Vereine stärken – ein Leitfaden für die Praxis

Vereine bilden die institutionelle Basis der Zivilgesellschaft, aus diesem Grund sollte der Zustand der Vereine in jeder Kommune ein wichtiges Thema bilden. Zwar gibt es auch neue Formen des zivilgesellschaftlichen Engagements – Netzwerke,  Initiativen, Bewegungen, digitale Plattformen usw. Aber diese Formen des Engagements sind aufgrund ihres informellen Charakters schwerer zu greifen. Sie sind „unter dem Radar“ der Nonprofit-Forschung und öffentlichen Förderung aktiv.

Für Vereine und damit für den formalisierten zivilgesellschaftlichen Bereich hat das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) eine Ressource ausgearbeitet, die sich besonders auch an die Kommunen richtet. Diesem Papier („Vereine in der Kommune. Chancen und Herausforderungen“) wünsche ich eine große Verbreitung. Es enthält viele wichtige Anregungen, wie Vereine unterstützt und weiterentwickelt werden können und ist sehr praxisnah verfasst.

Das BBE-Papier basiert auf der Überzeugung, dass Vereine ein „nicht wegzudenkender Faktor in der lokalen Engagementkultur“ sind (S. 3) und dass sie bestimmte Bedingungen brauchen, um zur örtlichen Partizipationskultur beitragen zu können. Viele Vereine stehen vor großen Problemen: der Nachwuchs fehlt, Ämter können nicht besetzt werden, der Verein überaltert. Hier sind die Vereine selbst gefragt, interne Prozesse und ihre Öffentlichkeitsarbeit zu verändern und sich lokal stärker mit anderen Organisationen zu vernetzen, um die eigene Effizienz und Effektivität zu steigern.

Gleichzeitig sind aber auch die Kommunen wichtige Unterstützer der örtlichen Vereinslandschaft, nicht nur wenn es um deren finanzielle Förderung geht. Auch methodisch und inhaltlich können örtliche Freiwilligenagenturen und ähnliche Einrichtungen die Vereine auf ihrem Weg begleiten. Diese Unterstützung sollte nicht als untergeordnetes Thema, sondern als Führungsaufgabe der kommunalen Spitze begriffen werden, wie es im BBE-Papier heißt, denn die Vitalität der örtlichen Zivilgesellschaft und das Ausmaß des Bürgerengagements ist eng mit der Vitalität und Leistungsfähigkeit von Vereinen verwoben.

Das BBE -Papier sieht in den folgenden fünf Bereichen Handlungsbedarf auf Seiten der Vereine:

  • Vereinsprobleme benennen und öffentlich machen, d.h. Probleme bei der Ämterbesetzung nicht verschweigen, sondern in das Gemeinwesen hineintragen, Unterstützung erbitten, um Mitglieder werben, auch über das Internet (eine digitale Präsenz ist bei vielen kleinen Vereinen und solchen mit älterer Mitgliedschaft nicht gegeben)
  • Nachwuchs gewinnen indem man auf die Bedürfnisse potentieller Freiwilliger eingeht, u.a. mit flexiblen Engagementmöglichkeiten und Engagement-Begleitern
  • Vorstandsaufgaben entlastend organisieren und attraktiv gestalten, indem man sie in Einzelaufgaben zerlegt, die Teamarbeit fördert und stärker auf Tandemlösungen setzt (Jung und Alt gemeinsam)
  • Ein gutes Miteinander aufbauen durch eine gute Kommunikationskultur und Beratungsangebote im Falle von internen Konflikten vorhalten.
  • Effizienz und Effektivität des Vereins stärken durch Vernetzung mit anderen Vereinen und Organisationen, um voneinander zu lernen und bestimmte Vereinsaufgaben (wie z.B. die IT-Betreuung) personell zusammenzulegen.  (Siehe hier auch die Chancen für Vereine durch Tauschnetzwerke unter Gemeinnützigen)

Die Kommunen sollten

  • die Bedeutung der Vereine für die örtliche Zivilgesellschaft herausstellen und das eigene Personal dafür sensibilisieren. Informationsportale der Kommune sollten zur Selbstdarstellung der Vereine geöffnet werden
  • Beratungs- und Vernetzungshilfen für Vereine bereitstellen und diese auch öffentlich kommunizieren
  • mit Vereinen partnerschaftlich zusammenarbeiten und sie in örtliche Beteiligungsprozesse einbeziehen

Die Länder können die örtlichen Aktivitäten durch Serviceeinrichtungen und Expertenpools und Plattformen für den Wissenstransfer fördern.

Viele Kommunen unterstützen schon die Weiterentwicklung der kommunalen Vereinslandschaft, in vielen Orten wird das Thema aber verdrängt oder ausgesessen. Obwohl gerade der demografische Wandel den Aufbau und die Pflege lokaler Netzwerke und des lokalen Engagements nahelegt. Neben den Vereinen sollten auch die oben erwähnten gering formalisierten bürgerschaftlichen Netzwerke eine Chance auf inhaltliche Unterstützung und finanzielle Förderung bekommen. Sie stehen derzeit noch nicht im Fokus der lokalen Engagementförderung.

Mehr Hilfen für Vereine, denen Ehrenamtliche fehlen, um Ämter besetzen zu können, bietet auch das Programm „Besetzung und Qualifizierung ehrenamtlicher Vereinsvorstände“ der Robert-Bosch-Stiftung.  Vereine aus drei Bundesländern können hier mitmachen und sich um eine Aufnahme in das Programm bewerben.

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