Kategorie-Archiv: soziale Dienste

Netzwerke im demografischen Wandel aufbauen – Teil 2: Organisationsnetzwerke

(Brigitte Reiser) Dies ist ein Beitrag für die 27. NPO-Blogparade: „Netzwerke im demografischen Wandel aufbauen- Chancen und Hindernisse?“. Mein  erster Text befasste sich mit dem Aufbau von Bürgernetzwerken. Nun stehen Organisationsnetzwerke im Mittelpunkt. Kommentare und Beiträge zur NPO-Blogparade sind bis zum 2. Mai möglich und willkommen.

In vielen Kommunen streben gemeinnützige Organisationen nach einer stärkeren Vernetzung, um sich wechselseitig besser kennenzulernen, Informationen auszutauschen, Probleme des Politikfelds zu besprechen, Angebote untereinander abzustimmen und neue Projekte gemeinsam umzusetzen. Vernetzungsinitiativen entstehen zum Teil bottom-up, indem sich die Mitarbeiter/innen von Diensten vor Ort zum Austausch treffen und diesen institutionalisieren. Zum Teil wird die Vernetzung auch top-down initiiert, durch die Kommunalverwaltung oder durch die Spitzen der lokalen Wohlfahrtsverbände, die eine engere Zusammenarbeit anstreben.

Im Zuge des demografischen Wandels bilden sich beispielsweise in vielen Kommunen

  • gerontopsychiatrische Netzwerke wie das gerontopsychiatrische Forum Mannheim, ein Fach-Netzwerk in Regie der Kommune, das dem Erfahrungsaustausch dient und dem Aufbau von Leistungsverbünden
  • Netzwerke im Bereich der Palliativ-Versorgung wie das Palliativ-Netz-Stuttgart, das aus dem gemeinnützigen Bereich heraus initiiert wurde. Es dient der Vernetzung von Mitarbeitern und will über Angebote informieren und aufklären
  • Netzwerke in der Offenen Altenhilfe, die sich aus sozialen Diensten und Einrichtungen, Bürgern, Vereinen, Stiftungen und kommunalen Vertretern zusammensetzen, wie bspw. der Arbeitskreis Altenarbeit Bornheim/Nordend in Frankfurt a.M.

Netzwerke verschaffen Organisationen viele Vorteile: zusätzliche Ressourcen in Form von Informationen, Kontakten, Wissen, Kompetenzen und Räumen. Sie ermöglichen es, Ziele umzusetzen, die eine Organisation alleine nicht umsetzen kann. Sie verschaffen Organisationen mehr Sichtbarkeit und Handlungsfähigkeit nach außen hin, sowie mehr Reputation. All dies stärkt das Überleben, die Legitimation und die Marktstellung sozialer Dienste.

Netzwerke setzen jedoch auch einiges voraus: die Bereitschaft der Organisationen zum Austausch, zum Teilen und zum Investieren in gemeinsame Aktionen. Netzwerke kosten Zeit und Geld. Und sie funktionieren ohne das wechselseitige Vertrauen nicht, welches erst aufgebaut werden muss in einem Politikfeld wie dem Sozialsektor, der sehr stark durch die Konkurrenz der Anbieter geprägt ist.

Wie kann man lokal Netzwerke aufbauen?

  1. Ein oder mehrere Netzwerk-Knüpfer bringen die Dienste eines Quartiers/eines Sektors bei einer Vernetzungsveranstaltung zusammen: kleine Gruppen ermöglichen das wechselseitige Kennenlernen; die Dienste und Beziehungen im Quartier werden visualisiert: wo gibt es Lücken im Angebot und in den Beziehungen?
  2. Die zur Vernetzung Bereiten vertiefen ihr Kennenlernen durch Interaktion im Alltag, z.B. durch die Planung und Umsetzung eines kleinen lokalen Projekts wie bspw. einer Info-Woche zum Thema Demenz, eines Stadtrundgangs zum Thema Barrierefreiheit, einer Bewegungswoche für Senioren.
  3. Parallel wird am Netzwerkaufbau gearbeitet. Welche Struktur soll für ein Netzwerk gewählt werden: eine formale oder informelle? Die Forschung empfiehlt, folgendes:
    Wenn der Zweck eines Netzwerks wenig komplex ist (z.B: Informations- und Wissensaustausch, Koordinierung von Aktionen), die Abhängigkeit zwischen den Akteuren gering, das Netzwerk noch jung und nur bis zu 25 Akteure umfasst, dann sollte eine informelle Netzwerkstruktur gewählt werden.
    Wenn der Zweck eine Netzwerkes aber komplex ist (z.B. gemeinsame Trägerschaft, gemeinsame Dienstleistungskette), wenn die wechselseitige Abhängigkeit hoch, mehr als 25 Akteure dabei sind und das Netzwerk älter ist, dann macht eine formale Struktur Sinn (Ashman/Sugawara 2013).
  4. Im Netzwerk müssen gemeinsame Interessen und Ziele herausgearbeitet werden, auch wenn diese angesichts der lokalen Konkurrenzsituation vielleicht nicht gleich offensichtlich sind. Ein Blick auf die äußeren Entwicklungen und Zwänge (Sparpolitik, Verbundsysteme als Auflage der Kostenträger, Koproduktion) kann die Vernetzung beschleunigen.
  5. Das Ziel sollte ein Netzwerk sein mit gleichmäßig dichten Verbindungen bis in die Peripherie.  In diesem Fall sind die meisten Akteure sehr gut vernetzt, dominieren kurze Wege und starke Verbindungen zwischen den Knoten, die auf Vertrauen basieren.

Netzwerke müssen aktiv gesteuert werden, sonst ‚verklumpen‘ sie (Krebs/Holley 2002-2006) . Die Netzwerksteuerung kostet Zeit und Geld. Öffentliche Kostenträger sollten den finanziellen Aufwand für die Steuerung von Netzwerken, deren Bildung vielerorts gefordert wird, auch in Leistungsverträgen und Förderprogrammen berücksichtigen.

Wichtig sind für ein Netzwerk Beziehungen in andere Netzwerke und Sektoren hinein. Je vielfältiger die Kontakte sind, über die ein Netzwerk verfügt, desto größer ist der Ressourcenpool, auf den die Teilnehmer potentiell zugreifen können.

Wer einen Vernetzungsleitfaden sucht, der die Vernetzung im Sozialsektor unter den Prämissen der Projektentwicklung und des Projektmanagements abhandelt, wird in dieser Broschüre fündig: http://www.stmas.bayern.de/imperia/md/content/stmas/stmas_internet/senioren/modell-sekt-leitf.pdf
(Den Hinweis auf den Leitfaden verdanke ich Herbert Schmidt).

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Netzwerke im demografischen Wandel aufbauen – Teil 1: Bürgernetzwerke

(Brigitte Reiser) Dies ist ein Beitrag für die 27. NPO-Blogparade: „Netzwerke im demografischen Wandel aufbauen – Chancen und Hindernisse?“. Diskussionsbeiträge sind willkommen. 

Die Politik will das Engagement von Bürgern und deren Vernetzung fördern. Viele bürgerschaftliche Aktivitäten finden in Form informeller Gruppen und Initiativen statt. Ist die lokale Infrastruktur für das Bürgerengagement so ausgerichtet, dass sie diesen informellen Netzwerken Unterstützung leisten kann?

Das Problem ist, dass über den Bereich der selbstorganisierten Initiativen auf örtlicher Ebene in der Regel zu wenig Informationen vorliegen. Entsprechend schwierig ist es,  herauszufinden, welche Unterstützung diese informellen Netzwerke – reale und virtuelle – eigentlich brauchen. Viele der vorhandenen Fördermaßnahmen konzentrieren sich deshalb auf die institutionalisierten Akteure, die als gemeinnützig eingetragen sind, und lassen informelle Initiativen und Bewegungen eher außer Acht.

Auch die Dritte-Sektor-Forschung kann kein Licht ins Dunkel bringen, wenn es um die informellen Aktivitäten der Bürgergesellschaft geht. Erhebungen konzentrieren sich auf den institutionalisierten Bereich der Zivilgesellschaft, so dass Kritiker vom „flat earth-approach“ der Dritte-Sektor-Forschung sprechen (Smith, zit. nach Soteri-Proctor/Alcock 2012, 381). Die Verantwortlichen des jüngsten ZiviZ-Surveys stellen klar, dass „eine Organisationserhebung (…) keine Zivilgesellschaftserhebung sein“ kann (Krimmer/Priemer, ZiviZ 2013, 13), weil die Zivilgesellschaft aus vielen informellen Formen besteht: aus Bewegungen, selbstorganisierten Initiativen, virtuellen Netzwerken usw. So beschränkte sich auch der ZiviZ-Survey auf die Befragung von eingetragenen Vereinen, Genossenschaften, gemeinnützigen GmbHs und Stiftungen.  Danach gab es in Deutschland im Jahr 2012 616.154 Drittsektor-Organisationen. Die Zahl der bürgerschaftlichen Aktiviäten „unter dem Radar“ des Dritten Sektors dürfte um ein Vielfaches größer sein.

Die britischen Forscher Soteri-Proctor und Alcock haben sich um ein Micro-Mapping bürgerschaftlicher Initiativen in zwei Gemeinden bemüht. Allein in elf Straßen der beiden Orte konnten sie durch Befragungen, Aushänge, Begehungen von Gebäuden und andere Bemühungen 58 Initiativen ausfindig machen und kartieren, die in keiner offiziellen Statistik auftauchen, die nicht registriert sind und zum Teil auch keinen Namen und keine Adresse haben. Sie gehen davon aus, dass dieses Ergebnis noch weit höher ausgefallen wäre, hätten sie auch Netzwerke einbezogen, die in der Gemeinde umher wandern oder virtueller Natur sind (Soteri-Proctor/Alcock 2012) (Infos zum britischen Projekt gibt es auch hier).

Welcher Art sind diese informellen Bürgernetzwerke und unter welchen Bedingungen gedeihen sie?

In der britischen Untersuchung konnten sechs Bereiche identifiziert werden, in denen die informellen Netzwerke aktiv sind: Kunst und Musik/multikulturelle Aktivitäten/Nischenthemen/Selbsthilfe und Hilfe auf Gegenseitigkeit/spezielle Glaubens- oder kulturelle Gemeinschaften/Freizeitaktivitäten (Soteri-Proctor/Alcock 2012, 386). Die Netzwerke dienen der Unterstützung derjenigen, die in ihnen aktiv sind. Manche aber geben zum Teil auch Unterstützung an das Gemeinwesen weiter (ebd., 389). Drei Faktoren sind für den Fortbestand der informellen Initiativen wichtig:

  • „Bricoleurs“, – das sind Leute, die in der Lage sind, Ressourcen aufzutreiben und die Ziele der Gruppe effektiv zu verfolgen
  • Community Hubs, – das sind öffentliche Räume, in denen unterschiedliche Initiativen Platz finden
  • Unterstützung durch Mitarbeiter, fest angestellte und ehrenamtliche, die in den Community Hubs arbeiten (ebd., 392f).

Speziell im demografischen Wandel wird auf Bürgerengagement, freiwillige Gemeinschaften und Netzwerke gesetzt, um untereinander und füreinander die kleinen Hilfsdienste zu leisten, die es dem einzelnen ermöglichen, länger in den eigenen vier Wänden zu bleiben, sofern er auch noch Zugriff auf professionelle Dienste hat. Viele der Netzwerke starten mit großem Idealismus und enden dann nicht selten, weil Freiwillige abspringen oder der „Netzwerker“ aufgibt. Das sind die Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt „Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter“ von Julia M. Bott (2014): „Die Ergebnisse (…) bezüglich des Funktionierens von Selbstorganisationsprozessen sind in gewisser Weise ernüchternd. In manchen Orten funktioniert etwas, in anderen genau wiederum nicht. Das heißt, eindeutige ‚Erfolgsrezepte‘ gibt es nicht. Unrealistisch ist jedoch, dass auf professionelle Steuerung, Moderation und/oder Beratung gänzlich verzichtet werden kann“ (Bott 2014, 58).

Bott hat deshalb Tipps für die lokale Netzwerkarbeit und Selbstorganisation in einem Hand- und Arbeitsbuch des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge veröffentlicht. Fertige Rezepte gibt es hier wirklich nicht, aber nützliche Hinweise wie die folgenden:

  • Netzwerker sind für lokale Selbstorganisationsprozesse wichtig, sie sollten entsprechend gefördert werden (ebd., 58)
  • wer Bürger für ein Engagement in Netzwerken gewinnen möchte, muss darauf achten, für sie eine Win-win-Situation zu schaffen (ebd., 55)
  • Die Kooperation von Netzwerken mit und ihre Förderung durch professionelle Einrichtungen ist wichtig (ebd., 38)

Professionelle spielen – wie schon oben erwähnt – eine bedeutende Rolle bei der Unterstützung von Vernetzungsprozessen. Es ist wichtig, dass Mitarbeiter ihr Wissen teilen, im Zweifel auch ihre Räume, um für Freiwillige stundenweise einen Büroplatz zu bieten. Ebenso wichtig sind fachliche Beratung, Supervision und inhaltliche Unterstützung der Ehrenamtlichen. Das Ehrenamt braucht das Hauptamt, wenn vor Ort etwas bewegt werden soll, –  das ist zumindest auch meine persönliche Erfahrung als Freiwillige in lokalen Vernetzungsprozessen.

Sind die gemeinnützigen Träger und die lokalen Infrastrukturen des Bürgerengagements auf diese Mentoren-Funktion vorbereitet?  Können speziell Freiwilligenagenturen angesichts ihrer „noch ausstehenden Profilbildung“ und ihrer „nur allenfalls ansatzweise erkennbaren (Selbst)Professionalisierung“ (Backhaus-Maul/Speck 2011, 308) diese Unterstützung von lokalen Selbstorganisations- und Vernetzungsprozessen leisten?

Mein Eindruck ist, dass wir eine ganze Reihe neuer Förder- und Unterstützungsinstrumente brauchen, um bürgerschaftliche (Hilfs)Netzwerke auf örtlicher Ebene aufzubauen, zu pflegen und ihre Nachhaltigkeit zu sichern.

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Freiwilliges Engagement von Bürgern mit Behinderungen

Dieser Artikel ist der dritte in einer 3-teiligen Serie zum Thema „Partizipation behinderter Menschen“. Der erste Blogartikel befasste sich mit ihrer Mitbestimmung in den sozialen Diensten. Der zweite Artikel mit der digitalen Teilhabe von Bürgern mit Behinderungen. Im letzten Artikel der Reihe möchte ich das freiwillige Engagement Behinderter thematisieren. Ich freue mich über Feedback!

Bürger mit Behinderungen haben das Recht auf Selbstbestimmung, politische und soziale Teilhabe. So legt es die UN-Behindertenrechts-
konvention fest, die von Deutschland ratifiziert wurde. Soziale Teilhabe bedeutet, mit anderen gemeinsam am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen, nicht am Rand zu stehen, sondern inkludiert zu sein auf allen Ebenen und in allen Bereichen unseres Gemeinwesens.

Mitwirken und -gestalten kann man über ein freiwilliges Engagement. Dieses wird im Feld von Behinderung in der Regel so verstanden, dass Menschen ohne Behinderung sich für Bürger mit Einschränkungen einbringen. Aber es gibt immer häufiger Behinderte, die selbst als Helfer aktiv sind. Das Diakonische Werk (DW) Hamburg zieht nach drei Jahren Laufzeit des Projekts „Selbstverständlich Freiwillig“ Bilanz und beschreibt, welche Voraussetzungen notwendig sind, um das freiwillige Engagement von behinderten Menschen zu fördern.

Wichtige Partner sind die örtlichen Freiwilligenagenturen. Sie sollten das Thema auf der Agenda haben und über entsprechende Fortbildungen verfügen. Sie brauchen Kontakt zur Behindertenhilfe. Sie müssen Strukturen aufbauen, um den einzelnen Engagementwilligen zu unterstützen und Engagementbarrieren vor Ort abzubauen. Nicht alle Mitarbeiter/innen in den Freiwilligenagenturen sind gleich offen für das Engagement Behinderter. Auch die sozialen Dienste, Angehörige und Assistenten spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den einzelnen zum Engagement zu ermutigen, ihn an Termine zu erinnern, Wege einzuüben. Die Einsatzorte selbst müssen entsprechende Mitmachmöglichkeiten vorhalten und die Freiwilligen mit Behinderung begleiten, soweit es notwendig ist. Einer der größten Stolpersteine für das Engagement ist laut Diakonischem Werk „die fehlende Regelung für Finanzierung von Assistenzleistungen und Unterstützung im Engagement“ für Behinderte (DW 2013, 22).

Das Diakonische Werk hat einen Praxisleitfaden erarbeitet mit Arbeitsmaterialien und Erklärungen in leichter Sprache, um Freiwilligenagenturen und der Behindertenhilfe Tipps an die Hand zu geben, wenn sie die Freiwilligentätigkeit von Bürgern mit Behinderungen fördern wollen. Auch Infos für die Betroffenen selbst sind dabei. So gibt es u.a. einen Leitfaden für eine barrierefreie Freiwilligenbörse, ein Workshop in leichter Sprache für Engagementinteressierte, eineCheckliste für Mitarbeitende in Einsatzorten.

Es sollten meines Erachtens auch die Freiwilligendatenbanken im Internet Informationen darüber vorhalten, ob Einsatzorte barrierefrei und Erfahrungen mit behinderten Freiwilligen vorhanden sind. Eine kurze Stichprobe bei der Freiwilligendatenbank meiner Stadt – Stuttgart – und bei der Freiwilligendatenbank der Aktion Mensch, welche u.a. die Daten von 50 regionalen Freiwilligenagenturen nutzt – zeigt, dass „Barrierefreiheit“ als Suchkriterium nicht aufgelistet ist. Es gehört auch nicht zu den Kriterien, die bei den Einrichtungen, die Engagements anbieten, zwingend abgefragt werden, so dass man nicht durchgängig informiert wird, ob sich ein Einsatzort auch für Rollstuhlfahrer eignet. Die Mannheimer Freiwilligenbörse hat hier eine differenziertere Suchmaske bzw. erweiterte Filtermöglichkeiten. Es wäre sinnvoll, wenn sich die Freiwilligenagenturen mit behinderten Engagementwilligen zusammensetzen würden, um gemeinsam zu besprechen, welche Informationen sich Behinderte im Netz wünschen, – das wäre auch ein Beitrag zu deren digitaler Inklusion.

Darüber hinaus sollte die Förderung von Mitbestimmung und Mitwirkung von Behinderten nicht auf die Felder „Engagementpolitik“ und „Behindertenhilfe“ beschränkt bleiben. Dies ist eine Aufgabe, die das ganze örtliche Gemeinwesen etwas angeht. Deshalb finde ich Projektideen wie die „Mitmachstube“, die von minds & makers gemeinsam mit dem Kölner Caritas-Verband entwickelt wurde, gut, weil hier der Versuch gestartet werden soll, das Thema „Partizipation“ und „Engagement“ von Menschen mit Lernschwierigkeiten langfristig im Quartier zu verankern. Das Besondere an der Idee ist, dass die „Mitmachstube“ konzeptionell im Rahmen eines Co-Design-Prozesses von Bürgern mit und ohne Behinderung, sozialen Diensten und anderen Quartierseinrichtungen erarbeitet wird und nach ihrem Aufbau Co-Design-Methoden beibehält: Menschen mit und ohne Behinderung können sich hier „sozialpolitisch engagieren, weiterbilden und barrierefreie Mitbestimmungsinstrumente, -methoden und -tools mitentwickeln und austesten“ (Beyerle 2013). Mehr zum Konzept von minds & makers siehe hier.

Einem solchen gemeinwesenbezogenen Ansatz gehört die Zukunft. Es kommt darauf an, Bürger mit Behinderungen stärker mit der Allgemeinheit zu vernetzen und sie aus ihrer Position am Rand, an dem sie sich häufig befinden, zu befreien. Wie Emmerich in einem WZB-Papier (9/2013) schreibt, ist die Bildungshomogenität der sozialen Netzwerke, über die einer verfügt, ein entscheidendes Hindernis für zivilgesellschaftliches Engagement, wenn in diesem Netzwerk der Anteil von Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen gering ist. Die Homogenität von Netzwerken ist auch bei Bürgern mit Behinderungen aufzubrechen zugunsten sozialer Beziehungen in andere (Bildungs)Milieus. Durch eine gemeinwesenbezogene Vernetzung könnte hier ein Anfang gemacht werden.

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