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Nonprofit-Blogparade: Folgen der Finanzkrise für Nonprofits – Bedrohung oder Chance?

Dieser Beitrag initiiert mit der Frage "Folgen der Finanzkrise für Nonprofits – Bedrohung oder Chance?" eine NPO-Blogparade. Was ist eine Blogparade? Ein Blogautor stellt eine Frage und fordert die Leser dazu auf, einen eigenen Blogbeitrag über das vorgegebene Thema zu schreiben und diesen Beitrag per trackback mit dem Blogbeitrag des Initiators (Host) zu verlinken.

Karin Janner vom Kulturmarketing-Blog , Christian Henner-Fehr vom Kulturmanagement-Blog , Sebastian Schwiecker von Helpedia und ich möchten eine NPO-Blogparade institutionalisieren, die sich mit dem Nonprofit-Sektor befasst. Wir möchten im Rahmen dieser NPO-Blogparaden Fragen stellen und bearbeiten, die den gemeinnützigen Bereich als Ganzes in den Blick nehmen und nicht nur Teile davon (wie Kultur, Soziales, Umwelt). Der Nutzen einer NPO-Blogparade:

  1. Indem Blogger aus den unterschiedlichen NPO-Bereichen daran teilnehmen, wächst das vorhandene Wissen über den Sektor
  2. Blogs, die das Thema NPOs bearbeiten, können sich vernetzen, so dass ein Nonprofit-Blogger-Netzwerk samt den damit verbundenen Synergie-Effekten entsteht
  3. Das Thema ‚Nonprofit-Organisationen‘ rückt stärker ins Rampenlicht und bekommt neue Unterstützer
  4. Es entstehen neue Ideen und Kontakte

Wir suchen noch BloggerInnen, die über den Nonprofit-Sektor schreiben und die bereit wären, als Host einer Blogparade mitzumachen. Bitte meldet Euch bei Interesse.
In organisatorischer Hinsicht startet die erste NPO-Blogparade ganz bescheiden, ohne eigenes Logo usw. Aber wir sind noch in der Anfangsphase. Über Ideen und Anregungen zu unserem Projekt freuen wir uns.

Doch nun zum Thema, um das sich in dieser Blogparade alles dreht:

Ich habe versucht, in einem Blogbeitrag die Folgen der Finanzkrise für Nonprofits in acht Punkten zusammenzufassen. Christian Henner-Fehr fragt nach den Auswirkungen der Krise auf den Kulturbereich und sieht darin auch Chancen für ein Umsteuern und für Veränderungen.

Besonders in Großbritannien und den USA sind wohl viele Nonprofits von der Krise betroffen. In Großbritannien scheint regelrecht Panik unter den Wohlfahrtsorganisationen ausgebrochen zu sein, von denen viele bei isländischen Banken ihr Geld anlegten. Die interne Umfrage einer Dachorganisation ergab potentielle Verluste in Höhe von 120 Mio Pfund. Ein britischer NPO-Experte geht davon aus, dass Wohlfahrtseinrichtungen bis zu 1 Billion Pfund verlieren könnten.

In Deutschland ist von solchen Hiobsbotschaften noch nichts zu hören. Aber unabhängig von konkreten Verlusten werden Nonprofits auch hier bei uns langfristig in vielerlei Hinsicht von der Finanzkrise betroffen sein: weil öffentliche Gelder reduziert werden, Spender sich zurückhalten, der Wettbewerb unter NP0s noch zunimmt. Sind die Folgen der Finanzkrise für Nonprofits eine Bedrohung oder eine Chance? Wie ist Ihre/Eure Meinung hierzu?

Wir freuen uns über Blogbeiträge, die diese Diskussion aufgreifen. Verlinkt bitte Euren Beitrag per trackback mit diesem Post. Am 24.10. , 5. November ist die Deadline, dann sichte ich die eingegangenen Beiträge.

Nachtrag: um möglichst vielen BloggerInnen eine Teilnahme zu ermöglichen, habe ich den Termin für den Rücklauf auf 5.11.08 verschoben. Der ursprüngliche Zeitpunkt war zu knapp bemessen.

Tag: npoblogparade

Der Nutzen von Online-Videos für Nonprofits

Weshalb sollten gemeinnützige Organisationen Online-Videos nutzen? Joitske Hulsebosch hat darüber ein Blogpost verfasst, das mich via Martin Koser erreichte. Der Beitrag hat mich dazu inspiriert, die Funktionen zusammenzutragen, die Online-Videos Nonprofits bieten können:

Videos können die Botschaft einer Organisation anders transportieren als Texte auf der Webseite oder in Broschüren. Texte sprechen eher den Kopf an, Bilder bedienen auch die Gefühle. Ein Video, das Klienten oder Mitarbeiter zu Wort kommen lässt, kann überzeugender wirken als Texte, die in der ‚Über uns‘-Kategorie von der Organisation ins Netz gestellt werden. Allerdings müssen die Videos einen authentischen Charakter haben und dürfen nicht inszeniert wirken. Sonst ist ihre Wirkung kontraproduktiv. Die Videos sollten Menschen zeigen, die sich als Ehrenamtliche, Mitarbeiter , Klienten und Förderer über die Organisation äußern und mit ihrem Auftritt für die Organisation einstehen. Auf diese Weise kann eine Nonprofit-Einrichtung dokumentieren, wie gut sie mit ihren Stakeholdern verbunden ist und wie wichtig ihr diese Menschen sind, denen Raum gegeben wird, um öffentlich ihre Gedanken und Überzeugungen über die Arbeit der NPO zum Ausdruck zu bringen.

Beeindruckend gemacht sind in dieser Hinsicht die Videos von Crisis, einer britischen Organisation die sich um Obdachlose kümmert. Das Kampagnenvideo und die Videos, in denen Betroffene zu Wort kommen, sind sehr überzeugend. Genial finde ich auch die Videos von Mencap, ebenfalls einer britischen NPO, die mit behinderten Menschen zusammenarbeitet. Derartig gute Videos wie auf dieser Seite habe ich im Sozial-
bereich noch selten gesehen.

Nicht alle Videos, die eine Nonprofit-Organisation verwendet, müssen so professionell wie die der beiden britischen NPOs und insbesondere die von Mencap ausfallen. Genutzt werden können auch selbst erstellte Videos, die anlässlich einer Konferenz, eines Interviews usw. gemacht werden. Ihre Qualität ist vielleicht nicht optimal, aber sie stehen für Aktualität und – wieder – Authentizität. Solche Amateur-Videos bieten sich speziell für Nonprofit-Weblogs an. Es gibt Blogger, die Videos stark nutzen und keine Konferenz ohne ein selbst aufgezeichnetes Interview verlassen. David Wilcox‘ Blog ist so ein Beispiel . Er bietet seinen Lesern mit den Videos von Tagungen einen interessanten Mehrwert.

Videos transportieren nicht nur die Botschaft einer Organisation, sondern können darüberhinaus noch folgendes leisten:

– Videos erhöhen die Transparenz einer Einrichtung. Räumlichkeiten, Mitarbeiter, Leistungen, Konferenzen, Feste können so visualisiert werden

– Videos dienen der politischen Arbeit von Nonprofits. Das Netz bietet die Voraussetzungen, die notwendig sind, um Videos im Rahmen von Kampagnen breit zu streuen (über youtube, blogs usw.)

– Videos können für die Schulung von Mitarbeitern, Angehörigen, Internetnutzern eingesetzt werden, indem Vorträge, Interviews, Anleitungen gefilmt und den Zielgruppen zur Verfügung gestellt werden.

– Videos können die Entwicklung eines Hilfsprojektes dokumentieren, z.B. den Baufortschritt einer Hilfseinrichtung, den Einsatz eines neu angeschafften Hilfegerätes usw. Dies erhöht die Legitimation der Nonprofit-Organisation gegenüber den Spendern und der Öffentlichkeit.

– Videos können als Fundraising-Instrument eingesetzt werden. Speziell Youtube.com unterstützt Nonprofits beim Geldsammeln. Einer amerikanischen Studie zufolge sind gerade die größzügigsten Spender auch gleichzeitig Youtube-Nutzer, und zwar in einem stärkerem Ausmaß, als sie Facebook oder LinkedIn nutzen. Mehr dazu in einem Beitrag von NetSquared.

YouTube hat ein spezielles Programm für Nonprofits eröffnet, allerdings bisher nur für amerikanische und britische NPOs. Viele international bekannte Organisationen sind hier präsent und zeigen ihre Videos auf eigenen Kanälen, wie bspw. Oxfam . Die Videos der Nonprofit-Organisation werden auf ihrer YouTube-Seite ergänzt durch Videos, die Freunde der jeweiligen NPO eingestellt haben. Das heißt, die Stakeholder bekommen hier die Möglichkeit, einen Beitrag zum Image der NPO und deren Botschaft oder Kampagne zu leisten.

Videos machen eine Nonprofit-Einrichtung unabhängiger von Fernsehanstalten. Wie viel Filme über die Organisation gesendet werden, liegt nun nicht mehr in der Hand der Sender, sondern der Nonprofit-Organisation selbst. Sie entscheidet auf der Basis ihres Budgets, ihrer Zeit- und Mitarbeiterressourcen, ob ein Video (selbst) produziert wird.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass bei einem Video nicht die technische Perfektion im Vordergrund stehen sollte. Dies ist ein Trugschluss, dem manche Nonprofits, die sich an Videos heranwagen, aufsitzen. Sicherlich muss die Aufnahmequalität gut sein und ansprechend, – entscheidend sind aber die Emotionen, die das Video beim Betrachter auslöst (oder auch nicht). Und diese hängen eng mit der inhaltlichen Botschaft des Videos und mit den Personen zusammen, die im Video den gemeinnützigen Träger repräsentieren

Weitere interessante Links zumThema
The NonProfit Times , NetSquared

SocialCamp Berlin: Nachlese


„Was passiert, wenn man 60 Internet-

spezialisten mit 60 Weltverbesserern der NGO-Gemeinde aus ganz Deutschland für 48 Stunden in eine Berliner Fabriketage schließt?“ – fragten die Organisatoren des SocialCamp um Basti Schwiecker von Helpedia und selfHUB.

Meine Antwort als SocialCamp-Teilnehmerin: es ergeben sich viele gute Gespräche, Ideen und Lösungsansätze für den Nonprofit-Sektor. Vertreten waren aus dem gemeinnützigen Bereich vor allem die Akteure der Neuen Sozialen Bewegungen, die mit ihren Projekten inspirieren.

Es gab auf dem Camp eine große Bandbreite an Sessions, allesamt von den Teilnehmer/innen selbst gestaltet. Die Themen und Dokumentationen stehen im SocialCamp Wiki .

Ich selbst besuchte die Veranstaltung von Charlotte Buttkus von GuideStar Deutschland. Vor Tagen erst habe ich über GuideStar gebloggt und nun profitiert von den Informationen aus erster Hand. Mein Fazit der Session: der Nutzen von GuideStar für Nonprofits muss noch deutlicher kommuniziert werden. Die Länder könnten wichtige Bündnispartner von GuideStar und Multiplikatoren des Projekts sein, das mehr Transparenz im gemeinnützigen Sektor anstrebt. Schade nur, dass ein solches Projekt unter finanziellen Restriktionen leidet und vom Auslaufen der Fördermittel bedroht ist.

Bei Sophie Scholz von fairdo.net diskutierten wir über die Idee, eine Online-Börse einzurichten, die ehrenamtliche IT- und Internetexperten an kleine Nonprofits vermittelt, die zur regulären Finanzierung von Fachleuten nicht in der Lage sind. In Großbritannien gibt es bereits ein solches Reservoir an Ehrenamtlichen, die dann alljährlich die Chance auf den ICT Hub award für das besondere IT-Engagement von Individuen haben.

Markus Beckedahl von netzpolitik.org informierte über freie Software für Nonprofits und Stefan Evertz von hirnrinde.de stellte die Idee eines Kollegen vor, ein Online-Kampagnennetzwerk aufzubauen, von dem Internetnutzer Kampagnen-Banner herunterladen können um sie in ihr eigenes Internetangebot zu integrieren.

Interessant war für mich auch die Session von Karin Janner vom Kulturmarketing Blog , die den Einsatz von Web2.0 für Kultureinrichtungen thematisierte. Ihre Ideen und Vorschläge gleichen meinem Zugang, sozialen Dienstleistern die Möglichkeiten des Web2.0 zu vermitteln.

Ich selbst habe in einer Session meine Idee eines Web2.0-für-Nonprofits-Wikis vorgestellt. Ein paar konzeptionelle Stichworte dazu finden sich hier . Die Reaktion der Teilnehmer/innen war ambivalent. Die einen fanden die Idee sehr gut, die anderen sahen keinen besonderen Mehrwert darin, weil sie der Ansicht sind, dass es genügend Infos über Web2.0 im Netz gibt bzw. die Zielgruppe kein Wiki ansteuern wird. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass ein solch niedrigschwelliges Fach-Wiki, das auf den deutschen Nonprofit-Sektor zugeschnitten ist, eine sinnvolle Ergänzung zu den häufig technikorientierten und englischsprachigen Informationsangeboten wäre. Ich bleibe an der Idee dran. Näheres hierzu bei Gelegenheit im Blog.

Neben all den Veranstaltungen war auch das persönliche Zusammentreffen mit Bloggern, die ich bisher nur über ihre Weblogs kannte, sehr nett und erfreulich. So bspw. das Gespräch mit Christian Kreutz von crisscrossed.net , Ina Müller-Schmoß von Kreative Strukturen , Andrea Nienhaus von Alles, was gerecht ist und vielen anderen mehr. Übrigens hat Andrea Nienhaus vor zwei Jahren an einem sehr interessanten Buchprojekt mitgewirkt: Sozialmarketing als Stakeholder-Management (2006). Wir haben auf dem SocialCamp darüber gesprochen. Ein sehr gutes und schön gemachtes Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

Zum Abschluss: herzlichen Dank an das Organisationsteam! Ich hoffe, es gibt im kommenden Jahr eine Fortsetzung des SocialCamp.