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NPO-Blogparade: Finanzkrise und die Folgen für Nonprofits

Die erste Nonprofit-Blogparade startete mit der Frage , ob die Folgen der Finanzkrise eine Bedrohung oder eine Chance für gemeinnützige Träger bedeuten. Speziell die Blogs, die über den Kultursektor schreiben, haben sich rege beteiligt. So sind einige interessante Beiträge zusammen gekommen.

Christian Henner-Fehr machte den Anfang mit der These, dass die Chancen, die mit der Krise einhergehen, deren negative Implikationen (öffentliche Einsparungen, Rückgang von Sponsoren- und Spendengeldern) überwiegen werden. Denn Krisen bieten die Chance, Althergebrachtes zu überdenken und neue Strategien aufzugreifen. Er sieht insbesondere die Chance, dass 1. gemeinwohlorientierte Werte wieder mehr in den Mittelpunkt rücken (Gier und Geiz haben ausgedient), 2. Kooperationen im Kultursektor entstehen, durch die Ressourcen gebündelt werden, 3. private Kredite die Finanzierungslücken von Nonprofits schließen könnten. Durch eine freiwillige Selbstbeschränkung von einzelnen gut finanzierten Kultureinrichtungen wäre es möglich, Mittel zugunsten notleidender Einrichtungen umzuverteilen. Ein m. E. sehr idealistischer Vorschlag, für den noch keine empirischen Ergebnisse vorliegen.

Auch Karin Janner sieht in der Krise die Chance, dass insbesondere die großen, tendenziell bürokratischen Kultureinrichtungen ihre Management-Praxis überdenken und sich zukünftig dynamischer, offener und strategischer verhalten. Für sie ist der Schlüssel zur Überwindung der Krise ein auf die Stakeholder hin orientiertes Kulturmarketing, das bislang in vielen Einrichtungen noch fehlt. Ihre These: nicht alle Kultureinrichtungen werden die Krise überleben, aber jene, die bleiben, werden stärker als in der Vergangenheit den Interessen der Besucher verpflichtet sein.

Christian Holst dagegen sieht keine Notwendigkeit zum Umsteuern im Kultursektor. Im Gegenteil: ihm zufolge zeigt sich gerade jetzt im Zusammenhang mit der Finanzkrise, wie gut aufgestellt der überwiegend öffentlich finanzierte Kultursektor in Deutschland ist verglichen mit dem amerikanischen, der sich zum Großteil aus privaten und gewerblichen Spenden finanziert. Das amerikanische Kultursystem sollte deshalb auch nicht als Modell weiterempfohlen werden. Notwendig ist laut Holst vielmehr ein klares, selbstbewusstes Bekenntnis zum deutschen Kulturmodell mit breiter öffentlicher und damit relativ krisensicherer Finanzierung.

Die positive Rolle des Staates bei der Finanzierung von Kunst und Kultur ist unbestritten. Dennoch sollten meines Erachtens Nonprofits die Vernetzung mit dem gesellschaftlichen Raum nicht vernachlässigen. Nicht nur aus monetären Gründen, sondern um einen Dialog zu führen. Nonprofits fragen ihre Stakeholder zumeist nach Geld, aber nur ganz selten nach Ideen. Die Finanzkrise sollte Anlass für Nonprofits sein, dies ist mein Fazit , nicht nur nach Geld zu fragen, sondern auch die anderen Ressourcen der Stakeholder wie Wissen, Ideen, Engagement etc. abzufragen. Voraussetzung hierfür sind ausbalancierte Beziehungen zwischen der Nonprofit-Organisation und den gesellschaftlichen Akteuren. Von einer hierarchischen Position aus lassen sich schlecht Kooperationen pflegen.

Ulrike Schmid von Kultur 2.0 sieht in der Finanzkrise die Chance, dass insbesondere jüngere Künstler wieder unabhängiger vom Markt agieren und experimentierfreudige Kunst schaffen, die sich nicht anpasst.

Sebastian Schwiecker von Helpedia rückt in seinem Beitrag die Situation von Stiftungen in den Mittelpunkt, die – weil selbst am Kapitalmarkt aktiv – die Krise etwas deutlicher spüren. Er verlinkt zur Seite des Foundation Center , das Daten über die Entwicklung des amerikanischen Stiftungsvermögens und der Stftungszuwendungen seit 1975 liefert. Die vergangenen Rezessionen führten immer zu einem leichten Rückgang der Stftungsmittel für Nonprofits. Gleichzeitig sieht Schwiecker in der Finanzkrise die Chance, dass Stiftungen ihre Investitionspolitik überdenken und sich stärker um ethische Investitionsmöglichkeiten bemühen, die ihre Glaubwürdigkeit nicht verletzen.

Matthias Schwenk schließlich vertritt die Ansicht, dass die wirkliche Schwierigkeit in der Gegenwart gar nicht in der Finanzkrise liegt, sondern in den Spannungen zwischen dem etablierten System, das auf altherge-
brachtem Wissen basiert, und jenen innovativen Kräften, die mit neuen Ideen und Technologien Modelle für die zukünftige Wertschöpfung liefern. Auch der Bildungssektor als Nonprofit-Bereich sei zu sehr der Tradition verpflichtet und sperre sich gegen neue Formen des Lernens und den Einsatz des Internets. Doch dessenungeachtet wird das Internet die Welt verändern. "Recognize, that this is not the beginning of a recession – this is the end of the world as we have known it" (Faith Popcorn).

Gastgeberin der nächsten NPO-Blogparade ist Karin Janner vom Kulturmarketing-Blog . Sie wird am 15. November die nächste Frage zum Nonprofit-Sektor stellen.

Vielen Dank an alle, die sich an der ersten Runde der NPO-Blogparade beteiligten!

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Podcast-Interview mit mir zum Thema NPOs und Social Media

Timo Lommatzsch vom Social Media PReview-Blog hat ein Interview mit mir zum Thema Nonprofit-Organisationen und Social Media geführt. Der Podcast mit dem Interview ist seit Samstag online .

Wir sprechen in dem Interview sämtliche Grundlagen an:

  • Nutzen von Social Media für NPOs
  • Stand der Umsetzung in Deutschland
  • Gründe für die Zurückhaltung von NPOs, wenn es um das Mitmach-Internet geht
  • Best Practice-Beispiele
  • Die Bedeutung von Transparenz für Nonprofits
  • Konkurrenz für etablierte Organisationen durch neue Fundraising-Plattformen und NPOs?

Vielen Dank an Timo Lommatzsch für die Möglichkeit, dem Nonprofit-Thema durch ein Podcast eine Öffentlichkeit zu verschaffen! Vielleicht gibt es in einem halben Jahr einen Teil II, der weitere Fragen behandelt.

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Blog Action Day 2008: Armut und das Dilemma der Sozialen Arbeit

Heute ist der weltweite Blog Action Day zum Thema ‚Armut‘. Möglichst viele Blogger sollen zu diesem Thema aus ihrer Perspektive Stellung nehmen. Via Blogpatenschaften wurde ich auf die Aktion aufmerksam, durch Twitter daran erinnert.

Wer arm ist, hat zumeist nicht nur materielle Probleme, sondern benötigt auch Unterstützung im Beziehungs- und Bildungsbereich und bei Fragen der Haushaltsführung und Lebensplanung. Diese Hilfen werden von den Sozialen Diensten der Sozialverwaltung oder freigemeinnütziger Träger angeboten.

Die Bedingungen der Sozialen Arbeit haben sich in den letzten Jahren sehr stark verändert. In einem Aufsatz in der Fachzeitschrift Sozialer Fortschritt (1/20008) fasst H.J. Dahme den Wandel in den sozialen Diensten wie folgt zusammen: die Arbeit wurde bürokratisiert und verbetriebswirtschaftlicht. Der einzelne Mitarbeiter muss immer höhere Fallzahlen und immer mehr administrative Aufgabent stemmen. Die Interaktion mit dem Klienten wird durch gesetzliche Vorgaben immer stärker reglementiert (S. 10f). Was darunter leide, sei die "ganzheitliche Arbeit am und mit Menschen" (Dahme 2008, 11). Die Reglementierung seitens des Staates und des Trägers stellt darüber hinaus die Autonomie der Sozialarbeit in Frage. Der Mitarbeiter kann seine Expertise nicht mehr in der Form einbringen, wie er es sich erhofft hat.

Die Soziarbeit steht vor einem Dilemma. Einerseits sind die Mitarbeiter motiviert und möchten helfen. Andererseits schwinden ihre Handlungsspielräume. Wie kann der Ausweg aus dieser Sitaution aussehen?

Ein Zurück zur früheren Autonomie und Expertise mit ihrem tendenziell ‚hierarchischen‘ Charakter kann es meines Erachtens nicht mehr geben. Die Bemühungen von staatlicher – und Trägerseite nach Effizienz, Effektivität und Transparenz (duch die Falldokumentationen) sind legitim. Dennoch darf die am Klienten orientierte ganzheitliche Arbeit dabei nicht auf der Strecke bleiben.

Der Ausweg aus dem Dilemma kann meiner Ansicht nach nur gelingen, wenn sich die Soziale Arbeit neue Bündnisparter sucht. Die vorhandenen Bezugsgrupen/Stakeholder wie Angehörige, Ehrenamtliche, Nachbarschaft, Gemeinde usw. müssen stärker in die Dienstleistungsproduktion mit eingebunden werden. Nicht nur, um die Sozialarbeit zu entlasten und zu bereichern. Sondern auch, um bei Bedarf ein Netzwerk zu besitzen, mit dessen politischer Unterstützung man rechnen kann. Denn wer vertritt im Moment die Interessen einer ganzheitlichen Sozialarbeit, abgesehen von den dafür zuständigen Gewerkschafts-
funktionären? Nonprofits und die Sozialarbeit haben es versäumt, die Öffentlichkeit effektiv auf ihre Arbeitssituation vor Ort hinzuweisen. Nun ist niemand da, der mit ihnen gemeinsam die Auswüchse der Bürokratisierung bekämpfen könnte. Die Leidtragenden sind die Klienten. In diesem Fall: die Menschen, die arm sind.

Web 2.0 bietet den Sozialen Diensten die technischen Voraussetzungen, um sich mit ihren Stakeholdern stärker zu vernetzen und Communities aufzubauen, die man auch für die politische Arbeit nutzen kann. Vielleicht wird man auf dem Online-Weg mehr Unterstützung für die Soziale Arbeit organisieren können?

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