Alle Artikel von Brigitte Reiser

Wikis

Wikis sind online-Seitensammlungen, die von mehreren Benutzern bearbeitet werden können. Wikis werden unsere Arbeitswelt verändern: sie ermöglichen mehr Partizipation, Effektivität und Effizienz. Und sie führen gleichzeitig zur Demokratisierung von Organisationen, weil Herrschaftswissen – und damit zentralisierte Macht – abgebaut wird zugunsten von Wissensbeständen, die von vielen oder allen genutzt werden können. Wikis sind großartige Instrumente und wie gemacht für den Nonprofit-Sektor.

Wikis können so eingerichtet werden, dass nur Organisationsmitglieder einen Zugriff darauf haben. Es gibt aber auch halb-öffentliche Wikis (mit ausgewählten externen Nutzern) oder öffentliche, die über das world wide web jedem zugänglich sind.

Wie kann eine Nonprofit-Organisation im Bereich sozialer Dienste Wikis nutzen?

  • Mit Wikis kann das Wissen einer Einrichtung gemeinschaftlich gesammelt werden (z.B. in Form von Stichwortsammlungen oder thematischen Wikis wie einem ‚Qualitätsmanagementwiki‘). Das Know-how einer Organisation befindet sich so nicht mehr in Aktenordnern auf bestimmten Schreibtischen, sondern es ist allen zugänglich. Wenn jeder etwas zum Wiki beitragen darf, dann werden auf diese Art und Weise die Ressourcen der Mitarbeiter besser genutzt. Auch Mitarbeiter auf niedrigeren Positionen oder eher introvertierte Menschen bekommen so eine Chance zum Mitwirken.
  • Mit Wikis können Projekte hausintern oder zwischen Trägern sehr gut koordiniert werden. Die wechselseitige Abstimmung verläuft viel einfacher als über mail oder Telefon, weil ein Wiki alle am Projekt Beteiligten erreicht und niemand, wie bei einer Mail möglich, übergangen wird. In Wikis kann man Beiträge schreiben, nach Stichworten suchen und neue thematische Seiten aufmachen. Ein Wiki ist ein virtueller Ordner im Netz, mit dem alle Nutzer, die zugangsberechtigt sind, arbeiten dürfen. Dagegen sind Mails nur einzelne Nachrichten, die jeder für sich ablegt und die kein gemeinsames Dokument ergeben.
  • Mit Wikis kann man einzelne Klienten besser betreuen, indem die beteiligten Träger sich im Projekt- oder Einzelfall- Wiki über die Behandlung des Kunden abstimmen.
  • Mit Wikis kann man interne Arbeitsabläufe besser koordinieren und damit effektiver gestalten. Jeder Mitarbeiter kann notwendige Informationen für die nächste Schicht, den Kollegen in der anderen Abteilung etc. im Wiki hinterlassen.
  • Über Wikis kann die Mitarbeiterschulung laufen, weil Unterrichtsmaterial in das Wiki eingestellt wird und auch die daran anschließende Diskussion im Wiki stattfindet.
  • Über Wikis kann eine Nonprofit-Organisation (NPO) Ehrenamtliche, Klienten, Sponsoren, d.h. viele unterschiedliche Stakeholder, besser einbinden. Z.B. kann mit Ehrenamtlichen ein gemeinsames Wiki über die Arbeitsteilung zwischen Freiwilligen und Professionellen erstellt werden. Oder Klienten können ihre Wünsche und Verbesserungsvorschläge in ein Wiki schreiben. Mit Sponsoren kann eine NPO eine neue Kampagne im Rahmen eines Wikis ausarbeiten.

Die Einsatzmöglichkeiten für Wikis sind unbegrenzt. Zwei Wikis aus dem Sozialbereich habe ich im Netz gefunden: das PflegeWiki und das SozialarbeitinEuropa-Wiki.

Für NPOs mit ihrem Anspruch auf Integration und Partizipation von Menschen sind Wikis ein perfektes Instrument. Auch technische Laien können mit einem Wiki ganz schnell umgehen. Jeder, der lesen und schreiben kann, kommt mit einem Wiki zurecht. Nonprofit-Organisationen sollten nicht länger warten und Wikis für sich erobern.

Unverwechselbar

In meinem Lieblingsweblog von Michele Martin habe ich im März eine Frage gelesen, die Nonprofit-Organisationen ihren Stakeholdern jeden Tag stellen sollten: „Would you miss us if we were gone?“. In dem Beitrag ging es um ‚evaluating impact‘. Was würden die Stakeholder auf diese Frage antworten? Nur 8% der Erwachsenen kennen laut einer Umfrage die Diakonie als Träger von Diensten und Einrichtungen. Da sich die Leistungen zwischen den Anbietern angleichen, ist oft nicht mehr klar, wo der Unterschied im Serviceangebot zwischen den einzelnen Nonprofit-Organisationen und zwischen NPOs und gewerblichen Trägern ist. Jede Einrichtung muss sich deshalb überlegen, welchen Mehrwert sie bietet, um dessentwillen ihre Stakeholder sagen könnten: „ja, wir würden Euch vermissen, wenn Ihr nicht mehr da wärt“.

Web 2.0

Der Einsatz von Social Software bzw. der neuen Möglichkeiten des Web 2.0 macht für gemeinnützige Organisationen erst dann Sinn, wenn sie sich vom Leitbild Staat/Kostenträger verabschieden und sich ihrer Ressourcenabhängigkeit auch von gesellschaftlichen Akteuren bewusst werden.

Die Perspektive muss sich erweitern. Erst wenn Nonprofit-Organisationen (NPOs) im Sozialbereich die gesellschaftlichen Ressourcen ebenso wertschätzen wie die des Staates, wird der Wunsch nach einer dialogorientierten Kommunikation mit den unterschiedlichsten nicht-staatlichen Stakeholdern entstehen.

Vorerst reicht den NPOs offensichtlich noch die traditionelle einseitige bzw. monologische Form der Kommunikation durch Broschüren, Faltblätter, Websites. Zumindest habe ich von bekannten und viel gelesenen Weblogs von sozialen Diensten und ihren verbandlichen Trägern noch nichts gehört. Ebenso wenig scheint es in NPOs Mitarbeiter- und Klienten-Wikis oder Wikis für Ehrenamtliche zu geben, die deren Partizipation ermöglichen. Dies ist ein Indiz dafür, dass die gesellschaftlichen Stakeholder von NPOs noch nicht so aufmerksam wahrgenommen werden wie die staatlichen (Kosten)Träger, auf die NPOs mit einer Art Angststarre blicken ( Abgesehen davon kann man auch die Kooperation mit der öffentlichen Hand hervorragend über ein Wiki steuern oder Weblogs speziell für Geldgeber schreiben).

Sagen wir so: wer am Feedback der Umwelt interessiert ist, wird zu Social Software greifen. Wer lieber nicht so genau wissen möchte, was die internen und externen Stakeholder denken und sich wünschen, wird Social Software meiden.