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Freiwilliges Engagement attraktiver machen – Auswertung der 26. NPO-Blogparade

Anlässlich der Woche des bürgerschaftlichen Engagements, die alljährlich vom BBE organisiert wird, luden Hannes Jähnert und ich zu einer neuen Runde der NPO-Blogparade ein, bei der wir die Frage zur Diskussion stellten „Freiwilliges Engagement attraktiver machen – aber wie?!“

Hannes‘ Hoffnung, die Wochen des bürgerschaftlichen Engagements ins Netz zu holen, konnten wir mit der Blogparade nicht einlösen. Trotz Verlängerung blieben Beiträge aus den Kreisen des BBE und der Landesfreiwilligenagentur Berlin aus, so dass der sich entwickelnde Diskurs nicht über den Kreis der Blogosphäre hinausging. Dafür aber kamen aus unserem Blogger(innen)-Netzwerk einige sehr gute Beiträge. Beiträge, die ein Schlaglicht auf die vielen konstruktiven Ideen zum Thema werfen.

Wie kann man freiwilliges Engagement attraktiver machen?

Durch „Liquid Engagement“, – das war der Vorschlag von Stefan Zollondz. Unter Liquid Engagement versteht er „eine flexible Form der Beteiligung innerhalb der Bürgergesellschaft. Die Person, die sich liquid engagiert bringt ihr spezifisches Wissen selbstbestimmt an Stellen ein, wo sie einen hedonistisch geprägten Handlungsbedarf sieht. Dabei kommt es im besten Fall zu einer temporären Identifikation mit dem Empfänger des Engagements.“ Für Organisationen ist es folglich wichtig, ganz unterschiedliche Andock-Möglichkeiten für das sie ‚umfliessende‘ Bürgerengagement zu schaffen. Wie dies praktisch funktionieren kann, lässt sich bei Campact-Kampagnen beobachten, die Bürger in dezentralisierte, selbstorganisierte Events einbinden, – Carsten Direske beschreibt solche „decentralised events“ im Campact-Blog.

Für Hannes Jähnert ist es wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger ihre individuellen Kompetenzen im Rahmen eines Freiwilligenengagements weiterentwickeln können. Dabei sollten die Herausforderungen im Zeitverlauf immer anspruchsvoller werden, damit keine Langeweile aufkommt. Lisa Schürmann wies in ihrem Kommentar zu Hannes‘ Beitrag daraufhin, wie wichtig es für Nonprofits sein muss, auch „ungewollte“ Kompetenzen einbinden zu können, – das weiterzuentwickelnde Kompetenzthema also aus Bürgersicht und nicht nur aus der Perspektive der Organisation zu betrachten.

Engagement muss kritisch, attraktiv und/oder einfach umzusetzen sein, schreibt Julia Russau in ihrem Beitrag – es muss sich also für oder gegen etwas richten, das man „unbedingt verändern möchte“, dabei die „bessere“ Alternative zu konkurrierenden Freizeitangeboten und außerdem möglichst einfach zu realisieren sein: „Wer Freiwillige gewinnen will, darf nicht darauf warten, dass die Freiwilligen von sich aus kommen. Im Gegenteil: Organisationen müssen Freiwillige gezielt ansprechen und Angebote so platzieren, dass sie für die Freiwilligen unübersehbar und mit einem möglichst geringen Aufwand verbunden sind“.

Tauschnetzwerke im Freiwilligenengagement könnten die Attraktivität des Ehrenamts steigern, – diese Idee brachten Martin Horstmann und Brigitte Reiser gemeinsam ein. Mit dem eignen Engagement credits erarbeiten, die einem anderen wiederum über freiwilliges Engagement zugute kommen können – solche Tauschringe müssten überörtlich und trägerbezogen gebildet werden. Die Etablierung entsprechender Tauschringe („weg vom Raum, hin zum Träger“) wäre Aufgabe des Freiwilligenmanagements in Organisationen.

Katarina Peranic von openTransfer.de ist überzeugt davon, dass die Präsenz des Themas Freiwilligenengagements „in den Medien, analog und digital, eine viel größere Rolle spielen müsste, um Engagement attraktiver zu machen, mentale Hürden abzubauen und Einstiege zu erleichtern.“ Ihr zufolge müssten gemeinnützige Organisationen ihre Budgets für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising stärker bündeln und einen Pool an guten Redner/innen zum Thema aufbauen, damit das Thema stärker in den Fokus rückt. Aber auch der einzelne Engagierte sollte häufiger soziale Medien nutzen, um über sein Engagement zu berichten und seine Begeisterung in die Öffentlichkeit zu transportieren.

Das Thema ‚Geld‘ schneidet auch Stefan Nährlich in seinem Kommentar an. Er geht davon aus, dass mehr Mittel – aber nicht von staatlicher Seite – die Unabhängigkeit von Nonprofits steigern können. Er verweist auf das Modell der „Percentage Philanthropy oder 1%-Philanthropie. Steuerzahler können 1-2 Prozent ihrer Einkommensteuer nicht an den Staat, sondern an eine gemeinnützige Organisation ihrer Wahl durch das Finanzamt überweisen lassen. Kein Weg der alle Probleme löst, aber die Finanzierungsbasis vergrößert“ – und Organisationen mehr Spielraum gibt, um Engagement attraktiver zu machen.

Engagement braucht Pluralität – das ist ein erstes Fazit, das Brigitte Reiser aus den eingegangenen Beiträgen zieht. So vielfältig, wie die Motive und Wünsche der Freiwilligen sind, so vielfältig sollten auch die organisationalen Kontexte sein, in denen freiwilliges Engagement stattfindet. Zumeist dominiert aber in Nonprofits bezogen auf das Bürgerengagement das Dienstleistungs- und Arbeitsplatzmodell. Diese Form des Engagements („Engagement als Beschäftigung“) kann laut Hannes Jähnert unserer Gesellschaft nicht das Sozialkapital und den Mehrwert verschaffen, den sie sich erhofft. Es kommt ihm zufolge „auf das Wie des freiwilligen Engagements an!“: statt nur Dienstleistungen zu erbringen ist Mitwirkung angesagt. Dies könnte laut Hannes auch das Band zwischen Organisation und Basis verstärken. Brigitte Reiser bringt hierfür alternative Modelle für das Freiwilligenmanagement ins Spiel: mit dem Co-Working- und Aktivismus-Modell könnte der Paradigmenwechsel von der helfenden Hand zur mitgestaltenden Kraft befördert werden.

Freiwilliges Engagement attraktiver machen – als Erkenntnis aus der NPO-Blogparade können wir mitnehmen, dass eine gemeinnützige Organisation, aber auch die lokalen Freiwilligenagenturen, an vielen Stellschrauben und Angeboten arbeiten müssen, wenn sie mehr Bürger/innen für ein Engagement gewinnen möchten. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich und schade, dass das Freiwilligenmanagement in unserem Land diese Pluralität der Zugänge nicht bietet, sondern allein vom Arbeitsplatz- bzw. workplace-Paradigma dominiert wird, d.h. von der Vorstellung des „Engagements als Beschäftigung“.

Kein anderer Ansatz konnte sich bisher in der Praxis durchsetzen. Das workplace-Paradigma wird Tag für Tag in zahllosen Einrichtungen und Kommunen im Freiwilligenmanagement umgesetzt und wir fragen uns, ob überhaupt im Moment konkurrierende Ansätze, die mehr Pluralität bieten, entwickelt werden? Welche Forschungsinstitute und welche Organisationen arbeiten an mehr Vielfalt im Freiwilligenengagement und -management? Dieses Thema, das im Fokus von Nonprofits stehen sollte, um Engagement attraktiver zu machen, steht offensichtlich eher am Rand.

Vielleicht kann die Skizzierung eines neuen Freiwilligenmanagements das Thema einer der nächsten NPO-Blogparaden sein…. Vorerst danken wir aber allen herzlich, die an dieser Blogparade mitgewirkt und ihr Wissen beigesteuert haben. Wir wollen versuchen, die Ergebnisse dieser Blogparade noch in einen Aufsatz zu packen, – Mitwirkende aus dieser Runde sind herzlich willkommen.

Der Twichat zur Blogparade (#npochat) findet am Dienstag, 15. Oktober, von 11-12 Uhr statt. Bis dahin gibt es vielleicht noch neue Antworten auf die Frage, wie freiwilliges Engagement attraktiver gemacht werden kann. Gerne hier in den Kommentaren, oder drüben im Blog von Hannes Jähnert, der den gemeinsamen Auswertungsartikel ebenfalls posten wird.

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Engagement braucht Pluralität

Wie kann man freiwilliges Engagement attraktiver machen? , – diese Frage steht zur Diskussion in der 26. Runde der NPO-Blogparade.

Im Sozialbereich bieten Organisationen interessierten Freiwilligen häufig nur einen Kontext an, in dem freiwilliges Engagement stattfinden kann: nämlich das Dienstleistungs- oder Arbeitsplatzmodell. Hier sind die Aufgaben der Freiwilligen ganz klar festgelegt, ebenso wie die Rollenverteilung zwischen Bürger und Fachkraft: der Laie erledigt seine Aufgaben, über die Inhalte und Strukturen entscheiden Fachkräfte und die Einrichtungsleitung.

Es wäre wichtig, zusätzliche Kontexte in den Organisationen zu schaffen, in denen freiwilliges Engagement erbracht werden kann. Denn Engagement braucht Pluralität.

Die Motive der Bürger, die sich einbringen wollen, sind vielfältig: Spaß an der freiwilligen Tätigkeit, Freude am Helfen, selbstbestimmtes Handeln, soziale Einbindung, Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen – das sind wichtige Motive für Freiwillige, wie Hannes Jähnert und Julia Russau in ihren Beiträgen detailliert darlegen. Entsprechend vielfältig wie die Beweggründe der Freiwilligen sollten auch die Organisationsangebote sein, nicht nur in inhaltlicher Hinsicht, sondern auch bezogen auf die Strukturen, in denen Engagement erbracht wird. Denn es gilt eben nicht: „Volunteering is volunteering is volunteering“ (Rochester 1999). Aus diesem Grund entwirft Rochester unterschiedliche Modelle für unterschiedliche Organisationskontexte, in denen Engagement stattfindet. Neben dem Dienstleistungs- bzw. Arbeitsplatzmodell gibt es z.B. noch das „Co-Working-Modell“ und das „Aktivismus-Modell“.

Im Co-Working-Modell sind die Rollen des Freiwilligen und der Profession nicht klar voneinander abgegrenzt. Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Freiwilligen werden zwischen ihm/ihr und der Organisation ständig aus- und neuverhandelt. Dieses Modell setzt auf Teilhabe statt auf Hierarchie. Es ist attraktiv für Freiwillige, die sich mit einer Organisation (und nicht nur mit einer Tätigkeit in einer Organisation) stark identifizieren.

Das Aktivismus-Modell setzt ebenfalls nicht auf vorher detailliert festgelegte Tätigkeiten für Freiwillige, sondern es lädt diese ein, sich Gedanken über mögliche Beiträge für die Organisation zu machen und bietet gleichzeitig Andock-Möglichkeiten zum Mitmachen. Im Campact-Blog schildert Carsten Direske, wie sich Tausende zu selbstorganisierten Grill- und Diskussionstreffen zusammengefunden haben als Teil einer Kampagne gegen Massentierhaltung.

Der Sozialbereich kann von Kampagnen-Profis wie Campact noch einiges lernen, – insbesondere wie man Bürger in dezentrale, selbstorganisierte Events einbindet als Teil einer Kampagne. Im traditionellen Sozialbereich ist das „Aktivismus-Modell“ für Freiwillige nicht weit verbreitet, mit dem Ergebnis, dass Demos und andere Protestaktionen meist örtlich begrenzt bleiben.

Die Option auf mehr Teilhabe ist für Freiwillige im klassischen Wohlfahrtsbereich, die sich auf kein Ehrenamt einlassen wollen, häufig nicht gegeben. Oft regiert hier noch die „Kultur der Verantwortung“ statt die „Kultur der Teilhabe“. Dennoch sollten Nonprofits im Sozialbereich ihr Angebot für Freiwillige ausdehnen und zusätzlich zum Standard-Modell (dem „Dienstleistungs- und Arbeitsplatz-Modell“) noch andere organisationale Kontexte für Engagement schaffen, gerade auch für temporäres Engagement (siehe den Beitrag von Stefan Zollondz über „Liquid Engagement“). „One size does not fit all“ (Rochester 1999) – Pluralität im und für das Engagement ist notwendig.

Vor diesem Hintergrund ist auch zu fragen, welchen Beitrag die lokalen Freiwilligenagenturen leisten, um die Kontexte für Engagement pluralistischer zu gestalten. Wird nicht häufig das „Arbeitsplatzmodell“, das gemeinnützige Organisationen Freiwilligen anbieten, unkritisch übernommen und weiterverbreitet? Anders gefragt: inwieweit wird freiwilliges Engagement aus Sicht der Bürger behandelt und mit Blick auf Teilhabe und Mitgestaltungsmöglichkeiten? Die Angebote in den Freiwilligendatenbanken gleichen jedenfalls fertigen „Engagement-Produkten“, die Nonprofits auf den lokalen Markt werfen.

Solange die Rolle der örtlichen Freiwilligenagenturen in dieser Hinsicht nicht geklärt ist, kann ich die Forderung, die im Politikfeld „Bürgerengagement“ überall erhoben wird (so auch in diesem Text von Ansgar Klein u.a., 2013), nämlich die „Engagement fördernden Infrastruktureinrichtungen“ auf örtlicher Ebene auszubauen (s. Klein u.a. S. 10f), nicht uneingeschränkt teilen. Falls diese das Weltbild wohlfahrtsverbandlicher Sozialeinrichtungen einfach nur reproduzieren, leisten sie keinen Beitrag zur Bürgeremanzipation und zur Diversifizierung organisationaler Kontexte des Bürgerengagements.

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Soziale Dienste im europäischen Binnenmarkt

Das europäische Wettbewerbsrecht unterscheidet nicht zwischen gemeinnützigen und privat-gewerblichen Anbietern. Es behandelt alle Akteure, die wirtschaftlich aktiv sind, gleich – unabhängig von ihrer sozialen Motivation oder Rechtsform. Auch soziale Dienste sind deshalb wie alle wirtschaftlichen Akteure einem Subventionsverbot unterworfen. Dieses erlaubt allerdings Ausnahmen. Dienstleistungen können dem Wettbewerb und dem Subventionsverbot entzogen werden, wenn sie „im Interesse der Allgemeinheit erbracht werden und daher mit spezifischen Gemeinwohlverpflichtungen verknüpft sind“ (Golbeck 2012, 206).

Gemeinnützige Organisationen und staatliche Institutionen, die diese Ausnahmeregelungen nutzen wollen, müssen den gesellschaftlichen Mehrwert gemeinnütziger Dienste im Vergleich zu gewerblichen Diensten genau begründen und dokumentieren. So soll mehr Transparenz im Hinblick auf die Vergabe öffentlicher Subventionen geschaffen werden.

Die Ausnahmeregelungen nach Art. 106 II AEUV bilden Golbeck (2012) zufolge das zentrale Handlungsfeld für das Lobbying gemeinnütziger Dienste auf europäischer Ebene. Der Wert der Ausnahmeregelungen liegt dem Autor zufolge nicht so sehr darin, die Privilegien sozialer Dienste zu schützen, als in der Chance „den spezifischen Mehrwert einer gemeinwohlorientierten Dienstleistungserstellung hervozuheben“ (Golbeck 2012, 224) und für die Weiterentwicklung der sozialpolitischen Diskussion auf europäischer Ebene nutzbar zu machen.

Wir effektiv nehmen soziale Dienste die Einflussmöglichkeiten in Brüssel wahr? Golbeck hat dafür Expertengespräche mit Vertretern von deutschen und englischen sozialen Diensten, Kommunalvertretern und der europäischen Kommission geführt. Seine Untersuchung ergibt, dass viele Nonprofits die Partizipations- und Gestaltungsmöglichkeiten auf europäischer Ebene aufgrund mangelnder Ressourcen für das Lobbying nicht wahrnehmen können (Golbeck 2012, 141). Wo es von gemeinnütziger Seite doch eine entsprechende Interessenvertretung in Brüssel gibt, kommen die Informationen, die hier gesammelt werden, nicht auf der lokalen Ebene an. Das heißt, es fehlt an Vermittlungsinstanzen innerhalb gemeinnütziger Organisationen, die das Wissen aus dem europäischen Politikbetrieb effektiv von oben nach unten weitergeben (ebd., 138f).

Englische soziale Dienste sind in Brüssel noch weniger präsent als ihre deutschen Kollegen (ebd., 161). Andererseits verknüpfen sie mit der Diskussion um die Besonderheiten sozialer Dienstleistungen im Binnenmarkt mehr Gestaltungsmöglichkeiten für gemeinnützige Akteure als die deutschen Nonprofits. Englische NPOs wollen über die Brüsseler Debatten die eigene Regierung beeinflussen (ebd., 165) und sich so einen Zugewinn an Politikformulierungskompetenzen erarbeiten, die ihnen auf nationaler Ebene (im Unterschied zu ihren deutschen Partnern) ansonsten fehlen (ebd., 41).

Eine aktive Interessenvertretung sozialer Dienste auf europäischer Ebene scheitert häufig auch an den unterschiedlichen Denkweisen der beteiligten Akteure: die verrechtlichte und ökonomische Haltung der Kommission trifft auf gemeinnützige Akteure, die eine Vermarktlichung sozialer Dienstleistungen ablehnen. Golbeck empfiehlt jedoch Nonprofits, sich auf den ökonomischen Diskurs einzulassen, um Gestaltungsmöglichkeiten nicht zu verlieren und um präsent zu bleiben, wenn es um die Diskussion der sozialpolitischen Weiterentwicklung der EU geht (ebd., 194f).

Für mich macht die Studie deutlich, dass es für Nonprofits auf allen politischen Ebenen – EU, nationaler und lokaler Ebene – immer weniger möglich ist, sich allein auf ihren Gemeinnützigkeitsstatus zu berufen. Welche Leistungen dem Gemeinwohl dienen, muss immer wieder neu aufgezeigt und mit den politischen Akteuren verhandelt werden. Und der gemeinnützige Sektor muss seinen Mehrwert permanent aufzeigen und belegen. Darin liegt eine Belastung, aber auch eine Chance. Denn diese Aushandlungsprozesse können auf lokaler Ebene dazu genutzt werden, um aus bloßen Stakeholdern Partner zu machen und Bündnisse zu schmieden aus Bürgern, gemeinnützigen Organisationen und Verwaltungsakteuren. Es würde der Legitimation gemeinnütziger Organisationen, aber auch ihrer politischen und gesellschaftlichen Stärke und ihrem Vernetzungsgrad erheblich mehr dienen, wenn es auf lokaler Ebene zu solchen Aushandlungsprozessen käme. Sie müssten aber öffentlich und unter Mitwirkung der Bürgerschaft stattfinden. Auf diese zivilgesellschaftlichen Vernetzungsmöglichkeiten, die in dem Zwang zur Rechtfertigung des Gemeinwohls der eigenen Dienste und des gesellschaftlichen Mehrwerts liegen, geht die Studie von Golbeck nicht ein. Er konzentriert sich auf die Verbände und die Verwaltungsakteure (S. 207).

Die Verwaltungen, vor allem auf kommunaler Ebene, scheuen sich, die Diskussion über die Gemeinwohlrelevanz gemeinnütziger Dienstleistungen gemeinsam mit Bürgern und Diensten öffentlich zu führen. Sie ziehen sich auf das europäische Vergaberecht zurück mit dem Ziel, den billigsten Anbieter auszuwählen, um Kosten zu sparen (Golbeck 2012, 132ff). Das heißt, Kommunen vergeben hier die Chance, kooperative Netzwerke auf örtlicher Ebene aufzubauen, die das lokale Gemeinwesen weiterentwickeln und attraktiv erhalten können.

Wo Aushandlungsprozesse über das Gemeinwohl von Leistungen und Diensten stattfinden, ist mit ihnen die Gefahr verbunden, dass gemeinnützige Einrichtungen, die wie Unternehmen auftreten und handeln, ihre Privilegierung verlieren. Die Aushandlungsprozessen bergen aber das Potential, dass soziale Dienste sich zivilgesellschaftlicher aufstellen als bisher: sie müssten ihren inklusiven Charakter, ihre Gemeinwesenorientierung und ihre demokratischen Potentiale, die in den Mitwirkungsmöglichkeiten für Bürger liegen, stärken. Aber von einer solchen zivilgesellschaftlichen Selbst-Positionierung hört man immer noch viel zu wenig im etablierten verbandlichen Sozialsektor.

 

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