Vernetzung als Chance für gemeinnützige Organisationen

In Zeiten von Wirtschaftskrise und kommunaler Sparhaushalte sorgen sich gemeinnützige Organisationen um ihre Budgets. In der Regel wird ein linearer Zusammenhang zwischen den zur Verfügung stehenden Ressourcen und der Größe und Vitalität des Nonprofit-Sektors gezogen. Die Netzwerkforschung zeigt jedoch, dass es nicht so sehr auf den Ressourcenbestand ankommt, über den der Nonprofit-Sektor verfügt, sondern darauf, ob Ressourcen zwischen Organisationen ausgetauscht werden (Paarlberg/Varda 2009). Durch den Ressourcenaustausch erweitern Nonprofits ihre Handlungsoptionen, weil sie auf einen größeren Pool an Ressourcen zugreifen können, als wenn sie ausschliesslich über ihre eigenen Mittel und Möglichkeiten verfügen können.

Existieren in den Gemeinden Netzwerke zwischen gemeinnützigen Einrichtungen, örtlichen Institutionen und Bürgern, in denen Informationen und Wissen ausgetauscht, Kompetenzen und Ressourcen gebündelt und gemeinsame Projekte initiiert und umgesetzt werden?

Wie wichtig der Ressourcenaustausch zwischen Organisationen ist, zeigen Paarlberg/Varda zufolge auch die Beispiele der High-Tech-Gründerzentren Silicon Valley und Route 128: beide verfügten anfangs über eine ähnliche Ressourcenausstattung. Aber während das Silicon Valley aufgrund des hier existierenden Ressourcenaustausches zwischen Organisationen schnell prosperierte, hinkte das Projekt Route 128 in Boston hinterher. Die dort herrschende ‚Geheimhaltungskultur‘ und die Selbstbezogenheit der Organisationen verhinderten einen regen wechselseitigen Austausch.

Wo Menschen der Zugang zu sozialen Diensten fehlt oder dieser Zugang erschwert ist, muss es sich laut Paarlberg/Varda nicht unbedingt um eine arme Gebietskörperschaft handeln. Der Mangel kann auch daran liegen, dass in der Kommune die gemeinnützigen Anbieter untereinander zu wenig im Austausch stehen bzw. sie ihre wechselseitigen Beziehungen nur mangelhaft steuern.

Wenn speziell der Austausch von Ressourcen einen Mehrwert schafft, dann rücken Beziehungen zwischen Tauschpartnern in den Vordergrund. Es geht dann darum, kommunale Netzwerke aufzubauen, die durch Wechselseitigkeit, Stabilität und Vertrauen gekennzeichnet sind. Aber viele Verantwortliche im Nonprofit-Sektor betrachten ihre Organisation als Solitär und investieren zu wenig in den Netzwerkaufbau (über ihr eigenes Milieu hinaus), weil sie noch daran glauben, den Weg alleine gehen zu können. Dass durch mangelhafte Kooperation langfristig nicht nur ihre Organisation Schaden nimmt, sondern der gesamte Dritte Sektor einer Stadt und das Gemeinwesen als Ganzes, ficht sie nicht an. Zu groß sind ihre Bedenken, wenn es um eine Öffnung nach außen geht, zu wenig wird von einer Kooperation erwartet. Letzteres kommt zum Teil daher, dass manche Kooperations- und Vernetzungsprojekte nicht wirklich soziales Kapital schaffen. Denn dieses entsteht nicht automatisch durch gemeinsame Sitzungen, sondern nur, wenn man Ressourcen aktiv untereinander teilt.

Netzwerke für den Ressourcenaustausch sind lebensnotwendig für gemeinnützige Träger, wenn sie wachsen, gedeihen und effektiv sein wollen. Netzwerke bilden das soziale Kapital von Nonprofit-Organisationen, weil sie über Netzwerke Ressourcen akquirieren können.

Die Netzwerk-Perspektive bildet laut Michael C. Gilbert vom Nonprofit Online News – Blog den neuen „frame of reference“ für gemeinnützige Organisationen. Nimmt man die Welt aus der Netzwerk-Perspektive wahr, dann sieht man auch Spender oder freiwillige Helfer nicht als isolierte Wesen, die mit einer Nonprofit-Einrichtung Verbindung aufnehmen. Sondern man sieht sie ebenfalls als Teil von Netzwerken. Was bedeutet, dass man als Nonprofit-Organisation Spender und Freiwillige nicht nur über Einzelwerbung und -ansprache erreichen kann, sondern auch über die eigene Vernetzung mit anderen Institutionen.

Das Internet ist eine große Hilfe, wenn Vernetzung angestrebt wird. Man kann sich hier nicht nur mit anderen direkt verbinden, sondern – wie im Fall von Xing oder Twitter – auch (indirekt) auf die Netzwerke anderer zugreifen. Allerdings bringt die Vernetzung allein noch keinen Mehrwert. Soziales Kapital entsteht erst – wie oben erwähnt – durch den Austausch und das Teilen von Ressourcen.

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6 Gedanken zu „Vernetzung als Chance für gemeinnützige Organisationen

  1. Sehr interessant! Ein Hinweis: Bis morgen kann man sich bei Sage alle online publikationen kostenlos herunter laden, also auch den Artikel von Paarlberg/Varda 2009,

    Grüße aus Hamburg

  2. Sehr interessanter Artikel.

    Würde diese Gedanken gerne mit Ihnen zusammen weiter spinnen –
    M.E. müsste es neben einer Vernetzung innerhalb der jeweiligen Organisationen auch eine zwischen den Organisationen und mit den „Bürgern“ geben. Ein übergreifendes Netzwerk in Form einer SocialNetwork-Plattform mit „closed-areas“ beispielsweise. Die dazu erforderlichen Tools und Features zusammen zu stellen, wäre eine Aufgabe. Eine weitere wäre das Finden eines „Betreibers“ für eine solches Netzwerk. Wer käme infrage? Wer hätte einen entsprechenden Nutzwert für die notwendige Manpower und die aufzubringenden Kosten.

    Wir – als Software- und CommunityManagement-Partner – würden einen Beitrag dazu leisten. Möglicherweise ließe sich auch öffentliche Förderung für neuartige Kommunikations-Inhalte und -Mittel aktivieren.

    Wie sehen Sie das als NPO-Kenner diesen Gedanken-Ansatz?

    Beste Grüße
    Hans Bayartz

  3. Online-Netzwerke auf kommunaler Ebene, welche gemeinnützige Organisationen, die Lokalverwaltung, Wirtschaft und Bürger miteinander verbinden, wären sehr sinnvoll. Aber solche Projekte sind nur nachhaltig, wenn sie von den Betroffenen vor Ort initiiert werden. Ohne deren Engagement und Mithilfe geht nichts. Besonders die Kooperation des Nonprofit-Sektors ist notwendig. Gebraucht werden auch lokale ‚Champions‘ (Linden 2002) aus dem öffentlichen oder privaten Bereich, die entsprechende Netzwerke vorantreiben und weiter ausbauen.

    Das Modellprojekt ‚Engagierte Kommunen‘ (http://www.engagierte-kommunen.de/) böte mit all den Beteiligten gute Voraussetzungen, um solche Online-Netzwerke auf kommunaler Ebene zu entwickeln. Aber das Problem ist: es handelt sich 1. um ein top-down-Projekt und 2. wird in diesem Projekt (noch) zu sehr in den Kategorien individuelles Bürgerengagement/ Freiwilligendatenbank gedacht und zu wenig in Vernetzungskategorien.

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