Kategorie-Archiv: Plattform

Plattformen mit sozialem Mehrwert

Hier eine kleine Sammlung von Links zu interessanten Plattformen im Sozialbereich:

Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft

Angesichts der Tatsache, dass viele Bürger keinen persönlichen Kontakt mehr zu Menschen am Rande der Gesellschaft haben, die obdachlos sind, arm, drogenabhängig, psychisch krank usw. will die Kampagnen-Seite der Caritas soziale-manieren.de soziale Grenzen überwinden und über das Leben "am Rand" informieren.

Die Seite will gleichzeitig die anwaltschaftlichen Aktivitäten des Caritasverbandes bekannter machen, da eine empirische Umfrage ergab, dass von rd. 2600 Befragten nur 18% an Wohlfahrtsverbände denken, wenn es um die Frage geht, wer Menschen in sozialer Not helfen soll. Auch die Menschen am Rand selbst wissen oft nichts von den Angeboten der Caritas. Die Kampagne ist deshalb auch ein Versuch, sich selbst als Anwalt der Menschen in Not stärker zu positionieren und dem Eindruck entgegenzutreten, die Angebote der Caritas seien "zu mittelschichtsorientiert", wie es in einem Artikel einer Caritas-eigenen Zeitschrift heißt.

Auf der Kampagnen-Seite wird der Alltag von betroffenen Menschen in Notlagen vorgestellt und per schriftlichem Portrait und Videos vermittelt. Das Herzstück der Kampagne ist das Weblog ‚Mitten am Rand‘ mit Kommentarfunktion und Newsfeeds, in dem unterschiedliche Autoren, die entweder selbst am Rand leben oder sich als Ehrenamtliche für Menschen in Not einsetzen, schreiben. Es finden sich hier – insbesondere von den Betroffenen selbst – sehr eindrückliche, authentische Texte.

Auch die Internet-Nutzer können auf der Seite Soziale Manieren ihre Vorschläge einbringen (leider nicht in einem Forum), wie ein besseres Miteinander in unserer Gesellschaft gelingen kann. Darüber hinaus stehen Daten und Infos, Handlungsvorschläge und Kampagnenmaterial zum Herunterladen zur Verfügung.

Insgesamt ein sehr gut gemachtes und – verglichen mit anderen NPO-Webseiten – modernes Webangebot der Caritas, das Web 2.0 nutzt.

Bundesportal "Engagiert in Deutschland"

Seit kurzem ist eine Arbeitsversion der Plattform engagiert-in-deutschland.de im Netz. Sie soll langfristig die gesamten Angebote im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland bündeln. Interessierte können dann in einer riesigen Datenbank nach Projekten suchen, die sie mit ihrer Arbeit, finanziell oder mit Sachspenden unterstützen wollen. Auch die Vernetzung der freiwilligen Helfer untereinander ist geplant.

Auf KoopTech , dem Blog von Christiane Schulzki-Haddouti, habe ich eine Bewertung der Plattform veröffentlicht.

Heimverzeichnis

Seit Februar 2009 gibt es das Heimverzeichnis.de , das von der gemeinnützigen Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung getragen wird. Das Heimverzeichnis ist eine Datenbank mit einer Qualitätsbewertung von Altenheimen aus Verbrauchersicht.

Bei den im Heimverzeichnis eingetragenen Heimen werden nicht nur die üblichen pflegerischen/baulichen/technischen Strukturdaten aufgelistet , sondern es werden insbesondere Informationen über die Lebensqualität in diesen Einrichtungen eingestellt. Zu diesem Zweck muss sich ein Heim von ehrenamtlichen Gutachtern prüfen lassen. Der Begriff der "Lebensqualität" umfasst dabei die folgenden Dimensionen: Autonomie/Teilhabe/Menschenwürde. Durch das Heimverzeichnis steht den Verbrauchern eine "Positivliste" von zertifizierten Heimen zur Verfügung, die sich um Verbraucherfreundlichkeit bemühen.

Blogpatenschaften/Offene Plattform

Für alle, die die Blogpaten noch nicht kennen: sie bieten mit ihrem Blog Blogpatenschaften.de und – gemeinsam mit H.Fährmann – der Offenen Plattform ein Forum für all jene, die kein eigenes Blog haben aber dennoch ein wichtiges Anliegen in die Öffentlichkeit tragen wollen.

Speziell auf der Offenen Plattform werden Selbsthilfegruppen und chronisch Kranke ermuntert, über ihre Problemlagen zuberichten. Der Leitgedanke dahinter ist, die Grenzen zwischen On- und Offlinern zu reduzieren und einen Einblick in den Alltag der Menschen zu vermitteln, die anders als der Mainstream leben (müssen). Vor dem HIntergrund der oben zitierten Caritas-Studie (die Mehrzahl der Menschen hat keinen Kontakt zu Randgruppen bzw. letztere sind vom Rest der Gesellschaft ‚abgeschnitten‘), ist das Engagement der Blogpaten sehr verdienstvoll.

Vor allem auch, weil das Blog-Team die Zielgruppen aktiv anspricht. Denn die wirkliche Herausforderung liegt für die Blogpaten nicht lediglich in der Publikation von Beiträgen, sondern in der Gewinnung der Offliner für Social Media und der Vernetzung von Initiativen und Engagierten untereinander. Mehr Infos zur Philosophie der Blogpaten bzw. von Ina Müller-Schmoß gibt es hier .

Bildungsspender

Getwittert und gebloggt wurde darüber schon: Nun auch hier die Information, dass es eine neue gemeinnützige Online-Fundraising-Plattform namens Bildungsspender gibt, die Spenden über Einkäufe in bekannten Online-Shops sammelt.

Bei jedem Online-Einkauf, der über die Spendenpalttform vermittelt wird, geht ein bestimmter Prozentsatz der Einkaufssumme als Provision an die Bildungsspender-Plattform, die die Summe vollständig an die angemeldeten gemeinnützigen Einrichtungen weiterreicht. Gedacht ist die Plattform für Spenden an Kitas, Schulen, Unis, Vereine und Kirchen.

Eine gute Idee ist dieser Bildungsspender, denn vielleicht kann und will nicht jeder spenden, – aber online einkaufen und dabei automatisch zu spenden, ohne dass man selbst höhere Kosten hat, das ist doch sehr attraktiv. Selbst eine Registrierung ist für den potentiellen Einkäufer auf dem Bildungsspender nicht notwendig, – ein Anreiz für Menschen, die ihre Daten nicht gerne weitergeben.

DieGesellschafter.de mit Podcast

Nur kurz erwähnen möchte ich, dass die seit langem etablierte Plattform dieGesellschafter.de , über die ich an anderer Stelle schon geschrieben habe, seit Dezember auch einen Podcast anbietet, der vierzehntätig erscheinen soll. Die Sendungen dauern in der Regel über eine Stunde und befassen sich mit Nonprofit-Organisationen oder engagierten Menschen, die ihre Visionen und Aktivitäten vorstellen. Nonprofits, die im Podcast schon vorgestellt wurden: u.a. BUND, Oxfam, Jugendrotkreuz. (Für den Nutzer wäre es allerdings noch einfacher, wenn der Podcasts schon auf der Startseite im Menü stünde).

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„Aktion Uwe“ – Entwicklungen im Online-Fundraising und wie Nonprofits darauf reagieren sollten

In der vierten Runde der Nonprofit-Blogparade fragt Christian Henner-Fehr vom Kulturmanagement-Blog nach Tipps und Tricks für das Online-Fundraising durch gemeinnützige Organisationen.

Bevor ich zu den Tipps und Tricks komme, möchte ich zuerst fragen, welche Formen des Online-Fundraisings es gibt, welche Entwicklungen zu erwarten sind und wie Nonprofits darauf reagieren sollten.

Zu den Formen des Online-Fundraisings:

Eine Hilforganisation kann auf ihrer Webseite um Online-Spenden bitten und/oder sich auf einer der Online-Fundraising Plattformen eintragen, von denen es zwischenzeitlich auch in Deutschland unzählige gibt (u.a. Helpedia, betterplace, Spendenportal, reset und viele mehr). Alternativ kann jeder Nutzer selbst zum Fundraiser werden, indem er seine Webseite und Social Media Tools wie Twitter oder Communities nutzt, um Spenden zu sammeln. Auch der Eintrag seines Projekts auf einer Online-Plattform, die private Sammelaktionen zulässt, ist möglich.

Wie Nutzer zu Micro-Fundraisern werden, zeigt gerade mein Blogger-Kollege Ole Seidenberg, der SocialBlogger . Am 25. Januar startete er eine private Sammelaktion über das Internet für einen Hamburger Obdachlosen namens Uwe. Seitdem hat er diverse Spendenaufrufe veröffentlicht, auch über Twitter, und den Verlauf der Spendenaktion und seine Treffen mit Uwe im Blog dokumentiert und mit Videos ergänzt, auf denen Uwe zu Wort kommt.

Diese Aktion, die im Netz auf große Resonanz stößt, zeigt auf, wohin sich das Online-Fundraising entwickelt: neben die Sammelaktionen von Hilfsorganisationen tritt zunehmend das Fundraising durch Nutzer, denen durch Social Media mächtige Instrumente zur Verfügung stehen, um ihre Aufrufe zu verbreiten, den Fortgang einer Aktion zu dokumentieren und in Kommunikation mit den Spendern zu treten. Die Chancen für Transparenz und Mitsprache der Community sind hier sehr hoch, – Chancen, die etablierte NPOs durch ihre Zurückhaltung gegenüber Social Media nicht ausreichend nutzen.

Was kennzeichnet das private person-to-person-Fundraising durch Nutzer im Internet? Eine konsequente Individualisierung und Personalisierung der Hilfe und die Unabhängigkeit von professioneller Unterstützung durch eine Hilfseinrichtung.

In Zukunft wird die Entwicklung noch fortschreiten und es wird Online-Plattformen geben, auf denen Menschen mit ihren Nöten an die Öffentlichkeit gehen und nach Unterstützern/Fundraisern suchen. Private Kredite kann man auf diese Weise schon erlangen, warum nicht auch Spenden? In Großbritannien wird gerade an einem Web-Angebot gearbeitet, das die Bedürfnisse von Bewohnern einer Gemeinde nach sozialen Dienstleistungen abfragt und diese Hilfegesuche auf Karten räumlich verortet. Zwar soll sich dieses Angebot an kommunale und gemeinnützige Dienstleister richten, aber grundsätzlich könnte man so auch privaten Fundraisern und Spendern Bedarfe aufzeigen.

Ob man diese Entwicklung hin zum person-to-person-Fundraising über Social Media gut oder schlecht findet, ist abhängig vom persönlichen Standpunkt des Betrachters. Bei Beth Kanter gibt es eine Diskussion zu diesem Thema mit interessanten Links. Man kann die folgenden Positionen unterscheiden:

Die Anhänger des etablierten, professionellen Hilfssystems werden darin einen Rückschritt hin zum vormodernen Almosenwesen sehen, das Not in individualisierter Form, losgelöst von Strukturen, wahrnimmt.

Die Anhänger des person-to-person-Fundraisings werden dagegenhalten, dass es den Hilfsorganisationen im Laufe der Jahrzehnte nicht gelungen ist, Not effektiv zu bekämpfen. Und sie sich mit ihrer Funktion als erfolgreich scheiternde Organisationen abgefunden haben. Grund genug für die Anhänger des individualisierten Micro-Fundraising, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und als engagierter Bürger spontan dort zu helfen, wo Not auftritt – ohne sich Unterstützung bei Nonprofits zu holen, deren bürokratisierte Abläufe ein Feedback hinauszögern würden.

Wie man die Entwicklung auch beurteilt – sie lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Mit dem Internet und Social Media sind die Instrumente vorhanden, die zum person-to-person-Fundraising eingesetzt werden können. Und immer mehr Menschen, speziell die junge – und bald tonangebende – Netzgeneration, werden diese Mittel auch nutzen. Nonprofits müssen sich auf diese private Konkurrenz einstellen und entsprechend reagieren. Welche Tipps kann man den professionellen Dienstleistern geben, um Terrain im Online-Fundraising zu gewinnen und zu halten ?

Tipp 1: Gegen den Vertrauensverlust ankämpfen, von dem institutionelle Hilfsanbieter betroffen sind. Die eigenen Leistungen und Kompetenzen müssen von NPOs besser kommuniziert und vermarktet werden. Professionelle Expertise in NPOs darf von Unterstützern von außen nicht als hierarchisches Element empfunden werden, sondern als kostbare Ressource, die Entscheidungen bereichert.

Tipp 2: Transparenz herstellen und nach außen vermitteln: Spender wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert und welche Fortschritte ein Projekt macht.

Tipp 3 : Spender bzw. Stakeholder allgemein stärker in einen Dialog einbinden. Online-Tools machen dies problemlos möglich. Das person-to-person-Fundrasing ist auch deshalb erfolgreich, weil man als Spender ganz unbürokratisch Fragen stellen kann und Antworten bekommt.

Tipp 4: Das storytelling verstärken. Spender wollen nicht nur Daten und Fakten, sondern auch Lebensgeschichten hören. Egal wie man zu dieser Entwicklung steht – diesem Trend zur Dramatisierung und Inszenierung wird man nicht entkommen können. Außer man wählt als NPO bewusst einen anderen Weg, kommuniziert diesen dann aber auch offensiv nach außen hin.

Tipp 5: Internet-Nutzer zu Unterstützern und Multiplikatoren der NPO-Projekte machen. Die Bereitschaft zum Spenden ist da. Wer bei privaten Spendenaktionen gibt, lässt sich auch für institutionalisierte Projekte gewinnen, wenn diese entsprechend transparent sind. Es kommt darauf an, diese Bereitschaft der Menschen, in unterschiedlichen Zusammenhängen zu spenden, zu nutzen. Wer Unterstützer stärker integriert und in interne Abläufe einbindet ("Koproduktion sozialer Dienstleistungen "), wird auch als Fundraiser erfolgreich sein.

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Impressionen vom BarCamp Stuttgart

Zwei Tage lang traf sich die Web 2.0-Szene in Stuttgart. Ich konnte nur heute das BarCamp besuchen und habe einige Anregungen mit nach Hause mitgenommen. Da war zum einen die Session von Oliver Gassner und Robert Basic , in der wir u.a. darüber diskutierten, ob und in welcher Form die deutsche Blogosphäre eine Plattform braucht, die den inhaltlichen Reichtum und die Bandbreite von Blogs aufzeigen kann. Die Diskussion war kontrovers: während die einen eine solch zentrale Institution für überflüssig halten, bin ich der Ansicht, dass die Idee was hat. Eine entsprechende Plattform könnte Außenstehenden den Einstieg in die Blogosphäre erleichtern und das Medium ‚Blog‘ noch stärker als (politische) Institution etablieren.

Johannes Kleske hielt eine Session über die POST-Strategie von Forrester Research, die Organisationen bei der Auswahl von Web2.0-Tools hilft. POST ist mir bekannt, ich habe vor einiger Zeit hier einen Beitrag darüber geschrieben. Bei POST geht es darum, dass Organisationen einige Fragen klären, bevor sie konkrete Tools auswählen:

1. Inwieweit sind unsere Zielgruppen (People) schon im Netz aktiv? Sind sie überhaupt nicht im Internet vertreten? Gehören sie zu den Zuschauern? Oder zu den Nutzern, die in Communities mitmachen? Sind sie als Sammler unterwegs, die bookmarken? Schreiben sie Kommentare? Oder produzieren sie selbst Inhalte?

2. Welche Ziele (Objectives) möchten wir mit Hilfe von web 2.0 erreichen?

3. Welche Mittel bzw. mögliche Umsetzungsstrategien (Strategy) stehen uns zur Verfügung? Hier ist eine Beschäftigung mit den Vor- und Nachteilen der einzelnen Web 2.0-Instrumente notwendig

4. Erst zum Schluß erfolgt eine Auswahl der Tools (Technology)

Wichtig: die Technik wird zum Schluß ausgewählt und nicht am Anfang, wie viele Organisationen das machen. Laut Kleske wird jede Organisation scheitern, die sich zuwenig mit den neuen Medien auseinander gesetzt hat. Als Beispiel nannte er die Werbekampagne für den Chevy tahoe, die von vielen im Netz persifliert wurde. Das Problem ist, dass solche Fehlleistungen eines Unternehmens noch ‚ewig‘ im Netz zu sehen sind. Deshalb die Empfehlung an alle interessierten Organisationen: erst die Regeln des Mitmach-Webs studieren und sich über die eigene Situation Gedanken machen und danach die Web2.0-Instrumente auswählen.

Die letzte Session, die ich besuchte, befasste sich mit Twitter, wo ich unter dem Namen npo_vernetzt vertreten bin. Es ging um die Frage, welchen Nutzen man aus Twitter ziehen kann und welche Perspektiven Twitter (gemeinnützigen) Organisationen eröffnet. Dazu aber ein anderes Mal mehr.

Insgesamt empfand ich das BarCamp als sehr gelungen. Darüber hinaus habe ich mich mit vielen netten Leuten unterhalten, die ich bisher nur aus ihren Blogs oder über Twitter kannte.

Nachtrag: wer sich näher mit der POST-Strategie befassen will, findet den Ansatz in dem folgenden Buch: Charlene Li und Josh Bernoff: Groundswell. Winning in a World Transformed by Social Technologies (2008).

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