Kategorie-Archiv: Profession

Partizipation von Ehrenamtlichen in Einrichtungen

Wie gut kommen Haupt- und Ehrenamtliche miteinander aus und welche Möglichkeiten gibt es, freiwillige Helfer in Institutionen stärker zu beteiligen?

Diesen Fragen geht die Studie „Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen in Pflege, Sport und Kultur“ nach, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von INBAS Sozialforschung erstellt und 2015 veröffentlicht wurde.  Befragt wurden dafür fast 3.300 Personen (jeweils etwa zur Hälfte Haupt- und Ehrenamtliche) in rund 1900 Einrichtungen und Vereinen. Die Zahl der erfassten Einrichtungen war ursprünglich größer, aber etwa ein Drittel der Institutionen hat gar keine Ehrenamtlichen, – was in der Aktiven Bürgerschaft jüngst kritisch kommentiert wurde: „Debatten und Ansätze eines neuen Welfare Mixes und einer Stärkung des zivilgesellschaftlichen Profils von Einrichtungen (haben) kaum Resonanz in der Praxis von Trägerorganisationen und Einrichtungen gefunden“ (G. Jakob).

Aus den Interviews mit den Haupt- und Ehrenamtlichen in der INBAS-Studie geht hervor, dass trotz gängiger Vorbehalte in öffentlichen Diskussionen („Ehrenamtliche kosten Zeit, gefährden Arbeitsplätze und machen die schönen Arbeiten“, „Das Hauptamt engagiert sich zu wenig für die Zielgruppe“) sich beide Seiten, Haupt- und Ehrenamt, in der Praxis wechselseitig anerkennen (162 f). Unzufrieden sind aber viele Ehrenamtliche mit den ihn gebotenen Gestaltungs- und Partizipationschancen. Speziell in der Pflege und in Museen bemängeln ein Fünftel der Ehrenamtlichen Defizite, wenn es darum geht, Kritik und Änderungsvorschläge einbringen zu können (S. 170). Hauptamtliche sind sogar noch stärker unzufrieden mit ihren eigenen Partizipationsmöglichkeiten (S. 171). Offensichtlich wird das Thema „Partizipation“ auf der Führungsebene vieler Organisationen strategisch vernachlässigt.

Welche Möglichkeiten gibt es, Ehrenamtlichen Gestaltungsspielräume zu eröffnen?

Die INBAS-Studie listet einige Partizipationsmöglichkeiten für Ehrenamtliche auf (S. 68f), die hier in eine  Partizipationspyramide in Anlehnung an Straßburger/Rieger übertragen werden, deren Beteiligungsmöglichkeiten – von unten nach oben betrachtet – immer weitreichender werden und in die eigenverantwortliche Selbstorganisation münden:Partizipationspyramide-EhrenamtZu den eigenständigen Teams aus Ehrenamtlichen,  die einen Arbeitsbereich ganz übernehmen und dabei vom Hauptamt unterstützt werden (s. zweitoberste Stufe), gehören z.B. ehrenamtlich betriebene Museumsshops oder ehrenamtlich organisierte Caféterien in Pflegeheimen. Die oberste Stufe wird von der zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation bestimmt, d.h. hier wird das Ehrenamt auch ehrenamtlich verwaltet. In welcher Form? Zum Beispiel im Rahmen von Fördervereinen und Freundeskreisen, die sich in diesem Fall nicht nur auf die Mittelakquise beschränken (wie üblich), sondern auch die Inhalte, Formen und Rahmenbedingungen des Ehrenamts sowie den ehrenamtlichen Einsatz in einer Einrichtung mit der Einrichtungsleitung aushandeln und organisieren (INBAS S. 80).

Eine interessante Partizipationsmöglichkeit für Ehrenamtliche stadtweit bzw. institutionenübergreifend bieten die beiden folgenden Modelle (INBAS, S. 80f):

  1. Die stadtweite Organisation von Ehrenamtlichen in einem Engagementfeld.
    INBAS nennt hier den Verein Ehrenamt für Kultur Wiesbaden, wo Ehrenamtliche zusammengeschlossen sind, die sich in den unterschiedlichen Kultureinrichtungen engagieren. Dazu INBAS: „Die Beziehung 1 zu N, also ein Verein zu vielen Kultureinrichtungen, stärkt die Position der Ehrenamtlichen nachhaltig. Rahmenbedingungen der ehrenamtlichen Arbeit und insbesondere Formen der Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen können vom Verein über eine Palette von Einrichtungen hinweg verglichen werden. Eine Verbreitung derjenigen Kooperationsformen und Rahmenbedingungen, die der Verein für angemessen erachtet, kann dann gezielt vorangetrieben werden. Bei Problemen kann sich die oder der einzelne Ehrenamtliche zudem an den Verein wenden, der, wenn er sich des Anliegens annimmt, gegenüber der Kultureinrichtung eine viel bessere Verhandlungsposition besitzt“ (S. 81)
  2. Die stadtweite Organisation von Ehrenamtlichen verschiedener Engagementfelder.  INBAS nennt als Beispiel das Forum Ehrenamt in Karlsruhe (S. 81). Auch in Konstanz hat sich ein stadtweites Netzwerk Bürgerengagement gebildet. Solche Netzwerke und Beiräte befassen sich mit der Situation des Ehrenamts in einer Gemeinde und arbeiten an Verbesserungsvorschlägen und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Was in der INBAS-Studie fehlt, ist eine Analyse differenziert nach Trägerart: funktionieren Kooperation und Partizipation in gemeinnützigen, öffentlichen oder privatwirtschaftlichen Einrichtungen jeweils gleich oder wirken sich hier unterschiedliche Trägertraditionen auch unterschiedlich aus?

Was ebenfalls in der Studie fehlt, ist eine Analyse der Kooperation zwischen Haupt- und Ehrenamt in zivilgesellschaftlichen Netzwerken. Das ist schade, da gerade Netzwerke als Organisationsform auf dem Vormarsch sind, auf allen räumlichen Ebenen, aber auch online. Mehr dazu im nächsten Blog-Beitrag.

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Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 2): Partizipationsrechte entwickeln

In diesem Beitrag befasse ich mich mit der Frage, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in Sozialorganisationen entwickelt und institutionell verankert werden können. Er baut auf dem letzten Blogartikel (Teil 1) über die Partizipationspyramide auf. Beide Blogbeiträge basieren auf dem Buch „Partizipation kompakt“ (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich dann mit dem bürgerschaftlichen Engagement in Nonprofits befassen.

Wie können Partizipationsrechte für Nutzer und das bürgerschaftliche Umfeld einer Sozialeinrichtung ausgearbeitet werden? Straßburger schlägt in dem Buch „Partizipation kompakt“ ein Verfahren vor, dass sich an die Konzepte für Kindertageseinrichtungen von Hansen/Knauer/Sturzenhecker (2011) anlehnt:

  • Zuerst muss organisationsintern unter den Mitarbeitern geklärt werden, wo, inwieweit und in welcher Form Bürger/Nutzer mitbestimmen sollen. Dazu sind alle Bereiche und Verfahren der Organisation genau anzuschauen. Die Partizipationspyramide zeigt die unterschiedlichen Möglichkeiten der Partizipation auf, die von den Vorstufen informieren, Meinung erfragen, Lebensweltexpertise einholen bis zur echten Partizipation im Sinne von Mitbestimmung, Entscheidungskompetenz teilweise abgeben und Entscheidungsmacht übertragen reichen. Es muss ferner auch explizit festgelegt werden, wo Partizipation nicht erwünscht ist. In dieser ersten Phase müssen Straßburger zufolge die Mitarbeiter/innen unter sich sein. Es werden keine Mehrheitsentscheidungen gefällt. Das Ziel ist ein Konsens unter den Beteiligten, „damit am Ende nur beschlossen wird, was alle mittragen können“ (Straßburger in „Partizipation kompakt“, S. 89).
  • In einem zweiten Schritt entwerfen die Fachkräfte die Strukturen der Partizipation: welche Gremien sind notwendig? Straßburger zufolge reichen zwei Gremientypen aus: eine Vollversammlung für alle und Unterausschüsse.  In die Unterausschüsse können Nutzer Vertreter/innen delegieren. Alternativ gibt es offene Unterausschüsse, bei denen jeder bei Interesse mitarbeiten kann (ebd, 89f).
  • Wenn unter den Fachkräften Konsens über das bisher Erarbeitete besteht, dann können die Nutzer und das bürgerschaftliche Umfeld herangezogen werden, um die Details der Beteiligungsformen und -strukturen zu besprechen (ebd., 88).
  • In einer ersten Lesung verabschieden die Fachkräfte unter sich die ausgearbeiteten Partizipationsrechte- , – formen und -strukturen, die zu einem Verfassungsentwurf für die Einrichtung gebündelt wurden. Danach wird der Verfassungsentwurf der bürgerschaftlichen Seite vorgelegt, die hier noch Änderungswünsche einbringen kann. Ob diese übernommen werden, entscheiden die Fachkräfte, die die Verfassung in zweiter Lesung verabschieden und veröffentlichen (ebd., 90).

Dieses von Straßburger vorgeschlagene Verfahren räumt den Fachkräften das Vorrecht ein, über die Grundstrukturen der  Partizipation selbst zu entscheiden, ohne Beteiligung der Nutzer ( man merkt, dass der Verfahrensvorschlag ursprünglich aus dem Kindergartenbereich kommt….). In selbstorganisierten sozialen Projekten werden Fachkräfte und Bürger sicher von vornherein auf Augenhöhe kooperieren. Für den öffentlichen und wohlfahrtsverbandlichen Bereich mag das von Straßburger propagierte Modell der „konstitutionellen Monarchie“ passen (siehe Blogbeitrag Teil 1), aber auch in diesen Sektoren wird es einzelne Projekte geben, die noch partizipativer aufgestellt sind.

Von einer Einbeziehung der Nutzerseite von Anfang an können alle profitieren: man lernt sich selbst und den andern in einem Diskussionsprozess, der auf einen Konsens zielt, besser kennen. Man arbeitet in einem solchen Fall nicht nur heraus, wer wo wie beteiligt wird („what to do together“),  sondern man entwickelt in einem solchen Prozess auch eine gemeinsame Identität („create a shared sense of who to be together“) (Eliasoph 2013, 146).

Die verabschiedete Verfassung für eine soziale Organisation ist rechtlich nicht bindend. Die Mitarbeiter verpflichten sich aber durch eine Verfassung, Beteiligungsregeln zu achten und nicht zu übergehen. Aufgebaut wird so ein moralisch einklagbares Recht für die Bürgerseite (Hansen/Knauer/Sturzenhecker 2011, S. 151).

Straßburger zufolge muss die Beteiligungsstruktur transparent und funktionsfähig sein (Straßburger in „Partizipation kompakt“, S. 89). Und sie muss mit Leben gefüllt werden. Das Ziel ist nicht der Aufbau einer Partizipationsbürokratie, sondern ein funktionierender demokratischer Prozess in den sozialen Einrichtungen (ebd., 98).

Gibt es Praxis-Beispiele für die Institutionalisierung von Partizipation und die Einführung von Verfassungen in Sozialeinrichtungen? Hansen/Knauer/Sturzenhecker (2011) verweisen auf das Modellprojekt die „Kinderstube der Demokratie“, das in Schleswig-Holstein 2001 begonnen wurde und zwischenzeitlich in Modelle und Erziehungspläne anderer Länder einfloss. Bei dem Projekt ging es um die Einführung von demokratischeren Strukturen in Kindertagesstätten. Zwei Kita-Verfassungen im Anhang von Hansen u.a. zeigen, wie Beteiligungsregeln im Detail aussehen können.

Im Verfassungs-Beispiel 1 gibt es als Gremien das Kinderparlament und Gruppenkonferenzen. Die Kinder bestimmen u.a. über den Tagesablauf, die Raumgestaltung,  die Mahlzeiten und die Anschaffung von Spielzeug mit. Sie haben kein Mitspracherecht in Finanzangelegenheiten, in Personaldingen, in Sicherheitsfragen und im Hinblick auf die Öffnungszeiten (Hansen/Knauer/Sturzenhecker 2011, S. 363-368). Wichtig ist die Verfassungs-Bestimmung, dass in den Gruppenkonferenzen und dem Kinderparlament immer ein Konsens angestrebt wird.: „Im Zweifel entscheidet die einfache Mehrheit aller anwesenden Konferenzmitglieder, jedoch nie gegen die Stimmen aller Erwachsenen oder gegen die Stimmen aller Kinder“ (Hansen u.a., S. 364, §4). Diese Regel soll verhindern, dass die Fachkräfte von Kindern überstimmt werden oder umgekehrt, die Fachkräfte die Kinder überstimmen und deren Interessen übergehen.

Da Erwachsene keine Kinder sind und sehr wohl über Personal- und Finanzangelegenheiten mitbestimmen können, sollte ein Verfahren, das die Beteiligungsrechte von Bürger-Nutzern in Sozialeinrichtungen strukturell verankern möchte, über den obigen Verfahrensvorschlag von Straßburger bzw. Hansen/Knauer/Sturzenhecker hinaus gehen. Das Verfahren sollte von Anfang an Bürger/innen beteiligen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, auf das Grunddesign der Verfassung einer Einrichtung Einfluss zu nehmen. Die Partizipationspyramide bietet dafür viele unterschiedliche Formen an, auch die Vorstufen der Partizipation können hier genutzt werden. Auf jeden Fall sollte die Verfassung kooperativ erarbeitet werden. Erfolgreiche Koproduktion in Sozialeinrichtungen setzt Mitsprache der Bürger/innen voraus.

Abschließend stellt sich die Frage, inwieweit bürgerschaftlich Engagierte in der Praxis in die Beteiligungsstrukturen einer Sozialorganisation eingebunden sind. Wird das „Mithelfen“ um das „Mitsprechen“ ergänzt? Wie steht es um die Verbindung zwischen freiwilligem Engagement und politischer Partizipation im Dritten Sektor? Damit wird sich der dritte Blogbeitrag dieser kleinen Serie befassen.

 

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Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 1): Formen und Strukturen

In diesem Artikel befasse ich mich mit Formen und Strukturen der Partizipation in Sozialeinrichtungen (Teil 1). Der nächste Blog-Beitrag wird aufzeigen, wie Partizipationsrechte für Bürger/innen in der Praxis entwickelt werden können (Teil 2). Zugrunde liegt den beiden Beiträgen das Buch „Partizipation kompakt“, (2014), herausgegeben von Straßburger/Rieger im Beltz-Verlag. Der dritte Teil der kleinen Partizipations-Serie wird sich dann mit dem bürgerschaftlichen Engagement in Nonprofits befassen.

Vor drei Jahren habe ich einen Blog-Beitrag darüber geschrieben, welche Formen Beteiligung in gemeinnützigen Organisationen annehmen und wie Entscheidungsmacht in Nonprofits evaluiert werden kann. Zugrunde lag dem Beitrag das Modell der „Kreise der Entscheidung“ von Wright/Block/Unger (2010), das im Rahmen eines WZB-Projekts entstand. Dieses Modell wurde nun von Straßburger/Rieger von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin zu einer „Partizipationspyramide“ weiterentwickelt und in ihrem Buch „Partizipation kompakt“ (2014) vorgestellt, das sich an die soziale Profession richtet.

Die Partizipationspyramide von Straßburger/Rieger umfasst mehrere Partizipationsstufen und ist in zwei Perspektiven aufgeteilt: in die der Mitarbeiter einer Einrichtung und in die der Bürger bzw. Nutzer.  Warum? Beide Perspektiven müssen berücksichtigt werden, wenn Teilhabeprozesse erfolgreich sein sollen. Wer sich nur auf die Seite der Bürger konzentriert, verliert die wichtige Rolle der Institutionen und ihrer Mitarbeiter/innen aus den Augen, die Beteiligung zulassen und unterstützen müssen.

Auf der linken Seite der Pyramide ist die Perspektive der Profession abgebildet.  Wie können sie ihre Nutzer und ihr soziales Umfeld besser in Entscheidungen einbinden? Durch die drei Vorstufen der Partizipation, die sich am Fuß der Pyramide befinden: informieren, Meinung erfragen, Lebensweltexpertise einholen. Und durch die darüber liegenden drei Stufen der „echten“ Partizipation: Mitbestimmung zulassen, Entscheidungskompetenz teilweise abgeben, Entscheidungsmacht übertragen (Straßburger/Rieger 2014, 232). Auf der rechten Seite der Pyramide ist die Perspektive der Bürger visualisiert. Die Partizipationsstufen aus Sicht der Bürger/innen lauten:

  • Stufe 1: sich informieren
  • Stufe 2: im Vorfeld von Entscheidungen Stellung nehmen
  • Stufe 3: verfahrenstechnisch vorgesehene Beiträge einbringen
  • Stufe 4: an Entscheidungen mitwirken
  • Stufe 5: Freiräume der Selbstverantwortung nutzen
  • Stufe 6: bürgerschaftliche Entscheidungsfreiheit ausüben
  • Stufe 7 (diese gibt es auf professioneller Seite nicht): zivilgesellschaftliche Eigenaktivitäten

(ebd, S. 233). Die Partizipationspyramide kann in Sozialeinrichtungen eingesetzt werden, um zu klären, welche Teilhabemöglichkeiten die Einrichtung für Bürger  vorsieht und wie deren Mitbestimmung  als Nutzer, Angehörige, Engagierte, Nachbarn, Bewohner des  Stadtviertels usw. gestärkt werden könnte.

Straßburger drängt in ihrem Buch-Beitrag darauf,  die Partizipation von Bürgern in den Einrichtungen strukturell zu verankern, um „Rechtssicherheit statt Willkür“ zu schaffen (Straßburger in „Partizipation kompakt“, S. 83). Ob Teilhabe gewährt wird, sollte nicht vom guten Willen und der Tagesform der einzelnen Fachkraft abhängen, sondern verlässlich geregelt sein.

Sie zeigt auf, dass das Verhältnis  zwischen einer Sozialeinrichtung und ihren Nutzern durch ein strukturelles Machtungleichgewicht gekennzeichnet ist.  In vielen Sozialeinrichtungen herrsche eine Art „absolute Monarchie“, bei der die Profession alles bestimmt und die Nutzer der Einrichtung nichts. In Anlehnung an Hansen/Knauer/Sturzenhecker, die 2011 ein Buch über „Partizipation in Kindertageseinrichtungen“ veröffentlichten, plädiert sie dafür, in Sozialorganisationen eine Art „konstitutionelle Monarchie“ zu etablieren, bei der die Macht der Fachkräfte begrenzt wird, indem die Teilhaberechte der Bürger durch eine Verfassung für die Einrichtung festgeschrieben werden (Straßburger, S. 84f).

Wie Beteiligungsrechte und -verfahren ausgearbeitet und aussehen können, soll im nächsten Blogbeitrag auf der Basis von „Partizipation kompakt“ beschrieben werden. Wichtig ist an dieser Stelle der Gedanke, die Beteiligungsregeln im Alltag auch mit Leben zu füllen. Straßburger zufolge  müssen dafür Nutzerkompetenzen gestärkt und Beteiligungshindernisse intern beseitigt werden (S. 91ff). Auch die Öffnung der Institution nach außen hin spielt eine wichtige Rolle, um einladend für Bürger zu sein. Deren Bedürfnisse sollten ganz eindeutig im Zentrum der sozialen Arbeit stehen und nicht die Annahmen der Profession über die Bedürfnisse der Nutzer.

Dass dennoch diese Annahmen der Fachkräfte im Alltag dominieren, macht Straßburger in ihrem Beitrag deutlich: „Projekte scheitern häufig daran,  dass sie ihre Zielgruppe nicht erreichen (…): Professionelle haben eine Idee, entwickeln ein Konzept, kümmern sich um die Finanzierung und machen sich dann an die Öffentlichkeitsarbeit. Erst in dieser Phase kommen die Adressatinnen und Adressaten ins Spiel. Bleibt das Interesse aus, sind die Fachkräfte frustriert. Sie hatten es so gut gemeint und sich soviel Mühe gemacht!“ (Straßburger 2014, 82).

Um dieses Scheitern von Projekten zu vermeiden, bietet sich Partizipation an. Haben Bürger/innen die Möglichkeit, schon bei der Programmformulierung und -planung mitzuwirken, dann werden konzeptionelle Fehler sofort aufgedeckt und Kosten, die mit dem Scheitern einhergehen, vermieden. Partizipation verhilft Sozialorganisationen zu Erfolgen. Aber auch normativ betrachtet – und auf diesen Blickwinkel legen die Autor/innen größten Wert – gehört Partizipation zum Profil sozialer Berufe: „Die Qualität einer sozialen Dienstleistung erwächst nicht daraus, dass eine Fachkraft in bester Absicht ein in ihren Augen hilfreiches Angebot entwickelt, sondern indem sie herausfindet , was Menschen erreichen wollen und wie sie sie dabei unterstützen kann“ (Straßburger/Rieger 2014, S. 42).

Das Konzept der Partizipationspyramide wirkt sehr inspirierend. Schade nur, dass die Autoren ihre Ideen nicht mit einer Webseite flankieren, um ihrem Konzept mehr Breitenwirkung zu verschaffen. Als Beispiel könnte hier die Webseite partizipative-qualitaetsentwicklung.de dienen, die die WZB-Forschergruppe um Wright/Block/Unger 2008 aufgebaut hat, um der interessierten Praxis inhaltliche Hilfen an die Hand zu geben.

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