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Online Fundraising-Plattformen, Teil II

Dank der Kommentare zu meinem letzten Beitrag über Fundraising-Plattformen im Netz habe ich mich noch einmal auf die Suche nach Plattformen gemacht, die hier in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum Spender und gemeinnützige Organisationen zusammenbringen wollen. Bei npo-info.de bin ich auf eine Charity-Website-Analyse aus dem Jahr 2007 gestoßen, die u.a. die Reichweite von Spendenportalen untersucht und eine Liste mit hiesigen gemeinnützigen und kommerziellen Plattformen enthält. Diese Plattformen habe ich mir angesehen und wie folgt klassifiziert:

  1. Plattformen, die NPO-Verzeichnisse bieten mit Links auf die Webseite der jeweiligen gemeinnützigen Organisation, wo dann auch gespendet werden kann (das sind lediglich Fundraising-Plattformen im weitesten Sinne): hilfsorganisationen.de, charity-label.com, helpedia.org (im Aufbau)
  2. Plattformen, die für bestimmte Zwecke Spenden sammeln: gutetat.de konzentriert sich auf Sachspenden und ehrenamtliche Hilfe für kleinere und mittlere Hilfsprojekte, die auf individuellen Initiativen basieren. Der räumliche Schwerpunkt für die freiwilligen Helfer liegt derzeit noch auf Berlin und München. Wer in einem Projekt mithelfen möchte, muss zu den örtlichen Treffen kommen, d.h. es wird hier nicht alles online geregelt.
  3. Plattformen, die Spenden für registrierte Nonprofit-Organisationen sammeln: über spendenportal.de werden Geld- und Sachspenden direkt an gemeinnützige Organisationen geleitet. Es gibt auch die Möglichkeit, sich für ein freiwilliges Engagement zu melden. Originell ist die Ausgabe von Sozialaktien, falls man eine Einrichtung dauerhaft unterstützen möchte. Spendenbuttons und Plattform-Logo können auf private Webseiten geladen werden. Bei helpdirect.org kann ebenfalls direkt an eine Organisation gespendet werden. Wer sich für keine entscheiden kann, zahlt das Geld in thematisch gegliederte Spendenpools ein, deren Mittel dann vom Vorstand der gemeinnützigen Plattform an Hilfsprojekte verteilt werden. helpdirect erstellt zudem für Interessenten individuelle Spendenbutton, so dass man auf den eigenen Webseiten zeigen kann, welches konkrete Projekt man unterstützt (nicht nur welche Organisation). Spenden.de wurde von einem Softwareunternehmen gegründet. Es können sich hier gemeinnützige Organisationen eintragen, an die man über die Plattform direkt spenden kann.
  4. Plattformen, auf denen neben Organisationen auch Einzelpersonen ein Projekt vorschlagen können: betterplace.org. Für das jeweilige Projekt wird eine eigene Seite mit Projektblog, Photos, Unterstützer, Spendenbarometer etc. erstellt.
  5. Plattform, die Banner anbietet, welche auf die Seiten gemeinnütziger Organisationen verlinken (d.h. eine direkte Spende ist hier nicht möglich): web2help.de
  6. Einkaufs- und Auktions-Plattformen, bei denen der Spender gleichzeitig einen sozialen Zweck unterstützen kann: socialpower.net und ycare.de
  7. Plattformen, die nicht nur den Kontakt zu NPOs herstellen, sondern auch ein Netzwerk bieten, in dem man nach Unterstützern für eine gute Sache suchen kann: betterplace.org.

Laut der Charity-Website-Analyse von npo-info, die über einen vierwöchigen Zeitraum mit Hilfe von statbrain.com erstellt wurde (wie zuverlässig ist dieses Tool?), schneidet helpdirect.org als Marktführer bei den Spendenportalen ab.

Grundsätzlich hatte ich beim Durchforsten all der hier vorgestellten Seiten den Eindruck, dass sich hier noch vieles im Entwicklungsstadium befindet. Die Zahl der bei den Plattformen registrierten Organisationen ist noch bescheiden im Vergleich zu den amerikanischen Vorbildern, wo man z.B. bei change.org in einer Datenbank unter 1,5 Mio. Nonprofits auswählen kann. Ebenso bescheiden wird auf manch einer Spenden-Plattform das Spendenaufkommen sein. Auch hier schneiden amerikanische Plattformen sehr gut ab, siehe networkforgood.org, wo seit 2001 über 100 Mio. Dollar Spenden eingesammelt wurden.

Sicherlich ist die unterschiedliche Spendentradition in den USA hierfür mitverantwortlich und die hier weiter entwickelte Nutzung des Internets. In Deutschland waren im ersten Halbjahr 2007 die über 50-Jährigen für 70% der Spenden verantwortlich (vgl. Deutscher Spendenrat). Und diese Altersgruppe ist nicht durchgängig im Netz vertreten. Andererseits haben es die NPOs noch nicht geschafft, die Ressourcen der Jüngeren und der Menschen mit hohem Einkommen anzuzapfen. Für diese Zielgruppen, – die übrigens, wenn sie spenden, einen viel höheren Betrag geben als die ältere Generation, sind Spenden-Plattformen eine gute Einrichtung.

Nur: allein mit bürgerschaftlichen Projekten und Initiativen wird man nicht den Traffic auf die obigen Plattformen bringen bzw. das Spendenaufkommen erzielen, das sich alle wünschen. Hier in Deutschland ist der dritte Sektor (= der Nonprofit-Bereich) zu einem guten Teil verbandlich verfasst. Man muss demnach die großen Dienstleistungsanbieter ins Boot bekommen, wenn man eine große und erfolgreiche Plattform betreiben will. Wenn sämtliche Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege in einer Plattform registriert wären, könnte man als Spender aus einer Datenbank mit rd. 100 000 Einrichtungen auswählen. In den USA gibt es mit guidestar.org eine riesige NPO-Datenbank, die mehreren Spenden-Plattformen zur Verfügung steht. Vielleicht würde ein solch umfassender Informationspool manche Spenden-Plattform attraktiver machen?

Web 2.0 am Ende? Die technologische Revolution beginnt erst

Anfang des Jahres las ich bei silicon.de die Schlagzeile „2008 ist es aus mit dem Web-2.0-Boom“ . In dem dazugehörigen Beitrag werden die Ergebnisse der Studie eines britischen Unternehmens, das Web-Anwendungen testet, zusammen gefasst. Der Tenor der britischen Studie: die Menschen (und auch die Unternehmen) würden die Lust am Mitmach-Netz verlieren, u.a. wegen der schlechten Qualität der nutzergenerierten Inhalte und wegen einer allgemeinen Übersättigung durch die vielzähligen Angebote im Netz.

Diese Einschätzung überrascht mich. Denn aus meiner Sicht ist das Web 2.0 bei den Massen noch gar nicht richtig angekommen bzw. haben die Mehrheit der Menschen und Institutionen das Mitmach-Netz noch nicht für sich entdeckt. Sicherlich werden sich langfristig die Interessen und Schwerpunkte im Netz verändern. Aber einen Schritt zurück hinter die neuen Technologien und hinter die verstärkte Partizipation der Menschen wird es meines Erachtens nicht geben.

Wir befinden uns inmitten einer technologischen Revolution und die Zukunft wird nicht frei vom Internet, sondern noch viel internetbezogener als bisher sein. Es werden noch viele neue Anwendungen entwickelt werden. Besonders dreidimensionale Anwendungen wird man verstärkt einsetzen, die dem Nutzer neue Informations- und Entdeckungsmöglichkeiten bieten.

Auch Nonprofits werden irgendwann mit 3D-Tools arbeiten: Naturschutzverbände werden virtuelle Welten im Netz erschaffen, in denen man sich über die (gefährdete) Flora und Fauna informieren kann. Museen und Kunstvereine können virtuelle Rundgänge in dreidimensional aufbereiteten Ausstellungen anbieten. Und Sozialeinrichtungen haben die Chance, potentiellen Kunden virtuelle Rundgänge in betreuten Senioren-Wohnanlagen oder Altenhilfeeinrichtungen anzubieten, damit sich Interessenten schon im Vorfeld und von zu Hause aus über die Gebäude informieren können. Die Führung erfolgt durch den Avatar (den virtuellen Stellvertreter) des Einrichtungsleiters/der Einrichtungsleiterin im Netz.

Wer jetzt sagt: das brauchen wir nicht, spürt nichts von der Faszination dieser neuen Welten und den Chancen, die sie speziell den Menschen eröffnen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Da unsere Gesellschaft stark altert, werden kommende Senioren-Generationen, deren Mobilität aus körperlichen Gründen abnimmt, an einem Internet, das Informations- und Partizipationschancen bietet, noch dankbar sein.

Nonprofits und Web 2.0

In dem britischen Blog Designing for Civil Society ist zu lesen, dass das Thema Nonprofits und Web 2.0 in Grossbritannien angekommen ist und dort vielerlei Aktivitäten produziert. Ich bin gespannt, wann der Trend nach Deutschland kommt bzw. die Erkenntnis, dass sich gemeinnützige Organisationen mit Web 2.0 Tools besser vernetzen können als mit herkömmlichen monologischen Kommunikationsinstrumenten.