Kategorie-Archiv: Partizipation

Wie interaktiv sind Webauftritte von Sozialorganisationen – Auswertung unseres Workshops

Im gestrigen Workshop haben wir die folgenden Thesen vertreten:

Usability 1.0 bezieht sich auf das Verhältnis Benutzer- Technik, Usability 2.0 rückt die Beziehungen zwischen Benutzer und der Organisation, die Seiten ins Netz stellt, in den Mittelpunkt.

Der Benutzer will in Dialog treten, die Sozialeinrichtung will Beziehungen aufbauen, um daraus Ressourcen zu schöpfen. Beide Interessen können durch interaktive Webseiten, die Web 2.0-Tools benutzen, befriedigt werden. Insofern schafft Usability 2.0, die Benutzerfreundlichkeit mit Interaktivität gleichsetzt, eine win-win-Situation für beide Seiten.

Die meisten Workshop-Teilnehmer, die ehrenamtlich oder beruflich mit Nonprofit-Organisationen zu tun haben, fanden die Thesen interessant. Sie bieten eine neue Perspektive, weil sich Usability ansonsten eher auf technische/kognitive/visuelle/manuelle Aspekte konzentriert und weniger auf soziale.

Dass Benutzer auf Webseiten den Austausch mit der Organisation und anderen Benutzern suchen und sich häufig auch aktiv einbringen wollen, halte ich m.E. für ein sichhaltiges Argument. Die Netzgeneration, die heranwächst, aber auch die Silversurfer, die sich zwischenzeitlich an das Internet gewöhnt haben und es schätzen lernten, werden den Dialog und die Partizipation auf Webseiten immer stärker einfordern.

Teilnehmer mit Kontakt zu NPOs bemängelten die dortigen langsamen Entscheidungsabläufe, die sich auch negativ auf das Erscheinungsbild der Einrichtungen auswirken: notwendige Maßnahmen, um statische Webseiten auf ein zeitgemäßes Niveau zu bringen, verzögerten sich so enorm. Grundsätzlich waren alle Teilnehmer des Workshops davon überzeugt, dass hinsichtlich der NPO-Webseiten Handlungsbedarf besteht, um sie interaktiver zu gestalten. Aus allen Beiträgen war die Sympathie für NPOs herauszuhören, deren wichtige Rolle für die Gesellschaft durchweg anerkannt wurde.

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Web 2.0 – die ersten Schritte für Nonprofits (IV)

Der vierte Schritt der Web 2.0-Einführung ist der anspuchsvollste. Nicht jede Nonprofit-Einrichtung wird ihn gehen, weil er mit vielen Traditionen bricht und die Bereitschaft einer Organisation voraussetzt, sich nach außen hin zu öffnen.

Der vierte Schritt besteht darin, ein öffentliches Wiki anzulegen, das der Bürgerschaft und damit allen tatsächlichen und potentiellen Kunden offen steht. Man könnte es Kunden-Wiki nennen und seine Funktion besteht darin, die Wünsche und Ideen der Bezugsgruppen einer Organisation abzufragen.

Am effektivsten ist es, Kommentare zu konkreten Projekten und Themen zu erbitten. Ein Moderator von Seiten der Nonprofit-Einrichtung sollte die Diskussion betreuen und Anregungen aufnehmen oder bei Statements nachhaken.

Ein solches Wiki ist Teil des Ideenmanagements einer Organisation. Man überlässt die Entwicklung von Vorschlägen nicht dem Zufall, sondern bietet durch ein öffentliches Wiki mit entsprechenden Themen das Forum, um Ideen zielgerichtet einzuholen. Vergangene Woche war in der Süddeutschen zu lesen, dass Firmen in Deutschland viele Milliarden Euro vergeuden, weil sie die Ideen ihrer Mitarbeiter ignorieren, vor allen Dingen die Ideen der Menschen, die an der Basis arbeiten. Vor diesem Defizit wird auch der Nonprofit-Sektor nicht gefeit sein, denn dies ist ein typisches Problem hierarchischer Organisationen, zu denen die wohlfahrtsverbandlichen Sozialeinrichtungen ebenfalls zählen.

Es werden aber nicht nur die Ideen von Mitarbeitern vernachlässigt, sondern auch die Ideen von anderen Bezugsgruppen einer Einrichtung. Auch die Anregungen von Klienten, Angehörigen und Ehrenamtlichen einer Sozialorganisation werden nicht systematisch erhoben. Ideen wirken häufig bedrohlich, weil sie die gewohnten Abläufe einer Organisation in Frage stellen können. Aber Ideen sind notwendig, wenn eine Nonprofit-Einrichtung neue Leistungen entwickeln und bestehende Angebote ausdifferenzieren will.

Dies in engem Austausch mit den (potentiellen) Kunden durchzuführen, verspricht große Erfolge. Und es legitimiert das eigene Vorgehen gegenüber den Institutionen, die Sozialleistungen finanzieren auf einem viel höheren Niveau, als wenn Leistungen ohne aktive Partizipation der Kundschaft entwickelt werden.

Ein Kunden-Wiki muss nicht immer im Netz stehen. Die Nonprofit-Einrichtung kann es auch nur im Rahmen einer Kampagne für wenige Tage zur Verfügung stellen. Die Einträge sollten moderiert werden, d.h. destruktive Beiträge werden gelöscht.

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Nonprofits und Web 2.0

Web 2.0 verändert die Machtverhältnisse zwischen der Nonprofit-Organisation und ihrer Umwelt. Die Menschen sind nicht mehr passive Empfänger von Informationen, Spendenaufrufen und fertigen Dienstleistungskonzepten. Sondern sie publizieren selbst im Netz und koordinieren sich mit anderen über Wikis, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Die Qualität von Diensten wird im Internet recherchiert oder in Foren hinterfragt.

„Nonprofits no longer can count on simply pushing out a single, centralized message (…) when individuals can use new media to undertake their own fundraising efforts, with their own spin, on behalf of charities they care about.The paradigm of marketing that nonprofits have tried to perfect, that was so well-suited in an age of mass marketing, has given way to trust-based strategies (…)“ heißt es in einem Artikel im Philantrophy Journal.

Es ist Zeit, diese Art der one-way communication zwischen Sozialorganisation und den Stakeholdern hinter sich zu lassen. Nonprofits müssen sich nach außen hin öffnen und externe Akteure besser in die Organisation integrieren. Das geht sehr gut über Weblogs, Podcasting, Communities, Wikis usw. Auch hier gilt der Satz: wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Die Organisation, die sich nach außen hin zu wenig öffnet und das eigene Angebot zu wenig transparent präsentiert bzw. Menschen zum Mitmachen einlädt, die wird langfristig den Wettbewerb um Kunden verlieren.

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