SocialCamp Berlin: Nachlese


„Was passiert, wenn man 60 Internet-

spezialisten mit 60 Weltverbesserern der NGO-Gemeinde aus ganz Deutschland für 48 Stunden in eine Berliner Fabriketage schließt?“ – fragten die Organisatoren des SocialCamp um Basti Schwiecker von Helpedia und selfHUB.

Meine Antwort als SocialCamp-Teilnehmerin: es ergeben sich viele gute Gespräche, Ideen und Lösungsansätze für den Nonprofit-Sektor. Vertreten waren aus dem gemeinnützigen Bereich vor allem die Akteure der Neuen Sozialen Bewegungen, die mit ihren Projekten inspirieren.

Es gab auf dem Camp eine große Bandbreite an Sessions, allesamt von den Teilnehmer/innen selbst gestaltet. Die Themen und Dokumentationen stehen im SocialCamp Wiki .

Ich selbst besuchte die Veranstaltung von Charlotte Buttkus von GuideStar Deutschland. Vor Tagen erst habe ich über GuideStar gebloggt und nun profitiert von den Informationen aus erster Hand. Mein Fazit der Session: der Nutzen von GuideStar für Nonprofits muss noch deutlicher kommuniziert werden. Die Länder könnten wichtige Bündnispartner von GuideStar und Multiplikatoren des Projekts sein, das mehr Transparenz im gemeinnützigen Sektor anstrebt. Schade nur, dass ein solches Projekt unter finanziellen Restriktionen leidet und vom Auslaufen der Fördermittel bedroht ist.

Bei Sophie Scholz von fairdo.net diskutierten wir über die Idee, eine Online-Börse einzurichten, die ehrenamtliche IT- und Internetexperten an kleine Nonprofits vermittelt, die zur regulären Finanzierung von Fachleuten nicht in der Lage sind. In Großbritannien gibt es bereits ein solches Reservoir an Ehrenamtlichen, die dann alljährlich die Chance auf den ICT Hub award für das besondere IT-Engagement von Individuen haben.

Markus Beckedahl von netzpolitik.org informierte über freie Software für Nonprofits und Stefan Evertz von hirnrinde.de stellte die Idee eines Kollegen vor, ein Online-Kampagnennetzwerk aufzubauen, von dem Internetnutzer Kampagnen-Banner herunterladen können um sie in ihr eigenes Internetangebot zu integrieren.

Interessant war für mich auch die Session von Karin Janner vom Kulturmarketing Blog , die den Einsatz von Web2.0 für Kultureinrichtungen thematisierte. Ihre Ideen und Vorschläge gleichen meinem Zugang, sozialen Dienstleistern die Möglichkeiten des Web2.0 zu vermitteln.

Ich selbst habe in einer Session meine Idee eines Web2.0-für-Nonprofits-Wikis vorgestellt. Ein paar konzeptionelle Stichworte dazu finden sich hier . Die Reaktion der Teilnehmer/innen war ambivalent. Die einen fanden die Idee sehr gut, die anderen sahen keinen besonderen Mehrwert darin, weil sie der Ansicht sind, dass es genügend Infos über Web2.0 im Netz gibt bzw. die Zielgruppe kein Wiki ansteuern wird. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass ein solch niedrigschwelliges Fach-Wiki, das auf den deutschen Nonprofit-Sektor zugeschnitten ist, eine sinnvolle Ergänzung zu den häufig technikorientierten und englischsprachigen Informationsangeboten wäre. Ich bleibe an der Idee dran. Näheres hierzu bei Gelegenheit im Blog.

Neben all den Veranstaltungen war auch das persönliche Zusammentreffen mit Bloggern, die ich bisher nur über ihre Weblogs kannte, sehr nett und erfreulich. So bspw. das Gespräch mit Christian Kreutz von crisscrossed.net , Ina Müller-Schmoß von Kreative Strukturen , Andrea Nienhaus von Alles, was gerecht ist und vielen anderen mehr. Übrigens hat Andrea Nienhaus vor zwei Jahren an einem sehr interessanten Buchprojekt mitgewirkt: Sozialmarketing als Stakeholder-Management (2006). Wir haben auf dem SocialCamp darüber gesprochen. Ein sehr gutes und schön gemachtes Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

Zum Abschluss: herzlichen Dank an das Organisationsteam! Ich hoffe, es gibt im kommenden Jahr eine Fortsetzung des SocialCamp.

6 Gedanken zu „SocialCamp Berlin: Nachlese

  1. Hallo Brigitte,

    ich habe mich gefreut, Dich auf dem Social Camp kennengelernt zu haben! Deine Idee zum Non-Profit-Wiki habe ich nicht vergessen, Du hast recht, irgendwas in die Richtung sollte es geben. Wiki, Info-Portal, Gemeinschaftsblog, Seite auf Mixxt…
    Mögliche technische Lösungen gibt es verschiedene, wenn mal die Ziele und Inhalte klar sind, wird sich schon was Passendes finden. Bleib dran! Meine Unterstützung hast Du…

    Ich hab Dein Blog in meine Blogroll aufgenommen, außerdem bin ich gerade unter die Twitterer gegangen und followe Dir dort. Verbunden wären wir also schon mal…

    Liebe Grüße,
    Karin

  2. @hallo Karin, danke für die Vernetzung! Das freut mich und wird bestimmt einen Mehrwert für unsere Leser/innen schaffen, wenn wir uns gegenseitig mit unseren Themen inspirieren und voneinander lernen.
    Grüße aus Stuttgart!
    Brigitte

  3. Ich bin an der Idee, ein Wiki für den NPO-Bereich zu konzipieren, hängen geblieben. Einerseits ein spannender Ansatz, auf diese Weise das Wissen von möglichst vielen Menschen zu bündeln. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob ein Wiki das richtige Tool dafür ist?

    Um den Bereich Social Media zu beschreiben, verwende ich immer ganz gerne die Social Media Spirale von Michele Martin. Wenn man dort versucht, Wikis einzuordnen, dann würde ich sie dem Top Level „Creation“ zuordnen.

    Eigentlich ist es ja nun das Ziel, NPO vom Nutzen der Web2.0 Tools zu überzeugen und eben dieses Top Level zu erreichen. Wenn ich nun aber ein Wiki einsetze, verwende ich bereits ein Tool des Top Levels und stelle mir die Frage, ob die NPO damit nicht überfordert sind?

  4. @Christian, auf dem SocialCamp waren sich die Session-Teilnehmer einig, dass der technologische Rahmen des Projekts zweitrangig ist. ‚Wiki‘ ist sozusagen nur mal der Arbeitstitel. Früher hätte man das Wissen einfach in ein Papier gepackt und dieses als PDF Datei verschickt. Heute stehen uns andere Mittel zur Verfügung, mit denen die Zielgruppe einbezogen werden kann. Wir brauchen für das Projekt auf jeden Fall einen gewissen interaktiven Rahmen, damit Best-Practice-Beispiele von der Basis gelistet werden können.

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