Kategorie-Archiv: Plattform

Links für Nonprofits

Zum Thema Fundraising:

Wie wichtig es für Nonprofits sein muss, die jüngere Generation als Spender zu gewinnen, zeigt ein Artikel des britischen Guardian, der sich mit der online Spenden-Plattform Justgiving.com befasst. Auf Justgiving gibt es mehr als 300.000 Seiten, über die Privatleute Spenden für soziale Zwecke sammeln und mehr als 3000 registrierte Nonprofits. Über Justgiving wurden seit der Plattform-Gründung im Jahr 2001 250 Millionen Pfund für soziale Zwecke eingesammelt. Die Plattform ist in Großbritannien so erfolgreich, weil sie es geschafft hat, junge Menschen bzw. die Internet-Generation anzusprechen. Diese will nicht mit Formularen belästigt werden, sondern auch das Spenden online erledigen und in ihre Selbstdarstellung auf Social Community-Seiten integrieren. Justgiving „is bringing giving to the public in an easy and enjoyable way that makes it part of their lifestyle.“ Hierzulande gibt es zwischenzeitlich auch diverse Plattformen, die das Spenden „easy and enjoyable“ machen wollen, aber die großen Wohlfahrtsverbände haben die Zeichen der Zeit noch nicht richtig erkannt und sind zu selten auf solchen Plattformen vertreten.

zum Thema Marketing:

Im Wissenschafts-Blog Commercial Communities findet sich ein interessanter Beitrag darüber, wie sich das Marketing in Zeiten der Internetökonomie verändert. Aufgrund der Machtverschiebung zugunsten der Konsumenten durch das Internet muss das Marketing weg von seiner traditionellen Kontroll-Ideologie und hin zu einem Dialog-bzw. Relationship-Marketing.

Konsumenten haben durch das Internet die Möglichkeit Produkte und Preise (weltweit) zu vergleichen und ihre Meinung über das Produkt/den Preis/das Unternehmen zu veröffentlichen, ohne dass dies vom Unternehmen kontrolliert werden könnte. Es ist also besser, den Kontrollzwang gegenüber der Umwelt abzulegen und mehr auf Dialog und Verhandlungen zu setzen.

Auch Nonprofits im Sozialsektor müssen sich stärker nach außen öffnen und dem Wunsch der Stakeholder nach Mitwirkung und Mitgestaltung Rechnung tragen. Vielleicht glauben soziale Organisationen, diesen Zeitpunkt noch ein Stück in die Zukunft verschieben zu können, weil Kunden im Sozialsektor nicht so flexibel reagieren können wie Kunden in anderen Bereichen und die Nachfrager im Sozialsektor stärker an das örtliche Angebot gebunden sind. Aber auch hier verändern sich die Dinge: die Konkurrenz vor Ort nimmt zu und der einzelne hat nun häufiger die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Anbietern zu wählen.

Immerhin gibt es ein paar Verbände, die die Herausforderungen der Online-Welt annehmen. Wie die Internet-Strategien von zwei großen gemeinnützigen Organisationen aussehen, der Aktion Mensch mit der Seite dieGesellschafter.de und Greenpeace Deutschland, konnte man auf der re:publica ‚o8 erfahren, dem Bloggertreffen in Berlin. Das Weblog Alles, was gerecht ist berichtet über die Statements der Vertreter von Greenpeace und Aktion Mensch und liefert die Links für die Podcasts, um sich die Podiumsdiskussion anzuhören.

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Fundraising-Plattformen und die Effektivität von Spenden

Online Fundraising-Plattformen fördern die Entstehung neuer Hilfsprojekte, denn der Eintritt in den Spendenmarkt wird für ein Projekt durch Plattformen sehr einfach. Speziell kleinere Initiativen mit geringem Budget profitieren hiervon. Anstatt Adressen von potentiellen Spendern sammeln oder kaufen zu müssen, stapelweise Spendenbriefe zu drucken etc. reicht die (kostengünstige oder sogar kostenlose) Anmeldung auf einer Plattform.

Es entstehen so Märkte, auf denen der potentielle Spender zwischen hunderttausenden von Trägern und unzähligen Hilfsprojekten wählen kann. Wie effektiv ist dieses Fundraising-System, bei dem die Spenden wie mit der Gießkanne auf tausende von Empfängern verteilt werden?

Die Fundraising-Plattformen bieten in der Regel keinen Mechanismus, um Spendenströme effektiv zu steuern. Man überlässt hier alles dem Spendenmarkt bzw. dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage. Eine Ausnahme bilden Fundable, ThePoint und GiveMeaning, die jeweils eine bestimmte Zahl von Unterstützern voraussetzen, bevor Spenden oder Kampagnen wirksam werden.

Um die Effektivität des Systems müssen sich folglich die Nonprofit-Organisationen selbst kümmern. Give and Take befasst sich mit Rosetta Thurmans These, dass Nonprofits kooperieren sollten, um ihre Kräfte zu bündeln. Nur die Kooperation zwischen Trägern ermögliche Ihnen, im Wettbewerb um Spendern, Kunden und Mitarbeitern zu bestehen. Und nur die Kooperation verhindere, dass mit Ressourcen (und damit auch Spenden) xfach dieselbe Infrastruktur parallel aufgebaut werde.

Was ist Thurmans Rat an engagierte Menschen, die selbst ein Hilfsprojekt starten wollen und einen Auftritt auf einer Fundraising-Plattform planen? “Even if you think your idea for social change is the best ever in the world, there is at least a handful of organizations already doing this work” (Thurman). Deshalb empfiehlt sie sozial Engagierten, nach einer Nonprofit-Organisation zu suchen, die das ausgewählte Thema schon bearbeitet, und sich hier um Partizipationsmöglichkeiten zu bemühen.

Auf jeden Fall macht es meines Erachtens keinen Sinn, das hunderttausendste Projekt zur Entwicklungshilfe oder ähnlichem zu starten und mit anderen winzigen Trägern auf Plattformen um ein paar Euro oder Dollar zu konkurrieren. Das beruhigt vielleicht das Gewissen der engagierten Akteure, aber ist nicht unbedingt effektiv. Die Spenden sind meiner Meinung nach bei größeren Trägern oder Trägerkooperationen mit entsprechender Expertise, Erfahrung und Verwaltung besser angelegt.

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NPO-Verwaltungskosten und die Erwartungen von Spendern

Nonprofit-Organisationen stehen im Wettbewerb um Spenden, ebenso die Fundraising-Plattformen im Netz. Da es dutzende von Plattformen gibt, würde man erwarten, dass das Angebot an Hilfsprojekten in der Regel die Nachfrage übersteigt. Dass es auch anders herum geht, ist an Kiva zu beobachten, der amerikanischen Plattform, die Mikrodarlehen an Kleinunternehmer in Entwicklungsländer vermittelt. Weltweit können Menschen über Kiva entsprechende Darlehen vergeben, ab 25 Dollar ist man dabei. Das Versprechen der Organisation lautet: 100% des Darlehens kommen beim Empfänger an, d.h. Kiva behält von dem Geld nichts für die eigene Organisation ein. Nun ist Kiva über die Fernsehberichterstattung so populär geworden, dass die Nachfrage nach Kiva-Projekten massiv wuchs und das Angebot an Projekten weit übersteigt. Wäre Kiva ein Supermarkt, würde man sagen, sie sind komplett ausverkauft. Was also tun?

Der Autor des Tactical Philanthropy-Blogs schlägt vor, das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage durch eine Preiserhöhung zu beseitigen. Wenn der einzelne von seinem Darlehen nur 90% zurück bekäme und der Rest des Geldes an Kiva ginge, könnte die Organisation damit neues Personal einstellen und neue Projekte suchen. Kiva hat sich jedoch für eine Art Rationierung entschieden: die Höhe der Darlehen, die man geben kann, soll 25 Dollar nicht mehr überschreiten, so dass mehrere Menschen die Möglichkeit haben, sich bei Kiva als Darlehengeber einzubringen. 10% der Darlehen für die eigene Organisation zu nutzen, lehnt Kiva ab, weil es ihrer Botschaft widerspräche, dass 100% des Geldes bei den Empfängern ankommt.

Die Diskussion wirft die Frage auf, was eine Nonprofit-Verwaltung kosten darf bzw. welcher Anteil von den Spendengeldern einbehalten werden kann, um die sozialen Programme zu managen. Die Frage ist hier in Deutschland auch durch die Vorgänge bei Unicef sehr aktuell. Man sieht am Beispiel von Kiva, dass ein Geschäftsmodell, das die eigene Verwaltung ausblendet, an Grenzen stösst und die Nachfrage nach Hilfsprojekten nicht bedienen kann, obwohl objektiv Hilfsbedarf besteht.

Weshalb blenden Spender aus, dass Hilfsprojekte auch effektiv verwaltet werden müssen und diese Verwaltung Geld kostet? Weshalb strebt jeder danach, dass seine Spende zu 100% bei den Empfängern ankommt und berücksichtigt nicht die Steuerungsqualität, die den Projekten zugrunde liegen muss (und die natürlich Geld kostet)?

Ein Kommentator des Tactical Philanthropy-Beitrags stellt die These auf, dass Spender sich selbst als Programm-Administratoren fühlen wollen und nicht die Nonprofit-Organisation in dieser Rolle sehen:“Kiva’s breakthrough (in attracting donor attention) is also, in my opinion, its Achilles’ heel in terms of effectiveness. Donors like it because by giving $25, they feel like a program administrator, making an identifiable impact in someone’s life. But frankly, a $25 donor really shouldn’t be a program administrator. “

Ich persönlich halte es für legitim, wenn ein gewisser Anteil der Spenden für Verwaltungsaufgaben eingesetzt wird. Für den Kunden bzw. den Spender einer NPO wäre es jedoch wünschenswert, wenn die Verwaltungskosten online vollkommen transparent gemacht würden. Insofern schließe ich mich der Hoffnung des obigen Kommentators an: „I’d like to see something Kiva-like where the donor sees the full cost of getting money/support into the hands of those who need it (appropriately screened, with the screening costs visible), along with context of WHY certain types of projects are likely to be effective.“

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