change is the best ever in the world, there is at least a handful of organizations already doing this work” (Thurman). Deshalb empfiehlt sie sozial Engagierten, nach einer Nonprofit-Organisation zu suchen, die das ausgewählte Thema schon bearbeitet, und sich hier um Partizipationsmöglichkeiten zu bemühen.

Auf jeden Fall macht es meines Erachtens keinen Sinn, das hunderttausendste Projekt zur Entwicklungshilfe oder ähnlichem zu starten und mit anderen winzigen Trägern auf Plattformen um ein paar Euro oder Dollar zu konkurrieren. Das beruhigt vielleicht das Gewissen der engagierten Akteure, aber ist nicht unbedingt effektiv. Die Spenden sind meiner Meinung nach bei größeren Trägern oder Trägerkooperationen mit entsprechender Expertise, Erfahrung und Verwaltung besser angelegt.

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NPO-Verwaltungskosten und die Erwartungen von Spendern

Nonprofit-Organisationen stehen im Wettbewerb um Spenden, ebenso die Fundraising-Plattformen im Netz. Da es dutzende von Plattformen gibt, würde man erwarten, dass das Angebot an Hilfsprojekten in der Regel die Nachfrage übersteigt. Dass es auch anders herum geht, ist an Kiva zu beobachten, der amerikanischen Plattform, die Mikrodarlehen an Kleinunternehmer in Entwicklungsländer vermittelt. Weltweit können Menschen über Kiva entsprechende Darlehen vergeben, ab 25 Dollar ist man dabei. Das Versprechen der Organisation lautet: 100% des Darlehens kommen beim Empfänger an, d.h. Kiva behält von dem Geld nichts für die eigene Organisation ein. Nun ist Kiva über die Fernsehberichterstattung so populär geworden, dass die Nachfrage nach Kiva-Projekten massiv wuchs und das Angebot an Projekten weit übersteigt. Wäre Kiva ein Supermarkt, würde man sagen, sie sind komplett ausverkauft. Was also tun?

Der Autor des Tactical Philanthropy-Blogs schlägt vor, das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage durch eine Preiserhöhung zu beseitigen. Wenn der einzelne von seinem Darlehen nur 90% zurück bekäme und der Rest des Geldes an Kiva ginge, könnte die Organisation damit neues Personal einstellen und neue Projekte suchen. Kiva hat sich jedoch für eine Art Rationierung entschieden: die Höhe der Darlehen, die man geben kann, soll 25 Dollar nicht mehr überschreiten, so dass mehrere Menschen die Möglichkeit haben, sich bei Kiva als Darlehengeber einzubringen. 10% der Darlehen für die eigene Organisation zu nutzen, lehnt Kiva ab, weil es ihrer Botschaft widerspräche, dass 100% des Geldes bei den Empfängern ankommt.

Die Diskussion wirft die Frage auf, was eine Nonprofit-Verwaltung kosten darf bzw. welcher Anteil von den Spendengeldern einbehalten werden kann, um die sozialen Programme zu managen. Die Frage ist hier in Deutschland auch durch die Vorgänge bei Unicef sehr aktuell. Man sieht am Beispiel von Kiva, dass ein Geschäftsmodell, das die eigene Verwaltung ausblendet, an Grenzen stösst und die Nachfrage nach Hilfsprojekten nicht bedienen kann, obwohl objektiv Hilfsbedarf besteht.

Weshalb blenden Spender aus, dass Hilfsprojekte auch effektiv verwaltet werden müssen und diese Verwaltung Geld kostet? Weshalb strebt jeder danach, dass seine Spende zu 100% bei den Empfängern ankommt und berücksichtigt nicht die Steuerungsqualität, die den Projekten zugrunde liegen muss (und die natürlich Geld kostet)?

Ein Kommentator des Tactical Philanthropy-Beitrags stellt die These auf, dass Spender sich selbst als Programm-Administratoren fühlen wollen und nicht die Nonprofit-Organisation in dieser Rolle sehen:“Kiva’s breakthrough (in attracting donor attention) is also, in my opinion, its Achilles’ heel in terms of effectiveness. Donors like it because by giving $25, they feel like a program administrator, making an identifiable impact in someone’s life. But frankly, a $25 donor really shouldn’t be a program administrator. “

Ich persönlich halte es für legitim, wenn ein gewisser Anteil der Spenden für Verwaltungsaufgaben eingesetzt wird. Für den Kunden bzw. den Spender einer NPO wäre es jedoch wünschenswert, wenn die Verwaltungskosten online vollkommen transparent gemacht würden. Insofern schließe ich mich der Hoffnung des obigen Kommentators an: „I’d like to see something Kiva-like where the donor sees the full cost of getting money/support into the hands of those who need it (appropriately screened, with the screening costs visible), along with context of WHY certain types of projects are likely to be effective.“

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Wie verändert das Internet die Beziehungen zwischen NPOs und ihren Spendern?

Inspiriert von einem großartigen Beitrag vom britischen NCVO Third Sector Foresight über „charitable giving and fundraising in a digital world“ möchte ich heute im Anschluss an meine Beiträge über Online Spenden-Plattformen das Verhältnis Spender-NPO nochmals genauer analysieren. Wie verändert das neue Mitmach-Netz diese Beziehung?

Das Web2.0 verändert die Machtverhältnisse zwischen Spendern und NPO. Während in der Vergangenheit die Kontrolle über die Botschaft, die Projekt-Informationen, die Projektgestaltung in der Hand der NPOs lagen und Spender zwar Geld geben, aber nicht partizipieren konnten, verschiebt das Internet die Machtbeziehungen zugunsten der Spender. Letztere entscheiden im Rahmen von Spenden-Plattformen immer differenzierter, wem sie ihr Geld geben und welchen Mehrwert (in Form von Informationen, persönlicher Ansprache, Mitwirkungsmöglichkeiten) sie dafür für sich persönlich erwarten. Immer mehr Spender werben auf ihren eigenen Webseiten oder in ihrem Netzwerk für eine NPO/ein Projekt. Diese Form des Fundraising über persönliche Beziehungen und Empfehlungen nimmt zu. NPOs haben darauf keinen direkten Einfluß.

Herausforderungen für Nonprofit-Organisationen:

  1. Viele Spendenwillige werden zukünftig häufiger direkt an ein Projekt spenden wollen und NPOs als institutionelle Träger umgehen, mit dem Argument: dann kommt das Geld unmittelbar zu den Bedürftigen und bleibt nicht zu einem Teil in der NPO-Verwaltung hängen. D.h. NPOs verlieren potentielle Spender an bürgerschaftliche Projekte und Initiativen. Es gibt mit GlobalGiving eine online Spenden-Plattform, die sich speziell an Spender richtet, die Hilfsprojekte direkt vor Ort unterstützen wollen.
  2. Spenden-Plattformen bieten solchen Projekten eine Chance, die inhaltliche Nischen abdecken. Das Internet mit seinen Suchmöglichkeiten sorgt dafür, dass Spender mit entsprechenden Interessen auch diese Nischenanbieter finden werden. D.h. es werden Gelder weg von den etablierten sozialen Dienstleistungen hin zu neuen Projekten und Diensten fließen.
  3. Da Spender immer gezielter nach einem Hilfsprojekt suchen können, das sie interessiert, werden bei NPOs die Spendenmittel für allgemeine Töpfe, die nicht projektgebunden sind, zurückgehen.
  4. Es wird für NPOs immer schwieriger werden, auf dem riesigen Markt an Projekten Spendenwillige für das eigene Nonprofit-Anliegen zu gewinnen. Welchen Content, welche Einflussmöglichkeiten muss eine NPO zukünftig Spendern bieten, um im Internet konkurrieren und bestehen zu können?
  5. Wie oben erwähnt: persönliche Empfehlungen zwischen Personen im Rahmen von online Netzwerken erlangen immer mehr Bedeutung. Die NPO hat darüber keine Kontrolle. Das traditionelle Modell der NPO „sitting at the centre of fundraising relationships is being challenged by ICT. Online activity such as blogs allow donors and recipients to directly share their own experiences with little technical knowledge, whilst online communities and networks mean messages can be spread horizontally between individuals rather than outwards from a central source.“ (NCVO Third Sector Foresight)
  6. Die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing von NPOs werden sich ziemlich ändern müssen: weg vom Monolog („is your fundraising a long, dull conversation?“), hin zum Dialog. Oder wie Jeff Brooks vom Donor Power Blog richtigerweise formuliert: es geht bei der Kommunikation mit den Spendern nicht darum, selbstreferentiell die eigene Botschaft zu präsentieren, sondern dem Spendenwilligen aufzuzeigen, wie die eigene NPO in das Leben des Spenders passt: „Fundraisers are fond of talking about themselves because their organizations have spent great effort being good at what they do. Why not tell everyone about that? they must figure. But just remember, it doesn’t work. Talk to the donor about the donor. The only things you say about yourself are the things that show how you fit into their world“ (Jeff Brooks)
  7. Durch den Stellenwert, den das Thema ‚Online Fundraising‘ erhält und die zunehmende Konkurrenz um Spenden besteht die Gefahr, dass NPOs sich auf Spender konzentrieren und andere Stakeholder, deren Ressourcen auf den ersten Blick nicht so offensichtlich sind wie im Fall der Spendenwilligen, vernachlässigt werden.
  8. Wenn Spender sich mehr in die von ihnen unterstützten Projekte einbringen wollen und nach inhaltlicher Mitbestimmung streben, dann taucht die Frage auf, wie unabhängig eine NPO noch arbeiten kann bzw. welche Gruppen mit welchem soziodemographischen Hintergrund mehr Einfluss auf die NPO gewinnen.
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